Die Hamas hatte das Nova-Festival am 7. Oktober 2023 überfallen. Die Ausstellung mit dem Titel »October 7, 06:29 AM – The Moment Music Stood Still« rekonstruiert das Festival-Gelände. Von den 3.000 Besuchern wurden 411 ermordet, Hunderte verletzt und 43 nach Gaza verschleppt. Die Hamas hat die Geiseln zwei Jahre lang gefangenen gehalten, grausam gefoltert, vergewaltigt oder verhungern lassen.
Hinter dem Projekt steht die »Tribe of Nova Foundation«, nach Berlin wurde es in Zusammenarbeit mit Vertretern der hiesigen Musik- und Kulturszene geholt.
Zu sehen sind originale Zelte, Campingutensilien und ausgebrannte zerschossene Autos. Gezeigt werden auch zurückgelassene persönliche Gegenstände der Besucher, die Fotos der Opfer, Videos vom Angriff der Hamas, Installationen und persönliche Berichte von Überlebenden und Angehörigen der Opfer. Im Loop sind die Stimmen und Geräusche zu hören.






Der mörderische Angriff war der schlimmste auf Juden seit dem Holocaust. Es folgte täglicher Dauerbeschuss mit hunderten Raketen aus Gaza sowie dem Libanon − und der GAZA-KRIEG, den Israel mit dem erklärten Ziel führt(e?), die Geiseln zu befreien und die Hamas zu vernichten. Zuletzt wuchs die internationale Kritik am Vorgehen der rechtskonservativen Netanjahu-Regierung im Gazastreifen und am unsäglichen Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung. Seit Kriegsbeginn wurden in Gaza mehr als 67.000 Palästinenser:innen getötet. Durch den Domizid und Demozid in Gaza liegen noch Hunderte verschüttete Leichen in und unter den Trümmern.

Der Nahostkrieg wird inzwischen auch in Berlin verbissen ausgetragen.
Seit dem 7. Oktober 2023 erleben wir in Deutschland eine neue Welle des Antisemitismus. Er zeigt sich in altem und neuem Gewand – immer lauter, immer unverschämter und immer öfter auch in Form von Gewalt. Aktuell wurden Menschen jüdischen Glaubens in einer queeren (!) Neuköllner Szene-Kneipe nicht bedient und des Lokals verwiesen (18.10.). Teilnehmende hatten kürzlich auf der verbotenen Gaza-Demonstration am Berliner Alexanderplatz auf Arabisch eine »Wiederholung des 7. Oktober« gefordert. Der Berliner Musiker Andrej Hermlin, der bis 2023 Mitglied der Linkspartei war, kritisiert eine zunehmende Cancel-Culture und Boykott-Aktionen in der Kulturszene gegen Künstler, die mit den Geiseln der Hamas solidarisch sind. Hermlin spricht von ›Kultur-Stalinisten‹.



Als ich die Ausstellung verließ, drang die haTiqwah/ הַתִּקְוָה in meine Ohren: »Solang noch im Herzen eine jüdische Seele wohnt und nach Osten hin, vorwärts, das Auge nach Zion blickt, solange ist unsere Hoffnung nicht verloren, …« (Naphtali Herz Imber, 1856–1909). Seit dem 7. Oktober 2025 herrscht eine fragile Waffenruhe. Die überlebenden Geiseln konnten zu ihren Familien zurückkehren.
Die Ausstellung ist in der ehemaligen Abflughalle (Zenralflughafen) des entwidmeten Tempelhofer Flughafens bis zum 16.11. zu sehen. Die Ausstellungs-Site wird von von der Firma Eventim betrieben und bietet wenig Informationen. Es können auch Karten vor Ort gekauft werden. Die Altersbeschränkung beachten.