HELDEN-DÄMMERUNG

ERNST Johannes Fritz THÄLMANN (1886–1944), Vorsitzender der KPD, ermordet im KZ Buchenwald.

In den 1980er-Jahren legte man im Prenzlauer Berg den »Ernst-Thälmann-Park« an. Dazu errichtete man 1986 ein großes ERNST-THÄLMANN-DENKMAL des Bildhauers Lew Jefimowitsch Kerbel, eines gebürtigen Ukrainers. Der Thälmann-Kopf mit der Faust und der Fahne, die weht, als stehe der Sieg des Kommunismus unmittelbar bevor, ist kein Denkmal, das es uns einfach macht. Die riesige Bronzeskulptur ist und bleibt Projektionsfläche für Schmierereien und insbesondere für politische Botschaften. Kürzlich wurde
der Sockel des Denkmals erneut besprayt: »HELD« ist jetzt in rot-weißer Schrift auf dem Monument zu lesen (12.04.). 

Die CDU-Pankow beantragte den Abriss des Thälmann-Denkmals. Es soll eingeschmolzen und der Materialwert für die Ukraine gespendet werden. Die aktuelle Kriegslogik heißt Vernichtung – auch der (unbequemen) Vergangenheit. Dieser Streit bietet
jedes Mal die Chance, sich mit der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen. Mit ihren gefallenen Helden, ihren Irrwegen,
ihren Systembrüchen. Aber gerade deshalb brauchen wir das ›Denk Mal‹.

Dieser Tage las ich im »Berliner Fenster« (den U-Bahn-Monitoren) unter »Klug gesagt« den Satz:
»Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler«. Diesen bemerkenswerten Satz soll Ingeborg Bachmann in ihrem Roman »Malina« (1971) verfasst haben. Er stammt aber ursprünglich aus einem Artikel ANTONIO GRAMSCIS in der von ihm mit gegründeten kommunistischen Zeitung »L’Ordine Nuovo« (1921): »…: la storia insegna, ma non ha scolari«. »Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler«.

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