LIGHTSEEING

Während schon am Heizen gespart und darüber debattiert wird, wie dunkel die Metropole Berlin im Winter werden muss, lassen ›wir‹ es mit dem FESTIVAL OF LIGHTS noch einmal ›so richtig krachen‹. Die Veranstalter versprechen einen um 75 Prozent reduzierten Stromverbrauch im Vergleich zum Vorjahr. Bis zum kommenden Sonntag (16.10.) dauert das Lichtspektakel noch, bei dem 35 Sehens-
würdigkeiten bei Dunkelheit spektakulär inszeniert werden. Alles so schön bunt hier. Das Motto 2022: »Visions of our Future« – bevor das Licht in Deutschland ausgeht.

Vollmond. Ein Selbstoptimierer (3. von rechts) eilt zur Telebörse? So kommentiert der LETZTE ROMANTIKER.

BONKER

»Ich hock’ in meinem Bonker mitten in Berlin, […]«. 2022: Seuchen, Kriege, Dürren, Hitzetote, Noternten, Mißernten, Waldbrände, Trockenfallende Gewässer, Überschwemmungen, Schlammlawinen, Energieknappheit, Baustoffemangel, Wohnungsnot, Flüchtlingsströme, Verarmung vieler – unermesslicher Reichtum weniger, gesellschaftlicher Zerfall, …, 8 Milliarden Menschen bevölkern diesen Planeten. Die Ressourcen bleiben gleich. Sie sind endlich. »Ich hock’ in meinem Bonker mitten in Berlin, […]«

Filmtipp, ARTE-Mediathek:

»Der Ökothriller Soylent green – Alarmstufe rot aus Hollywood«

»Soylent green« (deutscher Titel: »… Jahr 2022 … die überleben wollen«) ist ein Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1972. Es geht um eine vom Menschen selbst verantwortete Klima- und Umweltkatastrophe. Es ist das Jahr 2022. In New York City leben 40 Millionen Menschen. Es mangelt an Wasser, Nahrung und Wohnraum. Lediglich einige Politiker und reiche Bürger können sich sauberes Wasser, natürliche Lebensmittel und schöne Wohnungen leisten. Richard Fleischer traf damals (vor 50 Jahren!) in vielerlei Hinsicht den Nagel auf den Kopf. Vor allem aber verknüpfte der Regisseur die Umweltproblematik mit der Frage der sozialen Ungleichheit. Richard Fleischers Film gilt als Meilenstein des Genres. Die ARTE-Doku zeichnet die abenteuerliche Entstehung dieses Kultfilms nach.

Dauer: 56 MIN. Verfügbar: bis 27.03.2023!

GLÜH-BIRNE

Zeit der Schals und der beschlagenen Brillen. Eine ›Zeitenwende‹! Spätestens jetzt muss dringend der GLÜHWEINSPEICHER aufgefüllt werden. Noch ist er völlig leer. Füllstand 0 Prozent.
›Merlot‹ wäre schick, oder? Und nach dem Glühwein-Genuss GLÜHT in der Kälte und Dunkelheit die BIRNE.
Wenigstens die.

Cave: Keine Gewürze in Pulverform verwenden! Denn sie trüben den Wein ein. Und bloß den Zucker weglassen!

Глинтвейн, den kriegste nicht böser Путине.

Ein ›Heißer Apfelwein‹ (auf gut hessisch: en ›HAASE‹ Ebbelwoi) hilft zusätzlich gegen Erkältung! 

So wird der traditionelle Frankfurter Wintertrunk aus ›Stöffche‹ oder ›Äppler‹ selbst zubereitet:

  • 1 Liter hessischer Apfelwein,
  • 1 Zimtstange,
  • 3 Gewürznelke(n),
  • 1 unbehandelte Zitrone.

Zitrone in Scheiben schneiden, alle Zutaten in einen Topf geben, langsam auf 80 Grad erhitzen,
nicht kochen, und etwas ziehen lassen. Gude!

NACHSCHLAG

Die GLÜHWEINAGENTUR meldete (am 05.10.): »Die Lage ist angespannt und eine weitere Verschlechterung der Situation kann nicht ausgeschlossen werden. Die Glühweinversorgung in Deutschland ist im Moment aber stabil. Die Versorgungssicherheit
in Deutschland ist derzeit weiter gewährleistet. Die Glühweinagentur beobachtet die Lage genau und steht in engem Kontakt zu
den Winzergenossenschaften und Logistik-Unternehmen«.

FARBENFEUER

Der kalendarische Herbst zieht uns in den Bann. Das goldgelbe Sonnenlicht bringt die Farben noch einmal kräftig zum Erstrahlen. Einstellige Temperaturen mit fallender Tendenz zum Gefrierpunkt kühlen schon merklich die Nächte. Raureif legt sich morgens über die Landschaften. Welkende Träume. Finger weg vom Lichtschalter! Nacht kommt genug – die Dunkelheit reicht für uns alle.

Die Lore-Ley

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin;
Ein Mährchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar[;]
Ihr gold’nes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr gold’nes Haar.

Sie kämmt es mit gold’nem Kamme,
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh’.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley gethan.

HEINRICH HEINE (Buch der Lieder, 1827)

MONARCHIE & ALLTAG

Eine Kolumne der wunderbaren PASCALE HUGUES

»Selbst wir Franzosen, die wir unseren König enthauptet haben, lassen uns von der großen Trauer in England anstecken.

Die wunderbare PASCALE HUGUES bei einer Lesung in der Berliner Galeries Lafayette.

Vergessen der Krieg in der Ukraine, die Pandemie, die Inflation, die Klimaerwärmung … Seit einer Woche gibt es für uns nur noch Corgis, Rennpferde, rosazeatische Adelige im Kilt und alte Damen mit phosphoreszierenden Hüten.

[…]

Ein Historiker hat uns gerade den proktologischen Ursprung der britischen Nationalhymne enthüllt. Im Jahr 1686 wurde der französische König Ludwig XIV. wegen einer Analfistel operiert. ›Gott schütze den König!‹, stimmten die Demoiselles des Internats Saint Cyr unter seinem Fenster im Chor an. Melodie und Text der Hymne haben die Engländer also von uns Franzosen geklaut!

Melancholische Trance

Der Tod dieser Königin, die wir für unsterblich hielten, versetzt uns alle in melancholische Trance. Alle halbe Stunde flimmert eine neue Meldung über die Bildschirme: […]

Bizarre Verehrung

Was ist hier los? Wurden wir einer kollektiven Gehirnwäsche unterzogen? Warum brauchen wir, die wir seit Ewigkeiten in parlamentarischen Demokratien leben, plötzlich eine Königin? Warum diese Verehrung für eine Familie bizarrer Aristokraten und neue, weit weniger upper-class-mäßige Anhängsel, […]

Um wieder zur Besinnung zu kommen, empfehle ich die genialen Monty-Python-Filme: King Arthur verkündet einer zerlumpten Bäuerin, die vor ihm im Schlamm kniend arbeitet: ›Ich bin dein König!‹ – ›Ich wusste nicht, dass wir einen König haben‹, antwortet sie. ›Ich dachte, wir wären ein autonomes Kollektiv. Ich habe Euch nicht gewählt.‹«

»Was mich betrifft, so knie ich mehrmals am Tag vor dem improvisierten Altar nieder, den ich auf dem Esstisch errichtet habe: Dort winkt eine kleine Plastikkönigin meiner Sammlung an Tassen, Tabletts und Keksdosen zu, die mit ihrem Konterfei verziert sind … Ein monströs kitschiger Votiv-Schnickschnack aus den Tiefen meiner Schränke.« (aus der Kolumne).

Pascale Hugues Text im französischen Original       

(Aus dem Französischen von ODILE KENNEL)

«[…] Même nous les Français qui avons pourtant décapité notre Roi sommes contaminés par ce virus au sang bleu. Un historien vient de nous révéler la genèse proctologique de l’hymne national britannique. En 1686, le Roi Louis XIV fut opéré d’une fistule anale. Que Dieu sauve le Roi ! entonnèrent en chœur les demoiselles du pensionnat de Saint Cyr sous ses fenêtres. La mélodie et les paroles nous auraient été empruntées par les Anglais.

La mort de cette Reine que l’on avait fini par croire increvable nous a tous plongé dans une drôle de transe mélancolique. […] Sur le Word Service de la BBC, des sujets racontent d’une voix chevrotante l’événement le plus marquant de leur vie : pendant trois secondes ils ont eu l’honneur serrer la main gantée de la Reine. […]

Que se passe-t-il ? Avons-nous été soumis à un lavage de cerveau collectif ? Pourquoi nous qui vivons depuis des lustres dans des démocraties parlementaires, nous qui nous sommes débarrassés de notre Monarchie, avons-nous soudain besoin d’une Reine ? Pourquoi cette vénération pour une famille de vieux aristocrates bizarroïdes et leurs nouveaux appendices beaucoup moins upper class : […]

Rien de tel pourtant que les géniaux Monty Python pour nous aider à reprendre nos esprits.

Le Roi Arthur proclame à une paysanne en guenilles agenouillée devant lui dans la boue: I am your king ! – I didn’t know we had a King, répond la gueuse. I thought we had an autonomous collective. Oh, I didn’t vote for you.»

QUELLE: Vollzitate/ Auszüge aus der heutigen Ausgabe des Berliner TAGESSPIEGEL (17.09.). Ich liebe ADELSEXPERTISE aus Frankreich! Am kommenden Montag enden (endlich) die königlichen Trauerfeiern und Direktübertragungen “From Dusk till Dawn”. Und die Monarchie(n)?

GERHARD-SCHRÖDER-DIÄT?

Morgens wird es jetzt später hell, abends früher dunkel. Die DUNKLE DEKADE zeichnet sich schon ab. Die Medien beschwören aktuell das Bild eines »Wutwinters« herauf. Bullshit.

PROLOG: Die EU hatte in Abstimmung mit unserer Regierung dem Aggressor Rußland den WIRTSCHAFTSKRIEG erklärt. »Der Westen wird den Wirtschaftskrieg gegen den Kreml gewinnen, aber nicht sofort. Er darf sich nur nicht von russischer Propaganda blenden lassen.« (taz, 30.07.) & »Wer Putin stoppen will, muss Opfer bringen« (SPON, 09.09.; diese Zitate stellvertretend für alle »Qualitätsmedien« und den ÖRR). – Hurra, hurra, hurra.

1. AKT: In diesem unserem reichen Land reicht es wohl nur noch für ›die Reichen‹. Der dumme Rest (Diejenigen, »die morgens früh aufstehen«, Politiker:innen-Sprech) bereitet sich deshalb vorsorglich schon mal auf die »GERHARD-SCHRÖDER-DIÄT« vor. Auch bekannt unter »F&H-Diät«: FRIEREN & HUNGERN. Benannt nach dem von den neoliberalen Apologeten und dem verrohten Bürgertum gefeierten ›größten deutschen Sozialreformer‹. Sparen ist für eine wachsende Mehrheit einfach nicht mehr drin, da quietscht gar nichts mehr. VERZICHT ist dagegen angesagt.

2. Akt: Das »Kriegs=Kochbuch« von MARY HAHN aus vergangenen (?) imperialistischen ›Kaiserszeiten‹ (1916. Neuauflage?).
Der Kaiser würde sich postum freuen) hatte schon den Großeltern und Eltern über schlechte Zeiten hinweg geholfen. Mit einem »Muster=Speisezettel für einen Monat in der fettarmen Zeit«. Mit Tipps für die Nahrungssuche am Bahndamm, am Straßenrand und in Parks (im Winter jedoch blöd). Oder für Ersatzstoffe. Vegan ist voll trendy (»Versuchs doch mal vegan«, aus einer aktuellen Werbung).

Die Tafeln in Deutschland verzeichnen seit Jahresbeginn einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage. Die Zahl der Nutzer der sozialen Angebote habe sich um die Hälfte erhöht und einen neuen Rekordstand erreicht, teilte der Dachverband der Organisation mit. Mittlerweile würden deutlich mehr als zwei Millionen von Armut betroffene Menschen in Deutschland die Angebote wie kostenlose Lebensmittel nutzen. Dies seien so viele Bezieher wie nie zuvor. Es gibt einen Aufnahmestopp in mehreren Bundesländern.

3. AKT: Die ehrenamtlichen Tafeln e. V. wurden zwar einst geschaffen, um die Armut zu privatisieren (»Privat ist besser als Staat«). Jetzt aber immer heftiger steigende Energie- und Lebensmittelpreise – ja regelrechte PREISSPRÜNGE – bei sich kontinuierlich verringerndem Spendenaufkommen. »Die Tafel ist am Limit« (Berliner Zeitung, 14.07.). Die Tafeln spüren die wachsende Zahl der Bedürftigen (Arbeitssuchende, Geringverdiener:innen, Rentner:innen sowie Geflüchtete, die auch von den Behörden logischerweise dort hingeschickt werden). Spannende Zeiten des Umbruchs.

EPILOG: Die Wirklichkeit ist auf ideologisierte Marktradikale getroffen. Ob wenigstens das nebulös angekündigte ›ENTLASTUNGSPAKET 3‹ jetzt endlich und schnell bei den unmittelbar AKUT ›Bedrohten‹ ankommt, und zunächst Schlimmeres verhindern kann?

Da müssen ›wir‹ wohl durch! Liebe Politik! Tak for ingenting!

HER MAJESTY

Her Majesty The Queen Elizabeth II (*21. April 1926; †8. September 2022 auf Balmoral Castle).
So vertraut Ihr Konterfei auf Geldscheinen, Münzen, Briefmarken. Royaler Kitsch. Der Englisch-Unterricht.
Aus (m)einem Menschenleben nicht wegzudenken.

Der Fels in der Brandung des Wahnsinns hinterlässt eine gewaltige Lücke. Break! Iceberg ahead! – Kalt erwischt.

Last Night of the Proms 2022 (10.09.)? God Rest the Queen.

On 6th February this year Her Majesty The Queen became the first British Monarch to celebrate a Platinum Jubilee, marking 70 years of service to the people of the United Kingdom, the Realms and the Commonwealth. Neulich in Kreuzberg.
Gedenken an der Britischen Botschaft in Berlin, Sonntagmorgen (11.09.).

Die witzige Szene war der überraschende Auftakt des Jubiläumskonzerts für Her Majesty The Queen in London (»BBC’s Platinum Party At The Palace«, 04.06.2022). Der kleine BÄR PADDINGTON hat immer Toastbrot für Marmelade im Hut – für Notfälle. Doch seitdem wusste das Vereinigte Königreich, dass es Her Majesty ebenso ging. »Ich habe meins hier drin«, sagte die echte Elizabeth II. bei einem Treffen mit dem animierten Filmliebling – und zog lächelnd ein gleiches Marmeladen-Sandwich aus ihrer geheimnis-
umwitterten Handtasche. »Frohes Jubiläum, Ma’am«, gratulierte Paddington der Queen zu deren 70. Throngeburtstag. »Und danke. Für alles.« Her Majesty The Queen wahrte wie immer die Contenance: »Das ist sehr freundlich«, erwiderte sie im Sketch.

Nette Idee, aber die Ratten?

“Knockin‘ On Heaven’s Door”

9-Euro-Ticket: Die ›Abschlussfahrt‹ führte mich nach MAGDEBURG (31.08.). Mit den Tram-Linien 2, 4 & 6 war ich dort mobil (all inclusive!), um möglichst viele Sehenswürdigkeiten zu erleben. Trotzdem konnte ich die Stadt nur ›anreißen‹.

Der erste Kaiser des »Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation« (lateinisch: Sacrum Imperium Romanum Nationis Germaniae) OTTO I. (912–973) ist zusammen mit OTTO VON GUERICKE (1602–1686) Namenspatron der heutigen ›OTTOSTADT MAGDEBURG‹. 

Aufgrund der schweren Zerstörungen 1631 im Dreißigjährigen Krieg und im Zweiten Weltkrieg besitzt Magdeburg weniger historische Bausubstanz als vergleichbare Städte. Der Luftangriff am 16.01.1945 zerstörte etwa 90 Prozent der Altstadt, darunter
15 Kirchen. Auch die Gründerzeit-Viertel erlitten erhebliche Schäden. Der BREITE WEG, eine der schönsten Barockstraßen Deutschlands, wurden damals fast völlig zerstört. Bei diesem Angriff kamen wenigstens 2.000 Menschen ums Leben. Viele Gebäude der Stadtgeschichte, Architektur, Kunst und Kultur wurden unwiederbringlich vernichtet. Wichtige Bau- und Kunstdenkmale konnten aber wiederhergestellt werden. Hinzu kam vor allem im Universitäts-Viertel gelungene moderne Architektur. Der Reiz liegt im Kontrast historischer und neuer Bauten. Magdeburg bietet heute ein schönes Stadtbild. Schnörkellos. Fahr‘ mal hin!

In seiner Schlichtheit begeistert mich der Magdeburger DOM »St. Mauritius und Katharina«. Der Dom ist die erste von Anfang an gotisch konzipierte und die am frühesten fertiggestellte Kathedrale der GOTIK auf deutschem Boden. Er wurde ab 1207/ 09 gebaut und im Jahr 1363 geweiht. Der Dom ist Grabkirche OTTOS DES GROSSEN.

Statue des HEILIGEN MAURITIUS im Dom.
Am WESTPORTAL des Doms trafen sich die Guten. Etwa, um ans Himmelstor zu klopfen?
Nein, zu einem Fototermin.
Der MAGDEBURGER REITER (Nachbildung) am Alten Markt gilt als das erste freistehende Reiterstandbild nördlich der Alpen.
Wenn man die Römerzeit nicht berücksichtigt.
ALTER MARKT: Von 1965–69 wurde das Alte Rathaus wieder originalgetreu aufgebaut.
Die Festung KASERNE MARK, erbaut 1860, ist heute ein Kultur- und Tagungszentrum.
Die Stadt am Schnittpunkt von Elbe, Elbe-Havel- und Mittellandkanal besitzt einen bedeutenden BINNENHAFEN.

LULU

An den letzten beiden Gültigkeitstagen zelebrierte ich das 9-Euro-Ticket nochmals in vollen Zügen. Am vergangenen Dienstag
ging es nach LUDWIGSLUST (Mecklenburg Vorpommern, 30.08.). Die frühere Residenzstadt liegt 35 Kilometer südlich der Landes-
hauptstadt Schwerin an der Bahnlinie Berlin–Hamburg. Ludwigslust ist als Fernbahnhof ein wichtiger Umsteigepunkt für
die Züge aus und nach Hamburg.

Die Stadt wurde von Herzog Christian Ludwig II. 1747–56 angelegt und erhielt aufgrund ihrer in Norddeutschland einzigartigen barocken Schlossanlage den Beinamen »Versailles des Nordens«. Das Namengebende einfache Jagdschloss bildete die Keimzelle für den Ausbau zu einem prächtigen barocken Residenzschloss. In dieser Zeit wuchs auch die zugehörige Residenzstadt von Mecklenburg-Schwerin. Ludwigslust wurde, wie für die Barockzeit typisch, auf dem Reißbrett mit schnurgeraden breiten Symmetrie- und Sichtachsen geplant. Die Altstadt wurde dann zunehmend im Stil des Klassizismus errichtet. Ab 1809 wurde auch privates Bauen erlaubt. Die endgültige Verlegung des Hofes begann 1763 und war 1765 abgeschlossen, die Regierungsbehörden waren jedoch in Schwerin verblieben. Danach setzte in der Hauptresidenz rege Bautätigkeit ein. Um das Schloss herum entstanden Funktionsgebäude und Häuser für das Personal. Der SCHLOSSPARK wurde als Barockgarten französischer Prägung angelegt und mit Alleen, Skulpturen und Springbrunnen verziert. Er ist einer der größten Landschaftsparks Norddeutschlands. Der Große Kanal (Ludwigsluster Kanal) von 1760 leitet das Wasser zu der KASKADE an der Hofseite des Schlosses. Die Hofkirche (heute STADTKIRCHE) liegt gegenüber dem Schloss. Auch wenn Ludwigslust nur eine kleine Stadt ist, ist sie doch sehr weitläufig.

1837 verlegte Herzog Paul Friedrich die Residenz des inzwischen zum Großherzogtum erhobenen Landesteils zurück nach Schwerin.

In der Zeit von 1837 bis 1992 war Ludwigslust GARNISONSSTADT, was sich auch baulich niederschlug. 1838 der Mecklenburg-Schweriner Dragoner. Am 1. Mai 1945 machten die britischen Streitkräfte das Schloss Ludwigslust zu ihrem Hauptquartier
(7th Armoured Division, 8th Infantry Division & 82nd Airborne Division/ 82. US-Luftlandedivision). Dort kapitulierte am 2. Mai 1945
Kurt von Tippelskirch, stellvertretender Oberkommandierender der ›Heeresgruppe Weichsel‹ der deutschen Wehrmacht.
Danach waren in Ludwigslust Pioniere und eine Mot-Schützen-Division der Westgruppe der Sowjetischen Streitkräfte stationiert.

Nachdem der Ostflügel des Schlosses bereits fast komplett saniert ist, wird derzeit der Westflügel restauriert. Die Arbeiten werden voraussichtlich noch bis 2024 andauern.
Die neugotische katholische Backsteinkirche »St. Helena und Andreas« (rechts) wurde 1803–1809 erbaut.

ANTIKRIEGSTAG

Am 1. SEPTEMBER 1939 überfiel das faschistische Deutschland Polen, um in einem »Vernichtungskrieg« ganze Volks- und Religionsgruppen auszurotten. Die Nachkriegsordnung hielt nur zweieinhalb Generationen. Jetzt ist der Krieg wieder ein legitimes Mittel der Politik. Journalist:innen überbieten sich voller Kriegsbegeisterung wieder darin, den Heldenkampf und Heldentod zu feiern.

Seit 1957 wird am 1. September an die Schrecken des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie an die schrecklichen Folgen von Krieg, Gewalt und Faschismus erinnert. An jedem 1. September machen auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und seine Mitgliedsgewerkschaften seitdem deutlich: Die deutschen Gewerkschaften stehen für Frieden, Demokratie und Freiheit. Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus! Der DGB-Aufruf zum Antikriegstag 2022 steht unter dem Motto: »Für den Frieden! Gegen einen neuen Rüstungswettlauf! Die Waffen müssen endlich schweigen!«

Das Denkmal des Krieges im Dom zu Magdeburg. Das »MAGDEBURGER EHRENMAL« ist eine Holzplastik von ERNST BARLACH. Das Mahnmal zeigt zwei mal drei Personen, die aus drei großen geleimten Eichenblöcken geformt sind. Mittig ein Kreuz mit den Jahreszahlen 1914–1918. Barlach selbst charakterisierte die Halbfiguren im unteren Bereich als NOT, TOD und VERZWEIFLUNG, die dahinter stehenden Figuren symbolisieren den KRIEGSERFAHRENDEN, den WISSENDEN und den NAIVEN. Erstmals aufgestellt wurde das Ehrenmal am Totensonntag 1929. Die Plastik wurde 1934 wieder entfernt. Am 19. September 1955 wurde das Ehrenmal erneut im Dom aufgestellt. Dort befindet es sich noch. Gestern besuchte ich Magdeburg und den Dom.