Heute wird der INTERNATIONALE FRAUENTAG begangen. Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Er wurde im Zuge des Kampfes um die Gleichberechtigung, des Wahlrechts für Frauen sowie der Emanzipation von Arbeiterinnen eingeführt. In der TäTäRä war der 8. März als »Tag der Frau« ein extrem wichtiger Feiertag und wurde dort regelrecht zelebriert. In Berlin ist der Frauentag seit 2019 ein gesetzlicher Feiertag; in Mecklenburg-Vorpommern seit 2023.


Jenseits von Nelken und Pralinen geht es am 8. März um den notwendigen Kampf für die gleichen Rechte der Geschlechter. Der Frauentag ist zum Glück längst kein Alibi-Kümmertag mehr. Doch wir leben in Krisenzeiten. Und die waren immer schlecht für die Geschlechtergerechtigkeit. Den Eindruck muss man bekommen: Die Welt wird nicht nur im Rekordtempo verrückter. Sie dreht sich, so scheint es, auch rückwärts. Wenn die Welt bedrohlich erscheint, sehnen sich die Menschen danach, dass in der Familie alles noch so sein soll, wie es angeblich früher einmal war. Rechte Politik funktioniert mit Feindbildern: ob das Migranten sind, Feminismus oder eben geschlechtergerechte Sprache.
Macht ist männlich.
Männer dominieren wieder die Spitzenpolitik. In der neuen US-Regierung (also im ORAL OFFICE) führen nur böse alte Männer das Wort. Und im Deutschen Bundestag sitzen mit dem Anwachsen der Unions- und AfD-Fraktionen so wenig Frauen wie schon lange nicht mehr. Was also tun, wenn Machtdenken und Herrschaftslogiken sich anschicken, die bescheidenen gesellschaftlichen Erfolge niederzuwalzen und ihre alte Deutungshoheit zu restaurieren?
Dabei herrscht akuter Handlungsbedarf. FEMIZIDE nehmen weltweit zu. 1.151 Vergewaltigungen wurden im Jahr 2023 bei der Berliner Polizei angezeigt. Das sind mehr als drei pro Tag. Laut Bundeskriminalamt gab es im selben Jahr in ganz Deutschland 167.639 registrierte Fälle von Gewalt in Partnerschaften (der ›Familie‹). Fast 80 Prozent der Opfer sind weiblich. Die Zahlen steigen Jahr für Jahr.
Weil die wirtschaftliche Lage in der Hauptstadtregion stagniere, schlagen die Unternehmensverbände Berlin und Brandenburg (UVB) – in ihrer Funktion ausschließlich Männer – unter anderem vor, den internationalen Frauentag als Feiertag wieder abzuschaffen. In diesem Jahr wagte sich UVB-Hauptgeschäftsführer Alexander Schirp mit einem Vorschlag nach vorn: Man solle darüber nachdenken, ob es in Berlin jeden Feiertag (von denen Berlin im Vergleich zu anderen Bundesländern die wenigster hat) geben müsse. Zum Beispiel den »Frauentag«. Würde der 8. März als gesetzlicher Feiertag wegfallen, »würden zusätzlich 230 Millionen Euro volkswirtschaftlich erwirtschaftet«, meinte Schirp (Tagesspiegel, 07.01.).
Eins ist sicher: Der MUTTERTAG bleibt. Dann müssen sich die Frauen auch noch für die Aufmerksamkeit und Geschenke artig bedanken. Für Nelken und Pralinen.