5 LIEBESTECHNIK


Das »Technik Museum Sinsheim« − so die Eigenbezeichnung − wurde 1981 im baden-württembergischen Sinsheim eröffnet. Schon von weitem locken die auf dem Museumsdach aufmontierten Überschall-Jets Concorde und Tupolev Tu-144 Technikinteressierte ins Auto- & Technik-Museum Sinsheim. Das bietet auf 30.000 qm Hallenfläche mehr als 3.000 Ausstellungsstücke, darunter Meilensteine der Technikgeschichte: historische Landmaschinen; Musikautomaten; Motorräder; Oldtimer, nicht nur die beliebten amerikanischen Straßenkreuzer der 1950er- und 1960er-Jahre; Sportwagen; Formel-1-Fahrzeuge; Rekord-Fahrzeuge; Lokomotiven und Flugzeuge. 

Die Bezeichnung Museum trifft jedoch kaum zu. Zusammengehörende Exponate sind sehr dicht und an verschiedenen auseinanderliegenden Stellplätzen aufgestellt. Wie beispielsweise die Lokomotiven, die zudem nur von einer Seite zu sehen sind. Die Einrichtung erinnert deshalb mehr an eine Sammlung oder ein Depot. Es fehlt eine historische Einordnung. Selten sind Erklärungen zu historischen Hintergründen, den zugrunde liegenden technischen Entwicklungen und Zusammenhängen zu finden. So in der militär-
historischen Abteilung, die die Motorisierung der Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg in den Mittelpunkt stellt. Weniger wäre also mehr.

Der Volkswagen ›Typ 166 Schwimmwagen‹ wurde auf der Grundlage des ›KdF-Wagens‹ und des heckgetriebenen offenen VW ›Typ82 Kübelwagen‹ für die Wehrmacht und Waffen-SS entwickelt. Von Herbst 1942 bis Sommer 1944 wurden im neuen Volkswagenwerk bei Fallersleben mehr als 14.000 Stück hergestellt. Mit dem Niedergang der deutschen Autoindustrie besinnt man sich wieder auf die Anfänge vor mehr als achtzig Jahren.
Das Rekordfahrzeug »The Blue Flame« war zeitweise das schnellste raketengetriebene Landfahrzeug. Am 23. Oktober 1970 stellte der Amerikaner Gary Gabelich mit dieser Kreuzung aus Auto und Rakete auf dem Bonneville-Salzsee mit einer Durchschnitts-
geschwindigkeit von 1.014,656 km/h einen neuen Weltrekord auf. Länge 11,64 Meter, Leistung: zirka. 42.659 kW.
Die mechanischen Musikinstrumente sind ein interessanter Teil der Technikgeschichte. Außer einer Reihe kleinerer Musikautomaten befinden sich zahlreiche bedeutende Großorgeln, wie z.B. die von der Firma Mortier gebaute größte Tanzorgel der Welt, in der Dauerausstellung. Die Tanzorgel belegt eine Grundfläche von mehr als 30 Quadratmetern. In der jetzigen Ausführung verfügt die Tanzorgel über 900 Pfeifen, ein Saxophon, zwei Akkordeons mit 41 Pianotasten und 120 Bässen, sowie eine vollständige Schlagzeugausrüstung.
Eines der Highlights der Sammlung ist die komplett begehbare Concorde F-BVFB der Air France. Die ›Königin der Lüfte‹ wurde im Jahre 2003 von Paris über Baden-Baden in das Technik Museum Sinsheim transportiert. Sie ist seitdem hinter ihrer ehemaligen russischen Konkurrentin, der Tupolev TU-144, die nach zwei Abstürzen für immer auf dem Boden blieb, zu bestaunen. Vom »Flight Deck« führt eine Treppe die Besucher auf bis zu 30 Meter Höhe und ermöglicht den Zugang in den Passagierraum. Die Innen-
einrichtung ist allerdings entweder ausgebaut oder mit durchsichtigem Kunststoff verdeckt. Nach einem Anstieg durch den Passagierbereich endet die Begehung vor dem Cockpit. Die Maschine flog vom 1. bis 21. September 1988 um die Welt und legte dabei in 38 Stunden und 13 MIN 47.572 km zurück. Insgesamt brachte diese Concorde 14.771 Flugstunden und 5.473 Flüge hinter sich.
Als das ausgemusterte Marine-U-Boot U17 (S 196) im vergangenen Jahr nach Sinsheim transportiert wurde, säumten Tausende die Transportstrecke. Mehr als ein Jahr war das Boot unterwegs − vom Gelände der Bundesmarine in Kiel bis hin zum Technik Museum in Sinsheim legte der Transport 2023/ 24 insgesamt 1.319 Kilometer zurück. Seit seiner Ankunft im Juli vergangenen Jahres wurde U17 aufwendig für die Ausstellung vorbereitet. U17 hat eine Länge von knapp 50 Metern, eine Breite von 4,6 Metern und eine Höhe von neun Metern. Das Kriegsgerät war von 1973 bis 2010 bei der deutschen Marine im Einsatz. Das Projekt kostet nach Angaben der Betreiber rund zwei Millionen Euro.

Zur Familie der privaten Technik-Museen gehört auch das ›Technik Museum Speyer‹. Dort liegen die Schwerpunkte auf Feuerwehrfahrzeugen; Flugzeugen und Hubschaubern; Schiffen und der Raumfahrt. So kann dort das Space Shuttle BURAN besichtigt werden.