NETZWERK

Warum ist ein riesiges Tarnnetz vor Mies van der Rohes Nationalgalerie aufgespannt? Neugierig geworden, unterbrach ich meine Busfahrt im M29.

Das »Festival of Future Nows 2025« (etwa: ›Feier von Gegenwarten, die in der Zukunft liegen‹) startete in und um die ›Neue Nationalgalerie‹. Unter der Leitung des dänisch-isländischen Künstlers Ólafur Elíasson bespielen derzeit mehr als hundert Künstler:innen − Kollektive, Performer, Musiker − den Bau (31.10.).

Ólafur Elíasson steht für seine Inszenierung von Naturphänomenen. 2009 gründete er an der Berliner Universität der Künste sein temporäres »Institut für Raumexperimente«. Bei der zehnten Ausgabe des »Festival of Future Nows« geht es immer noch um Zukünfte. Alles greift ineinander: Stadt und Natur, Mensch und Pflanzenwelt, Regenwald und Nationalgalerie. Drei Tage lang hat
das Museum bis spät geöffnet (Event, bis 02.11., Eintritt frei).

Die Tarnnetze sind ukrainische Behelfsnetze aus Stoffresten. FABIAN KNECHT hat sie aus dem täglich durch Drohnen angegriffenen Land bezogen. Im Tausch ließ er professionelle Tarnnetze in die Ukraine schicken.
RICA MOSCO ist eine multidisziplinäre Künstlerin, Performerin und Kunstvermittlerin mit Schwerpunkt auf Textilkunst und Upcycling. Sie untersucht Schnittstellen zwischen Natur, Gesellschaft und Materialität. Moscos »Xxylem art« entsteht aus
der Auseinandersetzung mit ökologischen Fragestellungen.
Eine scheinbar kaputte Scheibe in der Neuen Nationalgalerie: »Sorrow Window« von NINA SCHULKI. Die Künstlerin simuliert
die Sprünge in der Glasfront mit einer Folie. Das beschädigte Glas bietet jetzt Angriffsfläche für einen fragilen Kunstraum.
Schuiki hat im Inneren der Nationalgalerie außerdem einen glitzernden Teppich aus Glassteinchen auslegt, der sich auf der Terrasse scheinbar fortsetzt. Vandalismus! Die Glasstückchen stammen von zerstörten Scheiben im Berliner Stadtraum.
Gesehen am 03.11. in Schöneberg.

Hinterlasse einen Kommentar