ROSTOCK MARITIM

Vom S-Bahnhof ›Lütten Klein‹ ging es zu Fuß durch das IGA-Gelände, vorbei an wohl hunderten quakenden Fröschen, zum Traditionsschiff und Technikmuseum »MS DRESDEN«. Das Schiff ist der letzte noch erhalten gebliebene Stückgut-Frachter einer Serie von 15 ›Typ-IV-Schiffen‹ der Deutschen Seereederei Rostock (DSR): Indienststellung am 27. Juli 1958, Außerdienststellung 1969; Besatzung: 57 Seefahrende.

Brücke.
Maschinentelegraph.
Bordtelefon und Bordwechselsprechanlage. Sprachrohre Kapitän (links) und Maschinenraum.
Signalflaggen. Am Tag wurden Signalflaggen gesetzt: »Alle Mann an Bord – will auslaufen« (im Hafen); »Lotse an Bord« (in Fahrt)
Kombüse.
Im Schiffahrtsmuseum wird wertvolle Arbeit geleistet. Hier von einem ehemaligen Seemann.
Auf der Fährverbindung Rostock–Trelleborg (SE) transportiert Stena Line seit 1994 auch Eisenbahnwaggons.
Korvette der Braunschweig-Klasse (K130). Die bisher fünf Korvetten des 1. Korvettengeschwaders sind in Rostock stationiert.
Auf der Strecke Rostock–Gedser (DK) betreibt Scandlines seit 2020 und 2022 die Hybridfähren »Berlin« und »Copenhagen«. Das Rotorsegel ist eine moderne Version des Flettner-Rotors. Durch die Umstellung von Diesel- auf Hybridantrieb konnte der CO₂-Ausstoß um etwa 15.000 Tonnen jährlich reduziert werden.
Auch der ehemalige Eisbrecher (Baujahr 1968) am Stadthafen kann besichtigt werden.

ROSTOCKER 7

R_O_S_T_O_C_K  =  1_2_3_4_5_6_7 Buchstaben. Die ›magische Sieben‹ in Rostock. Gerne hängt man in der Stadt Legenden und Geschichten an der Zahl Sieben auf.

Sieben Türme zählt der Scheingiebel am Rostocker Rathaus.
»Sieben stolze Schwestern küsst das Meer« heißt das Ensemble mit Brunnen aus dem Jahre 1970. Die sieben Frauen stehen
für die damaligen sieben Anrainer-Staaten an der Ostsee: DDR, BRD, Dänemark, Schweden, Finnland, Polen, Sowjetunion (mit den baltischen Staaten).
Die Rostocker Sieben, kulinarisch interpretiert vom sehr empfehlenswerten Hafenrestaurant »Borwin«.

Lichtgestalt CDF

Anlässlich des 250. Geburtstages von Caspar David Friedrich (1774–1840) feiert Greifswald den großen Sohn der Stadt. Am 5. Sep-
tember wurde in der Hansestadt der bedeutendste Maler der deutschen Romantik geboren. Caspar David wuchs in Greifswald auf, erhielt dort seine ersten Zeichenstunden und zog als junger Mann zunächst nach Kopenhagen und später nach Dresden. Immer wieder kehrte er in seine Heimat zurück. Vor den Toren der Stadt Greifswald befindet sich mit der Ruine ELDENA eines der Haupt-
motive aus Caspar David Friedrichs Gemälden. Immer wieder zeichnete und malte Friedrich die Überreste des Zisterzienserklosters aus den verschiedenen Blickwinkeln und machte sie damit zu einem Wahrzeichen der Romantik. Mit CDF sieht man besser!

Tipp: »Caspar David Friedrich. Unendliche Landschaften« heißt die große Werkausstellung in Berlin, die die Alte Nationalgalerie zeigt (bis zum 04.08.).

Der Greifswalder Dom hat jetzt eine von Ólafur Elíasson neu gestaltete Fenstergruppe. Seit dem 7. April schimmern die
neuen Fenster in Caspar David Friedrichs Taufkirche. Im Ostchor des »Doms St. Nikolai« bilden 3.383 mundgeblasene Scheiben
in 65 Farbtönen eine besondere Hommage an den weltberühmten romantischen Maler.

STIMMEN FÜR EUROPA


Vom 6. bis 9. Juni 2024 bestimmen 350 Millionen Unionsbürger:innen die Zusammensetzung des Europäischen Parlaments.
Mit Ihrer Stimme entscheiden Sie, welche Europaabgeordneten (MdEP) Sie vertreten.

Es ist immer wichtig, das Wahlrecht auszuüben. Vielen ist gar nicht bewusst, auf wie viele Menschen sich das Ergebnis der Wahl zum Europäischen Parlament auswirkt. Das Europäische Parlament verabschiedet Rechtsvorschriften, die uns alle betreffen: Umweltschutz, Sicherheit, Sozialpolitik, Verbraucherrechte, Wirtschaft, Rechtsstaatlichkeit, … . Es übt Einfluss auf die Europäische Kommission aus. Es bestimmt über Fördermittel für Regionen und Projekte. Diese Wahl ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, für
ein industriell starkes, soziales, gerechtes und solidarisches Europa zu stimmen. Je mehr Menschen wählen gehen, desto stärker wird die Demokratie.

Inzwischen eröffneten die Parteien den Wahlkampf (seit 20.04.). In Berlin kandidieren 34 Parteien.
Als FOTOCHRONIST dokumentiere ich bemerkenswerte Wahlplakate (wird fortgesetzt).

Christian Olearius (der ›Gesalbte‹/ ›irgendwas mit Öl‹) und das Hamburger Bankhaus M. M. Warburg & Co unterstützen das sicher vollumfänglich? Ach was, Schwamm drüber, Cum-Ex.
Anlässlich des FDP-Bundesparteitages in Berlin (27.–28.04.) hingen diese Plakate an Bushaltestellen.

ROMADAY

Flagge zeigen und Feiern. Das war das Motto am ROMADAY. Latcho Dives. Der 8. April ist der internationale Tag der Rom*nja. Nicht nur in Berlin feierte die Rom*nja-Community ihren lang anhaltenden Kampf nach Sichtbarkeit und Gleichberechtigung: »Lass maro tschatschepen« (Romani/ Romanes, »Lasst uns unser Recht fordern«)!

Am 8. April 1971 trafen sich erstmals 23 Repräsentant:innen der Minderheit aus 14 Ländern Europas in Orpington bei London und gründeten den ›Welt-Roma-Kongress‹. Ziel war der Kampf um soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Diese erste internationale Vereinigung war Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins. Die Idee einer transnationalen Nation drückte sich in
der eigenen Hymne, »Gelem, gelem« (deutsch »Ich ging, ich ging«, siehe unten), einer eigenen Flagge und der Einigung auf die Selbst-
bezeichnung ›Roma‹ aus. Seit 1971 wird der 8. April in vielen Ländern als ›Welt-Roma-Tag‹ begangen.

Die Rom*nja-Flagge. Die obere Hälfte ist blau, die untere grün. Das repräsentiert den Himmel und die Erde. In der Mitte der Flagge ist ein rotes Speichenrad zu sehen, das für die Wandertradition der Rom*nja steht.

An der Berliner Volksbühne heizten abends Mal Élevé und Mahala Raï Banda ein. Wahnsinn! Die begeisterten Konzert-
besucher:innen tanzten nicht nur ausgelassen in den Stuhlreihen. Einzelne kletterten auf die Bühne und pressten den Künstlern aus Anerkennung und Dankbarkeit Geldscheine auf die Stirn.

MAL ÉLEVÉ
Mal Élevé nimmt seinen Künstlernamen ernst: Seine Musik ist ›schlecht erzogen‹ – sie hält sich nicht an Regeln, stellt sich gegen die Norm. Mit dem offenen Umgang mit seiner Manouche-Identität inspiriert Mal Élevé insbesondere junge Roma und Sinti. Seine Songs – eine Mischung aus Reggae, Dancehall, Ska, Rap und Punk – sind eine Kampfansage gegen Faschismus, Kapitalismus und Sexismus und zugleich ein Aufruf zu weltweiter Solidarität. Manouche/ manush (Indisch/ Romani: ›Mensch‹) bezeichnet die Roma-Gruppe in Frankreich.

MAHALA RAÏ BANDA
Mahala Raï Banda ist eine Roma-Band aus Bukarest, die 2004 von dem rumänischen Geiger und Komponisten Aurel Ionita mitgegründet wurde. Die 11-köpfige Band präsentiert eine Fusion aus traditioneller Musik der Lăutari, der Roma-Violinisten und Cembalisten aus dem Süden Rumäniens, und aus der Blechblasmusik der Roma aus dem Osten Rumäniens.

Das Wort mahala bedeutet im Rumänischen Ghetto, Slum. Raï ist ein Wort arabischen Ursprungs. Dieser Begriff bezeichnet jemanden oder einen Sachverhalt, dessen Know-how bzw. Autorität von allen anerkannt wird. Es bezieht sich auf die Gruppe der Roma-Musiker (Lăutari). Aurel Ionita stammt aus einer Familie von Lăutari aus dem Dorf Clejani. Er ist mit mehreren Mitgliedern der Musikgruppe ›Taraf de Haïdouks‹ verwandt.

Gelem, gelem, lungone dromensa
Maladilem bakhtale Romensa
A Romale, katar tumen aven,
E tsarentsa bahtale dromensa?

A Romale, A Chavale

Sas vi man yekh bari familiya,
Mudardas la e Kali Legiya
Aven mansa sa lumnyake Roma,
Kai putardile e Romane droma
Ake vriama, usti Rom akana,
Amen khutasa misto kai kerasa

A Romale, A Chavale

Ich ging, Ich ging
Auf meinem sehr sehr langen Weg
Traf ich viele schöne Roma
Auf diesem sehr sehr langen Weg
Begegneten mir viele glückliche Roma?

Ahai, Roma, ahai Kinder,
Ahai, Roma, ahai Kinder!

Ich hatte einmal eine große Familie
Die Schwarze Legion [Crna Legija der Ustaše Militia, 1942] ermordete sie
Kommt mit mir Roma aus der ganzen Welt
Für die Roma die Straßen geöffnet haben
Jetzt ist die Zeit, steht auf Roma, jetzt
Wir steigen hoch, wenn wir handeln.

Ahai, Roma, ahai Kinder,
Ahai, Roma, ahai Kinder!

[…, insgesamt vier Strophen]

Von den erfassten rund 40.000 deutschen und österreichischen Sinti und Roma wurden bis Spätsommer 1944 mehr als 25.000
von Deutschen Reichsbürgern ermordet. Insgesamt fielen geschätzte 220.000 bis 500.000 Sinti und Roma dem Rassenwahn
der Nationalsozialisten und dem an ihnen systematisch geplanten Völkermord zum Opfer.

MITTEN IN EUROPA

Reise über das Osterwochenende nach FRANKFURT/ Main (30.03. & 02.04.), DARMSTADT (Basiscamp 1/ 28.–31.03.), an
die Hessische Bergstraße (29.03.), in die Kurpfalz (heute die europäische Metropolregion Rhein-Neckar) nach HEIDELBERG
(Basiscamp 2/ 31.03.–02.04.) und SCHWETZINGEN (01.04.).

Blick auf die nördliche Hessische Bergstraße. Rechts der Melibokus (517,5 Meter ü. NHN).
Bekannt ist die Bergsträßer Baumblüte.

Heimatliche Spezialitäten, immer ein Genuss: Frankfurter Grie Soß, Frankfurter Rindsworscht, Frankfurter Würstchen, Handkäs‘ und Kochkäs‘ mit Musik, Sparschel, Saumagen, Äppler und Mispelchen.

Hacke, Mische, Abschmegge. Gude!

Ein Pfund Schwetzinger Spargel mit Kräuterpfannekuchen.
Die Erdbeeren kommen (noch) vom Niederrhein.

Armut und Obdachlosigkeit sind inzwischen auch im ›reichen Süden‹ augenscheinlich angekommen.

Die Posts zu den besuchten Städten und Stätten (nach unten scrollen): UNTER DEN WOLKEN (Darmstadt), HEINERLINER (Verkehr), NACHTTIERHAUS (Frankfurt/ Main), DEUTSCHES PARADIES (Heidelberg) & GLÜCKSSCHWEIN (Schwetzingen). Fahr(t) mal hin!

UNTER DEN WOLKEN

In Darmstadt hatte ich ein sehr schönes Hotelzimmer im 11. OG, Blickrichtung nach Osten auf die ›Altstadt‹. Während meines Aufenthaltes gab es täglich abwechslungsreiche Wolkenhimmel. Am Gründonnerstag konnte man bis zum Taunus schauen. Es war bewölkt, aber trocken. Am Karfreitag regnete es ganztägig; am Ostersamstag herrschte ganztägig Hochnebel, verursacht durch Sahara-Staub.

HEINERLINER

Von Berlin nach Frankfurt und zurück fuhr ich mit dem Fernverkehr (DB-Sparpreise). Die Züge waren fast komplett ausgebucht.
Das habe ich zuvor noch nie erlebt. Beide ICE waren pünktlich! Ein Osterwunder? Ab und in Frankfurt nutzte ich für alle Strecken
das Deutschlandticket.

Warten auf die Tram. Die fährt aber bis zum 14.04. nicht über den Darmstädter Hauptbahnhof. Es verkehren Ersatzbusse.

Auf der der Überlandstrecke zwischen Arheiligen und Alsbach verkehrt die LINIE 8 mit neuen – jetzt GELBEN – Straßenbahnen der Baureihe ST (für Straßenbahn-Triebwagen) 15, Modelltyp TINA. Bei diesem Typ entfällt der Niederflur-Beiwagen. Seit dem 4. Quartal 2023 ist TINA im Regelbetrieb eingesetzt. Bis zum Sommer 2024 ist die Beschaffung der 25 neuen Straßenbahnen abgeschlossen. Außen hui, innen (Holzklasse), na ja.

Schienenersatzverkehr (SEV). Gut versteckt waren sie ja, die Hinweise zur Ab- und Weiterfahrt.
Da kam Ostervorfreude auf.

Über die Osterfeiertage war der Bahnverkehr zwischen Langen und Frankfurt/ Main Hauptbahnhof unterbrochen. Es fuhren keine Züge. SCHIENENERSATZVERKEHR (SEV). Keine Informationen an den Bahnhöfen. Die Fahrtdauer verlängerte sich um 45 MIN für die einfache Strecke. Auch ist bis zum 15.04. der U-Bahnverkehr in Frankfurt teilweise eingestellt. Kein schöner Zug.

Der Name HEINER war und ist ein Spitzname für die ›echten‹ Darmstädter, die »Heinerdeutsch« babbeln.