
Traditionell begehen die Nachkommen der Sowjetbürger am 9. Mai den Sieg über das nationalsozialistische Deutschland groß in Berlin. Der 80. Jahrestag des Kriegsendes in Europa war diesmal deutlicher als in den vergangenen Jahren vom Russland-Ukraine-Krieg überschattet. Ein gemeinsames Gedenken ist wohl nicht mehr möglich. Im 4. Kriegsjahr gegen die ukrainische Zivilbevölkrtung.
Am 9. Mai 1945 feierten die Rotarmisten der multiethnischen Sowjetunion unter dem Zeichen von Hammer und Sichel gemeinsam den Sieg und Frieden. 1922 war die Rote Fahne der Kommunistischen Partei Russlands zur Nationalflagge erklärt worden. Mit der Auflösung der Sowjetunion am 31. Dezember 1991 verlor die Flagge der Sowjetunion ihre Funktion als Nationalflagge. Inzwischen dominieren aber als Ausdruck von Nationalismus Nationalflaggen. Besonders deutlich wurde das in diesem Jahr am »Sowjetischen Ehrenmal Tiergarten«. Dort standen sich − getrennt durch Bereitschaftspolizisten − Ukrainer und Russen gegenüber. Die Luft war zum Zerreißen gespannt. Die Stimmung heizte sich zunehmend auf.
In den vergangenen Jahren hatten vor allem staatliche Stellen aus Russland zunehmend auf die Organisation der Feierlichkeiten Einfluss genommen. Der Kult um das orange-schwarz gestreifte GEORGSBAND ist noch jung. Die Schleifen gelten als ›Zeichen des Sieges über den Faschismus‹. Seinen Anfang nahm der Kult 2005. Seitdem kämpfen ›russische Patrioten‹ gegen alte und »neue Faschisten«, indem sie das Georgsband auf der linken Brust, nahe beim Herzen, tragen.
Seit 2012 gibt es die Tradition des UNSTERBLICHEN REGIMENTS (russisch Бессмертный полк, Bessmertny polk). Am ›Tag
des Sieges‹, dem 9. Mai, versammeln sich die Teilnehmer zu einem Gedenkmarsch und tragen die Bilder ihrer Familienmitglieder,
die im »Großen Vaterländischen Krieg« gekämpft haben.
Russen und Belarussen unterlagen in diesem Jahr besonderen Einschränkungen. Flaggen, Ehrenzeichen und historische Rotarmisten-Uniformen waren verboten. »Spiel nicht mit den Schmuddelkindern/ Sing nicht ihre Lieder« sang 1965 Franz Josef Degenhardt – wenn auch in einem anderen Kontext.









