Am Kurfürstendamm 227, Ecke Joachimsthaler Straße lockt die temporäre Kunstausstellung »Artverse. Underground«. Trotz idealer Lage ist das ehemalige Kaufhaus und spätere Swissôtel am früheren Kudamm-Eck seit 2018 verwaist. Zurzeit haben Künstler:innen in einer Zwischennutzung die Parkdecks der Tiefgarage in eine weitläufige Ausstellung verwandelt: Kunst auf 2.400 Quadratmetern, von Skulpturen bis Videos und Lichtershows. Über das oberste Parkdeck und das Thema »Dschungel« (Level 0) geht es vier Geschosse hinab in den Untergrund: Gemälde (Level 1), Metallarbeiten (Level 2), Videos (Level 3) und Lichtinstallationen (Level 4).






Die Ausstellung gewährt einen Einblick, nicht nur in das Gebäude selbst, sondern auch in dessen Vergangenheit. Der Kaufhauspionier FALK VALENTIN GRÜNFELD gründete 1926 an diesem Ort das in ganz Europa berühmte Wäschehaus F. V. Grünfeld. Der jüdische Unternehmer war Mitbegründer des Handelsverbandes, erfand und prägte den Begriff »Einzelhandel«.
Die Nationalsozialisten nahmen die Familie Grünfeld ab 1933 ins Visier, 1938 wurde das Unternehmen von Max Kühl »arisiert«.
Die ausgeraubte und entrechtete Familie konnte 1939 noch vor der Ermordung nach Palästina fliehen. Das Gebäude war nach einem Bombenteppich zerstört. Am 8. November 2023 kehrte zumindest die Bezeichnung »Grünfeld-Eck« wieder an den Kudamm zurück, indem der Platz zwischen Kurfürstendamm und Joachimthaler Straße umbenannt wurde. Die neue Adresse in der City-West erinnert an alten Glanz. Für die Ausstellung hat Kiki Karnstein sich mit der komplexen Geschichte des Hauses befasst. Aus archiviertem Fotomaterial animierte sie ein Video − dieses ist auf Parkdeck-3 zu sehen (verlängert bis zum 21.09./ U-Bahnhof ›Kurfürstendamm‹).
Lesetipp: Sonja Miltenberger: »Jüdisches Leben am Kurfürstendamm«, Hrsg.: Museum Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin.