HASENBISS

Rohe Osterbotschaft. Vollirre regieren inzwischen diesen Planeten. Der Club wächst. Ariane Bemmer eröffnete im Berliner Tagesspiegel die gesellschaftliche Zeitenwende (23.03.). »Würden Sie für Deutschland in den Krieg ziehen? Wladimir Putins Drohungen gegen den Westen werfen unangenehme Fragen auf, die man für erledigt hielt. Unter anderem die, wofür es sich zu sterben lohnt«. Wieder fürs Vaterland? Die Bevölkerung soll nach dem Willen der Politik »kriegstüchtig« werden; die Wirtschaft zur Kriegswirtschaft umgebaut werden. Da ist kein Platz mehr für süße Hoppelhäschen und anderes Ostergedöns. Und für Pazifismus und Ostermärsche. Teufelswerk. Die mediale Propaganda gewinnt auf allen Kanälen an Fahrt. Rohe Osterbotschaft.

Die Bibel erwähnt im 6. Kapitel der Offenbarung des Johannes die vier APOKALYPTISCHEN REITER als Boten der nahenden Apokalypse des Jüngsten Gerichts, eines der vier letzten Dinge (Offb 6).

»Dann sah ich: Das Lamm öffnete das erste der sieben Siegel; und ich hörte das erste der vier Lebewesen wie mit Donnerstimme rufen: Komm! Da sah ich und siehe, ein WEISSES PFERD; und der auf ihm saß, hatte einen Bogen. Ein Kranz wurde ihm gegeben und als Sieger zog er aus, um zu siegen. Als das Lamm das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite Lebewesen rufen: Komm! Da erschien ein ANDERES PFERD; das war FEUERROT. Und der auf ihm saß, wurde ermächtigt, der Erde den Frieden zu nehmen, damit die Menschen sich gegenseitig abschlachteten. Und es wurde ihm ein großes Schwert gegeben. Als das Lamm das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte Lebewesen rufen: Komm! Da sah ich und siehe, ein SCHWARZES PFERD und der auf ihm saß, hielt in der Hand eine Waage. Inmitten der vier Lebewesen hörte ich etwas wie eine Stimme sagen: Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Maß Gerste für einen Denar. Aber dem Öl und dem Wein füge keinen Schaden zu! Als das Lamm das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten Lebewesens rufen: Komm! Da sah ich und siehe, ein FAHLES PFERD; und der auf ihm saß, heißt ‚der Tod‘; und die Unterwelt zog hinter ihm her. Und ihnen wurde die Macht gegeben über ein Viertel der Erde, Macht, zu töten durch Schwert, Hunger und Tod und durch die Tiere der Erde«. (Offb 6,1–8).

Zum Glück gibt es noch andere Weltreligionen! In Köln lebt man nach der Devise »Et hätt noch immer jot jejange«! Vielleicht ist das die frohe Osterbotschaft?

Warnhinweis: Zu Ostern schlagen wieder die ZEITDIEBE zu und stehlen uns eine Stunde. Sommerzeit, JETLAG DES PROLETARIATS.

MATCHBOX

Großer Auftritt für ganz Kleine. Putzig sehen sie ja aus. Die »Opel Rocks-Elektro (Rocks-e)«.

Die neuen ›Knutschkugeln‹ sind 2,41 Meter lang, 1,39 Meter breit und 1,52 Meter hoch. Dass reicht mit Hut. Das Leergewicht beträgt 471 Kilogramm. Der Gepäckraum fasst mit cleveren Verstaumöglichkeiten 63 Liter. Genügend Platz für mehrere ›K-20‹. Die Lauf-
leistung beträgt 5.000 km/ Jahr (A⁺⁺⁺). Das Fahrzeug leistet 6 kW (8 PS) und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h – ideal im städtischen Dauerstau! Fahrbar ab 15 Jahren, mit einem Führerschein der Klasse AM oder B. Der ›Schnäppchenpreis‹ beträgt 7.990 Euro. Am Berliner Kudamm sind die ›Rocks-e‹ seit kurzem zu sehen – und zu testen.

Panorama Glasdach, aber keine Liegesitze.

Der Politik missfallen solche Entwicklungen. Die Medien disqualifizieren sie als ›Studien‹. Machen ja auch nichts her – statusmäßig. Bevorzugt werden die SUVs (Sport-Utility-Vehicles). Die sind deutlich wuchtiger und etwa ein Drittel breiter als ›normale‹ Pkw. Deshalb denkt die Berliner Regierung aus CDU und SPD laut darüber nach, die Parkbuchten zu vergrößern. Das geht leider zu Lasten der Radwege und Busspuren. Und damit der Loser. So geht Verkehrswende! Für die autogerechte Stadt.

Der Name MATCHBOX ist eine Markenbezeichnung für kleine Spielzeugautos aus Metall. Diese wurden ab 1953 bis zur Insolvenz 1969 von Lesney Products & Co Ltd. in London produziert und vermarktet. Der Name leitet sich vom englischen Wort für Streichholzschachtel (matchbox) ab. Weil nur Spielzeuge, die kleiner als eine Streichholzschachtel waren, in britische Schulen mitgebracht werden durften. Die Matchbox-Autos waren in den 1960er-Jahren ein beliebtes und weit verbreitetes Spielzeug.
 

Ich will Spaß
(Autoerotik. Lied von MARKUS, 1982)

Mein Maserati fährt 210
Schwupp, die Polizei hat’s nicht geseh’n
Das macht Spaß
Ich geb‘ Gas, ich geb‘ Gas

Will nicht spar’n, will nicht vernünftig sein
Tank nur das gute Super rein
Ich mach‘ Spaß
Ich geb‘ Gas, ich geb‘ Gas

Ich will Spaß, ich will Spaß
Ich will Spaß, ich will Spaß
Ich geb‘ Gas, ich geb‘ Gas
Ich will Spaß, ich will Spaß

Ich schubs die Enten aus dem Verkehr
Ich jag die Opels vor mir her

Ich mach‘ Spaß
Ich mach‘ Spaß, ich mach‘ Spaß

Und kost‘ Benzin auch drei Mark zehn
Scheiß egal, es wird schon geh’n
Ich will fahr’n
Ich will fahr’n, ich will fahr’n

Ich will Spaß, ich will Spaß
Ich will Spaß, ich will Spaß
Ich geb‘ Gas, ich geb‘ Gas
Ich will Spaß, ich will Spaß

Deutschland, Deutschland spürst du mich?
Heut Nacht komm‘ ich über dich
Das macht Spaß
Das macht Spaß, das macht Spaß

Der Tankwart ist mein bester Freund
Hui, wenn ich komm‘, wie der sich freut
Er braucht Spaß
Er hat Spaß, er hat Spaß

Wir woll’n Spaß, wollen Spaß (woll’n Spaß, wir wollen Spaß)
Wir woll’n Spaß, wollen Spaß (woll’n Spaß, wir wollen Spaß)
Wir geb’n Gas, geben Gas (geb’n Gas, wir geben Gas)
Wir woll’n Spaß, wollen Spaß (woll’n Spaß, wir wollen Spaß)

Ich mach‘ Spaß, ich mach‘ Spaß (woll’n Spaß, wir wollen Spaß)
Ich brauch‘ Spaß, ich brauch‘ Spaß (geb’n Gas, wir geben Gas)
Ich will fahr’n, ich will fahr’n (woll’n Spaß, wir wollen Spaß)
Ich will Spaß, ich will fahr’n (geb’n Gas, wir geben Gas)

[…]

RATHAUS ERSTÜRMUNG

Vor 91 Jahren überfiel ein Trupp der faschistischen Sturmabteilung (SA) das RATHAUS KREUZBERG (10.03.1933). Die Schläger attackierten Beschäftigte und misshandelten öffentlich Bürgermeister Dr. CARL HERZ (1877–1951). Zum Gedenken an diesen brutalen Übergriff legten der Stellvertretende Bezirksbürgermeister Oliver Nöll und der Vorsitzende der Bezirks-
verordnetenversammlung (BVV) Werner Heck an der Carl-Herz-Stele vor dem Kreuzberger Rathaus ein Blumengesteck nieder (11.03.).

Carl Herz wirkte maßgeblich an der Ausarbeitung des »HEIDELBERGER PROGRAMMS« der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) mit. Es galt von 1925 bis zur Ablösung durch das »Godesberger Programm« 1959. Herz konnte noch 1939 nach Großbritannien entkommen. Sein Sohn wurde in Auschwitz ermordet. In der Zeit von 1940–41 war Carl Herz als »Enemy Alien« interniert. 1946 wanderte er nach Palästina aus. An Carl Herz erinnern in Kreuzberg die Bürgermeister-Herz-Grundschule und das Carl-Herz-Ufer.

Aktuell häufen sich deutschlandweit Angriffe Rechter auf Kommunalpolitiker:innen. Es ist wieder notwendig, sich antisemitischen, faschistischen und menschenverachtenden Umtrieben beherzt entgegenzustellen. Nie wieder ist jetzt!

HÖLLISCH GUT

Selten ist die ehemalige US-Spionagestation auf dem Berliner Teufelsberg für die Bevölkerung zugänglich. Anlässlich des Weltfrauentages fand das dreitägige Festival »Power of Female Art« statt (08.–10.03.). Mehr als 40 Künstlerinnen eroberten mit ihren Werken und Ausdrucksformen den Teufelsberg. Frauenpower präsentierte eine Mischung aus Streetart und Musik, Comedy und Poetry, Performance und Entertainment. Streetart ist seit einigen Jahren ein großes Thema auf der verlassenen Abhörstation.
Im wahrsten Sinne des Wortes: das größte Bild misst 270 Quadratmeter. Die Festival-Besucher:innen konnten live beim Schaffensprozess von mehr als 15 renommierten Streetart-Künstlerinnen mit dabei sein. Jetzt existiert noch mehr HÖLLISCH GUTE KUNST auf dem Teufelsberg.

Der Teufelsberg ist ein Trümmerberg im Berliner Grunewald und mit 120,1 m ü NHN die zweithöchste Erhebung des Stadtgebiets. Er hat seinen Namen vom nahe gelegenen Teufelsee. Auf dem Berg befinden sich die Ruinen einer Flugüberwachungs- und Abhörstation der US-amerikanischen Streitkräfte (NSA). Mit der Zeit errichteten die Militärs fünf Antennenkuppeln mit einer Gesamthöhe von bis zu 62 Metern. Nach dem Abzug der Militärs stehen die Gebäude leer und verfallen. Ein Teil wird als Street Art Gallery genutzt.
Das Dach des Hauptgebäudes dient als Aussichtsplattform. Seit 2018 steht der Berg als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. 

Männerding.

Virtuos mit dem Klebeband agiert @tape_fabifa. Mit dieser Technik beschäftigte ich mich bereits
im Beitrag KLEBENSZEICHEN am 19.05.2022, einfach herunterscrollen.

ONE LOVE:

Männchen?

Am Samstagvormittag erschütterte ein Verkehrsunfall die Metropole (09.03.). Ein Raser befuhr vorsätzlich und regelwidrig sowie mit überhöhter Geschwindigkeit (im Tempo-30-Abschnitt) die Leipziger Straße auf dem Radweg, um am Stau vorbeizufahren. Dabei tötete er eine Mutter mit Kleinkind. Beide waren gerade dabei, die Straße zu überqueren. Fast hatten sie es geschafft. – Dieses Mini-Grafitto endeckte ich auf dem Teufelsbeg-Gelände an einem Blumenkasten.

4 K

Frauen stellen etwa die Hälfte der Weltbevölkerung. Heute begeht Berlin als erstes Bundesland den Internationalen FRAUENTAG mit einem gesetzlichen Feiertag. 2019 wurde er in der Metropole eingeführt. Damals herrschte noch großer Optimismus, die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern endlich vollenden zu können; die Verfassungsform endlich zur Verfassungs-
wirklichkeit werden zu lassen. Aber weltweit erstarken die Kräfte, die die Gesellschaften wieder in die alten Muster zwingen wollen. Das Patriarchat schlägt zurück! Religiöse, Konservative und Völkische rufen zum Kampf gegen sexuelle Selbstbestimmung, »Genderwahn« und »Wokeness« auf. Frauen sollen wieder in die 4 K ›eingehegt‹ werden: KINDER, KÜCHE, KIRCHE, … & KONSUM.

Warum also dieser Berliner Feiertag?

Ehegattensplitting, Femizide, Frauenhäuser, Gender-Pay-Cap, »Lebensleistungsrente«/ Armutsrente, prekäre Beschäftigung/ Ausbeutung.

FEMIZIDE: Jeden dritten Tag wird eine Frau in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet (Quelle: Christina Clemm, Gegen Frauenhass, 2023). Das wird verniedlichend als »Familiendrama« bezeichnet und schulterzuckend hingenommen, als wäre es quasi naturgegeben, nicht veränderbar. Frauenhass wird bagatellisiert. In der Gesellschaft besteht eine große Normalisierung von Gewalt gegen Frauen. Christina Clemm: »Der gefährlichste Ort für Frauen ist immer noch ihr eigenes Zuhause. Frauen sind von Gewalt betroffen, aber eigentlich sprechen wir hier von einem Männerproblem. Wir könnten uns alle Prävention und Frauenhäuser sparen, wenn Männer aufhören würden, gewalttätig zu sein«. 2022 wurden weltweit so viele Frauen ermordet wie seit 20 Jahren nicht. Mehr als die Hälfte der 89.000 global erfassten Tötungen wurden von Familienmitgliedern oder Partnern der Frauen und Mädchen begangen. Die tatsächliche Zahl dürfte aber noch höher liegen (Quelle: UN).

GEBÄRMASCHINEN: Wladimir Putin forderte Russlands Frauen auf, bis zu acht Kinder zu bekommen. Der russische Präsident erzählte dabei von der Generation der Großmütter und Urgroßmütter. Diese hätten sieben, acht oder mehr Kinder gehabt. »Lassen Sie uns diese hervorragenden Traditionen bewahren und wiederbeleben«, zitiert Business Insider aus Putins Rede. Große Familien müssten die Norm werden, so die Forderung des Kreml-Herrschers, denn: Die Familie sei nicht nur das Fundament des Staates und der Gesellschaft, sie sei auch ein »geistiges Phänomen, eine Quelle der Moral« (Quelle: Frankfurter Rundschau, 02.12.2023).

MUTTERSCHAFT: »Liebe Frauen seid Frauen. Und zur Weiblichkeit gehört die Mutterschaft dazu.« (Quelle: Maximilian Krah, Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl, Video)

LÄUFT/ FLOW. Die sehenswerte Ausstellung zur Menstruation am Museum Europäischer Kulturen (MEK; bis 06.10.2024).

Nachtrag (am 04.04.): Filmtipp: »Morgen ist auch noch ein Tag« (C’è ancora domani). Ab 04.04. im Kino.

CHIQUINHA

Das Musiktheaterstück »Why Chiquinha?« würdigt das Leben und Werk von Francisca »Chiquinha« Gonzaga (1847–1935), einer Pionierin der brasilianischen Musik, deren Erbe über Generationen nachwirkt. Sie komponierte mehr als 400 Stücke und verband dabei musikalische Welten miteinander. Conzaga war zu ihren Lebzeiten ein richtiger Popstar und ihr Leben verkörperte Revolution. Als Enkelin eines befreiten Sklaven kämpfte sie gegen die Sklaverei und setzte sich für die afro-indigene Bevölkerung ein. Sie widersetzte sich allen Konventionen – in ihrer Kunst, aber auch in ihrem Privatleben.

Chiquinha Gonzaga wurde 1847 in Rio de Janeiro geboren und war eine Mitbegründerin des Musikstils »Choro«, der als ›Vater des Samba‹ und ›Großvater des Bossa Nova‹ gilt. Bis heute erklingt ihr Karnevalssong »Ô Abre Alas« in den Straßen Rios beim größten Karnevalsumzug der Welt. Gonzaga war die Komponistin und Autorin dieses ersten Karnevalsmarschs und die erste Frau, die in Brasilien ein Orchester dirigierte.

»Why Chiquinha?« – Femmage im Zwei-Viertel-Takt – ist eine musikalisch-szenische Erzählung für Klarinette, Klavier, Percussion und Gesang. Das Werk lädt dazu ein, die Geschichte dieser revolutionären Ausnahmekünstlerin, ihren Einfluss während der sogenannten Belle Époque in Brasilien und ihre bis heute ungebrochene Relevanz zu entdecken.

Anlässlich des Internationalen Frauentags am kommenden Freitag (08.03.) nahmen uns die spielfreudigen und virtuosen Künstlerinnen Marcela Dias (Konzept, Gesang, Tanz), Noam Carmon (Konzept, Musikalische Leitung, Klarinette), Julia Kadel (Klavier) und Liliana Zieniawa (Perkussion) auf diese wunderbare musikalische Reise mit. Das Ensemble @collect.eve steht unter der Leitung
von Claudia Isabel Martin.

Aus dem Programm: Feijoada Brasileira, Suspiro, O Corta Jaca, Atraente, Cubanita, Ô Abre Alas, Passos no Choro, Carijó, Lua Branca. Der Walzer SAUDADE steht für ein unübersetzbares brasilianisches Gefühl. Denn Saudade beschreibt mehrere Gefühle ähnlicher Ausrichtung. Sehnsucht, Melancholie, Schmerz (Weltschmerz), Nostalgie, Einsamkeit … (Brasilianische Botschaft, 05.03.; Uraufführung 2023).

Ô Abre Alas!

Ô abre alas que eu quero passar
Peço licença pra poder desabafar
A jardineira abandonou o meu jardim
Só porque a rosa resolveu gostar de mim
A jardineira abandonou o meu jardim
Só porque a rosa resolveu gostar de mim

FLEISCHLICHE LUST

Ist Fleisch Dein Gemüse? In der TÄTERÄ war das »JÄGERSCHNITZEL OST« ein beliebtes Gericht:
eine dicke panierte Scheibe Jagdwurst mit Riesa-Nudeln der Sorte »Spirelli« an Tomatensauce.
Hier mit schöner Tellersprache lecker interpretiert von »diegarbe« in Berlin-Friedrichshain. Wohl das Letzte für
»die letzte Generation«. FLEISCHLICHE UNLUST!