MONDNACHT



Die BRASILIANISCHE MUSIK zeichnet sich durch eine große Vielfalt aus. Sie ist durch die Verbindung traditioneller und moderner Elemente geprägt. Daneben hat auch die Größe des Landes für eine Entstehung unterschiedlicher Regionalstile gesorgt. Im brasilianischen Verständnis werden die música erudita (›gelehrte Musik‹), die alle Formen der Kunstmusik umfasst, und die música popular unterschieden.

Ein Großteil der brasilianischen Bevölkerung sind Nachfahren der afrikanischen Sklaven, die vom 16. bis ins 19. Jahrhundert als Arbeitskräfte auf den südamerikanischen Kontinent verschleppt und ausgebeutet wurden. Diese stammten aus den portugiesischen Kolonien Angola und Mosambik. Heute leben in Brasilien die meisten Einwohner afrikanischer Herkunft außerhalb Afrikas. 

Die Musik und die Musikinstrumente Brasiliens sind vorwiegend durch die kolonialen portugiesischen Eroberer, durch die Afrikaner, ab dem 19. Jahrhundert aber auch durch europäische Einwanderer geprägt. Entsprechend dem geringeren Anteil der indigenen Bevölkerung hat die Musik der Ureinwohner eher regionalen Einfluss auf die brasilianische música popular. Im beständigen Dialog zwischen der europäischen Kunstmusiktradition und Elementen der brasilianischen Volksmusik und Folklore entstand eine genuin brasilianische Musikkultur.

Die acht Konzerte der bemerkenswerten Reihe »Brasil em Concerto – Brasilianische Klänge« zeigen den Reichtum an musikalischen Sprachen und Empfindungswelten sowie Merkmale, welche die brasilianische Konzertmusik seit dem 19. Jahrhunderts geprägt haben: die Romantik, der Modernismus von Heitor Villa-Lobos, die Música Viva von Cláudio Santoro, der Nacionalismo sowie zeitgenössische Konzertmusik aus Brasilien. Zurzeit zu hören in der brasilianischen Botschaft in Berlin (von November 2025 bis Juni 2026). Vielfalt als bereichernde verbindende Einheit.

Das fünfte Konzert der Reihe, »Nacionalismo I«, lud zu einer Reise durch die brasilianische Musik des 20. Jahrhunderts ein (23.03.). Der »Nacionalismo« ist ausdrücklich nicht chauvinistisch zu verstehen. Im »Nacionalismo« sind Gesang, Klavier und Dichtung in einem regen Dialog zwischen populären Traditionen und Moderne miteinander verflochten. Die vorgestellten Werke schlagen Brücken zwischen der Konzertmusik, ihren volksmusikalischen Wurzeln und den afrobrasilianischen Religionen (Macumba). Auf dem Programm standen repräsentative Werke des musikalischen ›Nationalismus‘‹ Brasiliens, mit besonderem Augenmerk auf Oscar Lorenzo Fernández (1897–1948), Francisco Mignone (1897–1986) und Eunice Katunda (1915–1990). 



Es glänzten die brasilianische Sopranistin CARLA COTTINI und der Pianist und Musikwissenschaftler RICARDO BALLESTERO aus São Paulo. Als Zugabe des gefeierten Auftritts gab es die

MONDNACHT
Es war, als hätt‘ der Himmel, 
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.  

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis‘ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande 
Als flöge sie nach Haus 

ROBERT SCHUMANN, Liederkreis, 12 Lieder, op 39, 1840. #5: Mondnacht. Vertonung aus Joseph von Eichendorffs Sammlung »VI. Geistliche Gedichte«.

Auf dem Heimweg war am Himmel über Berlin der zunehmende Sichelmond zu sehen. Der Vollmond im März wird traditionell »WURM-MOND« genannt (03.03., siehe oben). Die Böden tauen auf, und die Regenwürmer kommen wieder an die Oberfläche.
Der Frühling beginnt und die Natur erwacht. Janz beschwingt!

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