BERLINER SCHLITTERFAHRT


Die Tiefs »Elli« und »Gunda« führten aufs Glatteis (07.–14.01.). Tückische Eispanzer sorgten für tagelanges Glatteis-Chaos auf den Gehwegen der ›Weltstadt‹ Berlin. Der Rettungsdienst der Berliner Feuerwehr hatte zeitweise die »Auslastungsstufe 3« ausgerufen. Bis zum letzten Jahr wurde dies noch als »Ausnahmezustand« bezeichnet. Der Autoverkehr hatte dabei die Feuerwehr weniger beschäftigt, denn die meisten Straßen waren frei. Kaum Beulen an Autos! Die BERLINER SCHLITTERFAHRT führte dagegen Fußgänger (zu) oft in die Unfallkrankenhäuser. Der Zustrom an Patienten riss nicht ab. Die Patienten hatten sich komplexe Frakturen von Sprunggelenk, Schenkelhals, Hand, Schulter, Ober- oder Unterarm sowie Platzwunden, Prellungen und Kopfverletzungen zugezogen.

Das Freiräumen und Streuen der Straßen übernimmt die Berliner Stadtreinigung (BSR). Die BSR ist für bis zu 11.000 Kilometer Fahrbahn auf den Straßen der Metropole zuständig. Gestreut wird »nach Priorität«.

Die Gehwegs-Räumung ist in der Hauptstadt privatisiert. Grundsätzlich sind die Anlieger zuständig, heißt es im ›Berliner Straßenreinigungsgesetz‹. Warum aber die bezirklichen Ordnungsämter Hauseigentümer nicht zur Verantwortung heranziehen,
und Flächen, die der Stadt gehören, nicht gestreut werden, bleibt ein Mysterium. Zumindest innerhalb des S-Bahn-Rings.

Doch darüber hinaus lehnt die BSR eine Änderung ab. Die zusätzlich zu bearbeitende Strecke für den Winterdienst auf Gehwegen und Radwegen in der Stadt entspräche schätzungsweise 12.000 Kilometern. Ressourcen dafür seien nicht vorhanden. Das Räumen und Streuen auf Gehwegen sei zudem komplexer als auf Fahrbahnen.

OLYMPISCH: Um Unfälle und Brüche auf glattem Untergrund zu vermeiden, raten Orthopäden und Unfallchirurgen dazu, sich vorsichtig im »PINGUIN-GANG« zu bewegen. Dabei wird der Körperschwerpunkt über dem auftretenden Bein ausgerichtet. Man bewegt sich äußerst langsam und schiebt sich mit kleinen Schritten auf ganzer Sohle über den Boden. Die leicht nach vorne geneigte Körperhaltung sorgt so für mehr Stabilität. Nach Möglichkeit sollen Passanten sich bei einer Person einhaken oder sich an Geländern und Häuserwänden entlangtasten. Empfohlen wird außerdem, Schuhe mit gutem Profil zu tragen und gegebenenfalls mittels SCHUH-SPIKES auch normales Schuhwerk wintertauglich zu machen (etwa 20,00 Euro). 

Aufatmen! Seit heute ist die Metropole wieder eisfrei. Der letzte wirklich schneereiche Winter in Berlin war 2010;
mit Rekordschneemassen und langanhaltenden vereisten Gehwegen.

Winteridylle 2026. Das Eis trügt mehr, als es trägt.

NOTABENE: Die gute Nachricht: 2025 war das drittwärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn. Erstmals liegt die globale Durchschnittstemperatur in drei aufeinanderfolgenden Jahren mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Es droht ein baldiges Überschreiten des Pariser Klimaziels. »2025 war ein weiteres außergewöhnliches Jahr für den Planeten«, erklärte Samantha Burgess, Vizedirektorin des EU-Programms Copernicus, in einem Briefing zur Veröffentlichung der »Global Climate Highlights«. Die vergangenen elf Jahre seien die elf wärmsten jemals dokumentierten gewesen. (SPEKTRUM, 14.01.2026). UND: Berlin soll »Modellstadt für Krisenfestigkeit« werden, so der Regierende Bürgermeister Kai Wegner in seiner gestrigen Regierungserklärung (Tagesspiegel, 16.01.). Wow!

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