AUSGERECHNET BANANE 

Dit is Kreuzberg! Kreativ und nachhaltig.

Die Sechs-Millionen-Dollar-Banane. »Comedian« heißt das Kunstwerk des italienischen Konzeptkünstlers Maurizio Cattelan und wurde kürzlich im New Yorker Auktionshaus Sotheby’s für 6,2 Millionen US-Dollar (knapp 5,9 Millionen Euro) verkauft: Es besteht aus einer mit Klebeband an der Wand fixierten Banane. Bei der »Art Basel Miami Beach« 2019 hatte das Kunstobjekt bereits eine Kontroverse ausgelöst. Vor fünf Jahren stand es noch für 120.000 US-Dollar zum Verkauf. Und erlöste auch diesen aufgerufenen Preis.

Und natürlich ist an dem diskutierten Kunstwerk die Idee deutlich wichtiger als eine einzelne Banane. Außer seinem Bananenwerk
ist Cattelan auch dafür bekannt, eine voll funktionsfähige Toilette aus 18-karätigem Gold hergestellt zu haben. Dieses Werk nannte er »America« und bot sie US-Präsident Donald Trump in dessen erster Amtszeit einmal als Leihgabe an. MAGA.

Die jetzt versteigerte Installation »Comedian« ist ihre dritte Version (19.11.). Die erste wurde 2019 vom Performance-Künstler David Datuna gegessen. Der sagte, er sei hungrig gewesen, als er das Werk bei der Kunstshow in Miami begutachtete. Er nannte das eine Form der künstlerischen Intervention, die er »Hungry Artist« nannte. Einige Jahre später gab es einen ähnlichen Vorfall in einem Museum in Südkorea. Dort nahm ein Kunststudent die Frucht von der Wand, schälte und aß sie − um dann die Schale wieder an die Wand zu kleben. Künstler Cattelan habe das nicht gestört, hieß es. Nach seinen Instruktionen soll die reife Banane an der Wand alle zwei oder drei Tage ersetzt werden. 

Da es sich bei dem Kunstwerk stets um eine frische Banane handelt, erwarb der Käufer ein Zertifikat über die Echtheit des Werks sowie eine Anleitung, wie die Frucht zu ersetzen ist, wenn sie verdirbt. Kunst, die schmeckt!

TÜRCHENÖFFNER

In diesem Jahr bin ich reich an Adventskalendern: zwei Bildkalender, ein liebevoll ›selbstgemachter‹ Kalender mit täglichen kleinen individuellen Geschenken (wow) & ein Kalender mit süßen Spezialitäten aus Italien. Bella figura. Dazu kommen noch die digitalen Adventskalender: Kaufland, Der Tagesspiegel, Eintracht Frankfurt & der Berliner S-Bahn-Adventskalender. Den letztgenannten kann ich sehr empfehlen. Da leuchten die Kinderaugen. 


Seit dem 19. Jahrhundert gehörten Adventskalender zum christlichen Brauchtum. Sie entstanden in den protestantisch geprägten Landesteilen Deutschlands und sollten die Wartezeit auf Weihnachten ›erleichtern‹. Anfang des 20. Jahrhunderts verbreiteten sich die gedruckten Bildkalender. Seit mehr als zehn Jahren sind Adventskalender voll kommerzialisiert und ›müllen‹ die Supermärkte zu. Sie dienen als Produktvertriebsschienen und können schon mal dreistellige Preise kosten. Inzwischen gibt es in Anlehnung an Adventskalender sogar Ramadan-Kalender. Geld stinkt nicht. Da lobe ich mir die klassischen Bildkalender − und alles Selbstgebasteltes.

MUSEUMSSONNTAG ADE

Mich zog es am letzten Museumssonntag zum Museum Europäischer Kulturen (MEK) in Dahlem. Dort die Ausstellung WEIHNACHTEN MIT ALLEN SINNEN (bis 02.02.2025).

Sonntags ins Museum! Der Eintritt in die staatlichen Berliner Museen an jedem ersten Sonntag im Monat war seit Juli 2021 frei.
Das Ziel: die Stärkung kultureller Teilhabe und die Öffnung der kulturellen Einrichtungen für die ganze Gesellschaft. Das ärgerte
die schäbige Hausfrau. Am ersten Adventssonntag war jetzt Schluss (01.12.). Die Berliner CDU-SPD-Regierung streicht diese erfolgreiche Möglichkeit. Kultur nur für Reiche. Wie armselig.

FRANKFURTLIEBE

»Es is kaa Stadt uff der weite Welt/ die so merr wie mei FRANKFORT gefällt/ un es will merr net in mein Kopp enei:/ wie kann nor
e Mensch net von Frankfort sei!« (Friedrich Stoltze). 

Am U-Bahnhof ›Ostbahnhof‹ (Endbahnhof der U6) grüßt Sankt Martin. Von hier aus sind es nur wenige Meter bis zum Stammgeschäft von Gref-Völsings an der Hanauer Landstraße.

Leibchen-Kunde.
Die Eintracht-Frauen spielen Fußball ganz famos!
Die Urgroßmutter lernte als junge Frau im Hause Bethmann Kochen und Backen. Und der Mutter gelangen die Bethmännchen auch ganz toll.
Frankfurter Kränzchen für die kleinen Hände.

LEICA WELT

Besuch der »Leica-Erlebniswelt« im Wetzlarer Leitz-Park (20.11.). Gezeigt werden dort die Meilensteine der Produktentwicklung
und Unternehmensgeschichte. Alles rund um Ingenieurskunst, Technik und Design der Kultkamera Leica. Zu sehen sind nicht nur die Leica-Ikonen. Spannende Einblicke in die Produktion erhält man in der »Gläsernen Manufaktur«. Hier sieht man die Fertigung von Linsen, Objektiven, Gehäusen bis zur fertigen Kamera. Das »Ernst Leitz Museum« bietet die Möglichkeit, persönliche Aufnahmen
in besonderen Umgebungen und mit speziellen Effekten zu erstellen. Die darf man sich dann digital herunterladen. Hochkarätige Ausstellungen ergänzen die Möglichkeiten. Ein gelungener Nachmittag, der mit einem Kurzbesuch in der Wetzlarer Altstadt endete. 

Fast hätte ich eine Leica gekauft! Die Leica-Kamera als Papierbastelbogen kostet 10,00 Euro.

ELEPHANTEN-KLO

Die Hochschulstadt GIESSEN ist mit 95.000 Einwohnern die siebtgrößte Stadt Hessens. Sie ist Sitz des Regierungspräsidiums Mittelhessen sowie u. a. der JUSTUS-LIEBIG-UNIVERSITÄT (JLU). Gießen liegt an der Lahn. Die Stadt ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt zwischen den Städten Wetzlar, Marburg, Fulda und Siegen. Ab 1867 war Gießen auch Garnisonsstadt. Gießen wurde in den 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre stark von den Angehörigen der US-Armee geprägt.

Die »No 5 Bomber Group« der Royal Air Force flog zunächst am 2. Dezember 1944, dann am 6. und 7. Dezember, nächtliche Bombenangriffe. Beim zweiten Angriff (Codename »Hake«/ Hecht) wurde fast der ganze historische Stadtkern Gießens durch
einen Feuersturm vernichtet. Am 11. Dezember 1944 warfen 353 B-17-Bomber der United States Army Air Forces in einem Tagesangriff bei geschlossener Wolkendecke 731 Tonnen Sprengbomben und 1.116 Tonnen Brandbomben ab. Die Stadt war zu
zwei Dritteln zerstört, die Innenstadt zu 90 Prozent. Aufgrund der verheerenden Zerstörungen durch die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs und die Stadtplanung der Nachkriegszeit gibt es im eigentlichen Zentrum kaum noch Bauwerke der vorindustriellen Epoche. Was fehlt hier? Das Liebig-Museum, das Mathematikum, das Gießkannenmuseum, »Der Wal von Gießen« in der Hermann-Hoffmann-Akademie der JLU. 

BOMBENFUND bei meiner Ankunft (19.11.). Die 50-Kilogramm-US-Fliegerbombe war dann um 20:33 Uhr entschärft. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis die Weltkiegsmunition unschädlich gemacht werden kann.

Überregional bekannt und DAS Wahrzeichen der Stadt ist die wuchtige Fußgängerüberführung am Selterstor (und vor Karschstadt),
die wegen ihres Erscheinungsbildes den Spitznamen »ELEPHANTEN-KLO« trägt. So geht autogerechte Stadt.

»Dub dub dub dub dub dub dub dui dui dub dub
ZWEI ROSA ELEPHANTEN und ’ne Tüte Diamanten
schenke ich zur Hochzeit dir Elisabeth;
Ich bin ja so verschossen in deine Sommersprossen,
wann wirst du endlich mein,
ich finde dich ja so nett« […].
(Insterburg & Co, »Laßt uns unsern Apfelbaum und andere brandneue Ladenhüter«/ 1970)
Die JLU wurde bereits 1607 von Landgraf Ludwig V. gegründet und hieß nach ihm bis 1945 Ludwigsuniversität oder Ludoviciana.
Auf dem Gießener Wochenmarkt bieten bis zu 70 Händler und Selbsterzeuger an jedem Mittwoch und Samstag von 7.00 bis
14.00 Uhr ihre Produkte an. Der Wochenmarkt zieht sich vom Brandplatz über die Marktlaubenstraße bis zum Lindenplatz.
»Die Universitätsapotheke zum goldenen Engel«. Die neuentstandene Engel-Apotheke wurde im Juni 1956 wiedereröffnet. Auch der goldene Engel, der einst ein volkstümliches Wahrzeichen der Stadt gewesen war, wurde in schöner Handwerkskunst neu gestaltet und schmückt seit dem wieder in voller Größe das mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshaus.
Die Gießener werden als SCHLAMMBEISER − auch Schlammp-Eise − bezeichnet. Der Begriff geht zurück auf das »Schlamp-Eisen«, ein Werkzeug eines Kanalreinigers (»Schlamp-Eissers«), der – bevor es geschlossene Kanalisationen gab – den Müll und Schmutz
der Häuser (»Schlammp«) mit einer langen Eisenstange (»Eisen«) holte und mit Holzkarren außerhalb des Ortes entsorgte. Zwischen
den Häusern gab es oft kleine Gassen, in denen Kübel standen. In dem Freiraum über diesen Gassen hingen die Aborte der Häuser.
Die Schlammbeiser zogen mit ihren langen Stangen die Kübel aus den kleinen Gassen heraus und leerten sie.

ABENTEUERLAND

Eine Bahnreise in Zuganzeigen (19.11.). Hinweis: die Zeitangaben sind lediglich auf den Zuguhren und der Bahnhofsuhr korrekt.

Pünktliche Abfahrt in Berlin-Ostbahnhof. Die erste Verspätung von 20 MIN ergab sich kurz vorm Braunschweiger Hauptbahnhof als der ICE dort unvermittelt »wegen Gleisbelegung« auf Einfahrt warten musste. Das wurde dann wieder ›eingefahren‹ und reduzierte sich bis Fulda auf 10 MIN. Doch kurz vor Fulda erschienen auf den Zuganzeigen beunruhigende Anzeigen. Es wurden plötzlich Verspätungen von 45 MIN angezeigt. Keine Lautsprecherdurchsagen. Nach dem Personalwechsel in Fulda meldete sich ein junger Zugbegleiter mit einer launigen Durchsage: Der Bahnhof Hanau könne wegen einer Streckensperrung nicht direkt angefahren werden. Wir müssten deshalb über Aschaffenburg »um den Pudding herum fahren«. Da blitze in mir kurz der Gedanke auf, die Verantwortlichen in selbigen zu tunken. Die Planverspätung sollte eine Stunde betragen. De ja vu. Es wurde dann doch mehr. Denn nach einem längeren Aufenthalt in Aschaffenburg ging es über Darmstadt und Frankfurt-Niederrad zum Frankfurter Hauptbahnhof. Bis kurz vor dem Ziel erschienen bei der Zuganzeige die hier gezeigten ›Standbilder‹. Vom Personal war während der ganzen Fahrtzeit nichts zu sehen. In Frankfurt endete dann die Fahrt des ICE 575. Reisende mit den Fahrtzielen Hanau, Darmstadt, Mannheim und Stuttgart hatten Pech. Die Bahn lehrt Demut. 

Warum in ferne Länder reisen, um Meere, Wüsten oder Dschungel zu durchqueren? Die Deutsche Bahn sorgt für Nervenkitzel und Abenteuer. Die Züge fahren irgendwann irgendwohin. Vielleicht erreichen sie sogar den Zielbahnhof. Sänk Ju for trevellinglingbling wiss Doitsche Bahn. Deutschlandreise im Abenteuerland. 

Auf der Rückfahrt von Frankfurt am Main war der ICE 76 nur 15 MIN verspätet. Dafür waren wegen einer technischen Störung alle Zuganzeigen (auch für die Reservierungen) ausgefallen. Und ich lernte einen neuen Grund für Verspätungen kennen: »Wegen einer behördlichen Anordnung verspätet sich …«.

Für alle Fahrten in, ab und zurück bis Frankfurt nutzte ich das Deutschlandticket. Das will die CSU sofort abschaffen. Das Geld hierfür solle lieber in die marode Infrastruktur gesteckt werden. Neuwahlen. Die Verursacher der Probleme schicken sich an, wieder Führung zu übernehmen.

Am Frankfurter Hauptbahnhof findet man jetzt auch diese modernen Schließfächer. Sie funktionieren bargeldlos. In den Bahnhofsgeschäften müssen deshalb keine Geldscheine mehr in 1- oder 2-Euro-Münzen gewechselt werden. Unverrichteter Dinge und schwer bepackt wieder abziehen musste jedoch eine Französin (Frankfurt/ Main wird vom TGV angefahren) als Ihre Karte nicht akzeptiert wurde. Zwei Seiten einer Medaille.

Gewidmet den CSU-Bundesverkehrsministern: Peter Ramsauer (2009−2013), Alexander Dobrindt (2013−2017) und ›Mauti‹ Andreas Scheuer (2018−2021).

SCHLIESSUNG

Eine Berliner Kunstoase schließt. Das KLEINE-GROSZ-MUSEUM an der Schöneberger Bülowstraße schließt zum 25. November seine Pforten. Trotz rund 30.000 Besuchern im Jahr, konnte das Museum nicht verlustfrei betrieben werden. So endet das eigentlich auf fünf Jahre angelegte Projekt für Werke des Malers, Grafikers und Karikaturisten George Grosz (1893−1959) bereits früher. Das Museum war am 14. Mai 2022 eröffnet worden. Ob die wunderbar umgebaute Tankstelle aus den 1950er-Jahren nach der beendeten Verkehrswende wieder Tankstelle wird?

LETZTER TANZ?

Mehrere tausend Menschen versammelten sich am Mittwochvormittag auf dem ›Platz des 18. März‹, um gegen die drohenden Kürzungen im Berliner Kulturetat zu demonstrieren (13.11.). VORMERZ. Unter dem Motto »#BerlinIstKultur«.

Zu der Kundgebung aufgerufen hatte ein breites Bündnis aus Kulturinstitutionen − darunter die Opernhäuser, die Theater,
die Bibliotheken, die Musikschulen, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sowie die freien Gruppen und die Berliner Club-
commission: »Wir sind die Berliner Kultur, auf der Bühne sind wir zu Hause«. Hintergrund sind die aktuellen Beratungen der CDU-
SPD-Koalition über milliardenschwere Einsparungen in Berlin. Die Kulturszene befürchtet, bis zu 140 Millionen Euro einsparen zu müssen. Das entspricht zehn Prozent ihres gesamten Budgets. Und das nicht nur in diesem, sondern auch in den kommenden zwei Jahren. »Berlin lebt von der Kultur«, heißt es im Demonstrationsaufruf. »Sie ist der entscheidende Standortfaktor. Sie ist unsere Schwerindustrie. Jeder Euro, der in die Kultur investiert wird, ist eine Investition in die Zukunft der Stadt«. Wie wichtig die Kultur
für die Menschen ist, konnte man während der Zeit DER SEUCHE sehen. Aber wir leben inzwischen in der Zivilgesellschaft der Ökonomie. Dort hat nur all‘ Das eine Daseinsberechtigung, was sich rechnet.

Der Berliner MECKERCHOR mit dem Protest-Lied »Is doch Kacke!«.
Der #BerlinIstKultur-Protestsong »Klebstoff«.
Berlins Kultursenator Joe Chialo (CDU) stellte sich den Demonstrierenden. Er möchte verhindern, dass der Kulturbereich in Berlin zusammenbricht, und er will sich dafür einsetzen, dass er zukunftsfähig bleibt. Kultur ist in Berlin kein »nice to have«, sie ist das Herz der Stadt.
Heiße Moves zeigte das Staatsballett. 
Gänsehaut-Feeling beim Auftritt der drei Berliner Opernchöre: »Va, pensiero, sull’ali dorate/ Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen«. Ein Abgesang?