BRENNEN & LÖSCHEN

Vor 89 Jahren ereignete sich in der Kulisse der Berliner Repräsentationsbauten von Wissenschaft, Kunst und Kirche ein bizarres Staatsschauspiel. Direkt neben der Staatsoper ›Unter den Linden‹, vor der St. Hedwigs-Kathedrale und gegenüber der Humboldt-Universität. Als am 10. Mai 1933 mitten in Berlin, der deutschen Hauptstadt, unter staatlicher Regie und Aufsicht mehr als
20.000 Bücher verbrannt wurden – darunter die Werke der bedeutendsten deutschen Schriftsteller und Publizisten – war das sogenannte ›Tausendjährige Reich‹ gerade einmal hundert Tage alt. Damals hatte das neue Regime nach einem legalen Regierungswechsel innerhalb weniger Wochen beinahe alles etabliert, was in den folgenden zwölf Jahren der Maßstab sein würde: Rechtsbruch, Verfassungsbruch, Zivilisationsbruch.

»Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen« (Heinrich Heine in seiner 1823 veröffentlichten Tragödie ›Almansor‹).

Die Saubermänner (mehrheitlich) dieser Welt, die Anhänger:innen der CANCEL CULTURE sollten sich öfter von den Werken
der verfolgten Autor:innen ›entzünden‹ lassen. DEM LEBENDIGEN GEIST, Funkensprühend. 

»Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut
zu sagen: Nein!« (Kurt Tucholsky).

Gegen geistige Verarmung, für eine lebhafte Debattenkultur: gegen BRENNEN (analog) & LÖSCHEN (digital).

Hinterlasse einen Kommentar