ABENTEUERLAND

Eine Bahnreise in Zuganzeigen (19.11.). Hinweis: die Zeitangaben sind lediglich auf den Zuguhren und der Bahnhofsuhr korrekt.

Pünktliche Abfahrt in Berlin-Ostbahnhof. Die erste Verspätung von 20 MIN ergab sich kurz vorm Braunschweiger Hauptbahnhof als der ICE dort unvermittelt »wegen Gleisbelegung« auf Einfahrt warten musste. Das wurde dann wieder ›eingefahren‹ und reduzierte sich bis Fulda auf 10 MIN. Doch kurz vor Fulda erschienen auf den Zuganzeigen beunruhigende Anzeigen. Es wurden plötzlich Verspätungen von 45 MIN angezeigt. Keine Lautsprecherdurchsagen. Nach dem Personalwechsel in Fulda meldete sich ein junger Zugbegleiter mit einer launigen Durchsage: Der Bahnhof Hanau könne wegen einer Streckensperrung nicht direkt angefahren werden. Wir müssten deshalb über Aschaffenburg »um den Pudding herum fahren«. Da blitze in mir kurz der Gedanke auf, die Verantwortlichen in selbigen zu tunken. Die Planverspätung sollte eine Stunde betragen. De ja vu. Es wurde dann doch mehr. Denn nach einem längeren Aufenthalt in Aschaffenburg ging es über Darmstadt und Frankfurt-Niederrad zum Frankfurter Hauptbahnhof. Bis kurz vor dem Ziel erschienen bei der Zuganzeige die hier gezeigten ›Standbilder‹. Vom Personal war während der ganzen Fahrtzeit nichts zu sehen. In Frankfurt endete dann die Fahrt des ICE 575. Reisende mit den Fahrtzielen Hanau, Darmstadt, Mannheim und Stuttgart hatten Pech. Die Bahn lehrt Demut. 

Warum in ferne Länder reisen, um Meere, Wüsten oder Dschungel zu durchqueren? Die Deutsche Bahn sorgt für Nervenkitzel und Abenteuer. Die Züge fahren irgendwann irgendwohin. Vielleicht erreichen sie sogar den Zielbahnhof. Sänk Ju for trevellinglingbling wiss Doitsche Bahn. Deutschlandreise im Abenteuerland. 

Auf der Rückfahrt von Frankfurt am Main war der ICE 76 nur 15 MIN verspätet. Dafür waren wegen einer technischen Störung alle Zuganzeigen (auch für die Reservierungen) ausgefallen. Und ich lernte einen neuen Grund für Verspätungen kennen: »Wegen einer behördlichen Anordnung verspätet sich …«.

Für alle Fahrten in, ab und zurück bis Frankfurt nutzte ich das Deutschlandticket. Das will die CSU sofort abschaffen. Das Geld hierfür solle lieber in die marode Infrastruktur gesteckt werden. Neuwahlen. Die Verursacher der Probleme schicken sich an, wieder Führung zu übernehmen.

Am Frankfurter Hauptbahnhof findet man jetzt auch diese modernen Schließfächer. Sie funktionieren bargeldlos. In den Bahnhofsgeschäften müssen deshalb keine Geldscheine mehr in 1- oder 2-Euro-Münzen gewechselt werden. Unverrichteter Dinge und schwer bepackt wieder abziehen musste jedoch eine Französin (Frankfurt/ Main wird vom TGV angefahren) als Ihre Karte nicht akzeptiert wurde. Zwei Seiten einer Medaille.

Gewidmet den CSU-Bundesverkehrsministern: Peter Ramsauer (2009−2013), Alexander Dobrindt (2013−2017) und ›Mauti‹ Andreas Scheuer (2018−2021).