DIE »BUNDESBANANE«?

Vor 17 Jahren hatte der Bundestag beschlossen, den Menschen, die die Mauer zum Einstürzen gebracht haben, ein Denkmal zu setzen. Wir schreiben das Jahr 35 nach der ›friedlichen Revolution‹. Und eigentlich sollte am 3. Oktober 2024 hier in der deutschen Hauptstadt ein Denkmal stehen: Für die Freiheit und die Einheit. Doch wie wir sehen, sehen wir nichts.

Am geplanten Standort stand einmal ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Ein Denkmal der Erinnerung an die Deutsche Vereinigung von oben. Das neue Denkmal sollte einen Kontrapunkt setzen und an die Deutsche Einigung von unten erinnern. Geplant war also das ›Umfunktionieren eines historischen Ortes‹. Das passte einigen nicht. Ein Denkmal für aufsässige Untertanen?

2011 wurde der Siegerentwurf der Stuttgarter Kreativagentur ›Milla und Partner‹ gekürt: »Bürger in Bewegung«. Nach jahrelangen Genehmigungsverfahren wurde der Bau 2016 gestoppt. Der Grund, ebenfalls nicht untypisch für deutsche Baustellen: eine seltene Fledermaus-Art, die den historischen Sockel bewohnt. Konservative witterten Morgenluft. Und schafften es fast, dass das im 2. Weltkrieg zerstörte Kaiser-Wilhelm-Denkmal wieder errichtet wurde. Wenn wir schon den Kaiser und die Monarchie nicht mehr zurückbekommen. Zweimal beschloss der Bundestag den Bau noch einmal neu. Es folgten: Ungeklärte Grundstücksfragen, noch mehr Auflagen, und der Bau des Humboldt-Forums mit der neu errichteten kaiserlichen Schlossfassade.

Das Fundament ist inzwischen fertig gestellt. Und tatsächlich gibt es auch die »Einheitswippe« aus Stahl. Doch sie liegt als Insolvenzmasse in einer Halle in Ostwestfalen. Nicht nur der Weg zur Einheit, sondern auch der zum Einheitsdenkmal scheint kompliziert. Sollte man jetzt nach der ausgerufenen »Zeitenwende« aus dem Stahl besser Panzer bauen?

Heute vor 35 Jahren begannen in Leipzig die so genannten Montags-Demonstrationen. Der Ruf »Wir sind das Volk« klingt heute nicht mehr wie vor 35 Jahren. Sind wir inzwischen gar völkisch?

Wie sieht die Bilanz der »Berliner Republik« aus? Die Errungenschaften seit den ›Nullerjahren‹ (die Politik nennt es ALTERNATIVLOS, eine Auswahl):

  • Privatisierungen der Daseinsvorsorge, verbunden mit einer Teuerungswelle;
  • Lobbyisten mit uneingeschränktem Aktenzugang sitzen praktischerweise in den Ministerien und schreiben Gesetze. Oder bekleiden Ministerposten;
  • Überteuerte öffentliche Rückmietkäufe;
  • Public Private Partnership (PPP)-​Projekte, die unter Geheimhaltung stehen und damit der parlamentarischen Kontrolle entzogen sind; 
  • Die Arbeitslosenhilfe wurde übergangslos durch »Hartz 4« ersetzt. Dann kurz vom »Bürgergeld« abgelöst. Juchhu, »Hartz 4« ist wieder zurück. Die schwarze Pädagogik als Strafe;
  • Der größte Niedriglohnsektor Europas wurde geschaffen;
  • Die Deutsche Rentenversicherung wird sturmreif geschossen (»Aktienrente«);
  • Die Renten (nicht die Pensionen) wurden deutlich gekürzt (»Lebensleistungsrente«);
  • Alters- und Kinderarmut wachsen;
  • Die Rentner:innen sind niedrigschwellig steuerpflichtig, während Superreiche kaum Steuern zahlen;
  • Jedes Jahr fallen tausende Sozialwohnungen aus der Bindung. Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper;
  • Zuviele verarmte Menschen liegen buchstäblich auf den Gehwegen und in den Hauseingängen. Die übersieht man als Nutzer von Dienstwagen;
  • Armut wurde durch die »Tafeln« privatisiert. Der Staat erklärt sich als nicht mehr zuständig;
  • Der Medikamentenmangel wird immer größer;
  • Zuzahlungen bei Medikamenten, medizinischen Hilfsmitteln und Behandlungen;
  • Krankenhäuser werden zu Profitcentern umfunktioniert, die Rendite erwirtschaften müssen;
  • Die Infrastruktur zerbröselt. Brücken sind einsturzgefährdet – oder stürzen bereits ein;
  • Klimaschutzmaßnahmen wurden zu spät und halbherzig ergriffen. Inzwischen wird auch hier zurückgerudert (»zu teuer«);
  • Die Verkehrswende und Transformation sind wieder Geschichte;
  • Die Deutsche Bahn stirbt. Das wird auch nichts mehr;
  • Die Deutsche Post gibt es nicht mehr. Der Service wurde systematisch abgebaut. Immer längere Brieflaufzeiten (»Privat ist besser als Staat«);
  • Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienste sind kaputtgespart;
  • Der Zivilschutz wurde aufgegeben. Sirenen abgebaut. Bunker ›privatisiert‹;
  • Die Bundeswehr war nicht mehr für die Landesverteidgung vorgesehen. Sie wurde als internationale Eingreiftruppe aufgestellt;
  • Die »Schuldenbremse« wurde im Grundgesetz festgeschrieben;
  • Permanentes Außenhandelsdefizit (»Exportweltmeister«).
     

NACHSCHLAG (am 19.10.): »Fröhlichkeit und Zuversicht«

»Fröhlichkeit statt Übellaunigkeit« erwartet Kanzler Olaf Scholz vom deutschen Volk, das zu viel meckern würde, statt anzupacken, wie er vor wenigen Tagen vor dem »Rat für Nachhaltigkeit« kundtat (Rat für Nachhaltige Entwicklung, RNE/ 23. Jahreskonferenz, 08.10.). Und Bundespräsident Walter Steinmeier rief fast zeitgleich vor dem DGB das deutsche Volk zu mehr »Optimismus und Zuversicht« auf: »… und seien Sie zugleich eine Stimme der Zuversicht! Die brauchen wir! Auch der Zuversicht deshalb, weil Veränderung nicht zwangsläufig Bedrohung und Verlust bedeutet.« (Festakt 75 Jahre DGB, 13.10.). Der ›entsolidarisierte Pöbel‹ soll sich gefälligst nicht so haben! Denn Jeder ist seines Glückes Schmied! Auch gerne von den neoliberalen Apologeten immer wieder angeführt: »Frage nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du für dein Land tun kannst.« So lautet einer der berühmten Sätze John F. Kennedys (20.01.1961).

Wohnen im Luxussegment (mit Liege) und in attraktivem Umfeld.

HERRSCHAFTSZEITEN

FRAMING ist allgegenwärtig: Agenda 2010, Das Gute-XXX-Gesetz, Neiddebatte, Soziale Hängematte, Vollkasko-Mentalität, gefühltes Abgehängtsein, Bahnstreik – ein Land in Geiselhaft, Gigafabrik, Heizungshammer, Technologieoffenheit, Querfront, Putinversteher, Sondervermögen, Gamechanger – im Ukrainekrieg (alles nur ein Spiel, ach so), Schuldenbremse, Verpflichtender Freiheitsdienst, Kriegstüchtigkeit, Öko-Diktatur. Herrschaftssprache. Und ›Orwell-Sprech‹. Die Medien nennen es JOURNALISMUS. Sie betreiben Kampagnenjournalismus.

Zuwanderung und Flucht (MIGRATION) werden seit etwa einem Jahr medial zum ›wichtigsten politischen Thema‹ hochgekocht. Zugleich blasen die Medien zur Jagd auf Bürgergeld-Bezieher:innen. Sozialneid nach unten. Bei beiden Themen wird (bewusst?) mit falschen Zahlen gearbeitet. Spätestens nach dem jüngsten Wahldesaster in Ostdeutschland befinden sich die Medien und die in Panik geratenen demokratischen Parteien in Bund und Ländern auf einem verhängnisvollen Irrweg. Frust, Resignation und Hass nehmen in der Bevölkerung zu. Hass ist hungrig. Hass wird nie satt. Und wenn Hass öffentlich gegen Menschen gerichtet wird, ist das keine Meinung, sondern eine Straftat.

Alice Weidel (*1979), Bundessprecherin und designierte Kanzlerkandidatin der AfD, kündigte anlässlich des Wahlabends der Brandenburg-Wahl 2024 (22.09.) an, dass die AfD nach der Bundestagswahl 2029, spätestens aber 2033 die Macht in Deutschland übernehmen würde (in Österreich haben die Faschisten am 29.09.die Wahl gewonnen). Soweit sind die ›Totengräber der Demokratie‹ gekommen. Deutschland will sich für die Olympiade 2036 oder 2040 bewerben. Das passt schon.

FENCHEL-PLANET

Global Player Fenchel? Der Fotograf Sönke Tollkühn macht ihn für uns sichtbar. Und zeigt, wie die Knolle in Zeiten der Seuchen und Kriege ihre beruhigende Wirkung entfaltet. Bei der Vernissage zur Fotoausstellung führte Gerd Gdowiokin in die ausgestellten Fotos und die heute weltweit verbreitete Gemüse-, Gewürz- und Heilpflanze ein. Der Fenchel (Foeniculum vulgare) wirkt stimmungs-
aufhellend und lindert Antriebslosigkeit. Wie die anregenden Fotos. Vom 6. Oktober bis zum 15. November 2024 im Restaurant »Z«, Friesenstraße 12, 10965 Berlin, Bushaltestelle ›Jüterboger Straße‹ (Bus 248).

Fanfare für den Fenchel (Foto: Sönke Tollkühn).
Zdrowie. Gesundheit.

ICK oder ICKE?

Ick sitze hier und esse Klops,
Uff eenmal kloppt’s.
Ick kieke, staune, wundre mir,
Uff eenmal jeht se uff, die Tür.
Nanu, denk ick, ick denk: nanu,
Jetzt isse uff, erst war se zu.
Ick jehe raus und blicke,
Und wer steht draußen? – Icke!

PECHVOGEL

50. Berlin-Marathon (29.09.). Und ich habe eine schmerzhafte Fersensporn-Entzündung. So kann ich diesmal leider nicht teilnehmen (58.000 Läufer:innen sind angemeldet; die Startgebühr beträgt 205,00 Euro; nix für Arme). In den Märkischen Sand damit. Wenn am Marathon Arme teilnähmen, würden die Medien wohl kaum berichten. Was bleibt da für mich Selbstoptimierer? Nur ein schönet Bad. Gar in Espresso? Das wäre auch rekordverdächtig.

HA-LLE-LU-JA

Mit MESSIAS im HANGAR 4 des entwidmeten Flughafens Tempelhof eröffnete die Komische Oper
die Spielzeit 2024/ 25 (21.09.–06.10./ 13 Vorstellungen).

Dort, wo einst Flugzeugmotoren dröhnten, erklangen Engelschöre mit himmlischer Musik.

Zuvor ein paar Zahlen zu den technischen Gegebenheiten im Hangar 4 – nicht für Musikpuristen: 1.800 Zuschauer:innen finden Platz. Ausverkauft. Die Bühnenfläche misst 60x 20 Meter. 400 Mitwirkende. Die LED- Ellipse aus Teil 2 und 3 besteht aus zwölf 70-Kilo-
gramm-Teilen, die nur an sechs Hängepunkten gehalten werden.

Georg Friedrich Händel, MESSIAH, HWV 56. Oratorium in drei Teilen. Libretto von Charles Jennens. Nach Bibeltexten (1741/ 42).

»Why do the nations so furiously rage together, and why do the people imagine a vain thing?
The kings of the earth rise up, and the rulers take counsel together against the Lord, and against His anointed.«

Beim Halleluja stand niemand auf. Ob es an der steilen und (gefühlt) ›halsbrecherischen‹ Zuschauertribüne lag?

Georg Friedrich Händel (1685–1759) gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Barockmusik. Trotzdem wirkt die Musik
von Messiah zeitlos und zieht die Menschen bis heute in den Bann.

Das Oratorium besteht aus drei Teilen: 1. Verheißung und Geburt, 2. Passion, Auferstehung und Himmelfahrt, 3. Erlösungsbotschaft für die gesamte Menschheit.

Eigentlich ist Händels Oratorium Messiah eine Reflexion über die christliche Erlösungsidee. Doch Damiano Michielettos Inszenierung MESSIAS verlässt den religiösen Rahmen und erzählt eine ›menschlich, allzu menschliche‹ Geschichte. Im Mittelpunkt steht der Kampf der krebserkrankten Brittany Maynard, die im Angesicht des Todes um ihr selbstbestimmtes Leben bis zum selbst gewählten Ende kämpft. Nicht religiöse Auferstehung bestimmt Michielettos MESSIAS, sondern das Erleben von Freiheit auf einem persönlichen unabwendbaren Leidensweg. Stoff für bewegende Bilder und starke Chor-eografien.

Dramaturgie/ Einführung: Daniel Andrés Eberhard; Musikalische Leitung: George Petrou.

Abendbesetzung (22.09.): Sopran: Julia Grüter, Alt: Katarina Bradić, Tenor: Rupert Charlesworth, Bass: Tijl Faveyts, Die Frau: Anouk Elias.

Kurz vor Beginn des 2. Teils – Scheinwerfer an. »Worthy is the Lamb that was slain, and hath redeemed us to God by His blood, to receive power, and riches, and wisdom,/ and strength, and honour, and glory, and blessing./ Blessing and honour, glory and power, be unto Him that sitteth upon the throne, and unto the Lamb, for ever and ever./ Amen«//.

Schlussbild (Teil 3): Die Frau verbringt die letzten Augenblicke ihres Lebens im Kreis ihrer Familie. Eine Lorbeerpflanze beginnt nach und nach zu grünen und zu gedeihen, was der Familie neuen Halt gibt (»The trumpet shall sound«). Die Mutter spricht tröstende letzte Worte (»If god be for us«), woraufhin Die Frau friedlich stirbt. Am Ende schreitet Die Frau ins Licht, also in den Tod. Regen fällt. Aus der Lorbeerpflanze ist ein paradiesischer Garten geworden (»Worthy is the lamb. Amen«).

Halleluja. Amen.

WAWEL ● WISLA ● WIELICZKA

Fahrt mit dem Reisebus nach KRAKÓW (Krakau) an die obere WISLA (Weichsel) in die Woiwodschaft KLEINPOLEN (Województwo małopolskie/ 29.08.–01.09.). Die Millionenstadt Krakau ist die zweitgrößte Stadt Polens.

Die Rückfahrt am 1. September ging vorbei an Auschwitz (Oświęcim) und Gleiwitz (Gliwice). Stilles Gedenken an den 85. Jahres-
tag des deutschen Überfalls auf Polen und den Beginn des Zweiten Weltkrieges. Der Satz »Seit 5:45 Uhr wird zurückgeschossen«, den der ›Führer‹ vor 85 Jahren in das Mikrofon bellte, war gleich eine doppele Lüge. Bekanntlich wurde nicht »zurück«geschossen. Denn die Luftwaffe hatte bereits gut eine Stunde zuvor einen Bombenangriff auf Wieluń geflogen, einer Kleinstadt östlich von Breslau.
Das war der Start für den brutalen Vernichtungskrieg Deutschlands gegen die Völker Osteuropas.

Die deutschen Besatzer wollten bei ihrem Abzug Krakau – wie schon 1944 Warschau – dem Erdboden gleich machen. Zum Glück war die Rote Armee schneller. Sie befreite die Stadt am 18.01.1945.

Es folgen die sieben Beiträge: KRAKAU MOBIL; KÖNIGLICH; KRAK & SMOK; KULINARIK; Bereichernd: STRADOM & KAZIMIERZ; Schöner Wohnen: NOWA HUTA; KINGAS WUNDER: Wieliczka.

Notabene: Ursprünglich hatte ich eine Zugreise von Krakau über die Hohe Tatra und durch Galizien nach Lemberg (Liwiw) geplant. Da fiel Rußland in die Ukraine ein. Auch in der Westukraine treffen Raketen und Gleitbomben zivile Ziele und Kulturstätten. Auf Galizien wurde ich durch Joseph Roths Roman RADETZKYMARSCH aufmerksam.

Altpolnische Tracht mit Wollmantel und Kolpak, gesehen in der Tuchhalle am Rynek: 33 Grad Celsius ließen den Träger lächeln.

Grafitto am S-Bahnhof Podgórze. Es stellt den Sieg der polnisch-litauischen Armee über den Deutschen Ritterorden dar (Schlacht
bei Grunwald, 1410).

Karol Józef Wojtyła, der spätere Pabst Johannes Paul II. (1920–2005), war aufs Engste mit Krakau verbunden. Er wird dort besonders verehrt. Johannes Paul II. war der erste Pole auf dem Papstthron und der erste Nicht-Italiener seit 456 Jahren. Sein Pontifikat dauerte mehr als 26 Jahre. Im Turbo-Verfahren wurde er bereits 2014 heilig gesprochen.

Krakau MOBIL

Nach Krakau verkehren 16 Mal täglich Züge von Berlin über Posen oder Breslau. Man muss nicht mit der sterbenden Deutschen Bahn (DB) fahren. Auch die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bedienen die Strecke. Zuvervlässig, pünktlich, mit Comfort, und preis-
günstig. Die Fahrtzeit für die 550 Kilometer beträgt in der Regel neuneinhalb Stunden. Während ein Reisebus trotz der vorgeschrie-
benen Lenkpausen und der erlaubten Höchstgeschwindigkeit etwa neun Stunden für die Strecke benötigt.

Das Krakauer NAHVERKEHRSNETZ ist sehr gut ausgebaut. Es gibt auch Tageskarten (24-Stunden-Tickets) zu 17,50 PLN
(= 4,40 Euro).

In Polen fahren alle Rentner:innen, die das 70. Lebensjahr erreicht haben, KOSTENFREI im öffentlichen Personennahverkehr. Undenkbar im ›Porscheland Deutschland‹. Dort haben die ›Eckrentner:innen‹ immer weniger in der Tasche und zu lachen.

Kraków Główny/ Hauptbahnhof. Das denkmalgeschützte ehemalige Bahnhofsgebäude von 1847.

Unterirdische Empfangshalle des neuen Bahnhofs.

Der oberirdische Bahnhofsteil mit fünf Bahnsteigen und insgesamt zwölf Gleisen (davon zwei als reine Durchfahr- und Rangiergleise ohne Bahnsteig) ist als Durchgangsbahnhof konzipiert. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Zentrale Omnibusbahnhof. Am Bus-
bahnhof, der außer 32 Abfahrtsbahnsteigen über ein großes Wartegebäude verfügt, starten die Fernbusse.

SKA steht für Szybka Kolej Aglomeracyjna (Agglomerationsschnellbahn). In Betrieb ging sie zum Fahrplanwechsel 2014 mit der Linie SKA1 (Kraków Główny–Wieliczka Rynek Kopalnia). Das Schnellbahnsystem befindet sich noch im Aufbau, allerdings ging beim letzten Fahrplanwechsel mit der Linie SKA3 (Kraków Główny–Tarnów) die vorläufig letzte Linie in Betrieb.  Betrieben wird die SKA von den Koleje Małopolskie (Kleinpolnischen Eisenbahnen).

KÖNIGLICH

Die KÖNIGSSTADT Krakau ist eine Stadt mit tausendjähriger Geschichte. Davon zeugt nicht nur der WAWEL. Der Wawel ist
ein nationales Symbol Polens. Der Königsweg führt über die Gasse der Kanoniker zum RYNEK mit prächtigen Patrizierhäusern,
der Tuchhalle und der Marienkirche.

Die Bronzeskulptur des Bildhauers Bronisław Chromy steht zwischen der Grunwaldzkie-Brücke und dem Wawel. Sie stellt einen Hund dar. Der Besitzer des Mischlinghundes Dżok starb in der Nähe des Grunwaldzkie-Kreisverkehrs an Herzversagen. In den folgenden Wochen und Monaten wartete Dżok treu an dieser Stelle auf seinen Herrn. Erst nach etwa einem Jahr ließ er sich von
einer neuen Besitzerin mitnehmen. Als diese aber auch bald starb, lief das Tier weg und kam beim Herumstreunen auf einem Bahnhofsgelände unter den Rädern eines einfahrenden Zuges ums Leben. Selbstmord?
 
Die Inschrift auf dem Denkmal verkündet: »Der Hund Dżok. Treuester der Treuen. Symbol der Hundetreue. Ein Jahr lang/ 1990–1991/ wartete er am Grunwaldzkie-Kreisverkehr auf seinen an dieser Stelle verstorbenen Herrn.« Die inzwischen goldene Pfote konnte ich nicht mehr streicheln, um Glück zu erlangen. Denn ich musste hurtig der Reisegruppe folgen. Der Wawel rief.

Vom riesigen Rynek schaut man zu den ungleichen goldenen Türmen der MARIENKIRCHE hinauf. Dort ertönt zu jeder vollen Stunde – rund um die Uhr und das ganze Jahr hindurch – der HEJNAL. Ein Trompetensignal, das nach wenigen Takten abbricht. Der Hejnal wird seit 1927 um 12:00 Uhr im polnischen Rundfunk gesendet. Der Legende nach warnte ein Türmer mit dem Trompetensignal
vor einem Mongolenangriff, als er von einem Pfeil tödlich getroffen wurde. Das Signal verstummte abrupt. Die gewarnte Stadt-
gesellschaft konnte den Angriff aber erfolgreich abwehren. »Spiel mir das Lied vom Tod«. Das Alarmsignal wird von einem Feuerwehr-
angehörigen in alle Himmelsrichtungen geblasen. 239 Stufen führen hinauf in die Türmerstube. Bei 33 Grad Celsius verzichtete ich diesmal darauf, dem Feuerwehrkameraden einen Besuch abzustatten. Bin keine 20 mehr.

Notabene: Mongolen, oder doch TARTAREN? Der LAJKONIK, der einen Tartarenreiter darstellt, ist fester Bestandteil der Krakauer Folklore. Und er findet sich im Kunsthandwerk wieder.

KRAK & SMOK

Der Wawelhügel liegt an der Weichsel. Dort soll nach einer polnischen Volkssage in einer Höhle der Wawel-Drache (SMOK Wawelski) gelebt haben. Das zur Zeit des legendären Stadtgründers König KRAK. Der König versuchte alles, um die Bestie aufzuhalten. In seiner Verzweiflung bot der König demjenigen, der den Drachen besiegt, die Hand seiner Tochter an. Viele scheiterten und starben. Schließlich gelang es dem Schusterlehrling Dratewka den Drachen zu töten. Der Held Dratewka heiratete Wanda. Und alle lebten fortan ohne Angst und glücklich.

Im Jahr 1970 wurde eine Metallskulptur des Wawel-Drachen vor der vermuteten Drachenhöhle aufgestellt. Alle fünf Minuten spuckt die stilisierte Drachenfigur mittels einer Erdgasdüse eine Stichflamme aus ihren Nüstern.

Jedes Jahr findet im Juni in Krakau ein großes Drachenfest mit einer bunten Drachenparade statt.