CHILL MAL

›CHILL MAL‹, so lautet der Titel meines Wandkalenders für 2022. Er ist nun in einer kleinen Auflage fertig gestellt. Jetzt muss ich nur noch an den Bildtexten für die vierzehn Fotos feilen. In genau zwei Monaten ist Heiligabend. Ich freue mich.

PUFFERKÜSSER

Er war seit den 1950er-Jahren im (West)-Deutschen Bahnverkehr das prominenteste Aushängeschild:
Der ›Trans-Europ-Express‹ kurz TEE genannt.

Diesen Zug (Baureihe 601, VT 11.5) hatte ich noch in HEIDELBERG gesehen. Heidelberg war 1967 in das TEE-Netz einbezogen worden. Aber erst mit der Einführung des Intercity-Systems fuhr der TEE als 11/ 12 »REMBRANDT« planmäßig durch die Welthauptstadt der Romantik. 1979/ 80 verkehrte der Zug samstags zwischen Dortmund und Innsbruck. Nun ist er für vier Wochen im Deutschen Technikmuseum zu bewundern (03.–31.10.)

Der TEE kann allerdings nicht mehr selbst fahren, eine betriebsfähige Wiederaufarbeitung scheiterte an den Kosten. Der Zug gehört der Deutschen Bahn und steht im DB-Museum in Koblenz. Nach Berlin kam der TEE erstmals nach der Wende.
Vom 27. Juli 1990 bis zum 29. September 1990 setzte ihn die Deutsche Reichsbahn zwischen Hamburg und Berlin als Intercity
»Max Liebermann« ein.

Das ›Gegenstück‹ in der ›TäTäRä‹ war die DR-Baureihe VT 18.16 (ab 1970: Baureihe 175, »Bauart Görlitz«). Bekannt war der Zuglauf als »VINDOBONA« über Prag nach Wien. Zwei Züge sind erhalten. Am Bahnhof Berlin-LICHTENBERG steht die nicht einsatzfähige 175 015–016. Aber das ist eine andere Geschichte …

AUFHIMMELN

Frankfurt/ Main. Die Stadt der Banker:innen, Kaufleute & Messen – aber auch der Kaiserwahlen und Kaiserkrönungen – ein Ort der Romantik? Das DEUTSCHE ROMANTIK-MUSEUM ist weltweit das erste Museum, das sich der Epoche der deutschsprachigen Romantik als Ganzes widmet. Das Deutsche Romantik-Museum will DEN Erinnerungsort für eine Schlüsselepoche der deutschen und europäischen Geistesgeschichte bilden. Der BLAUE ERKER, der nachts in den Großen Hirschgraben hineinschimmert, symbolisiert die BLAUE BLUME. Das Museum grenzt an die Brandwand des Goethe-Hauses und bildet über den gemeinsamen Garten eine Einheit mit diesem. In der Dauerausstellung wird GOETHE in ein neues Licht gesetzt. Goethe war der Liebling der Frauen. Goethes ›erotische Objekte‹ der Begierde waren ungewöhnlich lange bereits ›vergebene‹ Frauen. Vor solchen, die disponibel waren, floh er bald. Sehr unterhaltsam sind auch heute noch die Ansichten des Dichters rund um die Themen Frauen und Liebe (14.09./ 01.10.).

Goethe und die Frauen … DER KLASSIKER.

WALJAHR – Alles im Tran

Die Auszählung der Stimmen im Wahlkreis Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost ist beendet. BUNDESTAG: bei den ZWEITSTIMMEN siegten die Grünen – sie bekamen 36,7 Prozent. Danach folgen SPD (19,2 Prozent), Linke (18,1 Prozent) und CDU (7 Prozent).

Die Zweitstimmenverteilung im Wahlkreis Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost weicht teils sehr deutlich vom bundesweiten Ergebnis ab. Die größten Unterschiede bestehen bei den Grünen, die 21,9 Prozentpunkte mehr bekommen haben als in Deutschland insgesamt, bei der CDU (17,1 Prozentpunkte weniger als die Union bundesweit) und bei der Linken, die im Wahlkreis 13,2 Prozentpunkte mehr holte als im gesamten Bundesgebiet.

Auch die Wahl der ERSTSTIMMEN gewannen die Grünen: Canan Bayram sicherte sich das Direktmandat mit 37,8 Prozent der Stimmen. Sie war bereits Mitglied im 2017 gewählten Bundestag und konnte ihr Direktmandat verteidigen. Auf Platz zwei kam Pascal Meiser (Linke) mit 17,7 Prozent. Den Bezirk vertreten im 20. Deutschen Bundestag ferner Pascal Meiser (Die LINKE) & Cansel Kiziltepe (SPD), die über die Landeslisten einzogen.

Die PARTEI schaffte es außerdem bei den BVV-WAHLEN in das Bezirksparlament Friedrichshain-Kreuzberg einzuziehen und erhielt dort zwei Sitze. »Wir haben einen sehr klaren Regierungsauftrag. Nur halt von sehr wenigen Menschen«, so Marie Geissler, Vorsitzende von Die PARTEI in Berlin.

Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost betrug 78,4 Prozent. Deutschlandweit gaben 76,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.

Dem neuen Bundestag werden 735 Parlamentarierinnen und Parlamentarier angehören, 26 mehr als nach der Wahl 2017 und 137 mehr als die Mindestzahl von 598 Sitzen. Treibmittel CSU: Da die CSU eine Regionalpartei, bundesweit somit eine Kleinpartei ist, ist der Ausgleichsbedarf relativ hoch. Jeder CSU-Überhang zieht 17 Ausgleichssitze nach sich. Insgesamt kommt es so zu der Gesamtzahl von 735 Mandaten im neuen Bundestag. Wobei dank der drei ausgleichslosen Überhangmandate, die ja CSU-Mandate sind, die Christsozialen im Bundestag überrepräsentiert sind. Bundesverfassungsgericht, ick hör dir trapsen!

Die Reichen und Schönen hatten die Wahl …

VOLKSENTSCHEID

Am 26. September wird in Deutschland gewählt. Es ist die erste Wahl unter Pandemie-Bedingungen. Deshalb rechnet man bei den Briefwahlen mit einem höheren Aufkommen. Die Wahlämter stellen eine ordnungsgemäße Wahl sicher, während die AfD seit Monaten daran Zweifel schürt. Auch in der heißen Wahlkampfphase spielen Inhalte keine Rolle. Der manipulative Kampagnenjournalismus arbeitet sich überwiegend an Äußerlichkeiten ab. Teil der permanenten Manipulation sind die kommerziellen MEINUNGSUMFRAGEN (›Sonntagsfrage‹) und Wahlprognosen, die sogar in den Wochen bis kurz vor der Wahl veröffentlicht werden. Das ist unanständig und eine Missachtung des SOUVERÄNS. Das wurde auch schon mal anders gehandhabt. Es galt mal eine Sperrfrist. Zur Wahl stehen KEINE Kanzler:innen! 53 Parteien treten zur Bundestagswahl an, in Berlin sind es zur Abgeordnetenhauswahl 34 Parteien. Dort steht auch ein VOLKSENTSCHEID zur Abstimmung. BERJER (:innen) GEHT WÄHLEN!

Wählt, Berjer, wählt,

Ihr wißt ja, was uns fehlt.

Wählt merr nor kaa Schleppeträger,
Wetterfahne, Stellejäger!
Liwerante, Brockeschnapper,
Stimmvieh, Ja-Herrn, Hosehapper!
Juwelgreis, Philisterzöpp,
Hasefüß un Wasserköpp!

Friedrich Stoltze (1816–1891)

GLÜCKSELIGKEIT

Im Zeichen des Friedens und Dialogs zwischen den Kulturen steht das WEST-EASTERN DIVAN ORCHESTRA mit jungen Musikern aus dem Nahen Osten unter der Leitung seines Gründers DANIEL BARENBOIM. Nach dem großen Jubiläumsjahr 2019 zum 20-jährigen Bestehen und einer unfreiwilligen Corona-Pause im vergangenen Jahr war das West-Eastern Divan Orchestra endlich wieder bei seinem traditionellen Konzert in der WALDBÜHNE Berlin zu erleben (14.08.). Auch unter freiem Himmel galten Hygiene- und Sicherheitsregeln. Unter der Leitung von Daniel Barenboim präsentierten die jungen Musiker:innen Johannes Brahms Doppelkonzert für Violine und Cello mit den Solisten MICHAEL BARENBOIM & KIAN SOLTANI sowie Werken von Ludwig van Beethoven und César Franck. Das Publikum jubelte voller Dankbarkeit. Dafür gab es dann auch noch eine Zugabe, Nimrod aus Edward Elgars „Enigma Variationen op. 36“.

BETON BAROCK

Das HUMBOLDT-FORUM eröffnete im Juli in der Schlossattrappe. Es sind noch nicht alle Ausstellungen zugänglich. Die ersten
100 Tage kostet es keinen Eintritt. Es müssen aber Zeitfenster gebucht werden. Erste Ausstellungsbesuche: »SCHRECKLICH SCHÖN. Elefant – Mensch – Elfenbein« & SCHLOSSKELLER; ohne Zeitfenster: SKULPTURENSAAL, Foyers, Treppenräume, Innenhöfe (29.07. & 12.08.). Ab September folgen weitere Eröffnungen, darunter auch die Dachterrasse mit Restaurant. Ich komme wieder.

Im Gebäude befinden sich auch Originale aus dem PALAST DER REPUBLIK (1976–1998/ 2003).

Ein hölzernes Stück Berliner Geschichte: Gründungspfähle von tausenden, die einst das Fundament des Berliner Stadtschlosses trugen. Die Bäume waren zwischen 1603 und 1707 geschlagen worden. Dabei achteten die Altvorderen auf besonders gerade Stämme. Die wurden angespitzt und dicht nebeneinander in den teils schlammigen Baugrund gerammt, bis sie in mehreren Metern Tiefe auf festen Boden trafen. Zusätzlich legte man Bohlen darüber, so dass eine tragfähige Bodenplatte entstand, wie sie heute aus Beton gegossen wird.

EUROPABRÜCKE?

Zweiter Ausflug dieses 2. Corona-Jahres in die alte Kulturlandschaft östlich der ODER (11.08.). Über die NEUMARK ging es in die Woiwodschaft Westpommern (województwo POMORZE ZACHODNIE): Hohenwutzen, Siekierki (Zäckerick), Stare Łysogórki (Alt Lietzegöricke). Die polnischen Ortschaften haben sich in die Militärgeschichte eingeschrieben. Bei SIEKIERKI setzte 1945 die
1. Polnische Armee als Teil der Roten Armee unter Marschall Georgi Konstantinowitsch Schukow über die Oder. Dort liegt auch ein Soldatenfriedhof der polnischen ›Berlin-Kämpfer‹ (Cmentarz Żołnierzy 1 Armii Wojska Polskiego) und die ›EUROPABRÜCKE‹.

Die EUROPABRÜCKE zwischen SIEKIERKI und Neurüdnitz ist die längste Brücke an der Oder. Auf deutscher Seite sind es sieben einzelne Stahlbrücken, auf polnischer neun. Dazwischen ist eine Insel in der Oder. Früher fuhr hier ein Zug der Oderbruchbahn von Wriezen nach Stargard (heute Szczeciński). Die Brücke wurde am 15.03.1945 von der Wehrmacht zerstört. Nach dem Krieg wurde sie aus strategischen Gründen wiederaufgebaut (Sowjetische Westgruppe) und vom 28. Juni 1957 bis 2. Februar 1982 für Güterzüge genutzt. Die etwa 800 Meter lange Brücke sollte saniert werden und statt der Schienen einen Radweg erhalten. Lange fehlte das Geld. Vor zwei Jahren begannen dann tatsächlich die Polen mit dem Bau. Doch die gemeinsame Eröffnung Ende Juni 2021 platzte.
An der deutschen Grenze ist Schluss.

Der Soldatenfriedhof der Ersten Polnischen Armee wurde in Stare Łysogórki (Gemeinde Mieszkowice) kurz nach dem Zweiten Weltkrieg angelegt. Hier ruhen fast 2.000 Soldaten, die bei der Überquerung der Oder und in den Kämpfen um Berlin ihr Leben verloren. Da liegen sie in Reih’ und Glied, die Jahrgänge 1919 bis 1925. Die Jugend Europas! Bemerkenswert der einzige (?) Grabstein mit Foto. Auf 322 Grabsteinen steht »Nieznany«/ Unbekannt. Ganz in der Nähe des Soldatenfriedhofs befindet sich das Museum der 1. Polnischen Armee. Vor dem Museum steht das größte Exponat – ein Panzer, der den 1.290 km langen ›Kampfweg‹ aus Shitomir, durch Warszawa, Kołobrzeg, Gozdowice bis zur Elbe zurücklegte.