Schöne Scheinwelt

Sei du selbst. Alle anderen sind bereits vergeben.

— Oscar Wilde

Dies ist der erste Beitrag in meinem neuen Blog. Ich beginne gerade erst mit dem Bloggen; bleibt also dran, es folgen bald weitere Beiträge. Melde dich unten an, um eine Benachrichtigung zu erhalten, wenn ich etwas Neues poste

QUERPLATTLER

In jedem Sommer feiern am dritten Juli-Wochenende tausende Menschen im »Regenbogenkiez« rund um den Nollendorfplatz, die Motz- und Fuggerstraße sowie die Eisenacher Straße und Kalckreuthstraße das LESBISCH-SCHWULE STADTFEST. In diesem Jahr fand es zum 32. Mal statt (18./ 19.07.). Den Veranstaltern zufolge ist das Fest Europas größtes queeres Event. Das Fest soll ein Symbol gegen Diskriminierung und Hass, ein Manifest für sexuelle Vielfalt und gleiche Rechte sein sowie ein Zeichen gegen Gewalt setzen.

Zum Auftakt strömten schon viele Menschen zu den sechs Bühnen und zahlreichen Ständen. Die queere Bundeswehr, queere Schornsteinfeger, queere Banker, queere Krankenhaus-Beschäftigte (darunter sogar aus einem katholischen Krankenhaus), queere Angehörige von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) umwarben potenzielle Fachkräfte. Politische Parteien, die queere Sportwelt und Lederlust-ige präsentierten sich. Sehr sportlich traten auch die QUERPLATTLER auf. Die kaufkräftige queere Gemeinschaft und ›Stinos‹ konnten unter erotischen Angeboten auswählen. Der Verkaufsschlager waren offensichtlich Stoffpenisse, aber auch ›Handarbeit‹ war vertreten. Und Fetisch-Kleidung und Spielzeuge. Nichts für Buchhalterseelen.

Die BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) gibt Orientierung im Großstadtdschungel.

Mit der gesellschaftlichen Liberalisierung änderte sich auch das politische Klima in West-Deutschland. »175er« – so wurden homosexuelle Männer jahrzehntelang abwertend bezeichnet. Der Paragraph 175 des Strafgesetzbuches stigmatisierte und kriminalisierte gleichgeschlechtliche Beziehungen zwischen erwachsenen Männern bis weit in die Nachkriegszeit. Mit der Reform des Strafgesetzbuches im Jahr 1969 wurde der Paragraph 175 zum ersten Mal in der Bundesrepublik geändert. Homosexualität
unter erwachsenen Männern über 21 war nun keine Straftat mehr. 1973 wurde das Alter auf 18 Jahre herabgesetzt. Erst nach der Wiedervereinigung wurde der Paragraf 175 1994 endgültig aus dem Strafgesetzbuch entfernt. Trotzdem wurden als Homosexuelle zu Freiheitsstrafen Verurteilte erst 2002 vom Bundestag juristisch rehabilitiert.

Vor 25 Jahren bekannte sich Klaus Wowereit (*1953) mit den Worten »Ich bin schwul – und das ist auch gut so!« als erster deutscher Spitzenpolitiker öffentlich zu seiner Homosexualität. Wowereit stand damals im Berliner Wahlkampf unter massivem Druck, als ›BILD‹ seine – in seinem Umfeld längst bekannte – Homosexualität öffentlich machen wollte. Beim sich abzeichnenden Kampagnen-Journalismus einiger Medien samt den unkalkulierbaren Auswirkungen für den Wahlkampf blieb ihm nur die schnelle Flucht nach vorn. Da hat es der Spitzenkandidat der Berliner CDU für die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2026 einfacher. Senator Stefan Evers (*1979) ging 2015 eine ›Eingetragene Lebenspartnerschaft‹ ein und ist mittlerweile verheiratet.

Aber in manchen Bereichen kann eine bekanntgewordene Veranlagung immer noch ein Karriere-Vernichter sein. Während
im Frauenfußball lesbische Beziehungen unproblematisch gelebt werden können, werden im kommerziellen Männerfußball homosexuelle Veranlagungen strikt bestritten: es darf sie nicht geben! So viel Verlogenheit muss schon sein.

Berlin will das Diskriminierungsverbot im Grundgesetz um die sexuelle Identität erweitern. Der Bundesrat folgt dem Anliegen,
der Bundestag bisher nicht.

Wie nötig das ist, zeigen zunehmende Übergriffe auf und brutale Körperverletzungen von gleichgeschlechtlich lebenden Menschen. INCELS (Kurzform für »involuntary celibates«/ etwa: ›unfreiwillig enthaltsam‹) der rechtsextremen Jugendgruppen »Jägertrupp« und »Deutsche Patrioten Voran« rufen in den vergangenen Wochen zu Störungen und Einschüchterungen queerer Veranstaltungen
in Brandeburg und Berlin auf. Die Teilnehmerzahlen blieben jeweils im mittleren zweistelligen Bereich. In Berlin gingen in der Ver-
gangenheit eine Million Menschen beim CSD auf die Straße. Dem gegenüber standen im vergangenen Jahr ein paar Dutzend
junge Neonazis, streng abgeschirmt von der Berliner Polizei. Am kommenden Wochenende findet der 48. Berliner CSD (Christopher Street Day) statt.

MOKKE 2

Endlich konnte ich die neue Bar »MOKKA*MILCH« an der Karl-Marx-Allee besuchen (12.07.). Sehr aufmerksamer und freundlicher Service; gute Qualität. Zur neuen Bar »MOKKA*MILCH« postete ich bereits hier unter MOKKE am 04.06.2026.


SCHÖNER WARTEN

Die neue S-Bahnlinie 15 wurde als Pendellinie eröffnet (15.06./ persönlich am 12.07.). Mit vier Kilometern ist die neue Linie
die kürzeste im Berliner S-Bahn-Netz. Für die neue Strecke benötigt man vom ›Hauptbahnhof‹ zum ›Gesundbrunnen (Nordkreuz)‹
nur sechs MIN. 

Unter dem Hauptbahnhof ist für die neue Linie ein Interimsbahnhof entstanden. Neue Passagen und Treppenräume führen dort
die Fahrgäste zum Gleis 22. Als stünden die Fahrgäste inmitten einer Gischt. Auf den dunkelblauen Wandpaneelen tanzen hellblaue
und hellgraue Punkte wie eine Mischung aus Luft und Wasser, die entsteht, wenn eine Welle bricht und dabei das Wasser in die Luft schleudert; Lautsprecher-Rauschen soll den maritimen Eindruck ergänzen. Im jüngsten Berliner S-Bahnhof soll man sich wie am Meer fühlen. Das Gestaltungskonzept stellt eine optische Verbindung zum angrenzenden Humboldthafen her.


Der neue Streckenabschnitt bildet den ersten kleinen Baustein des Berliner Großprojektes »S21 – City-S-Bahn«. So heißt das Vorhaben, das kaum ein Berliner kennt – obwohl bereits seit elf Jahren gebaut wird. Mit der neuen Nord-Süd-Verbindung will die Deutsche Bahn das Berliner S-Bahn-Netz bis 2040 deutlich entlasten. Sie soll vom Nordring über den ›Hauptbahnhof‹, ›Potsdamer Platz‹ und ›Yorckstraße‹ bis zum ›Südkreuz‹ führen. 

Eigentlich sollte die neue Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Nordring schon seit 2017 funktionieren. Seit Jahren wurde
der Start der neuen S-Bahn-Linie S15 aber immer wieder verschoben. Unvorhergesehene Bodenbedingungen, die Seuche, Material-
engpässe wegen des Ukraine-Kriegs und Fachkräftemangel haben der Bahn zufolge dafür gesorgt, dass sich das Projekt immer weiter verzögerte. Bauvorleistungen wie Vorsorgebauten waren plötzlich unbrauchbar.

Bei der »S21 − City-S-Bahn«, handelt es sich um eines der kompliziertesten Verkehrsprojekte Berlins. Die neue Hauptverkehrsader soll die 1939 komplettierte erste Nord-Süd-S-Bahn, die den Bahnhof Friedrichstraße unterquert, entlasten. Zudem wird die 7,2 Kilometer lange Neubautrasse dafür sorgen, dass der Hauptbahnhof, das Regierungsviertel und der Potsdamer Platz noch besser erreichbar sind. Auch soll sie viele direkte und Umsteigeverbindungen herstellen. Die beiden anderen Teilstücke des S21-Projektes sind nicht minder kompliziert. So wird der zweite Bauabschnitt, der den Hauptbahnhof und den Potsdamer Platz verbinden wird,
die Spree unterqueren und durch das politische Zentrum Deutschlands verlaufen. Für die Planer gibt es weitere enorme Heraus-
forderungen. Die exakte Streckenführung entlang des Reichstagsgebäudes steht weiterhin noch nicht fest. Die Bahn spricht von einer »herausfordernden Trassierung«. 

PRUNKVOLL KUREN 

Fahrt mit dem Reisebus ins westböhmische BÄDERDREIECK (Tschechien): MARIENBAD (Basiscamp) KARLSBAD und FRANZENSBAD (17.−21.06.). Alle drei Kurorte verbindet die heilende Kraft des Wassers. Die Kurorte dienten einst als Treffpunkte der damaligen ›High Society‹, sprich der Adligen und des wohlhabenden Bürgertums, aber auch vieler Künstler. Die prachtvolle ›Kurarchitektur‹ des 19. Jahrhunderts beeindruckt; die ›Kaisergelben‹ Fassaden verbreiten eine freundliche Stimmung. Böhmen ist ›Bier- und Knödelland‹. Egerland ist ›GOETHE-LAND‹. Das Zentrum der Porzellanindustrie befand sich in der Region um Karlsbad. Eitel Sonnenschein; es herrschten Tagestemperaturen von bis zu 35 Grad Celsius. Für einen Euro erhielt man 14,20 CZK. Mitbringsel: eine Schnabeltasse (als Altersvorsorge) und Elbogener Pumpernickel (»Loketské Perníčky«), ein Lebkuchen. Mit seinem Namens-
vetter aus Westfalen hat der Elbogener Pumpernickel wenig gemein.


Es folgen die neun Posts 2 MARIENBAD (20 Bilder), 3 KLOSTER TEPLA (9 Bilder), 4 LOKET (14 Bilder), 5 KARLSBAD
(25 Bilder), 6 FRANZENSBAD (19 Bilder), 7 EGER (17 Bilder), 8 SCHNABELTASSEN (3 Bilder), 9 VERKEHR (6 Bilder)
und 10 KULINARIK (20 Bilder). Insgesamt also 136 spannende Bilder.

2 MARIENBAD 

MARIÁNSKE LÁZNĚ ist die zweitgrößte Stadt des Bäderdreiecks (18.06.). Sie liegt idyllisch am Rande des Kaiserwaldes und wurde im 19. Jahrhundert als Kurort gegründet. »Marienbad ist unbegreiflich schön«, schwärmte einst Franz Kafka (1883−1924). Und das ist der Kurort noch immer.

Auch Frederic Chopin war in Marienbad sehr glücklich. Dort komponierte er seine Polonaise As-Dur op. 53. Die Kurkolonnade ist das prachtvolle Herzstück von Marienbad. Die elegante gusseiserne Wandelhalle mit dekorativen Fresken stammt aus dem Jahr 1889 und umschließt mehrere Heilquellen. Zu den Anziehungspunkten an den ungeraden Stunden gehört die »Singende Fontäne«.

3 KLOSTER TEPLA

Premonstrátský KLÁŠTER TEPLÁ (18.06.). Die im Jahre 1193 begründete Prämonstratenser-Abtei ist für ihre gewaltige Klosterbibliothek mit mehr als 100.000 Bänden und 1.000 Handschriften berühmt (Fotografieren verboten). Es handelt sich um
die zweitgrößte Bibliothek des Landes. Das Kloster wurde zuletzt im 18. Jahrhundert im Barockstil umgebaut. Die 66 Meter lange und 16 Meter breite Mariä Verkündungskirche zeugt aber vom Übergang vom romanischen zum gotischen Baustil und stellt das Kernstück der Abtei dar. Zur wichtigen Einnahmequelle entwickelte sich das aufblühende Marienbad. Auf den Produkten prangte
das klösterliche Wappen − die drei Hirschgeweihe.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Klöster in der wieder hergestellten Tschechoslowakei enteignet, und die Kirchen verschlossen. Das Kloster Teplá musste nach 1950 aufgegeben werden. Das Kloster ging an die tschechoslowakische Armee, die es bis 1978 als Kaserne an der Grenze des Eiserner Vorhang zu Bayern in Besitz nahm. Die Bibliothek wurde als ›Volkseigentum‹ eine öffentliche Bezirksbibliothek. Nach dem Jahr 1978 stand die Klosteranlage leer und verfiel zunehmend. Nach der politischen Wende des Jahres 1990 kam das Kloster Teplá mit der 14 Hektar großen Parkanlage im Januar 1991 wieder in den Besitz des Ordens der Prämonstratenser. Im Jahre 2008 wurde das Kloster zum nationalen Kulturdenkmal Tschechiens erklärt. Seitdem wird überall renoviert und investiert. Heute leben wieder Mönche im Kloster.

4 LOKET

ELBOGEN an der Ohře/ Eger (19.06.). Die Burg thront auf einem Granitfelsen und setzt dem Städtchen die Krone auf. Auf die Burg gelangte Goethes Mineraliensammlung aus Böhmen. Goethe feierte in Loket auf einer Terrasse mit Blick auf die Eger seinen 74. Geburtstag zusammen mit der 19-jährigen Ulrike von Levetzow, um deren Hand er zuvor vergeblich angehalten hatte. Am Marktplatz in Loket – wie auch in Karlsbad (Grandhotel Pupp und Kaiserbad) – wurden Szenen für den James-Bond-Film »Casino Royal (2006)« mit Daniel Craig als Agent 007 gedreht.

5 KARLSBAD

KARLOVY VARY an der Teplá ist die größte Stadt des Bäderdreiecks und der älteste der drei Kurorte.(19.06.). »Ich bin hier in einem Paradiese, wo ich alles finde, was ich brauche und was mir gut tut.«, schwärmte einst Johann Wolfgang von Goethe (1749−1832). 

Karlsbad besticht durch seine prachtvollen Bauten, sein luxuriöses Ambiente, sein mondänes Flair und natürlich durch seine Thermalquellen. Die Sprudelkolonnade ist das Wahrzeichen von Karlsbad. Der moderne Bau aus Glas und Beton beherbergt die heißeste Quelle der Stadt. Bis zu 12 Meter hoch schießt das 72 Grad heiße Wasser aus der Tiefe.

Die Eingeborenen nutzen zum Kochen gerne das warme Quellwasser. Im Kaffeehaus »Elefant« wird der berühmte ›Sprudelkaffee‹ serviert.

6 FRANZENSBAD

FRANTIŠKOVY LÁZNĚ (20.06.). Franz Joseph Karl (1792−1835) begründete 1804 das erbliche Kaisertum Österreich, das er als Kaiser Franz I. bis zu seinem Tod regierte. Er war auch König von Ungarn, Böhmen und Kroatien. Seit 1798 trägt der Kurort seinen Namen. 

Dobré ráno: »Guten Morgen Franzensbad!« Mit einem Umzug begrüßen am Wochenende Majoretten und ein Blasorchester um 10.00 Uhr die Kurgäste.

Die Statue des kleinen Nackedeis František (des kleinen Franzl) ist eines der Wahrzeichen von Franzensbad. Ziemlich abgegriffen; »Tausend mal berührt/ tausend mal is nix passiert,/ tausend und eine nacht/ und es hat zoom gemacht (Klaus Lage, 1984)«. Jede Frau, die den Schniedel (international peter, willy, zizi, pisello) des kleinen auf der Kugel sitzenden Nackedei mit Fisch berührt, soll über kurz oder lang Mutterfreuden entgegensehen. 

Bei seinem ersten längeren Aufenthalt in Franzensbad verliebte sich Johann Wolfgang von Goethe im Jahre 1808 in die 23-jährige Silvia, Tochter des Hofrates von Ziegesar. Die katholische Kreuzerhöhungskirche wurde in Franzensbad in den Jahren 1812−1819 im Empire-Stil erbaut. Im Kurpark entdeckte ich eine winzige Haselmaus. Die Schlafmaus ist äußerst scheu und mit Vorliebe nachts unterwegs. Begegnungen mit ihr sind daher selten.

7 EGER

CHEB an der Ohře (20.06.). Die ehemalige Reichsstadt Eger besitzt einen imposanten Marktplatz. Im Stadthaus #3 hat das Egermuseum (Muzeum Cheb) seinen Sitz. »Albrecht ans Fenster!« Man widmet sich ALBRECHT VON WALLENSTEIN, der hier
1634 auf Anordnung von Kaiser Ferdinand ermordet wurde. Völlig unnötig. Denn der Generalissimus befand sich im Endstadium
der Syphillis. Obwohl das Museum 2019−2020 restauriert wurde, ist es nicht barrierefrei. Zurzeit feiert das Museum den 100. Geburtstag der berühmtesten tschechischen Marionetten Hurvínek und Spejbl in einer Sonderausstellung. Zudem wird Goethes Mineraliensammlung gewürdigt. Sowie das Bündnis der k.u.k.-Monarchie mit dem deutschen Kaiserreich und dem Osmanischen Reich. Auch eine Reminiszenz an den braven Soldaten Švejk. Der legt durch stumpfen Gehorsam die Sinnlosigkeit militärischer Befehle offen.

Ein weiteres Schmuckstück Egers ist die St. Niklaskirche. In den letzten Apriltagen des Zweiten Weltkrieges waren die Kirchtürme durch Brand zerstört worden. Erst nach 63 Jahren konnten sie wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt errichtet werden. Die Kirche gehört außer den großen westböhmischen Klosterkirchen zu den ersten Gotteshäusern der Diozöse Plzeň.