Viele Schwalben machen einen schönen ALTWEIBERSOMMER.
ALTWEIBERSOMMER Ergänzt am 23.09.2023: heute um 8:50 Uhr endete der Sommer. Ich habe ihn diesmal genossen. Denn er kam in diesem Jahr ohne brüllende Hitze und Dürre aus. Trotzdem war 2023 Berlin das sonnenreichste Bundesland, Brandenburch das trockenste.
vita morte e miracoli – Lügenmärchen und wahre Wunder. Italienische Filmmusik von Morricone, Rota, Bacalov. RACHELINA & Die MACCHERONIES.
Manfred Wittlich präsentierte stolz das Objekt der Begierde: DIE PLATTE. Sie ist im Online-Handel erhältlich. Oder bei der Gruppe (Site) direkt. Dort gibt es auch Hörproben.
Concerto – Release. Die Band um die italienische Sängerin Rachelina präsentierte ihr neues Vinyl-Album mit einer Zusammenstellung von Aufnahmen ausgewählter Motive italienischer Filmmusiken (Fliegendes Theater, 09.09.). Eine Hommage an einige prägende Regisseure und Komponisten des italienischen Kinos. Un omaggio ai più influenti registi e compositori del cinema italiano: Morricone, Rota, Bacalov.
C´era una volta in America – E. Morricone; C’era una volta il west – E. Morricone; La strada – N. Rota; Canzone arrabbiata – N. Rota/ L. Wertmüller; Il postino – L. Bacalov; ´O pernacchio – V. De Sica/ E.A. Mario/ E. Nicolardi; et al.
Rachelina, Gesang. Manfred Wittlich, Gitarre/ Mandoline; Hans-W. Weber, Klavier/ Keyboard; Michele Castellarin, Mundharmonica/ Marschtrommel; Thomas Langlotz, Kontrabass/ Gitarre; Aki Ruhl, Trompete/ Flügelhorn/ Kontrabass. Wunderbare Musiker, tolles Konzert. GROSSES KINO eben.
Jetzt schon an Weihnachten denken! MO VENE NATALE. Das traditionelle neapolitanische Weihnachtskonzert mit vielen Gästen findet nach drei Jahren Pandemiepause endlich wieder statt (10.12., 20:00 Uhr, Alte Feuerwache Friedrichshain).
Die »48-Stunden-Aktion« des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (vbb) und der regionalen Tourismusverbände fand erstmals 2007 statt. Eine einzige in diesem Jahr (09./ 10.09.). Diese geführten Busrundtouren stellen ein ansprechendes Angebot dar, sind aber durch DIE SEUCHE inzwischen selten geworden.
Fahrt mit dem Deutschlandticket (RE7) in den »Naturpark Hoher Fläming«. Dort warteten am Zielbahnhof WIESENBURG bereits kostenlose Shuttle-Busse, um die abenteuerlustigen Ausflügler:innen aus der Metropole im Halbstundentakt kundig geführt durch den Fläming zu fahren. Eine Rundfahrt dauerte etwa anderthalb Stunden. Die Busse hielten diesmal unterwegs jeweils an 18 Stationen. Die Busse starteten samstags und sonntags jeweils um 9:40 Uhr, der letzte Bus fuhr an beiden Tagen um 16:40 Uhr.
Meine Ziele waren ZIESAR (ausgesprochen Zi-e-sar) und der GUTSHOF SCHMERWITZ in Wiesenburg/ Ortsteil Schmerwitz (10.09.).
ZIESAR
Die ehemalige Bischofsresidenz Ziesar feiert in diesem Jahr das 1075-jährige Bestehen. Rund um die Burg lockte deshalb das quirlige Treiben des FLÄMINGMARKTES mit Spezialitäten aus der Region. Der Flämingmarkt findet seit 17 Jahren statt; der erste 2004 in Görzke. Die Geschichte des Ortes Ziesar ist eng mit Brandenburg an der Havel, dem Bistum und dem Hochstift Brandenburg, und dem Bischof von Brandenburg verbunden. Ziesar gehörte bis 1571 zum Hochstift Brandenburg und war darüber de jure nicht Teil der Mark Brandenburg. Ziesar gewann an Bedeutung, nachdem der brandenburgische Bischof Ludwig Schenk von Neindorf (†1347) die Burg Ziesar zu seiner festen Residenz hatte ausbauen lassen. Von 1327 bis etwa 1560 war Ziesar Sitz der Bischöfe von Brandenburg und Residenzstadt. In der Stadt gab es zwei Klöster: ein Franziskanerkloster im 13. Jahrhundert und ein Zisterzienserinnenkloster – ein Marienkloster – vom 14. Jahrhundert bis zur Reformation. Klosterkirche war die Stadtkirche St. Crucis (Ecclesia Sanctae Crucis, Kirche vom Heiligen Kreuz). Die Saalkirche ist eine romanische Feldsteinkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert.
Vor zahlreichen Gebäuden und Grundstücken weisen 144 in die Gehwegplatten eingelassene gestaltete Granitplatten auf die frühere (aber auch aktuelle, hier eines Zahnarztes) gewerbliche Nutzung hin.
GUT SCHMERWITZ
Das Dorf Schmerwitz wurde erstmals im Jahr 1388 erwähnt. Es entwickelte sich zunächst vom Vorwerk mit einer Schäferei zum Rittergutsdorf und dann im 18. Jahrhundert zum großräumigen Wirtschaftsgut mit Herren- und Verwalterhaus sowie einer eigenen Gutskirche. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Ländereien des Gutes zwar enteignet, nicht aber aufgeteilt. Das Gut blieb in Form eines volkseigenen Gutes bis zur Wende 1990 erhalten.
Auf dem 1.500 Hektar umfassenden Gut wird seit 1990 ökologische Landwirtschaft betrieben: Roggen-, Weizen-, Dinkel-, Gerste und Haferfelder sowie Streuobstwiesen gehören genauso zum landwirtschaftlichen Betrieb, wie die Haltung von Merino-Schafen und Hühnern. Das Gut ist Mitglied im BIOLAND-Verband.
Auf der Terrasse der Gutsküche ließ ich den Tag ausklingen und es mir gut gehen. Es gab MÄRKISCHES HÜHNERFRIKASSEE vom Bio-Hofhuhn mit Champignons, Kapern, dazu Erbsen-Reis (18,00 Euro), Zwei Kugeln SORBET mit Früchten (5,00 Euro). Dazu eine Karaffe Wasser ›Classic‹ (1 Liter/ 3,00 Euro). Aus dem Hofladen nahm ich noch eine Auswahl von den dort selbst erwirtschafteten Produkten mit nach Berlin. Lecker!
Die drei Miezekatzen von Olaf Scholz: BAZOOKA, ZEITENWENDE & DOPPEL-WUMMS. Miez, Miez, Miez. (Aus der Abteilung für höheren Blödsinn; Quelle: Ausschnitt aus einem Werbeplakat der Berliner Gruppe DIE ÄRZTE für das Konzert am 23./ 24.08.2024 am ehemaligen Flughafen Tempelhof). Die Kirchenmäuse sind ›not amused‹ und frustriert.
Fahrt mit dem Deutschlandticket nach MERSEBURG (Sachsen-Anhalt, 08.09.). Via Lutherstadt Wittenberg, Bitterfeld und Halle/ Saale. In der 33.500 Einwohner zählenden Stadt verkehrt eine Straßenbahnlinie. Besichtigt: Markt mit Staupenbrunnen, Altes Rathaus, Neumarktkirche St. Thomae (romanische Kreuzbasilika), Ständehaus, Krummes Tor. Höhepunkt des Ausfluges bildete aber die Besichtigung des Merseburger Doms und des Schlosses, des Rabenkäfigs und des Schlossgartens. Am 7. Mai 2023 jährte sich zum 1050. Mal der Tod OTTOS DES GROSSEN, der 973 in Merseburg verstarb. DOM (seit 01.07.2018 Welterbestätte): Leider dürfte im Kapitelhaus, in der Südklausur (Domschatz, Zauberspruchgewölbe), in der Krypta sowie in der Fürstengruft nicht fotografiert werden. Shit happens.
Hinter einem barocken Prospekt befindet sich eine der größten romantischen Orgeln Deutschlands. Die LADEGAST-ORGEL wurde zwischen 1855 und 1866 erbaut. Bei meinem Besuch erklangen die 5.687 Orgelpfeifen. Berühmte Organisten bespielen die Orgel zu den jährlichen MERSEBURGER ORGELTAGEN im September.
»BÊN ZI BÊNA«
Sie sind die einzigen in Deutschland erhaltenen heidnisch-germanischen Beschwörungsformeln: die MERSEBURGER ZAUBERSPRÜCHE – zwei Sprüche in Althochdeutsch. Sie erhielten ihren Namen nach dem Fundort, der Bibliothek des Domstifts Merseburg. Die Zeilen wurden vor mehr als tausend Jahren aufgeschrieben und überliefern uns magische Beschwörungsformeln aus vorchristlicher Zeit. Die streng geformten Sprüche offenbaren mit den Mitteln von Wiederholung, Gleichlauf und Schlussbeschwörung die besondere Klangfülle althochdeutscher Sprache.
Die berühmten Merseburger Zaubersprüchewerden in der Südklausur des Doms im ZAUBERSPRUCHGEWÖLBE präsentiert.
Der Erste Merseburger Zauberspruch gilt gemeinhin als ein Lösezauber von Fesseln eines Gefangenen (Kriegers), der Zweite Merseburger Zauberspruch als Heilungszauber eines verletzten beziehungsweise verrenkten Pferdefußes.
MZ2 (zitiert nach Wiki)
sôse bênrenki, sôse bluotrenki, (C1 ; C1) sôse lidirenki: (C2) bên zi bêna, bluot zi bluoda, (A1 ; A1) lid zi geliden, sôse gelîmida sîn. (A1k ; B2)
Wie Beinverrenkung, so Blutverrenkung, so Gliederverrenkung: Bein zu Bein, Blut zu Blut, Glied zu Gliedern, wie geleimt sollen sie sein!
Am bekanntesten ist die Vertonung von OUGENWEIDE im 1974 erschienenen Album »All die weil ich mag«. Ougenweide war eine deutsche Folk-Rock-Band und Vorreiterin des Mittelalter-Rock in Deutschland.
Abfotografiert von einem Plakat.
RABENSAGE
Der Legende nach ließ der im 15. Jahrhundert in Merseburg regierende Bischof THILO VON TROTHA (1466–1514) seinen treuen Kammerdiener Johannes hinrichten, weil dieser in den Verdacht geraten war, seinem Herrn den wertvollen Siegelring gestohlen zu haben. Jahre später wurde bei Dacharbeiten am Merseburger Schloss der Ring jedoch in einem Rabennest entdeckt.
Zur Mahnung, niemals im Jähzorn zu richten, ließ Thilo von Trotha Raben in Gefangenschaft nehmen. Aus Reue änderte er sein Familienwappen und übernahm fortan einen Raben mit einem goldenen Ring im Schnabel in sein Schild.
Noch heute lebt ein Rabenpärchen im Merseburger Schloss. Aber Tierschützer:innen lassen nicht locker!
Der GILLAMOOS, ›das Fest der Hallertau‹, ist ein großes Volksfest in Abensberg im Landkreis Kehlheim (Niederbayern). Der Gillamoos ist der älteste Jahrmarkt in Bayern. Der Gillamoos verkörpert wie keine andere Region Deutschland: »Nicht Kreuzberg ist Deutschland, Gillamoos ist Deutschland«, erklärte Friedrich Merz, Vorsitzender der Christlich Demokratischen Union (CDU) beim Gillamooser Volksfest (04.09.). Denn in GILLAMOOS werden deutsches Brauchtum und ›deutsche Tugenden‹ gepflegt. Friedrich Merz redete umjubelt Klartext und stand für Rassismus, Hass, Spaltung und Ausgrenzung. Der Kanzler in spe.
In der Tradition der Wallfahrt findet am Sonntag ein katholischer Gottesdienst im Bierzelt statt. Der politische Gillamoos wird alljährlich am ›Gillamoos-Montag‹ begangen. In Gillamoos sedieren sich dann Männer mit legalen Drogen in einem kollektiven Besäufnis. BIER SIND DAS VOLK! »Oans, zwoa, gsuffa!«. In dieser Männerwelt ist man wohl gedanklich in den 1960er-Jahren stehengeblieben. »Och, wat wor dat fröher schön« und »Widdewiddewitt und Drei macht Neune!! Ich mach‘ mir die Welt, Widdewidde, wie sie mir gefällt.« Der ›größte Stammtisch‹ aufrechter Bürger als ein einziger Gottesdienst. »Helm ab zum Gebet.«
KREUZBERG ist also nicht Deutschland. Und gehört damit nicht zur ›deutschen WerteUnion‹. »… und das ist auch gut so«. Obwohl sich bei steigenden Mieten das verrohte Bürgertum auch dort ausbreitet.
Dit is Kreuzberg. Doch in der Nacht von Freitag auf Samstag wurden drei Kreuzberger Zwerge gestohlen (08./ 09.09.). Dit is Deutschland.
In 40 Meter Höhe und bei spürbarem Wind kein leichtes Unterfangen.
Am vergangenen Sonntag feierte die Berliner Hafen- und Lagergesellschaft (Behala) auf den Tag genau den 100. Geburtstag des größten Berliner Hafens (03.09.). Die Fotos entstanden am Vortag.
Der Bau hatte 1914 begonnen. Wenig später stoppte der Erste Weltkrieg das Projekt. Erst 1923 waren die ersten beiden Becken fertig, die Gleise gelegt. Zunächst wurde hauptsächlich Kohle umgeschlagen. Doch die Lagerhäuser wollten sich in der Zwischenkriegszeit nicht füllen. Denn die Not in Deutschland war damals groß. Es gab lange nichts zu lagern. Deshalb bauten Arbeiter dort das Standardmodell Ford T – die »Tin Lizzy« – zusammen, bis die Auto-Produktion 1931 nach Köln verlagert wurde. 37.000 Fahrzeuge waren bis dato im Westhafen zusammenmontiert worden.
Mit Ende des Zweiten Weltkriegs waren 60 Prozent der Anlagen unbrauchbar. Keiner der 35 Kräne drehte sich mehr. Es folgten wieder Hungerjahre. Wieder wurde hauptsächlich Kohle umgeschlagen. Der Getreidespeicher wurde nach der Berlin-Blockade von der »Senats-Reserve« genutzt. West-Berlin wappnete sich so mit einer kompletten Vorratshaltung vor einer neuen Abriegelung der Stadt. Bis Anfang der 1990er-Jahre lagerten im Westhafen Kohle, Konserven und Klopapier.
1995 wurden die historischen Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. In ihnen lagern heute unter anderem Akten und Zeitungen. Seit 1997 nutzt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz den größten Teil des zum Magazin umgebauten Getreidespeichers. Auch das Geheime Staatsarchiv sowie die Zeitungs- und die Kinder- und Jugendbuchabteilung der Berliner Staatsbibliothek haben ihre Bestände im Westhafen untergebracht. Ebenso lagert dort die Justizverwaltung ihre Akten und Grundbücher. Trotzdem werden im Behala-Westhafen immer noch große Gütermengen umgeschlagen.
Im Mai 2022 nahm das mit Wasserstoff betriebene Schubboot »ELEKTRA« die Langzeiterprobung auf. Das von Batterien und Brennstoffzellen angetriebene Boot gilt als das erste emissionsfrei fahrende Schubschiff der Welt. Die Besatzung des Bootes lebt und wohnt an Bord. Sobald die ersten Landstationen für die Wasserstofftanks und den Ladestrom im Berliner Westhafen sowie im Hafen Lüneburg in Betrieb genommen sind, soll die »ELEKTRA« zunehmend Güter zwischen Hamburg und Berlin transportieren.
Im Oktober 2022 startete die DHL im Westhafen mit einem elektrisch angetriebenen Solarschiff den Pakettransport auf dem Wasser. Bei dem deutschlandweit ersten Pilotprojekt dieser Art transportiert das Solarschiff auf der Spree täglich hunderte Sendungen vom Südhafen Spandau zum Westhafen – ohne Emissionen zu verursachen. Es fährt mir hoffentlich bald vor die Linse.
Seit nunmehr anderthalb Jahren tobt der Krieg in der Ukraine; im Osten des Landes bereits seit 2014. Am 1. September gedenken wir (noch) des Ausbruchs des 2. Weltkriegs in Europa. Seit 1957 wird am ANTIKRIEGSTAG (Weltfriedenstag) an die Schrecken des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie an die schrecklichen Folgen von Krieg, Gewalt und Faschismus erinnert. Doch inzwischen gibt es eine entscheidende Änderung. Krieg ist wieder ein legitimes Mittel der Politik. Krieg gilt als führbar. Und gewinnbar.
Die deutschen Medien feiern die deutsche Wehrtechnik. Schick designte Marschflugkörper fliegen durch die Nachrichtensendungen und bringen ›Schöngeister‹ ins Schwärmen. Deutsche ›Ingenieurskunst‹ schafft weltmeisterliche Waffensysteme: Tiger, Gepard, Marder, Leopard, Mars, Taurus! Weltmeister! Man spricht und schreibt von GAMECHANGERN. Gamechanger? Spiel, Kriegsspiel? Vollirre regieren die Welt!
Schlechter Stand für Pazifisten – mal wieder. Im Westen nichts Neues.
FRIEDEN IST TEUFELSWERK.
Bundeskanzler OLAF SCHOLZ (Sozialdemokrat?) attackierte bei einer Wahlkampfrede in München »rechte Populisten« (so der SPIEGEL/ SPON am 18.08., SZ et al.). An die Adresse der Kriegsgegner sagte Scholz: »Und die, die hier mit Friedenstauben rumlaufen, sind deshalb vielleicht gefallene Engel, die aus der Hölle kommen, weil sie letztendlich einem Kriegstreiber das Wort reden.« Wer für Frieden eintritt, ist also ein »gefallener Engel aus der Hölle«. Nach christlichem Glauben ist der Teufel ein gefallener Engel. FRIEDEN IST TEUFELSWERK.
Das war mal anders. Die Großeltern und Eltern kannten die Kriegsgräuel aus eigenem Erleben. Was die Großmutter noch wusste.
FRIEDEN IST DER ERNSTFALL
»Ich sehe als erstes die Verpflichtung, dem Frieden zu dienen. Nicht der Krieg ist der Ernstfall, in dem der Mann sich zu bewähren habe, wie meine Generation in der kaiserlichen Zeit auf den Schulbänken lernte, sondern der Frieden ist der Ernstfall, in dem wir alle uns zu bewähren haben. Hinter dem Frieden gibt es keine Existenz mehr.« GUSTAV HEINEMANN (1899–1976), Sozialdemokrat (Quelle: Ansprache nach Leistung des Amtseids als Bundespräsident in der gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat am 1. Juli 1969). Im Zentrum des Ludwigshafener Friedensparks steht ein Gedenkstein mit folgendem (abgewandelten) Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten: »Nicht der Krieg ist der Ernstfall, in dem man sich bewähren muss – wie wir es früher hörten –, sondern der Frieden ist der Ernstfall, in dem wir uns alle zu bewähren haben, weil es hinter dem Frieden keine Existenz mehr gibt!«
BITTE UM VERGEBUNG
Der ›Kniefall von Warschau‹ ereignete sich am 7. Dezember 1970. Der deutsche Bundeskanzler und spätere Friedensnobel- preisträger WILLY BRANDT (1913–1992), Sozialdemokrat, besuchte damals die polnische Hauptstadt, um dort den Warschauer Vertrag zu unterzeichnen. Es war der erste Besuch eines deutschen Regierungschefs in Polen seit dem Zweiten Weltkrieg. Teil des Staatsbesuchs war eine Kranzniederlegung am »Denkmal der Ghettohelden (Pomnik Bohaterów Getta)«. Willy Brandt legte dort einen Kranz nieder, zupfte noch einmal an der Schleife, trat zurück. Dann sank Brandt unerwartet auf die Knie. Er kniete stellvertretend für sein Land auf dem nassen Boden vor dem Mahnmal als Zeichen der Betroffenheit. Diese Geste wurde weltweit als Bitte um Vergebung für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkrieges verstanden.
Jetzt ist wieder PILZZEIT. Die Fotos dieses Beitrages entstanden in dieser aktuellen sehenswerten Ausstellung im Berliner Deutschen Historischen Museum.
Fahrt mit dem Reisebus nach WARSZAWA (Warschau) an der mittleren WISLA (Weichsel) in der Woiwodschaft MASOWIEN gelegen (07.–10.08.). Seit 1991 ist Warschau die Partnerstadt Berlins. Die Skyline der Business-Metropole erinnert mich an ›Main Frankfurt‹.
Zurzeit bedürfen die deutsch-polnischen Beziehungen einer besonderen Zuneigung.
Die folgenden drei Posts Warschau 2: STADTSCHLÜSSEL, Warschau 3: WÜRDE und Warschau 4: IM BAUCH ergänzen die Eindrücke. Einfach herunterscrollen.
Mehrere Stadtteile entstanden im realsozialistischen Stil. Von 1952 bis 1955 wurde der WARSCHAUER KULTURPALAST errichtet. Das damals zweithöchste Gebäude Europas. Der Kultur- und Wissenschaftspalast in Warschau wird mit PKiN (Palac Kultury i Nauki) abgekürzt. Seit Ende 2021 ist der ›Stalin-Stachel‹ auch nicht mehr das höchste Gebäude in Polen und Warschau. Es wurde vom Varso Tower übertrumpft. Ursprünglich war das Gebäude mal weiß.Der Kulturpalast misst bis zum Dach 187,68 Meter. 1994 wurde eine Antenne auf das Dach montiert. Damit betrug die Höhe 237 Meter. Im 30. Geschoss befindet sich in 114 Metern Höhe eine Aussichtsplattform.In Nord-östlicher Richtung (links oben) sind die Altstadt und die Weichsel zu erkennen.Blick vom Weichselufer auf das Königsschloss. Da die meisten Archivalien vernichtet waren, wurde die Warschauer Altstadt nach alten Gemälden wieder aufgebaut. Warschau besitzt eine der ›jüngsten Altstädte‹ in Europa. Der Altstädter Marktplatz (Rynek Starego Miasta). Legendär: Warszawska Syrenka. Der beliebte Weichselboulevard. Die kilometerlange Uferpromenade wurde seit 2015 Kilometer um Kilometer angelegt. Die Polnische Nationalbank brachte für Sammler:innen diesen Geldschein heraus. Er ist nur dort erhältlich.Pegasus-Skulpturen vor dem Obersten Gericht.Im Rgierungsviertel. Das Lech-Kaczyński-Denkmal. Am 10. April 2010 starben 96 Personen bei der tragischen Flugzeugkatastrophe von SMOLEŃSK. Unter den Opfern waren der damalige Präsident Lech Aleksander Kaczyński und seine Gatttin, sowie zahlreiche Parlamentarier, Kirchenwürdenträger und Militärs. Sie waren auf dem Weg zu einer Gedenkfeier zur Erinnerung an die Ermordung polnischer Offiziere durch den sowjetischen Geheimdienst 1940 im russischen KATYN.
Statt Erinnerung und Andenken sah man von Anfang an nur heftigen Streit und schädigende Polemik. Diese Tragödie wurde von der polnischen Politik als Werkzeug für ihre Machtspielchen missbraucht. Handstreichartig wurde damals der Wawel (der Dom der Krakauer Königsburg), wo Polens Könige, Freiheitskämpfer und Dichter liegen, zum Begräbnisort des Ehepaars Kaczyński bestimmt. An jedem 10. April von 2011 bis 2018 organisierte die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS/ Prawo i Sprawiedliwosc) von Jaroslaw Kaczyński sogenannte ›Smolensk-Erinnerungsmärsche‹. Polnische Intellektuelle sprachen in diesem Zusammenhang von »Smoleńsk-Sekte« und »Säkularer Smoleńsk Religion«.Das Smoleńsk-Denkmal ähnelt der Form nach einer Zugangstreppe (Gangway) eines Flugzeugs. Dort sah man die Opfer zum letzten Mal. Die Konstruktion ist aus Stahlbeton und wurde mit schwarzen Granitplatten umhüllt. Die eingeritzten Namen der Opfer auf dem Denkmal wurden alphabetisch und ohne Titel geordnet. Aus kleinen Nischen in den Wänden des Grabens strahlen 96 Lichter. Manche Warschauer:innen nennen das umstrittene Denkmal ›Himmelstreppe‹. Beide Denkmäler wurden 2018 errichtet.Reste des Säulengangs, der die beiden Palastflügel des ›Sächsischen Palais‹ in der Mitte miteinander verband. Er wurde in den Jahren 1839–1842 am ›Sächsischen Garten‹ erbaut. Hier entstand 1924 das GRABMAL DES UNBEKANNTEN SOLDATEN. Der Soldat kam 1920 bei der Verteidigung von Lemberg (damals polnisch) um und wurde hier im November 1925 bestattet. Die beiden Wachsoldaten werden jeweils zur vollen Stunde abgelöst. Was von den polnischen Königen sächsischer Herkunft blieb. Beide Flügel des von Deutschen zerstörten PALAC SASKI sollen bis 2030 wieder aufgebaut sein. Zurzeit sind die Keller beider Flügel freigelegt. Sie werden archäologisch erforscht.Die Neue Welt (Nowy Świat) führt zum Kreisverkehr ›Rondo de Gaulle‹ mit der einzigen (künstlichen) Palme in Warschau in dessen Mitte. Die »JERUSALEMPALME« wurde für $ 12,000 in den USA hergestellt und steht seit Dezember 2012 hier.Im königlichen Lazienki-Park gibt es im Sommer kostenlose Chopin-Konzerte. In einer Säule der Heilig-Kreuz-Kirche ruht das Herz von Frédéric (polnisch Fryderyk) Chopin.
Der ZUG (Berlin-Warszawa-Express) fährt vier bis fünf Mal täglich von Berlin nach Warschau. In Warschau gibt es drei Fernbahnhöfe. WARSZAWA CENTRALNA heißt der Zielbahnhof in der Innenstadt. Die vier Bahnsteige befinden sich im Untergeschoß.
Die Fahrtzeit für die 512 Kilometer lange Bahnstrecke beträgt fast sechs Stunden. Während der Reisebus wegen der vorgeschriebenen Lenkpausen und der erlaubten Höchstgeschwindigkeit mindestens acht Stunden für die Strecke benötigt.
Das Warschauer NAHVERKEHRSNETZ ist sehr gut ausgebaut (vorbildlich!). Auch nachts kommt man gut durch die Stadt. Es gibt auch Tageskarten (Bilet dobowy/ 24-Stunden-Tickets) zu 15,00 PLN (= 3,36 Euro).
Die TRAM verbindet die Stadt in alle Richtungen. In Warschau gibt es fast 30 Trambahnlinien.
Der BUS ist das am häufigsten zu findende öffentliche Nahverkehrsmittel, mit mehr als 1.000 Fahrzeugen (von MAN und SOLARIS) auf rund 100 Linien.
Derzeit verfügt Warschau über zwei METROLINIEN. M1: Die ›Blaue Linie‹ M1 verfügt über 21 Stationen auf einer Länge von gut 23 Kilometern. Die Metro durchquert die Stadt von Süden (Kabaty) nach Norden (Młociny) auf der westlichen Seite der Weichsel, auf der sich auch die meisten touristischen Ziele befinden. M2: Die ›Rote Linie‹ M2 mit sieben Bahnhöfen, welche von West nach Ost verläuft, wurde im März 2015 eröffnet. Täglich nutzen derzeit in etwa 100.000 Fahrgäste diese Metrolinie. Zukünftig soll die zweite Metrolinie über 30 Kiloometer lang werden und von Połczyńska im Westen nach Gocław im Osten verlaufen. Diese Linie fährt an die Weichsel-Promenade.
NACH ESPERANTO
Ludwik Łazarz Zamenhof (*1859) entwickelte in Warschau die Sprache ESPERANTO. Außer Polnisch hörte man im vielsprachigen russischen Zarenreich, zu dem Polen damals gehörte, auf den Straßen häufig Belarussisch, Litauisch, Ukrainisch, Jiddisch, Hebräisch, Deutsch oder Armenisch. Noch in der 2. Republik Polen (II. Rzeczpospolita/ 1918–1939) gaben fast 35 Prozent der Einwohner eine andere als die polnische Sprache als ihre Muttersprache an. Zamenhof begründete 1887 unter dem Pseudonym ›Doktoro Esperanto (deutsch: Doktor Hoffender)‹ die Kunstsprache Esperanto. Außerdem veröffentlichte er eine sogenannte ›Menschheitslehre für die allgemeine Völkerverbrüderung‹. Zamenhof verstarb am 14. April 1917 in Warschau. Sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Warschau an der Okopowa-Straße. Die Warschauer Buslinien 107 und 111 haben als Ziel ESPERANTO.
Getränkeautomat. Logo des Städtischen Verkehrsamts – der »Warszawski Transport Publiczny« – mit der stilisierten Sirene in den Warschauer Farben Rot-Gelb. Das Warschauer Verkehrsnetz erstreckt sich über 3.600 Kilometer. Die STADTSCHNELLBAHN in Warschau (»Szybka Kolej Miejska w Warszawie«, kurz SKMWA) verkehrt auf vier Linien im Großraum der polnischen Hauptstadt.Metro: Ohne Ticket gelangt man nicht zum Bahnsteig. An diesem Bahnhof kreuzen die M1 und M2. An den Ein- und Ausgängen sowie auf den Bahnsteigen gibt es Hinweistafeln für Blinde und Sehbehinderte. Die Türen öffnen und schließen automatisch. Das Design der Sitze.