KRIEG DEM FRIEDEN

Seit nunmehr anderthalb Jahren tobt der Krieg in der Ukraine; im Osten des Landes bereits seit 2014. Am 1. September gedenken wir (noch) des Ausbruchs des 2. Weltkriegs in Europa. Seit 1957 wird am ANTIKRIEGSTAG (Weltfriedenstag) an die Schrecken des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie an die schrecklichen Folgen von Krieg, Gewalt und Faschismus erinnert. Doch inzwischen gibt es eine entscheidende Änderung. Krieg ist wieder ein legitimes Mittel der Politik. Krieg gilt als führbar. Und gewinnbar.

Die deutschen Medien feiern die deutsche Wehrtechnik. Schick designte Marschflugkörper fliegen durch die Nachrichtensendungen und bringen ›Schöngeister‹ ins Schwärmen. Deutsche ›Ingenieurskunst‹ schafft weltmeisterliche Waffensysteme: Tiger, Gepard, Marder, Leopard, Mars, Taurus! Weltmeister! Man spricht und schreibt von GAMECHANGERN. Gamechanger? Spiel, Kriegsspiel? Vollirre regieren die Welt!

Schlechter Stand für Pazifisten – mal wieder. Im Westen nichts Neues.

FRIEDEN IST TEUFELSWERK.

Bundeskanzler OLAF SCHOLZ (Sozialdemokrat?) attackierte bei einer Wahlkampfrede in München »rechte Populisten« (so der SPIEGEL/ SPON am 18.08., SZ et al.). An die Adresse der Kriegsgegner sagte Scholz: »Und die, die hier mit Friedenstauben rumlaufen, sind deshalb vielleicht gefallene Engel, die aus der Hölle kommen, weil sie letztendlich einem Kriegstreiber das Wort reden.« Wer für Frieden eintritt, ist also ein »gefallener Engel aus der Hölle«. Nach christlichem Glauben ist der Teufel ein gefallener Engel. FRIEDEN IST TEUFELSWERK.

Das war mal anders. Die Großeltern und Eltern kannten die Kriegsgräuel aus eigenem Erleben. Was die Großmutter noch wusste.

FRIEDEN IST DER ERNSTFALL

»Ich sehe als erstes die Verpflichtung, dem Frieden zu dienen. Nicht der Krieg ist der Ernstfall, in dem der Mann sich zu bewähren habe, wie meine Generation in der kaiserlichen Zeit auf den Schulbänken lernte, sondern der Frieden ist der Ernstfall, in dem wir alle uns zu bewähren haben. Hinter dem Frieden gibt es keine Existenz mehr.« GUSTAV HEINEMANN (1899–1976), Sozialdemokrat (Quelle: Ansprache nach Leistung des Amtseids als Bundespräsident in der gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat am
1. Juli 1969). Im Zentrum des Ludwigshafener Friedensparks steht ein Gedenkstein mit folgendem (abgewandelten) Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten: »Nicht der Krieg ist der Ernstfall, in dem man sich bewähren muss – wie wir es früher hörten –, sondern der Frieden ist der Ernstfall, in dem wir uns alle zu bewähren haben, weil es hinter dem Frieden keine Existenz mehr gibt!«

BITTE UM VERGEBUNG

Der ›Kniefall von Warschau‹ ereignete sich am 7. Dezember 1970. Der deutsche Bundeskanzler und spätere Friedensnobel-
preisträger WILLY BRANDT (1913–1992), Sozialdemokrat, besuchte damals die polnische Hauptstadt, um dort den Warschauer Vertrag zu unterzeichnen. Es war der erste Besuch eines deutschen Regierungschefs in Polen seit dem Zweiten Weltkrieg. Teil des Staatsbesuchs war eine Kranzniederlegung am »Denkmal der Ghettohelden (Pomnik Bohaterów Getta)«. Willy Brandt legte dort einen Kranz nieder, zupfte noch einmal an der Schleife, trat zurück. Dann sank Brandt unerwartet auf die Knie.
Er kniete stellvertretend für sein Land auf dem nassen Boden vor dem Mahnmal als Zeichen der Betroffenheit. Diese Geste wurde weltweit als Bitte um Vergebung für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkrieges verstanden. 

Jetzt ist wieder PILZZEIT. Die Fotos dieses Beitrages entstanden in dieser aktuellen sehenswerten Ausstellung im Berliner Deutschen Historischen Museum.

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