Kaum eine Epoche hat die Zukunft so gefeiert, wie die 1960er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Raumfahrt und Atomkraft lösten eine regelrechte Euphorie aus. Mit der Eroberung des Weltalls durch »Sputnik« und dem Wettlauf zum Mond schienen die Fesseln der Menschheit gesprengt. Durch die neue Technik der Atomkraft stand vermeintlich unbegrenzte und saubere, dazu billige, Energie für den Aufbruch in ein neues Zeitalter zur Verfügung. Der Aufbruchsgeist durchströmte zu jener Zeit nahezu alle Bereiche der Gesellschaft und drang bis tief in den Alltag vor.
Diesem Phänomen widmet sich die Design-Ausstellung »Into the Space Age!« im Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Wie sah die Zukunft früher aus? Zu sehen sind in der Ausstellung unverwechselbare Ikonen des Atom- und Weltraumzeitalters aus den Bereichen des Mode-, Möbel- und Produktdesigns sowie der Architektur. Wer durch die Ausstellung »Into the Space Age!« läuft, spürt die Aufbruchstimmung immer noch. Sie zeigt sich in den quietschbunten Plastiksitzmöbeln ohne Beine und Lavalampen, den TV-Geräten in runder Optik und Tischen mit ihren organischen Formen. Wie stark der Zukunftsoptimismus jener Zeit sich niederschlug, führt die Ausstellung mit 120 Exponaten und einem Gang durch die Geschichte jener Jahre unterhaltsam vor Augen. Manche »Babyboomer« erkennen sicher noch das eine oder andere Exponat ihrer Kindheit wieder. »Die Jetsons« mit der Vorwegnahme des heutigen Smart-Home und »Raumpatrouille Orion« flimmerten über die heimischen Fernsehgeräte. Und im Kino wurden die Science-Fiction-Filme »2001: Odyssee im Weltraum« und »Barbarella« zu Blockbustern. Einige der ausgestellten Sitzmöbel erlangten sogar weltweite Berühmtheit durch Film und Fernsehen. Etwa der »Tulip-Chair« des Finnen Saarinen aus dem Jahr 1956, mit dem das legendäre Starlight Casino aus der Serie »Raumpatrouille Orion« ausgestattet wurde. Der Sessel »Djinn« des französischen Designers Olivier Mourgue von 1965 schaffte es in den Stanley-Kubrick-Klassiker »2001: Odyssee im Weltraum«.
Anhand von Möbeln wie dem Sitzsack »Sacco« zeigen die Kuratoren, wie der neu aufkommende Geist der Achtundsechziger erneut das Design beeinflusste. Die Matratzenlager der »Kommune 1« stehen für den Aufbruch einer Generation: Man wollte auf »gleicher Ebene« sitzen. Und zwar in bequemer Haltung – also »lümmeln«. In den frühen Siebzigern fand die Epoche ihr Ende mit der Ölkrise, der Antiatomkraftbewegung und Alternativkulturen. Vor der Verschwendung von Ressourcen warnte bereits damals der Bericht des »Club of Rome«. Der Zweifel an der Welt des Fortschritts verstärkte sich. Aber auch die Ignoranz. Und inzwischen hat uns die Klimakrise erreicht.
Sehr empfehlenswert, bis zum 7. Januar 2024.




Eine wahre Erkenntnis: Der ständige Fortschritt ist eine Chimäre…. es gibt ihn zumindest immer nur limitiert von Zeit zu Zeit in Maßen und auf keinen Fall im Sinne unserer Konsumgesellschaft „To Go im Plastikbecher mit Plastikdeckel und Strohhalm“….leider wissen das viele von uns noch nicht…Jedes Leben und jede Geschichte ist ein Auf und Ab… immer wieder die gleichen Fehler und die gleiche Inkompetenz auf allen Ebenen….
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