FABELHAFT 

Fahrt mit dem Deutschlandticket nach POTSDAM (05.11.). Dort Besuch dreier Ausstellungen.


FABELWESEN 

»Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst« lautet der Titel der Ausstellung im ›Museum Barberini‹. 4.000 Jahre Einhorn-Geschichte:
Die Bandbreite der Exponate bildet eine Zeitspanne vom zweiten Jahrtausend vor Christus bis in die Gegenwart ab und umfasst
außer Gemälden und Grafiken auch Skulpturen, Manuskripte, Tapisserien, Videoarbeiten und Kunstkammerobjekte.  

Dem mythischen Fabeltier nähert sich die sehenswerte Ausstellung in 150 Exponaten. Ein traumhafter Ritt durch die Kunst-
geschichte. 

»So sieht doch kein Einhorn aus!«, monierte ein Atelierbesucher 1885 beim Anblick von Arnold Böcklins Gemälde »Das Schweigen des Waldes«. »Ach«, entgegnete der Künstler, »haben Sie eins gesehen?« Womit der Schweizer Maler im Entstehungsjahr seines dunkel gestimmten Ölbildes nicht nur ironisch auf die zeitgemäße Skepsis dem Fabeltier gegenüber zielte, sondern ebenso auf die Freiheit der Kunst. Die Anekdote umreißt aber auch die ambivalente Geschichte des Einhorns als bestens in Wort und Bild, in Kunst und Kunsthandwerk dokumentiertes Wesen, das eben doch nur ein Fabeltier ist. Dennoch ist es bis heute in unserem Bildgedächtnis omnipräsent: taucht in Literatur und Pop-Kultur auf, dient der Spielzeugindustrie als Goldesel (Aus dem Tagesspiegel, 24.10.).

Als Spielverderber betätigte sich − mal wieder − die Wissenschaft.  Denn sie hatte festgestellt, dass es sich beim vermeintlichen Einhorn-Horn um den ›Zahn‹ des Narwals handelte. Im Kupferstich eines Kompendiums zur Naturkunde spricht Michael Bernhard Valentini 1704 vom Unicornu fictitium – der schlichten Erfindung.

Einhörner können der Legende nach nur von Jungfrauen eingefangen werden. Kreischende Mädchen tummeln sich meist am Wochenende im gut sortierten Museumsshop Und fangen dort mit viel Geld Einhörner.

Die Ausstellung ist bis zum 1. Februar 2026 zu sehen. Es empfiehlt sich das »Kombiticket« mit dem ›Kunsthaus Minsk‹, ermäßigt
12,00 Euro.

Arnold Böcklin (1827−1901), »Das Schweigen des Waldes«, 1885 (Leihgabe des Muzeum Narodowe w Poznaniu, MNP).

AFFENLIEBE

Wolfgang Joop wird 80. Aufgewachsen war er in Potsdam-Bornstedt bei der Oma. Eine Werkschau würdigt ihn und stellt Joops »Affenliebe« zur Schau. Im ›Kunstraum Potsdam‹ (Schinkelhalle) widmet sich die Sonderausstellung mit 225 Exponaten den Leidenschaften von Multitalent Wolfgang Joop: Malerei, Mode, Fotografie. Erstmals werden alle Werke gleichzeitig gezeigt. Es gibt Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen und natürlich Modedesigns zu sehen. Best of Joop: Affen und Engel, Joop und Wunderkind, Bornstedt und New York. 

Damit schließt sich der Kreis nach Bornstedt. Wolfgang Joop: »Als Kind war ich etwas schüchtern und flüchtete mich ganz schnell auf den Schoß meiner Großmutter mit der großen Kittelschürze. Und dann sagte sie: ›Ach Wölfi, was willst du denn von mir? Das ist doch schon Affenliebe.‹ So hatten wir auch die Idee, die Ausstellung ›Affenliebe‹ zu nennen.« (zitiert nach rbb24). 

Der Eintritt ist frei. Es wird aber empfohlen, online Zeitfenster-Tickets zu buchen. Bis 18.11./ Tram 93, Haltestelle ›Schiffbauergasse/ Berliner Tor‹ oder ›Holzmarktstraße‹. 


WOHNBLOCK

Die Ausstellung »Wohnkomplex« im Potsdamer ›Kunsthaus Minsk‹ entdeckt die künstlerischen Aspekte des seriellen Wohnbaus
der DDR. Nach der Wende wurde der industrielle Wohnungsbau umgangssprachlich als »Plattenbau« bezeichnet.

Über die Einheitlichkeit ›der Platte‹ kusierten Witze. Wie über die komplett identischen Grundrisse von Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) bis nach Suhl (Thüringen), in denen Elektriker die Steckdosen selbst mit verbundenen Augen fänden und Gäste nie
den Weg zur Toilette erfragen müssten.

Manche DDR-Bürger:innen schätzten die Modernität und zogen gerne in Modelle wie den WBS 70 (Wohnungsbauserie 70) ein. Doch nach dem Mauerfall änderte sich die Perspektive auf die in die Jahre gekommenen Neubausiedlungen: Das frühere Privileg wurde zum sozialen Stigma, das einstige Prestigeprojekt des Sozialismus zu einem Symbol des Scheiterns.

Die Ausstellung ist bis zum 8. Februar 2026 zu sehen. Es empfiehlt sich das »Kombiticket« mit dem ›Museum Barberini‹, ermäßigt 12,00 Euro.

Uwe Pfeifer (*1947), »Kinderfasching«.
Christian Thoelke (*1973), »Kaufhalle«, 2020.

NO FUTURE & NULL BOCK

Fahrtziel Abstellgleis/ Prellbock.
Wachstum. Das Drei-Grad-Ziel bei der Klimaerwärmung wird immer realistischer. Wir schaffen das! Gesehen auf der Langen Brücke.

NETZWERK

Warum ist ein riesiges Tarnnetz vor Mies van der Rohes Nationalgalerie aufgespannt? Neugierig geworden, unterbrach ich meine Busfahrt im M29.

Das »Festival of Future Nows 2025« (etwa: ›Feier von Gegenwarten, die in der Zukunft liegen‹) startete in und um die ›Neue Nationalgalerie‹. Unter der Leitung des dänisch-isländischen Künstlers Ólafur Elíasson bespielen derzeit mehr als hundert Künstler:innen − Kollektive, Performer, Musiker − den Bau (31.10.).

Ólafur Elíasson steht für seine Inszenierung von Naturphänomenen. 2009 gründete er an der Berliner Universität der Künste sein temporäres »Institut für Raumexperimente«. Bei der zehnten Ausgabe des »Festival of Future Nows« geht es immer noch um Zukünfte. Alles greift ineinander: Stadt und Natur, Mensch und Pflanzenwelt, Regenwald und Nationalgalerie. Drei Tage lang hat
das Museum bis spät geöffnet (Event, bis 02.11., Eintritt frei).

Die Tarnnetze sind ukrainische Behelfsnetze aus Stoffresten. FABIAN KNECHT hat sie aus dem täglich durch Drohnen angegriffenen Land bezogen. Im Tausch ließ er professionelle Tarnnetze in die Ukraine schicken.
RICA MOSCO ist eine multidisziplinäre Künstlerin, Performerin und Kunstvermittlerin mit Schwerpunkt auf Textilkunst und Upcycling. Sie untersucht Schnittstellen zwischen Natur, Gesellschaft und Materialität. Moscos »Xxylem art« entsteht aus
der Auseinandersetzung mit ökologischen Fragestellungen.
Eine scheinbar kaputte Scheibe in der Neuen Nationalgalerie: »Sorrow Window« von NINA SCHULKI. Die Künstlerin simuliert
die Sprünge in der Glasfront mit einer Folie. Das beschädigte Glas bietet jetzt Angriffsfläche für einen fragilen Kunstraum.
Schuiki hat im Inneren der Nationalgalerie außerdem einen glitzernden Teppich aus Glassteinchen auslegt, der sich auf der Terrasse scheinbar fortsetzt. Vandalismus! Die Glasstückchen stammen von zerstörten Scheiben im Berliner Stadtraum.
Gesehen am 03.11. in Schöneberg.

DIE SCHEUNE

Mit «berlin modern» entsteht in der deutschen Hauptstadt unweit des Potsdamer Platzes und des Tiergartens – in direkter Nachbarschaft der ›Neuen Nationalgalerie‹ von Mies van der Rohe, der Philharmonie und der Staatsbibliothek von Hans Scharoun – ein Prestigeprojekt der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK): das Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts.

Die Nutzfläche wird zirka 16.000 Quadratmeter umfassen. Davon sind etwa 9.000 Quadratmeter als Ausstellungsflächen vorgesehen.

Der Neubau und die benachbarte ›Neue Nationalgalerie‹ werden unterirdisch verbunden sein und zeigen dann künftig umfangreichere Kunstbestände aus der Sammlung der Nationalgalerie aus dem 20. Jahrhundert – rund 5.000 Werke. Seit Jahrzehnten konnte die ›Neue Nationalgalerie‹ ihre Bestände nur in Ausschnitten präsentieren. In der aktuellen Präsentation sind etwa nur drei Prozent der Sammlung zu sehen. Der gewaltige Baukörper entstand nach Plänen des Schweizer Architekturbüros Herzog & de Meuron. Seit der Entwurfsplanung wurde die Bauausführung weiterentwickelt, um das Haus sozial, ökologisch nachhaltiger und teilhabegerechter zu gestalten. Das Museum ist der größte und teuerste Museumsbau Deutschlands. Es soll
mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten und 2029 fertiggestellt sein. Am vergangenen Freitag war Richtfest für die ›big wigs‹.
Der Rohbau, der bereits zu großen Teilen errichtet ist, öffnete erstmals seine Türen für die Öffentlichkeit (18./ 19.10.).
Die Besucher:innen erhielten Einblicke in die künftigen Ausstellungsräume. Die Berliner Schnauze taufte das Gebäude bereits
im Wettbewerbsverfahren 2016 SCHEUNE.

L’CHAIM 

Die Hamas hatte das Nova-Festival am 7. Oktober 2023 überfallen. Die Ausstellung mit dem Titel »October 7, 06:29 AM – The Moment Music Stood Still« rekonstruiert das Festival-Gelände. Von den 3.000 Besuchern wurden 411 ermordet, Hunderte verletzt und 43 nach Gaza verschleppt. Die Hamas hat die Geiseln zwei Jahre lang gefangenen gehalten, grausam gefoltert, vergewaltigt oder verhungern lassen.

Hinter dem Projekt steht die »Tribe of Nova Foundation«, nach Berlin wurde es in Zusammenarbeit mit Vertretern der hiesigen Musik- und Kulturszene geholt.

Zu sehen sind originale Zelte, Campingutensilien und ausgebrannte zerschossene Autos. Gezeigt werden auch zurückgelassene persönliche Gegenstände der Besucher, die Fotos der Opfer, Videos vom Angriff der Hamas, Installationen und persönliche Berichte von Überlebenden und Angehörigen der Opfer. Im Loop sind die Stimmen und Geräusche zu hören.


Der mörderische Angriff war der schlimmste auf Juden seit dem Holocaust. Es folgte täglicher Dauerbeschuss mit hunderten Raketen aus Gaza sowie dem Libanon − und der GAZA-KRIEG, den Israel mit dem erklärten Ziel führt(e?), die Geiseln zu befreien und die Hamas zu vernichten. Zuletzt wuchs die internationale Kritik am Vorgehen der rechtskonservativen Netanjahu-Regierung im Gazastreifen und am unsäglichen Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung. Seit Kriegsbeginn wurden in Gaza mehr als 67.000 Palästinenser:innen getötet. Durch den Domizid und Demozid in Gaza liegen noch Hunderte verschüttete Leichen in und unter den Trümmern.



Der Nahostkrieg wird inzwischen auch in Berlin verbissen ausgetragen.

Seit dem 7. Oktober 2023 erleben wir in Deutschland eine neue Welle des Antisemitismus. Er zeigt sich in altem und neuem Gewand – immer lauter, immer unverschämter und immer öfter auch in Form von Gewalt. Aktuell wurden Menschen jüdischen Glaubens in einer queeren (!) Neuköllner Szene-Kneipe nicht bedient und des Lokals verwiesen (18.10.). Teilnehmende hatten kürzlich auf der verbotenen Gaza-Demonstration am Berliner Alexanderplatz auf Arabisch eine »Wiederholung des 7. Oktober« gefordert. Der Berliner Musiker Andrej Hermlin, der bis 2023 Mitglied der Linkspartei war, kritisiert eine zunehmende Cancel-Culture und Boykott-Aktionen in der Kulturszene gegen Künstler, die mit den Geiseln der Hamas solidarisch sind. Hermlin spricht von ›Kultur-Stalinisten‹.

Als ich die Ausstellung verließ, drang die haTiqwah/ הַתִּקְוָה in meine Ohren: »Solang noch im Herzen eine jüdische Seele wohnt und nach Osten hin, vorwärts, das Auge nach Zion blickt, solange ist unsere Hoffnung nicht verloren, …« (Naphtali Herz Imber, 1856–1909). Seit dem 7. Oktober 2025 herrscht eine fragile Waffenruhe. Die überlebenden Geiseln konnten zu ihren Familien zurückkehren.

Die Ausstellung ist in der ehemaligen Abflughalle (Zenralflughafen) des entwidmeten Tempelhofer Flughafens bis zum 16.11. zu sehen. Die Ausstellungs-Site wird von von der Firma Eventim betrieben und bietet wenig Informationen. Es können auch Karten vor Ort gekauft werden. Die Altersbeschränkung beachten.

STADTBILD

In Deutschland steigt die xenophobe Gewalt.

Bundeskanzler Friedrich Merz scheint ›fremdländisch aussehende‹ Männer als Problem ausgemacht zu haben. Sexualisierte ›Messermänner‹ betrachten wohl in seiner Vorstellung Frauen als ihr Eigentum, bedrängen und vergewaltigen ›unsere Töchter‹. Deshalb sorgt sich Merz um das deutsche STADTBILD: »[…] Aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem, und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen.« (14.10.). Eine Bekräftigung des AfD-Versprechens der sogenannten REMIGRATION. Das Bild von einem gereinigten Deutschland ist der Ausdruck eines völkischen Verständnisses dieses Landes. Nach Merz‘ Ansage leben bei uns Menschen, die bleiben dürfen, während andere aus dem »Stadtbild« und überhaupt aus Deutschland entfernt gehören. 

Viel bedrückender ist meines Erachtens die wachsende Armut und die damit verbundene Obdachlosigkeit im öffentlichen Raum.
Das mag dem ehemaligen BlackRock-Mann und Millionär bislang noch nicht aufgefallen sein. Seit der »Agenda 2010« werden Kranke, Arbeitslose und Obdachlose bekämpft. Helfen hier im aktuellen politischen Klima und in einer entsolidarisierten Gesellschaft vielleicht besser auch Abschiebungen? Für ein schönes STADTBILD?

KACKWURST

Darf KACKWURST noch KACKWURST heißen? 

Fleischalternativen liegen im Trend. Doch Begriffe wie »Veggie-Schnitzel« könnten bald verschwinden. Denn das Europaparlament will Bezeichnungen wie »Veggie-Wurst« verbieten lassen. Auch Begriffe wie »Steak« oder »Burger« sollen dem Willen einer Mehrheit der Abgeordneten zufolge künftig nur noch für tierische Lebensmittel verwendet werden dürfen. Denn das Volk ist blöde. Verwechslungsgefahr! Eine Mehrheit der christlich-konservativen Mehrheits-Fraktion um die deutschen ›Verbotsparteien‹ CDU-CSU stimmte kürzlich im Europaparlament für eine entsprechende Gesetzesänderung (08.10.). Auch Bundeskanzler Friedrich Merz hatte den Antrag befürwortet. Die EU-Staaten müssen noch dem Vorhaben zustimmen, damit die Vorgaben in Kraft treten können.
Also: Kackwurst kann auch zukünftig verwendet werden, da tierisch. Hackschnitzel, Fleischtomate oder Fruchtfleisch dagegen gehen gar nicht mehr. Und wie wäre es mit »Veggie-Kitzel«? 

Eines der brennendsten Probleme Europas ist endlich gelöst. In Dankbarkeit. O heiliger Sankt Markus.

Mahlzeit! Plakatiert am Potsdamer Platz (im Frühjahr 2018).

KOSTRZYN NAD ODRĄ 

Fahrt mit der Niederbarnimer Eisenbahn − NEB, RB26 − nach KOSTRZYN NAD ODRĄ (Polen/ 03.10.). Die Kleinstadt liegt
in der Wojewodschaft Lebus. Das ehemals deutsche Küstrin, bis 1928 Cüstrin geschrieben, hieß bis Ende 2003 nur Kostrzyn.
Das Stadtgebiet erstreckte sich bis 1945 über beide Ufer der ODRA (Oder). Der nordöstlich der WARTA (Warthe) gelegene ehemalige Stadtteil Küstrin-Neustadt bildet heute das Zentrum der Stadt Kostrzyn nad Odrą. Bis 1907 war er bekannt als Kurze-Vorstadt.

Die preußische Festungsruine und ehemalige Altstadt befindet sich auf einer Halbinsel am Zusammenfluss von Odra und Warta. Bekannt wurde Küstrin durch die Hinrichtung des Leutnants Hans Hermann von KATTE (1704–1730), eines Jugendfreundes des Kronprinzen Friedrich, nach der ›Fahnenflucht‹ beider.

Im Zweiten Weltkrieg gelang der Roten Armee bei der ›Weichsel-Oder-Operation‹ Ende Januar 1945 stellenweise das Über-
schreiten der Oder. In der aussichtslosen militärischen Lage erklärte die fanatisierte deutsche Militärführung Küstrin am 29. Januar 1945 erneut zur Festung, um sie ›bis zum letzten Blutstropfen‹ (also bis zur völligen Vernichtung) verteidigen zu lassen. Die Ein-
wohner der östlichen Stadtteile wurden in der Folge am 19. Februar 1945 glücklicherweise evakuiert. Bei den schweren Kämpfen
um Küstrin von Mitte bis Ende März 1945 wurde die Altstadt beinahe gänzlich zerstört. Küstrin war neben dem niederschlesischen Glogau die am schwersten zerstörte Stadt im Osten Deutschlands. Tausende deutsche Soldaten starben bei den Gefechten um Küstrin (Schätzungen gehen von bis zu 10.000 Toten aus). Der bei Küstrin geschaffene Brückenkopf wurde am 16. April 1945 zum wichtigsten Ausgangspunkt der sowjetischen Offensive auf die »Hauptstadt der Bestie«, auf Berlin.

In allen Publikationen wird die zerstörte Altstadt Küstrins als das »Pompei des Nordens« bezeichnet. Das ist falsch. Denn Küstrin war nicht durch eine Naturkatastrophe zerstört worden. Der Titel ›Karthago des Nordens‹ wäre richtig. Das wurde im dritten und letzten Punischen Krieg dem Erdboden gleich gemacht: »Ceterum censeo Carthaginem delendam esse/ Übrigens bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss (Marcus Porcius Cato, der Ältere, 150 v. Chr.)«.

Der Küstriner Bahnhof ist ein Kreuzungsbahnhof mit Gleisen auf zwei Ebenen sowie mit interessanter Architektur und technischen Besonderheiten.

KARTHAGO

Die innerhalb der »Festung Brandenburg« gelegene Küstriner Altstadt ist seit dem Zweiten Weltkrieg ein einziges Trümmerfeld. Nach dem Krieg wuchs buchstäblich Gras über den wenigen Resten. Die Altstadt galt als Kriegsgräberstätte. In den Nullerjahren begannen die Polen die Ruinenreste zu sichern. Die ehemalige Stadt wurde zugänglich gemacht: Straßenschilder mit den historischen Namen wurden aufgestellt; das Berliner und das Kietzer Tor sowie Teile der historischen Festungsanlage wurden wieder aufgebaut. Die bei archäologischen Grabungen gefundenen Artefakte sind in den Kasematten der »Bastion Philipp« ausgestellt. Der Eintritt in die attraktiv gestaltete Ausstellung zur Geschichte Küstrins kostet 25 Złoty. Keine Ermäßigung. Die hier abgebildeten Artefakte stammen aus der Ausstellung.

Das BERLINER TOR im Norden.
Denkmalsockel von JOHANN VON BRANDENBURG, auch Hans von Küstrin genannt.
Blick in die MARIENKIRCHE.
Blick auf das Küstriner SCHLOSS. Am Platz der Schautafel stand das Schafott für die Hinrichtung Kattes.
Die Hinrichtungsstätte und das Fenster, aus dem der Kronprinz die Hinrichtung seines Freundes mitansehen musste.
Markttreiben am Küstriner MARKTPLATZ.
Blick auf die »Bastion Philipp«.