MÄRCHENSCHLOSS

Fahrt zum ›Pinkel- und Prügelprinz‹ ERNST HAUGUST (*1954). »His Royal Highness Ernest Augustus Guelph« ist ein Nachkomme der WELFEN  und ein Urenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. Das Oberhaupt der Welfen ist mehrfach mit gewalttätigen oder beleidigenden Ausbrüchen in die ›Schlagzeilen‹ geraten. ADEL VERPFLICHTET. Die pittoreske Schlossanlage mit ihren neugotischen Fassaden, Türmen und Dächern wurde ab 1857 als Sommerresidenz der Welfen erbaut. Zehn Jahre später war sie fertig gestellt. König Georg V. schenkte das Märchenschloss ›seiner Marie‹ zum Geburtstag. Seit 2019/ 2020 wurde die Schlossanlage in eine Stiftung überführt. Steuerersparnis für das älteste Adelsgeschlecht, erste Bundes- und Landesmittel in Höhe von fast 30 Millionen Euro für die Er- und Unterhaltung. Die königlichen Gemächer können jetzt vollumfänglich besichtigt werden. Im Museumsshop gab es Regenschirme. Als Reminiszenz an Haugusts Prügelattacken?

Fast 30 Euro kostet ein Schirm im Museumsshop. Da sind die Schirme beim anderen Niedersachsen Dirk Rossmann deutlich günstiger.
Zielbahnhof für die Marienburg ist der Bahnhof in NORDSTEMMEN. Von dort aus sind es zirka drei Kilometer zu Fuß. Ab der LEINE geht es bergauf. Es verkehrt kein Regiobus. So geht Verkehrswende im Calenberger Land!

»AINPÖKISCH BIER«

Einbecker Bier ist seit 1378 bekannt, wie eine Urkunde über einen Bierverkauf berichtet. Auch liegt der Ursprung der heiß begehrten Handelsware BOCKBIER in der Hansestadt Einbeck. Im 13. Jahrhundert war das Brauen ›Frauensache‹; in Einbeck gab es dank des Braurechts mehr als 800 Hausbrauereien. Das dort gebraute Bier galt als Luxusware und wurde über weite Strecken, so bis nach Italien, exportiert. Um die dafür nötige Haltbarkeit zu erreichen, braute man es mit einer ungewöhnlich hohen Stammwürze. Das Resultat war ein schweres, alkoholreiches Bier. Geschicktes Marketing: Durch Geschenke von Bierfässern kam MARTIN LUTHER auf den Geschmack und mutierte zum ›Influencer‹ der Marke. Martin Luther lobte fortan das Einbecker Bier  mit den Worten: »Der beste Trank, den einer kennt, wird Ainpöckisch Bier genennt«. Einbeck wurde 1529 evangelisch, und das EINBECKER für das katholische Bayern damit zum »KETZERBIER«. Das rief die Wittelsbacher auf den Plan. Sie gründeten 1589 ein HOFBRÄUHAUS. Doch das Brauen des Bockbieres misslang gründlich. So ›kaufte man‹ 1612 wohl den Einbecker Braumeister Elias PICHLER ein. Nachdem er den rechten Glauben angenommen hatte und ›kafalleratholisch‹ war, braute der ›Entwicklungshelfer‹ in München das Ainpöckisch Bier.

Durch den Namen »Ainpöckisch« über das bayerische »Oanpock« entstand schnell der Name des beliebten Bockbieres EINBECKER. Somit ist die Stadt Einbeck Namensgeber des Bockbieres.

Im Jahre 1794 wurden die Einbecker Braurechte zusammengefügt, wodurch eine einzige Stadtbrauerei – das Einbecker Brauhaus – entstand.

Das Einbecker Brauhaus an der Papenstraße/ am Neustädter Kirchplatz. Das »BRODHAUS« von 1552 war Sitz der Einbecker Bäckerinnung. Heute beherbergt das Haus am Marktplatz die ›offizielle‹ Einbecker Brauerei-Gaststätte. Sehr zu empfehlen!
Immer im März und April kommt der helle Mai-Ur-Bock auf den Markt. Schnell ist er stets vergriffen. Sehr lecker!

FACHWERK, BOCKBIER, BLAUDRUCK

Fahrt mit dem Deutschlandticket nach EINBECK via Kreiensen und Salzderhelden (19.07.). Der Name Einbeck bezieht sich auf den durch den Ort fließenden Bach (mittelniederdeutsch = Beeke).

Das Alte Rathaus und der Eulenspiegel-Brunnen am Marktplatz. TILL EULENSPIEGEL lebte vorübergehend in Einbeck.

Das Stadtbild im Zentrum bietet ein nahezu vollständig erhaltenes Bild einer spätmittelalterlichen FACHWERKSTADT. Die 1990 ins Leben gerufene DEUTSCHE FACHWERKSTRASSE führt konsequenterweise auch durch Einbeck. Die knapp 200 Meter lange Tiedexer Straße ist die längste zusammenhängende Fachwerkzeile Einbecks. Sie gilt als schönstes Ensemble. Hier sind insbesondere auch die hohen Toreinfahrten erhalten, durch die Wagen der Brauerei passieren konnten. Die Schnitzereien der Fachwerkhäuser wurden erst im 20. Jahrhundert bunt bemalt.

Außer seiner Fachwerkarchitektur verbindet man Einbeck insbesondere mit BIER.

Der Einbecker BLAUDRUCK, ein 1638 gegründeter Familienbetrieb, ist der älteste Handwerksbetrieb Europas, der Textilien in dem traditionellen Verfahren des Blaudrucks gestaltet.

Die Rats-Apotheke am Marktplatz, ein Fachwerkgebäude aus dem Jahr 1590. Das Gebäude gehörte im 16. Jahrhundert der reichen Patrizierfamilie RAVEN. Auf dem Wangenstein rechts von der Eingangstreppe sowie am Haus sind noch heute Abbildungen
des Familienwappens sichtbar. Teil ihres Familienwappens ist die SWASTIKA (umgangssprachlich das ›Hakenkreuz‹). Ein indisches Glückssymbol in Form eines Sonnenrades. Diese Familie besaß neben der Rats-Apotheke noch weiteren Grundbesitz in Einbeck,
so dass man ihr Wappen an verschiedenen Häusern sehen kann. Zudem stellten sie regelmäßig Ratsherren sowie mehrere Bürger-
meister. Deshalb ist das Wappen auch auf Epitaphen in der Marktkirche zu finden. 

In der Indus-Kultur (zirka 2800–1800 v. Chr.) symbolisierte die nach rechts abgewinkelte, meist ROTGEFÄRBTE Swastika, die als männliches Prinzip dem Gott GANESHA entsprach, den SONNENAUFGANG, den Tag, das Leben und das Heil. Die nach links gewinkelte und meist BLAU gefärbte Swastika stand hingegen für den SONNENUNTERGANG, die Nacht, den Tod, das Unheil, auch die Veränderung, und wurde der Göttin KALI zugeordnet. Auch diese Variante findet sich im Stadtbild – eine Nachlässigkeit von Handwerkern? Oder hatte gar Kali ihre zahlreichen Hände im Spiel?

›Eickesches Haus‹ (1612–1614): Die Fassaden des Eickeschen Hauses sind mit reichem Schnitzwerk verziert. Die zahlreichen figürlichen Darstellungen zeigen Christus, die vier Evangelisten, die ››Fünf Sinne‹, die Planeten, die ›Sieben Freien Künste‹ sowie die Tugenden (z. B. Glaube, Liebe, Geduld oder Klugheit) und die Musen. In den Ständern der Fensterzonen oberhalb der Brüstungen sind u. a. die elf Apostel  dargestellt. Weiterhin gibt es 110 geschnitzte Köpfe und Masken. Ein Baudenkmal nationaler Bedeutung.
Im Jahr 1958 wurde in Einbeck der Schwarz-Weiß-Spielfilm »Vater, Mutter und neun Kinder« mit Heinz Erhardt gedreht. Erhardt spielt in dem Film den fiktiven Einbecker Bäckermeister Friedrich Schiller, der sein Geschäft für die Dreharbeiten im Haus der Ratsapotheke bezog.
Der PS.SPEICHER zeigt an fünf Standorten in Einbeck mehr als 2.500 historische Exponate. Europas größte Oldtimer-Sammlung.

JÄGERMEISTER, LESSING & WELFEN

Fahrt mit dem Deutschlandticket nach WOLFENBÜTTEL (18.07.). Ehemalige Residenzstadt, lebendige Fachwerkstadt und geistiges Zentrum: ›LESSINGSTADT‹, Standort der HERZOG-AUGUST-BIBLIOTHEK und Heimat von JÄGERMEISTER.

Wolfenbüttel ist eine typische Renaissance-Residenzstadt mit zahlreichen gut erhaltenen Fachwerkhäusern. In Wolfenbüttel hat sich infolge der vergleichsweise geringen Kriegsschäden ein nahezu geschlossenes historisches Stadtbild erhalten. Das Schloss Wolfenbüttel ist das zweitgrößte noch erhaltene Schloss Niedersachsens. Schon im 12. Jahrhundert existierte in Wolfenbüttel eine befestigte Burg. Das aus einer Wasserburg hervorgegangene Schloss wurde mehrmals belagert, zerstört und wieder aufgebaut. Deswegen ist das Bauwerk auch von Baumeistern mehrerer Epochen geprägt. Am Schlossplatz, einem ehemaligen Exerzierplatz, liegen das Zeughaus (mit dem Kornspeicher), außerdem die Herzog-August-Bibliothek und das Lessinghaus,.

Einer der Schätze der Herzog August Bibliothek (HAB) ist das Evangeliar Heinrich des Löwen, das 1983 für 32,5 Millionen DM für die Bibliothek erworben wurde. Im 17. Jahrhundert galt die Bibliotheksrotunde »Bibliotheca Augusta« nördlich der Alpen als die größte ihrer Art und wurde als achtes Weltwunder bezeichnet. Als Bibliothekare der Herzog August Bibliothek wirkten Gottfried Wilhelm LEIBNITZ  (1690–1716) und Gotthold Ephraim LESSING (1770–1781), der hier das Drama »Nathan der Weise« verfasste. Wegen Umbauarbeiten ist die Bibliothek zurzeit geschlossen.

Die urige Kneipe »Alt Wolfenbüttel«, von den Einheimischen liebevoll auch »Theo« nach einem früheren Wirt benannt, ist eine echte Institution mit langer Tradition (Krambuden 6).
Das ›Schmalste Haus Niedersachsens‹ wurde im Jahr 1751 an einer ehemaligen Brandgasse zur Straße Krambuden hin errichtet. Durch den engen Durchgang wurden früher im Brandfall Leder-Eimer mit Löschwasser von dem nahegelegenen Fluss Oker in einer Kette zu den Brandstellen gereicht. Die Breite zur Straße beträgt 2,20 Meter und zur Gartenseite 3,50 Meter. Mit mehr als 100 Quadratmeter Wohnfläche hat es überraschend großzügige Räumlichkeiten, die sich von Außen kaum erahnen lassen. Nichts mit ›Tiny-Haus‹ (Kleiner Zimmerhof 15).
»Wer will dass die Welt so bleibt    wie sie ist    will nicht    dass sie bleibt«.
In der Wolfenbütteler Innenstadt stehen die beiden protestantischen Kirchen Beatae Mariae Virginis (BMV) kurz Marienkirche, und die Trinitatiskirche. Die Marienkirche ist zugleich Wolfenbüttels Hauptkirche. In der ersten, heute unzugänglichen Fürstengruft, wurden zwischen 1553 und 1606 12 Mitglieder des Herzoghauses bestattet, in der zweiten, heute zugänglichen Gruft (›Welfengruft‹) zwischen 1613 und 1767 29 Mitglieder. Nahe der Marienkirche steht die barocke Trinitatiskirche, welche vor der Kirchennutzung als Stadttor diente.
Wolfenbüttel galt als Stadt der Gärtner:innen, was durch ein Gärtnerdenkmal, den Gärtnergesangverein und das Gärtnermuseum unterstrichen wird. Die Konservenfabriken sind schon lange geschlossen und die gärtnerischen Anbauflächen sind in den vergangenen Jahren durch Umwidmung zu Bauland deutlich zurückgegangen.
Aus Wolfenbüttel kommt der weltbekannte Kräuterlikör JÄGERMEISTER. An der Wolfenbütteler Jägermeisterstraße befinden sich der Hauptsitz der Mast-Jägermeister SE mit Produktionsstätten und Verwaltungsgebäuden. Günter Mast, langjähriger Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratsmitglied, führte in der Saison 1973/ 74 die Trikotwerbung bei EINTRACHT BRAUNSCHWEIG und damit in der Fußball-Bundesliga ein. Inzwischen gibt es sogar einen ›Brause-Verein‹: Red Bull gehört RB Leipzig.
 

SALZWEDEL

Mit dem Deutschlandticket in die fünfte Altmärkische Hansestadt SALZWEDEL (Sachsen-Anhalt) gefahren (11.07.). Die Kleinstadt gilt als die Hochburg des »besten« Baumkuchens und als FACHWERKSTADT mit einem gut erhaltenem mittelalterlichem Stadtkern. Mehr als 50 Brücken und Stege über die Kanäle des Flüsschens JEETZE brachten Salzwedel den Ruf von Klein-Venedig ein.

Um mir einen Überblick zu verschaffen, erklomm ich kurz nach meiner Ankunft die 120 Stufen des 25 Meter hohen Rathausturmes. Zum Glück hatte ich noch keinen Baumkuchen gegessen, denn die schmale Aussichtsplattform konnte man nur seitlich gehend umrunden.

Salzwedel existierte seit der Gründung als Doppelstadt an der einstigen Salzstraße. Eine nahe der Burg entstandene Siedlung wurde 1233 erstmals erwähnt und schon wenige Jahre später, ab 1247, die ›Neue Stadt‹ nordöstlich der ›Alten Stadt‹ gegründet. Beide Städte existierten jahrhundertelang in einem spannungsreichen Wechselverhältnis als selbstständige Gemeinwesen nebeneinander. Jede mit eigenem Rathaus, eigenem Gericht und eigener Pfarrkirche. Erst 1713 erfolgte die Vereinigung von ›Alter Stadt‹ und ›Neuer Stadt‹. 1263 wurde die Doppelstadt Mitglied der Hanse. Zweieinhalb Jahrhunderte – von 1263 bis 1518 – währte die bedeutendste Zeit Salzwedels, in der Handwerk und Handel ihre Blütezeit erlebten, Reichtum und Wohlstand ihren sichtbaren Ausdruck in der Architektur fanden. So verfügten beide Teile der Stadt, in deren Mauern Anfang des 16. Jahrhunderts etwa 9 000 Einwohner lebten, über zehn Stadttore. Noch heute beeindrucken die im Stil der norddeutschen Backsteingotik errichteten Pfarrkirchen St. Marien der ›Alten Stadt‹ und St. Katharinen der ›Neuen Stadt‹. Ebenso das ehemalige Rathaus, zuvor das Kaufhaus der Gewandschneider.

Über die schiffbare Jeetze gelangten Salz, Bier, und vor allem Tuchwaren zur Elbe und weiter bis nach Hamburg und Lübeck. Bier war im Mittelalter ein begehrtes Handelsgut. In Salzwedel wurde mit dem Wasser der Jeetze gebraut. Weil die Abwässer ungeklärt in den Fluß gelangten, wurde – so die Legende – vor den Brautagen lauthals gewarnt: »Allen wird bekannt gemacht, daß keiner in die Jeetze kackt; denn morgen wird gebraut«. Dieser launige Spruch steht auf einem kleinen Schild am »Puparsch-Bier-Brunnen«, einer hölzernen Wasserstelle am Eingang zum Burggarten. Die Touristen freut es.

Das »Adam- und Eva-Tor« bei der Marienkirche.
Der 80 Meter hohe Turm der Marienkirche ist schief.
Salzwedels wohl berühmteste Tochter, Jenny von Westphalen, wurde 1814 in diesem Barockhaus geboren. Doch bereits 1816 zogen die Eltern nach Trier, wo Jenny später Karl Marx kennenlernte und heiratete. Marx schwärmte von ihr – gar nicht ›verkopft‹ – »als das schönste Mädchen von Trier«. Über die couragierte und gebildete Frau an der Seite des ›revolutionären Philosophen‹ informiert eine Ausstellung in ihrem Geburtshaus an der JENNY-MARX-STRASSE, das heute auch die Musikschule des Altmarkkreises Salzwedel beherbergt.
Salzwedel ist nicht nur ein Flächen-Museum: Autonomes Zentrum an der Altperverstraße.

BAUMKUCHEN-SCHULE

Der BAUMKUCHEN wurde nicht in Salzwedel erfunden! Das älteste überlieferte deutschsprachige Rezept zum Baumkuchen stammt aus dem Jahr 1450. Über die Jahrhunderte hinweg wurde es um moderne Zutaten, wie die Schokoladenglasur, erweitert. Die heutige klassische Rezeptur entstand aber Anfang des 18. Jahrhunderts in Salzwedel. Der »SALZWEDELER BAUMKUCHEN« ist seit 2010 durch das EU-Gütezeichen »geschützte geografische Angabe (ggA)« eine Marke. Das gilt in Deutschland für etwa 50 regionale Spezialitäten. Gewiss ist, dass der Kuchen zu der Familie der europäischen Spießkuchen gehört. In verschiedenen Kulturen gibt es ähnliche Rezepte, wie zum Beispiel der »Slowakische trdelník«. Der traditionelle Baumkuchen ist ein wahres Kunstwerk und wird wegen seiner aufwendigen und damit teuren Herstellungsweise immer seltener gebacken. 

Ein echter Baumkuchen wird schichtweise an einer sich drehenden Walze gebacken. Früher geschah das über Holzfeuer, heute gibt es dafür speziell konstruierte Backapparate, die elektrisch oder mit Gas betrieben werden. Die Teigmasse wird in circa 10 bis 20 einzelnen Schichten aufgetragen, meist durch einen Tauchvorgang, und schichtweise gebacken. Die Kunst beim Backen des traditionellen Kuchens besteht darin, dass eine gleichmäßige Schichtung gelingt, die ihm die typische Optik verleiht und an die Jahresringe eines Baumes erinnert.

Durch eine besondere Technik beim Auftragen der einzelnen Teigschichten (Formung etwa mit einem Holzkamm) erhält der Kuchen eine wellenförmige Kontur, es bilden sich Ringe. Nach Entfernen des Spießes kann die Kuchenrolle in Portionen geschnitten werden, dabei sind ein bis zu fünf Ringe üblich. Diese erhalten eine Glasur oder Kuvertüre aus Schokolade. Die lange Backzeit macht den Baumkuchen sehr haltbar Das gilt jedoch nur für den Rohling, denn eine Glasur kann die Haltbarkeit unter Umständen stark verkürzen, da sie Feuchtigkeit anzieht.

Salzwedeler Baumkuchen wird nicht wie eine Torte senkrecht in Stücke zerteilt. Man schneidet die delikaten Kuchenstücke in Form von kleinen Halbmonden vom Ring ab. Dann sind die so genannten Jahresringe gut zu erkennen.

Der Platzhirsch. Allgegenwärtig in der Stadt.
Ein Baumkuchen-Halbmond an einer Baumkuchen-Schoko-Splitter-Torte (Cafe Kruse).

ERNTE 23

Erste Ernte auf meinem Balkon: Paprika und Chili (10.07.) Früh wie nie zuvor. Im vergangenen Jahr hatte ich zur Zeit DER SEUCHE den Balkon ›sich selbst überlassen‹. Keine Lust wg. Corona. In diesem Jahr bepflanzte ich aber schon Anfang Mai wieder die Balkonkästen und Pflanzentöpfe. Der ficus benjamini kam endlich wieder an die frische Luft. Und die Pflanzen danken es. Sie gedeihen prächtig. Die Insekten und Spatzen freut es auch. Ach‘ wie schön ist Balkonien. Diese kleinen Paradiese sind so wichtig für das Stadt-
klima. Was engagierte Bürger:innen beherzt ›reparieren‹, reißen mutmaßlich ignorante Politiker:innen wieder ein. Sie verzögern und behindern den notwendigen Stadtumbau. Beim Klima haben wir schon die Mitte an (Wetter-)Extreme verloren.

Zweite CHILI-Ernte (20.08./ von links): geerntet die Sorten »Hot Chili Red«, »Cheyenne« & »Apache«.

ACTION FÜR ALLE

Der »Feuerwehr-Erlebnistag« als zentraler Tag der offenen Tür der Berliner Feuerwehr lockte mit einem spannenden Programm rund um das Thema Feuerwehr. Nach einer vierjährigen Pause hatte die Berliner Feuerwehr wieder einen Publikumstag mit Vorführungen und Informationen veranstaltet (09.07.). Ungeachtet der hohen Temperaturen von mehr als 32 Grad Celsius nutzten am Sonntag vor allem viele Familien die Chance, einen Blick hinter die Kulissen der segensreichen Organisation zu werfen. Erstmals fand der Publikumstag der Berliner Feuerwehr auf dem Gelände am ehemaligen Flughafen Tegel statt. Dort entsteht die Feuerwehr-Akademie. Die Buslinie 109 verkehrte alle fünf Minuten ab U- und S-Bahnhof Jungfernheide in Richtung »Urban Tech Republic«.

Der Tag stand unter dem Motto »Anfassen und Mitmachen«. Vorgestellt wurden zahlreiche Spezial-Fahrzeuge der Feuerwehr, und auch ein riesiges Flugfeld-Löschfahrzeug. Bei Einsatzvorführungen beeindruckten die Rettungskräfte mit Ihrer Professionalität und ihrem Können.

Nach einer 13-monatigen Erprobungszeit und knapp 1.400 Einsätzen steht jetzt fest, dass ein Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug mit Elektroantrieb (eHLF) fester Bestandteil des Fuhrparks der Berliner Feuerwehr wird. Seit September 2020 gehört das elektrisch angetriebene Löschfahrzeug – ein Prototyp – zur Fahrzeugflotte und wurde vom 1. Februar 2021 bis zum 28. Februar 2022 im täglichen Betrieb erprobt. Dabei legte das eHLF ungefähr 14.000 Kilometer zurück. Bei diesem Fahrzeug handelt es sich um das weltweit erste Exemplar, welches bei einer Feuerwehr in den Einsatz ging. Die Berliner Feuerwehr hat ein überwiegend positives Fazit gezogen.
Denken sich die Mädchen! Kann denn Gendern Sünde sein?
Die EHRENAMTLICHEN halten ›den Laden am Laufen‹. Doch wie lange noch in einer von der Politik nachhaltig entsolidarisierten Gesellschaft?

DAUERAUSNAHMEZUSTAND

Schlechte Nachrichten anlässlich der Vorstellung der Jahresbilanz der Berliner Feuerwehr am heutigen Montag: Trotz Dauerkrise
im Berliner Rettungsdienst, neuem Rekord der Einsatzzahl und der Forderung des Landesrechnungshofs nach 1.000 weiteren Planstellen, will Schwarz-Rot nur wenige neue Posten schaffen. Dabei hatte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) vor
der Wahlwiederholung eine bessere Ausstattung der Feuerwehr versprochen.

Nach Tagesspiegel-Informationen soll die Feuerwehr für den Doppelhaushalt 2024/ 25 als Mehrbedarf 700 Stellen angemeldet haben (09.07.). Der Haushaltsentwurf, den der Senat am Dienstag beschließt, soll aber nur ein Plus von knapp 70 Stellen vorsehen. Kommentar der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG): »Damit löst sich die 2022 gestartete Ausbildungsoffensive in Luft auf. 500 Nachwuchskräfte pro Jahr kann die Feuerwehr damit gar nicht aufnehmen.« Und große Kohorten der Babyboomer gehen
in Rente. So viel zum Thema ›Fachkräftemangel‹.

Der Ausnahmezustand, 2022 fast täglich ausgerufen, ist zurück. Die Gründe: Die Hilfsorganisationen melden ihre Rettungswagen wegen Personalmangel häufiger ab, die Zahl an Notrufen und Einsätzen bleibt aber hoch – und es kommen stetig neue hinzu. Denn
die Kassenärztliche Vereinigung (KV) vermittelt seit Ende Januar für Patienten keine Krankentransporte mehr. Laut DFeuG werden deshalb diese Fälle nun zu Notfällen deklariert. Die Feuerwehr MUSS einspringen. Im Vergleich der ersten Halbjahre 2022 und 2023 stieg die Zahl der Einsätze für medizinische Notfälle auf das Doppelte, für Nottransporte aufs Vierfache, für dringende Nottransporte um zwei Drittel. Die Zahl aller von der KV zur Feuerwehr übergebenen Fälle stieg um 80 Prozent.

O SAMBA CURA

DER SAMBA HEILT. Nach dieser Devise lebt é cantor e compositor Marcelo Café.

Concerto de Marcelo Café e Banda (Embaixada do Brasil/ 05.07.). Präsentation des neuen Albums »A Revolução É Preta«. Musicistas: Wesley Rubim (trombone), Nelson Latif (cavaquinho), Edson Arcanjo (violão), Hamilton Pinheiro (baixo), Marcelo Café (vocal), Sandro Alves (percussão). »Não deixe o samba morrer« – Lasst den Samba nicht sterben.

GARDELEGEN

Fahrt mit dem Deutschlandticket in die Altmärkische Hansestadt GARDELEGEN (Sachsen-Anhalt/ 29.06.). Gardelegen ist
mit 49 Ortsteilen nach Berlin und Hamburg die der Fläche nach drittgrößte Stadt Deutschlands.

SALZWEDELER TOR: das im 16. Jahrhundert erbaute Tor war bedeutender Teil der Stadtbefestigungsanlage.
Die beiden Batterietürme, im Durchmesser 9 und 18 Meter, ergänzen die große Bastion.
Tormühle.
Drei historische Handelsrouten treffen im Stadtzentrum auf den Marktplatz zusammen und formen den Platz zu einem gleich-
schenkeligen Dreieck. Eine der wenigen dreieckigen Stadtplätze Europas.
Seit 1998 ist Gardelegen Teil des »Altmärkischen Hansebundes«. 275 Jahre nach seiner Zerstörung erhielt Gardelegen im Jahr 2002 einen neuen Roland. 
Die Garley-Brauerei existierte seit 1314. Das GARLEY-BIER gilt als einer der ältesten Biermarken der Welt.
Im 19. Jahrhundert gehörten Gardelegen und die Altmark zu den bedeutendsten Hopfenanbaugebieten Deutschlands. Die Farben der Stadt sind Rot-Weiß-Grün.
Die Wallanlage ist Teil des Netzwerks »Gartenträume Sachsen-Anhalt«. Entstanden aus alten Wehranlagen besteht seit dem
19. Jahrhundert der »Grüne Ring« um den mittelalterlichen Stadtkern Gardelegens. Eine mehr als 2,5 Kilometer lange und über
120 Jahre alte LINDENALLEE führt entlang gepflegter Grünanlagen, dem Rosengarten und den erhalten gebliebenen Teilen
der mittelalterlichen Stadtmauer. Eine Umrundung dauert etwa 60 MIN.
Am 13. April 1945 wurden von SS-Einheiten, Luftwaffensoldaten, Angehörigen des Reichsarbeitsdenstes und des Volkssturms sowie mit Unterstützung von Bürgern der Stadt in der ISENSCHNIBBER FELDSCHEUNE 1.016 KZ-Häftlinge eines ›Todesmarsches‹ grausam ermordet. Einen Tag später wurde die Stadt kampflos der US-Army übergeben. An zuvor erschossene und erschlagene Gefangene erinnern zahlreiche Gedenksteine in der Stadt.