»SPARGEL, HEPP«.

Sonntägliche Fahrt in die Mittelmark zum Spargelfest nach BEELITZ (01.06.). 

Mitten in Beelitz gibt es eine Perle, die sich erhalten hat. Die WUNDERBLUTKAPELLE. Doch, was bedeutet das: Wunderblut? Die mittelalterliche Volksfrömmigkeit bildet den geistlichen Rahmen für die Wunderblutverehrung. Bis heute wird in jeder katholischen Kirche die auf dem Altar im verschlossenen Gefäß verwahrte Hostie als Allerheiligstes − sanctissimum − verehrt. Bei Betreten und Verlassen des Kirchenraums knieen Gläubige davor und bekreuzigen sich. Im 13. Jahrhundert gewann das Abendmahlssakrament zunehmend an Bedeutung. Die Verehrung des Sakraments nahm nie da gewesene Formen an. Hostienwunder ergaben sich allgemein bei ›ritueller Nachlässigkeit‹, bei ›Glaubenszweifeln‹ und bei ›Hostienschändungen‹. Lokale Blut- und Hostienwunder bildeten die Grundlage für Wallfahrten. An der Stelle der Beelitzer Wunderblutkapelle soll sich anlässlich einer Fronleichnamsprozession im Mai 1235 ein Blutwunder ereignet haben. Durch das Blutwunder gewann das eher abseits der großen Handelswege gelegene Beelitz eine – für damalige Verhältnisse – überregionale Aufmerksamkeit. Der Ort wurde profitabel. Vermutlich versiegte in den 1390er-Jahren der Pilgerstrom nach Beelitz, weil die Büßer sich zunehmend vom aufblühenden Wunderblut-Standort WILSNACK (heute Bad Wilsnack/ Prignitz) angezogen fühlten. Der Begriff der ›jüdischen Hostienschändung‹ gelangte erst zum Ende des Jahrhunderts
in die Vorstellungswelt der Abendmahlsfrömmigkeit. 1290 fand in Paris der erste Prozess wegen einer angeblichen jüdischen Hostienschändung statt. Damit war das Thema in der Welt, um für Jahrhunderte nicht mehr zu verschwinden. 

Das Bodenniveau der Stadtpfarrkirche »Sankt Marien und Sankt Nikolai« war im Laufe der Zeit höher gelegt worden, da rings um die Kirche herum Bauschutt aus mehreren Stadtbränden angehäuft wurde. Die Wunderblutkapelle befand sich ursprünglich als ein frei Stehendes, eigenständiges Gebäude neben der Kirche. Sie kann heute von der Kirche aus betreten werden. Die achteckige Bauform der Wunderblutkapelle erinnert an frühchristliche Taufkapellen. Durch Restaurierungen passte man sie dem Zeitgeschmack des
19. Jahrhunderts an. Heute wirkt sie unspektakulär. Heute pilgern die Menschen zum BEELITZER SPARGEL.

Spargel gehört zu den kleinen Freuden des Lebens. In Brandenburg hat der Anbau eine lange Tradition. Brandenburg ist Spargelland Nummer 3 in Deutschland. Berühmt ist der Beelitzer Spargel, seit März 2018 ist er EU-weit geschützt. Der Beelitzer Spargel ist
für seinen besonders zarten und geschmacksintensiven Charakter bekannt und gilt als eine der hochwertigsten Spargelsorten Deutschlands. Besonders gut bereitet man den Spargel im Gasthaus »ALTE BRAUEREI« zu. Der imposante geschlossene Vierseiten-
hof ist seit 1650 in Familienhand. Und überlebte die TäTäRä. Der Brauerei-Betrieb musste jedoch 1925 aus Alterstgründen eingestellt werden. In Beelitz locken auch die alte Posthalterei, das Spargelmuseum und der Stadtpark.

Die Spargelsaison endet stets am JOHANNISTAG, dem 24. Juni. Damit der Spargel noch ausreichend Zeit hat, durchzuwachsen und einen grünen Busch zu bilden. Vom 24. Juni bis zum ersten Frost sind es mindestens 100 Tage. Durch die langanhaltende Trockenheit wird der Spargel im kommenden Jahr nicht mehr so dicke Stangen ausbilden können. Auch wird es Ernteeinbrüche geben. 

Eine unschöne und unvernünftige Entwicklung hat der Einsatz von Plastik und Kunststoff im Spargelanbau genommen. Der Anbau unter Folie soll immer frühzeitigere Marktreife garantieren. Der Spargel geht in den Magen. Plastik geht ins Gehirn. Aber auch in Leber und Nieren. Das wurde in diesem Jahr erstmals nachgewiesen. In Gehirnen von Demenzkranken fanden Wissenschaftler eine deutlich höhere Konzentration von Mikroplastik (etwa zehnmal soviel). Nix mit Auspinkeln!

Wunderblutkapelle.
Spargel mit paniertem Schweineschnitzel als Sättigungsbeilage und Salzkartoffeln an Spargelsoße. Top Qualität und Zubereitung! Köstlich. Keine ›getürkte‹ (Convenience) Sauce Hollandaise wie sonst leider zu häufig serviert.
Die Spargelfrauen. Auf den Feldern arbeiten in diesem Jahr Rumän:innen. »Spargel-Hepp-Rufe« beim Umzug.
Ehemalige Spargelköniginnen.
Ohne Stechschritt. Bei dieser Zugnummer brachen die Zuschauer:innen in Jubel aus. Das Preußen-Gen? »Wenn die Soldaten/ durch die Stadt marschieren,/ Öffnen die Mädchen/ die Fenster und die Türen.// Ei warum? Ei darum! Ei warum? Ei darum!/ Ei bloß wegen dem Schingderassa, Bumderassa, Schingdara!/ Ei bloß wegen dem Schingderassa, Bumderassasa!// …«.

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