Mas que nada

Noite de música brasileira com o VICCHIO DOYLE DUO e a FLINTSTONES BIG BAND (Embaixada do Brasil/ 11.05.). Die Kälte ging, die Konzertbesucher:innen tanzten beschwingt dem Sommer entgegen.

Als ob Englein singen: Juanita Olaya mit ›Triste‹ …
… Anna Josefine Busch singt ›Gloomy Sunday‹.
Gefeierter Solist ROBERTO VICCHIO (trompeta, flugelhorn/ 3. von links).

»THE LÄND«

Tour de Ländle mit dem DEUTSCHLANDTICKET: Heidelberg (07.–10.05.), Ladenburg (07.05.), Stuttgart (08.05.) und Karlsruhe (09.05.) – bwegt.

HEIDELBERG, Kurpfalz.

LADENBURG, Kurpfalz.

STUTTGART, Württemberg. Unterirdisches Bahnprojekt.
Stuttgarter Linsengericht (Marktstüble) mit Bauch vom Schwäbisch-Hällischen Schwein, geliefert von der Bäuerlichen EZG.

Alle Wege in der Fächerstadt führen zum Schloss: Waldstraße. An der Karlsruher Waldstraße wurde seit September 2005 eine ›Mittellinie‹ aus gelben, beschrifteten Fliesen verlegt. Sie ist Teil des Projektes ›Karlsruher Sonnenfächer‹. Durch diese goldgelben ›Strahlen‹ soll der einzigartige Karlsruher Fächer im Stadtbild verdeutlicht werden. Bürger:innen können für dieses Projekt eigene Fliesen gestalten und spenden. Eine Fliese kostet je nach Gestaltung 420,– bis 580,– Euro. Die Fliesen werden von der Karlsruher ›Majolka Manufaktur‹ produziert.

Der Wochenmarkt am Gutenbergplatz gilt als ›der schönste‹ in Karlsruhe.

Zyklus »GENESIS«

MARKUS LÜPERTZ (*25. April 1941) ›Schöpfung‹ ist jetzt vollständig. Das 14. und letzte Werk des Lüpertz-Zyklus »GENESIS« wurde im Karlsruher Untergrund montiert (28.04./ 09.05.). Zwanzig Tonnen Ton hat Lüpertz für die Reliefs des Zyklus verarbeitet. Das Werk ist in sieben Stationen der Karlsruher ›U-Strab‹ zu sehen. Für mindestens sechs Jahre wird Lüpertz 14-teiliger Zyklus im Karlsruher Untergrund bleiben – als Leihgabe des Vereins »Kunst erfahren«. Was danach damit passiert, ist (noch) offen. 

Kunst zum Anfassen!

SCHNEEKUGEL

Wie wurde Frankfurt zu dem, was es ist? Und was unterscheidet Frankfurt von anderen Städten? Ein Blick in die SCHNEEKUGEL gibt Antworten auf diese Fragen (05.05.). Acht Künstler:innen gestalteten acht Frankfurt-Bilder.

FRANKFURT … die kriminelle Stadt. Zu recht? Frankfurt befindet sich Jahr für Jahr ganz oben in der deutschen Kriminalstatistik.
die heimliche Hauptstadt.
… die Geldstadt.
… die Drehscheibe.
 […]

Die Frankfurter Altstadt im Mai 1945: Paulskirche (links oben), Römer mit Römerberg (links Mitte), Dom (rechts oben).

Ein Roboter tauscht die Bilder.

die heimliche Hauptstadt.

die kriminelle Stadt. Ro­sa­lie Ma­rie Au­gus­te NITRIBITT (1933–1957), ge­nannt ROSEMARIE, war ei­ne Frank­fur­ter ›Edel­pro­sti­tu­ier­te‹ und Op­fer ei­nes bru­ta­len Mor­des. Ihr Tod ent­wi­ckel­te sich zum ers­ten gro­ßen Ge­sell­schafts­skan­dal der jun­gen Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, da zu ih­rem Kun­den­kreis hoch­ran­gi­ge Ver­tre­ter aus Po­li­tik und Wirt­schaft zähl­ten. Die ge­nau­en Um­stän­de und Hin­ter­grün­de des Mor­des sind, eben­so wie die Iden­ti­tät des Tä­ters, bis heu­te un­ge­klärt. Ihr Leben inspirierte unter anderem einen Roman, mehrere Spielfilme, das Musical »Das Mädchen Rosemarie« und Theaterstücke. Sachbücher und Filmdokumentationen befassen sich mit dem Fall Nitribitt.

die heimliche Hauptstadt.

Das HISTORISCHE MUSEUM FRANKFURT ist das älteste Museum der Mainmetropole und eines der größten Stadtmuseen Europas. Es liegt im Herzen der Frankfurter Altstadt. Zum Historischen Museum gehören auch die Museumsräume im ›Haus zur Goldenen Waage‹ – einem der schönsten Fachwerkgebäude aus der Renaissance in der neuen Frankfurter Altstadt. Tipp. Die sehenswerte Sonderausstellung, topaktuell: »Inflation 1923. Krieg, Geld, Trauma« (03.05.–10.09.2023).

BERLIN WAR DRAUSSEN

Was von der WALPURGISNACHT übrigblieb.

Sonnenschein, HERAUS ZUM 1. MAI! Von den Gewerkschaften bis zu den Autonomen: Der Tag der Arbeit ist in Berlin breit gefächert. Zahlreiche Demos und Kundgebungen mit zehntausenden Teilnehmer:innen finden dort stets am 1. Mai statt. Die Demonstrationen und Feierlichkeiten am 1. Mai sind nach Angaben der Polizei diesmal weitgehend friedlich verlaufen. Leider gab es bei der traditionellen »Revolutionären-1. Mai-Demonstration« üble antisemitische Parolen. Schande.

KÄMPFERISCH
Bet’ und arbeit’! ruft die Welt,
Bete kurz! denn Zeit ist Geld.
An die Thüre pocht die Noth –
Bete kurz! denn Zeit ist Brot

Und du ackerst und du säst,
Und du nietest und du nähst,
Und du hämmerst und du spinnst –
Sag, o Volk, was du gewinnst!

Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht,
Schürfst im Erz- und Kohlenschacht,
Füllst des Ueberflusses Horn,
Füllst es hoch mit Wein und Korn.

Doch wo ist dein Mahl bereit?
Doch wo ist dein Feierkleid?
Doch wo ist dein warmer Herd?
Doch wo ist dein scharfes Schwert!

Alles ist dein Werk! o sprich,
Alles, aber Nichts für dich!
Und von Allem nur allein,
Die du schmiedst, die Kette, dein?

Kette, die den Leib umstrickt,
Die dem Geist die Flügel knickt,
Die am Fuß des Kindes schon
Klirrt – o Volk, das ist dein Lohn.

Was ihr hebt an’s Sonnenlicht,
Schätze sind es für den Wicht;
Was ihr webt, es ist der Fluch
Für euch selbst – ins bunte Tuch.

Was ihr baut, kein schützend Dach
Hat’s für euch und kein Gemach;
Was ihr kleidet und beschuht,
Tritt auf euch voll Uebermuth.

Menschenbienen, die Natur,
Gab sie euch den Honig nur?
Seht die Drohnen um euch her!
Habt ihr keinen Stachel mehr?

Mann der Arbeit, aufgewacht!
Und erkenne deine Macht!
Alle Räder stehen still,
Wenn dein starker Arm es will.

Deiner Dränger Schaar erblaßt,
Wenn du, müde deiner Last,
In die Ecke lehnst den Pflug,
Wenn du rufst: Es ist genug!

Brecht das Doppeljoch entzwei!
Brecht die Noth der Sklaverei!
Brecht die Sklaverei der Noth!
Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!

Lied der PREKÄREN. Bundeslied für den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein, Text: Georg Herwegh, 1863.

GEDIEGEN
Der 1. Mai startete am Montagvormittag traditionell mit der Demo des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), die in diesem Jahr unter dem Motto »Ungebrochen solidarisch« stand. Vom Platz der Vereinten Nationen in Friedrichshain zogen mehr als 6.000 Demonstrant:innen zur Kundgebung vor das Rote Rathaus. Dort präsentierten sich die Einzelgewerkschaften. Solidarität mit den Arbeitslosen zeigen die Arbeitskreise ARBEITSLOSIGKEIT von VERDI & der IGM: Aufklärung über die neoliberalen Lügen der Agenda 2010 (»Man muss nur wollen, dann erreicht man alles«) und Hilfe für die Betroffenen. Die Daseinsvorsorge wurde in großem Stil privatisiert. Inzwischen gelten die Tarifverträge nur noch für weniger als die Hälfte der Beschäftigten. Die Medien hetzen ›auf allen Kanälen‹ gegen Streiks. Das mediale Geklingel dazu ist plumpe Täter-Opfer-Umkehr. Von wegen »französische Verhältnisse«. Auch ist Deutschland bei Streiks nicht »in Geiselhaft genommen«! Seligmachende Privatisierungen? Was habe ich mitgenommen? Den Slogan »Wer Rentner quält, wird nicht gewählt« (›Seniorenaufstand‹ zu den neuen Armutsrenten als ›Lebensleistungsrente‹ für die ›Babyboomer‹).

Energiegeladen.

SATIRISCH
Das › QUARTIERSMANGEMENTGrunewald‹ leistet seit 2018 wertvolle soziale Arbeit im Problemkiez Grunewald. Durch den Ansatz aufsuchender Sozialarbeit der ausgestreckten Hand wurden dem Klientel der Superreichen Möglichkeiten der Reintegration in die Stadtgesellschaft aufgezeigt. Am Mittag hielt zum fünften Mal das Quartiersmanagement ›MyGruni‹ eine Spaßdemo im Villenviertel GRUNEWALD ab. #socialdistancing ist dort seit jeher eine Kernkompetenz. Wieder fast 4.000 Teilnehmer:innen kamen zum Johannaplatz, um den Problembezirk nicht im Stich zu lassen. »Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg«, hieß es vom Veranstalter.

Extrem Reiche sind für den größten Teil der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Ungleichheit auf den Bankkonten ist verknüpft mit der auf den CO₂-Konten. Während die Ungleichverteilung im Geldbeutel für viele hart zu spüren ist, taucht der unterschiedliche CO₂-Ausstoß aber in keiner Bilanz auf. Gleichzeitig sind ärmere Menschen besonders vom Klimawandel betroffen. »Die Reichsten saufen, alle andern haben Kater«.

Großes Gerät fuhr die RWEGrunewald auf, beschützt von Polizei.

Deshalb, heraus zum Tag der autonomen Bergarbeit! »Jahrhunderte lang haben wir die falsche Kohle abgebaggert. Höchste Zeit, Kohleabbau ganz neu zu denken! Unter dem Kohlerevier Grunewald lagert ein gigantischer Kohleflöz: Fossiles Kapital, das dringend abgetragen werden muss! Für das Klima, für eine gerechte Gesellschaft! Gesellschaftliche Veränderung bedarf unternehmerischen Denkens. Als zukunftsorientiertes Unternehmen erschließt die RWE (Reiche Werden Enteignet) das Kohlerevier Grunewald. Und übernimmt Verantwortung, indem die sedimentierten Übergewinne weggebaggert und der fossilen Unrechtswirtschaft entzogen werden. Die RWEGrunewald fördert mit neuester Umverteilungstechnologie: Wenn man Luxusgüter sieht, sieht man eigentlich nur die Spitze des Geldbergs. Die Ungleichheit liegt diskret im Verborgenen, geschützt von großen Anwaltskanzleien und flankiert von ominösen Stiftungen und undurchsichtigen Finanzkonstrukten. Wir brechen diesen gut versiegelten Boden auf und bringen Licht in den wirtschaftskriminellen Untergrund des Luxusreviers Grunewald«.

Mit den autonomen Bergarbeiter:innen begannen die Abrissarbeiten des Problemkiezes Grunewald. Kohle verteilen ist Handarbeit! Glück auf Grunewald!

Die Regierende a.D. Franziska Giffey – als Marie-Antoinette des Wohnungsmarktes. Schnäppchen-Eigentumswohnungen
für 2,4 Millionen Euro entstehen zurzeit auf dem Gelände der ›neuebockbrauerei‹.

Die neoliberale Ideologie frisst ihre Kinder.

EPILOG
Vor 90 Jahren: Der 1. Mai als der traditionelle Kampftag der Arbeiterbewegung wurde 1933 erstmals von der NSDAP als »Feiertag der nationalen Arbeit« begangen und fortan ein arbeitsfreier staatlicher Feiertag. Am 2. Mai 1933 wurden die freien Gewerkschaften zerschlagen und verboten. Die Gewerkschaftsvermögen wurden »beschlagnahmt« (und später u. a. für den Bau
des VW-Werkes in Wolfsburg verwendet). Bei der Besetzung der Gewerkschaftshäuser wurden führende Funktionäre wegen »wirtschaftsfeindlicher« und »staatsfeindlicher Einstellung« verhaftet, misshandelt, inhaftiert und vereinzelt ermordet. Die einzige »Interessenvertretung« für die abhängig Beschäftigten bestand zunächst in der NSBO (Nationalsozialistische Betriebszellen-
organisation), ab 1935 durch die DAF (Deutsche Arbeitsfront).

Meinungsmache(r)

»In der Pandemie legten viele Menschen mehr Geld auf die hohe Kante. […] Die Menschen in Deutschland haben in den vergangenen Jahren ein Rekordvermögen angehäuft. Vor allem Haushalte mit bislang kleinen Vermögen hätten besonders stark zugelegt, schreibt die Deutsche Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. ›Die Ungleichheit hinsichtlich des Nettovermögens hat sich auch deshalb […] leicht reduziert‹, führen die Autoren weiter aus. Abzüglich Schulden verfügten demnach die Privathaushalte 2021 durchschnittlich über ein Rekordvermögen (netto) von 316.500 Euro (SPON, das ›Sturmgeschütz des Neoliberalismus‹, 24.04.)«. Glücksfall Krisen. Denn Entenhausen boomt!

Das bereitet den Menschen in den 40,7 Millionen deutschen Privathaushalten tagtäglich Kopfzerbrechen: wo die 316.500 Euro investieren? Die armen Reichen!

Berliner Luft, Luft, Luft

Das ist die Berliner Luft (Paul-Lincke-Lied). Oder jetzt die Berliner*innen Luft? Darauf den gleichnamigen frischen Pfefferminzlikör aus dem Hause Schilkin. Ich gender gern, weil man es nicht muss. »Berlin! Hör ich den Namen bloß, da muß vergnügt ich lachen!«

Ja, ja, ja, das ist die Berliner Luft, Luft, Luft
so mit ihrem holden Duft, Duft, Duft
wo nur selten was verpufft, pufft, pufft
in dem Duft, Duft, Duft
dieser Luft, Luft, Luft
Das macht die Berliner Luft!

Der Gassenhauer in einem beschwingten Marschrhythmus gilt als inoffizielle Hymne Berlins (Text: Heinrich Bolten-Baeckers, Musik: Paul Lincke; 1904/ 1922 in die Operette »Frau Luna« eingefügt. Jetzt mit Stotter-Stolperfalle?).

WOHNUNGSSTRICH

Im Kreuzberger Wrangelkiez machte eine Frau als lebende Suchanzeige auf die Wohnungsnot in der deutschen Hauptstadt aufmerksam. Seit vergangener Woche saß die Künstlerin Joana V. im Schaufenster der Galerie Heba – ihr war wohl fristlos gekündigt worden (13.04.). Im Rahmen der mehrtägigen Kunstperformance nahm die Betroffene werktäglich zwischen 12:00 und 20:00 Uhr in dem Schaufenster an der Falckensteinstraße Platz. Bezahlbaren Wohnungsraum gibt es nicht mehr. Von der Politik genauso gewollt. Die Politik der vergangenen 25 Jahre trägt endlich Früchte. Berlin ist inzwischen die zweitteuerste Stadt nach München. Und damit nicht mehr sexy. Das ist die Berliner Luft!