BRUCHSAL

Bruchsal liegt an der Badischen Spargelstraße und beherbergt den größten Spargelmarkt Europas. Ferner befindet sich in Bruchsal die Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg. Sie ist für die Aus- und Fortbildung der Feuerwehrangehörigen sowie der Helfer des Katastrophenschutzes zuständig.

Der Zweite Weltkrieg traf Bruchsal besonders hart. Die Innenstadt wurde bei dem amerikanischen Luftangriff am 1. März 1945
zu 90 Prozent zerstört, darunter ein großer Teil des Schlosses. Sein Wiederaufbau gilt bis heute als außerordentliche Leistung. Einen krönenden Abschluss bildete 2017 die Rekonstruktion der Beletage, wie sie seit dem 18. Jahrhundert bis zur Zerstörung 1945 bestand.

Den verheerenden Luftangriff hatte die bedeutendste Kirche der Stadt überstanden: die von 1742 bis 1744 nach Plänen
von Balthasar Neumann errichtete Pfarrkirche St. Peter mit Grablege der letzten Fürstbischöfe von Speyer. Sie ist ein barocker Zentralbau mit Doppelturmfassade und beherrscht einen Hügel am südlichen Stadtrand. 

Das SCHLOSS BRUCHSAL war die Residenz der Fürstbischöfe von Speyer (1720–1803). Es zählt zu den prächtigsten barocken Residenzen in Deutschland. Nach mehrfachen Planänderungen wurde das zentrale Treppenhaus durch BALTHASAR NEUMANN errichtet, der seit 1731 die Bauleitung übernommen hatte. Es gilt als eine der gelungensten barocken Treppenanlagen, als »die Krone aller Treppenhäuser des Barockstils«.

Während des Bombenangriffs am 1. März 1945 wurde die Schlossanlage von dem durch das Bombardement ausgelösten Feuersturm nahezu vollständig zerstört. Auf Bruchsal wurden fast 50.000 Stabbrandbomben abgeworfen. Die Substanz des Treppenhauses überdauerte aber im Gegensatz zur Kuppel weitgehend die Zerstörungen.

Der Wiederaufbau sollte fast 70 Jahre dauern. Der Innenausbau stellte hierbei die größte Herausforderung dar. Man rekonstruierte die Wand- und Deckendekorationen. Kuppel-, Fürsten- und Marmorsaal erhielten ihre farbenprächtigen Fresken und vergoldeten Stuckaturen zurück. 1975 wurde das Schloss wiedereröffnet. Die Wiederherstellung der Fresken im Erdgeschoss, der Außenanlagen und des Gartens dauerte noch bis 1996. Ein Schloss – zwei Museen: heute beherbergt das Schloss das ›Deutsche Musikautomaten Museum‹ und das ›Städtische Museum der Stadt Bruchsal‹. Alle beide gehören zum Badischen Landesmuseum Karlsruhe.
DAMIANSTOR.

Der AMALIENBRUNNEN mit Schnecken als Wasserspeiern wird im Volksmund auch »Schneckenbrunnen« genannt. Der 1912 errichtete Brunnen erinnert an die aus Hessen-Darmstadt stammende Amalie von Baden (1754–1832), die von 1806 bis zu ihrem Tod im Bruchsaler Schloss lebte. Er steht vor dem Kanzleibau, dem heutigen Amtsgericht, gegenüber vom Haupteingang des Schlosses. 

In Bruchsal befindet sich die JUSTIZVOLLZUGSANSTALT, die im badischen Revolutionsjahr 1848 nach dem Vorbild des englischen Gefängnisses in Pentonville fertiggestellt wurde. Eine architektonische Leistung ist die renovierte Anstaltskirche in der Kuppel
des Zentralbaus (1989). Das »Café Achteck« bietet einen ernsten Gegensatz zur unweit gelegenen ehemaligen Barockresidenz
der Bischöfe von Speyer.

Das BELVEDERE am Stadtgarten. Es wurde 1756 im chinesischen Stil als fürstbischöfliches Schießhaus für die vom Hofstaat veranstalteten Schützenfeste erbaut.

Der SCHLACHTHOF wurde 1908 erbaut. Der für den Betrieb notwendige Strom wurde innerhalb der Anlage selbst hergestellt. 1984 wurde der Schlachthof aus Rentabilitätsgründen zunächst verpachtet und 1992 schließlich stillgelegt. Das im Jugendstil errichtete Gebäude steht unter Denkmalschutz. Seit Juli 2012 befindet sich der »Bruchsaler Tafelladen« im Schlachthof – der Staat hatte 2005 die Armut privatisiert.

HEIDELBERGER HERBST

Ein toller Herbst. Die Jahreszeit von Quetsche- und Zwiwwelkuche sowie Federweißer. Und die Jahreszeit der Weinfeste, wie
den HEIDELBERGER HERBST (30.09.). In der Heidelberger Altstadt sollen 250.000 Menschen gefeiert haben.

Posen statt Prosten.
Gefühlt in 50 Prozent der gastronomischen Betriebe gibt es nur noch Selbstbedienung. So auch im Heidelberger Traditionscafe GUNDEL.
Alt Heidelberg Du feine/ drei Dinge nenn ich Deine –/ das alte Schloß,/ den Neckarfluß/ und den Heidelberger Studentenkuß// – Reim Dich, oder ich fress‘ Dich.

Sonnenuntergang. Im Sauseschritt nach Hause, um den Start von BABYLON BERLIN nicht zu verpassen (01.10.). Vorher hurtig zu Abend gegessen.

OBENDRÜBER

Ab in den ›Wilden Süden‹. Zum 2. Mal in diesem Jahr. Mit der BahnCard (BC50, ›Supersparpreis‹ 60 Euro) ging es von Berlin-SÜDKREUZ im ICE 575 über Halle/ Saale, Erfurt, nach FRANKFURT/ Main Hauptbahnhof (28.09.); Rückfahrt mit dem ICE 798 von Frankfurt/ Main Hauptbahnhof über Kassel (auf der Marburg-Strecke), Göttingen, Hildesheim, Braunschweig, Wolfsburg nach BERLIN-Hauptbahnhof (04.10.). Alle anderen Fahrten in HESSEN und BADEN-WÜRTTEMBERG (Rhein-Main-Neckar) mit dem DEUTSCHLANDTICKET. DARMSTADT (Basiscamp 1, 28.09.–01.10.), FRANKFURT (29.09.& 04.10.), HESSISCHE BERGSTRASSE (30.09.), HEIDELBERG (Basiscamp 2, 01.10.–04.10), BRUCHSAL (02.10.). Eitel Sonnenschein.

DARMSTADT

Sonnenaufgang um 7:30 Uhr.
Genießen über den Dächern Darmstadts; seit 2019 gibt es im Darmstädter Bekleidungshaus HENSCHEL am Marktplatz das Rooftop-Restaurant »Obendrüber«. Es hat DIE SEUCHE glücklicherweise überstanden.  

Der Ursprung des Familienunternehmens Henschel liegt in Michelstadt. Mit der Gründung eines »Manufacturwaaren-Geschäfts« am 1. Juni 1889 legte Daniel Rothschild den Grundstein der heutigen Unternehmensgruppe Henschel. Die Söhne von Daniel Rothschild führten später die Kaufhäuser in Darmstadt und Heidelberg. 1908 ließ Siegmund Rothschild das Geschäftshaus am Darmstädter Marktplatz bauen. Das im Jugendstil errichtete Gebäude war in seiner Zeit ausgesprochen modern und großstädtisch. 1935 wurde das Unternehmen zwangsweise »arisiert«. Die Rothschilds verkauften das Unternehmen an die neu gegründete Henschel & Ropertz KG und ihren Hauptgesellschafter Dr. Erich Henschel. Die Eigentumsübertragung geschah – trotz der schwierigen Umstände währen der NS-Diktatur – in freundschaftlichem Einverständnis. So lautet der Eintrag in der Unternehmenshistorie. Die Rothschilds emigrierten in die USA. 1974/ 75 wurde dem Darmstädter Haus die grünliche Fassade vorgesetzt. 1992 schließlich wurde das Gebäude um eine Etage aufgestockt. Der Platz für das OBENDRÜBER war geschaffen.
Hessische Hausmannskost gibt es in der Privatbrauerei GROHE. Ein schöner, aber auch begehrter Platz, vor allem bei Heimspielen der »Lilien«.

FRANKFURT

Sehnsuchtsort KLEINMARKTHALLE. Bei ILSE SCHREIBER steht die Welt Schlange.
Am 6. Februar 1945 begann die Flucht der kleinen Ilse an der Hand ihrer Mutter aus Schlesien nach Westen. Die legendäre Metzgersfrau betreibt seit 1958 in der Frankfurter Kleinmarkthalle einen Imbiss-Stand. Ein Leben harter Arbeit, nicht selten mit 13-Stunden-Tagen. Ans Aufhören denkt sie noch nicht.
Und die Standardfrage der ›Herrin der Wurstringe‹: »Soll ich die Haut abziehe?« – Natürlich; und ordentlich Senf dazu.
Sehnsuchtsort KLEINMARKTHALLE: SAMEN-HERZING.
Sehnsuchtsort »Klaa-Markthall«: hessenshop.de. Weihnachts-Wunschzettel: Grüne-Soße-Teller. Dazu die Grüne-Soße-Schüssel (29,99 Euro). Denn das Auge ist mit.

UNTER PUFFERKÜSSERN

Zwei Bahnaktionstage in LUTHERSTADT WITTENBERG (Sachsen-Anhalt). Die Ausstellung historischer und moderner Fahrzeuge, Führerstandsmitfahrten sowie der Modellbahn- und Souvenirverkauf lockten zahlreiche ›Pufferküsser‹ ins Bahnbetriebswerk (BW). Ich war sonntags da (17.09.). Allein unter Pufferküssern. Zwischen dem Hauptbahnhof Lutherstadt Wittenberg und dem BW pendelte stündlich ein historischer Triebwagen (›Ferkeltaxi‹) der Deutschen Reichsbahn (DR).

Ausgestellt waren auch zahlreiche historische und moderne Elektrolokomotiven. Sie stammen aus dem Ausbesserungswerk (AW) der sachsen-anhaltinschen Stadt Dessau-Roßlau. Innerhalb des DB-Konzerns ist dieses Werk für die sogenannte schwere Instandhaltung von Elektrolokomotiven und deren Komponenten zuständig.

FÜRSTIN LUISE
Ebenfalls aus Dessau stammt der Doppelstock-Steuerwagen »Fürstin Luise«. Die Dessau-Wörlitzer-Eisenbahn verkehrt in den Sommermonaten mit ihren Doppelstockwagen »Fürstin Luise« und »Fürst Franz« im Zwei-Stunden-Takt zwischen dem Dessauer Hauptbahnhof und dem Bahnhof in Wörlitz.

DIESEL-DOMINA
Die Dieselloks BR 130, »Ludmilla« oder fälschlicherweise auch »Taigatrommel« genannt, sind Maschinen, die von 1970–1982 hergestellt wurden. Da die 1966 ausgelieferten Vorgänger-Lokomotiven ab Werk noch keinen Schalldämpfer besaßen und dadurch einen hohen Lärmpegel erzeugten, wurden sie auch umgangssprachlich als »Taigatrommel«, »Wumme« oder »Stalins letzte Rache« bezeichnet. Die mit den alten Lüftern ausgestattete Lokomotiven verursachten einen markanten Sound. Den kann man sich auf Youtube-Videos anhören. Die Lokomotiven wurden von der sowjetischen »Lokomotivfabrik Woroschilowgrad« (heute im heftig umkämpften Kriegsgebiet Lugansk) produziert. Die Fabrik war einst von den deutschen Kaufleuten Gustav und Richard Hartmann gegründet worden.

Die Deutsche Reichsbahn nutzte die ›Kraftpakete‹ für den Personen- und Güterverkehr. Insgesamt wurden 873 Loks in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) als Baureihe 130, 131, 132, sowie 142 (»Super-Ludmillas«) eingesetzt. Nach der Wende auch im gesamten Bundesgebiet. Die Dieselloks im Eil- und D-Zug-Verkehr erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 140 km/ h.

Mein kleines Mitbringsel.

CARINHOSO

Reco do Bandolim & Grupo Choro Livre gehören zu den bekanntesten Choro-Gruppen der Gegenwart: Valério Xavier (pandeiro), Júnior Viegas (cavaquinho), RECO DO BANDOLIM (Mandoline/ bandolim), George Costa (klassische Gitarre/ violão) & Henrique Neto (siebensaitige Gitarre/ violão sete cordas). Diese Virtuosen durfte ich schon mal (in leicht abgewandelter Besetzung) am 10.12.2019 anlässlich eines umjubelten Konzertes in der Brasilianischen Botschaft erleben.

BANDOLIM ist die brasilianische Mandoline. Bandolims sind flach gebaut, die Form des Korpus ist fast rund. Die CAVAQUINHO – eine kleine vierseitige Gitarre – stammt aus Portugal. CHORO ist ein musikalischer Stil aus Brasilien, wobei ein Solist an der BANDOLIM von einer Begleitband aus Zupf- und Perkussionsinstrumenten wie PANDEIRO (ähnlich einem Schellen-Tamburin) begleitet wird.

Sechzehn Stücke standen auf dem Programm. Bei CARINHOSO von Pixinguiha & João de Barros sang das Publikum textsicher mit. Ergreifend! Standing ovation & Zugabe (Brasilianische Botschaft/ 15.09., Eintritt frei).

CARINHOSO
Meu coração,
Não sei por quê,
Bate feliz quando te vê.
E os meus olhos ficam sorrindo,
E pelas ruas vão te seguindo.
Mas mesmo assim foges de mim. 

Ah se tu soubesses
Como sou tão carinhoso,
E como muito, muito que te quero,
E como é sincero o meu amor.
Eu sei que tu não fugirias mais de mim.

Vem, vem, vem, vem,
Vem sentir o calor dos lábios meus
À procura dos teus.
Vem matar essa paixão
Que me devora o coração.
E só assim então serei feliz,
Bem feliz.

LIEBEVOLL UND ZÄRTLICH
Mein Herz,
Ich weiß nicht warum,
Schlägt glücklich, wenn es dich sieht.
Und meine Augen lächeln,  
Und folgen dir durch die Straßen.
Doch trotzdem läufst du weg vor mir.

Ach, wenn du (nur) wüsstest,
wie überaus liebevoll und zärtlich ich bin,
Und wie sehr ich dich begehre,
Und wie aufrichtig meine Liebe ist.
Dann weiß ich, dass du vor mir nicht mehr weglaufen würdest.

Komm, komm, komm, komm,
Komm und spüre die Wärme meiner Lippen,
Die die deinen suchen.
Komm und stille diese Leidenschaft,
Die mein Herz verzehrt.
Und dann endlich werde ich glücklich sein,
Ganz glücklich

GROSSES KINO

vita morte e miracoli – Lügenmärchen und wahre Wunder. Italienische Filmmusik von Morricone, Rota, Bacalov.
RACHELINA & Die MACCHERONIES.

Manfred Wittlich präsentierte stolz das Objekt der Begierde: DIE PLATTE. Sie ist im Online-Handel erhältlich. Oder bei der Gruppe (Site) direkt. Dort gibt es auch Hörproben.

Concerto – Release. Die Band um die italienische Sängerin Rachelina präsentierte ihr neues Vinyl-Album mit einer Zusammenstellung von Aufnahmen ausgewählter Motive italienischer Filmmusiken (Fliegendes Theater, 09.09.). Eine Hommage an einige prägende Regisseure und Komponisten des italienischen Kinos. Un omaggio ai più influenti registi e compositori del cinema italiano:
Morricone, Rota, Bacalov.

C´era una volta in America – E. Morricone; C’era una volta il west – E. Morricone; La strada – N. Rota; Canzone arrabbiata – N. Rota/
L. Wertmüller; Il postino – L. Bacalov; ´O pernacchio – V. De Sica/ E.A. Mario/ E. Nicolardi; et al.

Rachelina, Gesang. Manfred Wittlich, Gitarre/ Mandoline; Hans-W. Weber, Klavier/ Keyboard; Michele Castellarin, Mundharmonica/ Marschtrommel; Thomas Langlotz, Kontrabass/ Gitarre; Aki Ruhl, Trompete/ Flügelhorn/ Kontrabass. Wunderbare Musiker, tolles Konzert. GROSSES KINO eben.

Jetzt schon an Weihnachten denken! MO VENE NATALE. Das traditionelle neapolitanische Weihnachtskonzert mit vielen Gästen findet nach drei Jahren Pandemiepause endlich wieder statt (10.12., 20:00 Uhr, Alte Feuerwache Friedrichshain).

LANDPARTIE

Die »48-Stunden-Aktion« des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (vbb) und der regionalen Tourismusverbände fand erstmals 2007 statt. Eine einzige in diesem Jahr (09./ 10.09.). Diese geführten Busrundtouren stellen ein ansprechendes Angebot dar, sind aber durch DIE SEUCHE inzwischen selten geworden.

Fahrt mit dem Deutschlandticket (RE7) in den »Naturpark Hoher Fläming«. Dort warteten am Zielbahnhof WIESENBURG bereits kostenlose Shuttle-Busse, um die abenteuerlustigen Ausflügler:innen aus der Metropole im Halbstundentakt kundig geführt durch den Fläming zu fahren. Eine Rundfahrt dauerte etwa anderthalb Stunden. Die Busse hielten diesmal unterwegs jeweils
an 18 Stationen. Die Busse starteten samstags und sonntags jeweils um 9:40 Uhr, der letzte Bus fuhr an beiden Tagen um 16:40 Uhr.  

Meine Ziele waren ZIESAR (ausgesprochen Zi-e-sar) und der GUTSHOF SCHMERWITZ in Wiesenburg/ Ortsteil Schmerwitz (10.09.).

ZIESAR

Die ehemalige Bischofsresidenz Ziesar feiert in diesem Jahr das 1075-jährige Bestehen. Rund um die Burg lockte deshalb das quirlige Treiben des FLÄMINGMARKTES mit Spezialitäten aus der Region. Der Flämingmarkt findet seit 17 Jahren statt; der erste 2004 in Görzke. Die Geschichte des Ortes Ziesar ist eng mit Brandenburg an der Havel, dem Bistum und dem Hochstift Brandenburg, und dem Bischof von Brandenburg verbunden. Ziesar gehörte bis 1571 zum Hochstift Brandenburg und war darüber de jure nicht Teil der Mark Brandenburg. Ziesar gewann an Bedeutung, nachdem der brandenburgische Bischof Ludwig Schenk von Neindorf (†1347) die Burg Ziesar zu seiner festen Residenz hatte ausbauen lassen. Von 1327 bis etwa 1560 war Ziesar Sitz der Bischöfe von Brandenburg und Residenzstadt. In der Stadt gab es zwei Klöster: ein Franziskanerkloster im 13. Jahrhundert und ein Zisterzienserinnenkloster – ein Marienkloster – vom 14. Jahrhundert bis zur Reformation. Klosterkirche war die Stadtkirche St. Crucis (Ecclesia Sanctae Crucis, Kirche vom Heiligen Kreuz). Die Saalkirche ist eine romanische Feldsteinkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert.

Vor zahlreichen Gebäuden und Grundstücken weisen 144 in die Gehwegplatten eingelassene gestaltete Granitplatten auf die frühere (aber auch aktuelle, hier eines Zahnarztes) gewerbliche Nutzung hin.

GUT SCHMERWITZ

Das Dorf Schmerwitz wurde erstmals im Jahr 1388 erwähnt. Es entwickelte sich zunächst vom Vorwerk mit einer Schäferei zum Rittergutsdorf und dann im 18. Jahrhundert zum großräumigen Wirtschaftsgut mit Herren- und Verwalterhaus sowie einer eigenen Gutskirche. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Ländereien des Gutes zwar enteignet, nicht aber aufgeteilt. Das Gut blieb in Form eines volkseigenen Gutes bis zur Wende 1990 erhalten. 

Auf dem 1.500 Hektar umfassenden Gut wird seit 1990 ökologische Landwirtschaft betrieben: Roggen-, Weizen-, Dinkel-, Gerste und Haferfelder sowie Streuobstwiesen gehören genauso zum landwirtschaftlichen Betrieb, wie die Haltung von Merino-Schafen und Hühnern. Das Gut ist Mitglied im BIOLAND-Verband.

Auf der Terrasse der Gutsküche ließ ich den Tag ausklingen und es mir gut gehen. Es gab MÄRKISCHES HÜHNERFRIKASSEE vom Bio-Hofhuhn mit Champignons, Kapern, dazu Erbsen-Reis (18,00 Euro), Zwei Kugeln SORBET mit Früchten (5,00 Euro). Dazu eine Karaffe Wasser ›Classic‹ (1 Liter/ 3,00 Euro). Aus dem Hofladen nahm ich noch eine Auswahl von den dort selbst erwirtschafteten Produkten mit nach Berlin. Lecker!

OLAFS MIEZEN

Die drei Miezekatzen von Olaf Scholz: BAZOOKA, ZEITENWENDE & DOPPEL-WUMMS. Miez, Miez, Miez. (Aus der Abteilung für höheren Blödsinn; Quelle: Ausschnitt aus einem Werbeplakat der Berliner Gruppe DIE ÄRZTE für das Konzert am 23./ 24.08.2024 am ehemaligen Flughafen Tempelhof).
Die Kirchenmäuse sind ›not amused‹ und frustriert.

ZAUBERSPRÜCHE

Fahrt mit dem Deutschlandticket nach MERSEBURG (Sachsen-Anhalt, 08.09.). Via Lutherstadt Wittenberg, Bitterfeld und Halle/ Saale. In der 33.500 Einwohner zählenden Stadt verkehrt eine Straßenbahnlinie. Besichtigt: Markt mit Staupenbrunnen, Altes Rathaus, Neumarktkirche St. Thomae (romanische Kreuzbasilika), Ständehaus, Krummes Tor. Höhepunkt des Ausfluges bildete aber die Besichtigung des Merseburger Doms und des Schlosses, des Rabenkäfigs und des Schlossgartens. Am 7. Mai 2023 jährte sich zum 1050. Mal der Tod OTTOS DES GROSSEN, der 973 in Merseburg verstarb. DOM (seit 01.07.2018 Welterbestätte): Leider dürfte im Kapitelhaus, in der Südklausur (Domschatz, Zauberspruchgewölbe), in der Krypta sowie in der Fürstengruft nicht fotografiert werden. Shit happens.

Hinter einem barocken Prospekt befindet sich eine der größten romantischen Orgeln Deutschlands. Die LADEGAST-ORGEL wurde zwischen 1855 und 1866 erbaut. Bei meinem Besuch erklangen die 5.687 Orgelpfeifen. Berühmte Organisten bespielen die Orgel zu den jährlichen MERSEBURGER ORGELTAGEN im September.

»BÊN ZI BÊNA«

Sie sind die einzigen in Deutschland erhaltenen heidnisch-germanischen Beschwörungsformeln: die MERSEBURGER ZAUBERSPRÜCHE – zwei Sprüche in Althochdeutsch. Sie erhielten ihren Namen nach dem Fundort, der Bibliothek des Domstifts Merseburg. Die Zeilen wurden vor mehr als tausend Jahren aufgeschrieben und überliefern uns magische Beschwörungsformeln aus vorchristlicher Zeit. Die streng geformten Sprüche offenbaren mit den Mitteln von Wiederholung, Gleichlauf und Schlussbeschwörung die besondere Klangfülle althochdeutscher Sprache.

Die berühmten Merseburger Zaubersprüche werden in der Südklausur des Doms im ZAUBERSPRUCHGEWÖLBE präsentiert.   

Der Erste Merseburger Zauberspruch gilt gemeinhin als ein Lösezauber von Fesseln eines Gefangenen (Kriegers), der Zweite Merseburger Zauberspruch als Heilungszauber eines verletzten beziehungsweise verrenkten Pferdefußes.   

MZ2 (zitiert nach Wiki)

sôse bênrenki, sôse bluotrenki, (C1 ; C1)
sôse lidirenki: (C2)
bên zi bêna, bluot zi bluoda, (A1 ; A1)
lid zi geliden, sôse gelîmida sîn. (A1k ; B2)

Wie Beinverrenkung, so Blutverrenkung,
so Gliederverrenkung:
Bein zu Bein, Blut zu Blut,
Glied zu Gliedern, wie geleimt sollen sie sein!⁠

Am bekanntesten ist die Vertonung von OUGENWEIDE im 1974 erschienenen Album »All die weil ich mag«. Ougenweide war eine deutsche Folk-Rock-Band und Vorreiterin des Mittelalter-Rock in Deutschland.

Abfotografiert von einem Plakat.

RABENSAGE

Der Legende nach ließ der im 15. Jahrhundert in Merseburg regierende Bischof THILO VON TROTHA (1466–1514) seinen treuen Kammerdiener Johannes hinrichten, weil dieser in den Verdacht geraten war, seinem Herrn den wertvollen Siegelring gestohlen zu haben. Jahre später wurde bei Dacharbeiten am Merseburger Schloss der Ring jedoch in einem Rabennest entdeckt. 

Zur Mahnung, niemals im Jähzorn zu richten, ließ Thilo von Trotha Raben in Gefangenschaft nehmen. Aus Reue änderte er sein Familienwappen und übernahm fortan einen Raben mit einem goldenen Ring im Schnabel in sein Schild.

Noch heute lebt ein Rabenpärchen im Merseburger Schloss. Aber Tierschützer:innen lassen nicht locker!