SCHWER*IN

Ausflug mit dem 9-Euro-Ticket nach Schwerin (10.08.). SCHWERIN, die »Stadt der sieben Seen«, ist die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Die Stadt (fast 100.000 Einwohner:innen) ist die kleinste Landeshauptstadt Deutschlands. Schwerin wurde 1018 als Wendenburg erstmals erwähnt und erhielt 1164 von HEINRICH DEM LÖWEN deutsche Stadtrechte. Damit ist sie die älteste Stadt im heutigen Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin zeichnet sich durch seine – für eine deutsche Stadt dieser Größe ungewöhnlich gut erhaltene – ALTSTADT aus. Im Gegensatz zu anderen größeren Städten Norddeutschlands überstand Schwerin
den 2. Weltkrieg vergleichsweise glimpflich. Insgesamt wurde Schwerin ›nur‹ zu 3 % zerstört.

Der DOM ›St. Marien und St. Johannis‹ wurde zwischen 1270 und 1416 errichtet. Er ist eine evangelisch-lutherische Bischofskirche und gehört zu den Hauptwerken der norddeutschen BACKSTEINGOTIK
Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt und Touristenmagnet ist das SCHWERINER SCHLOSS.

Der Rundgang beginnt am PFAFFENTEICH, einem künstlichen Binnensee. Sehenswürdigkeiten: ARSENAL, NEUES GEBÄUDE & ALTSTÄDTISCHES RATHAUS, NEUE SYNAGOGE, MARSTALL, SCHLOSS mit Schlossgarten & Schwimmender Wiese.

Jetzt fehlt mir nur noch die Landeshauptstadt des ›17. deutschen Bundeslandes‹: Palma de Mallorca ...

Spätgotischer HAUPTALTAR. Derbe Bildsprache: im unteren rechten Bildrand hält sich ein unter dem bloßen Gesäß des Teufels kauernder Mann die Nase zu.
Leckeres Mittagessen: BACKFISCH (Kabeljau-Filet) in Bierteig mit selbstgemachten Meck-Pommes und selbstgemachter Remoulade (11,50 Euro). Reichlich und umweltgerecht.

Notabene: Die Züge an die Ostsee (hier der RE2, ODEG) waren schon vor dem 9-Euro-Ticket überfüllt. Obwohl ich an einem Werktag (Mittwoch) und schon sehr früh morgens von Berlin losgefahren war, herrschte drangvolle Enge. Hatte auf der Hin- und Rückfahrt jeweils einen Fensterplatz. Auf der Hinfahrt stand der Zug aber planmäßig 20 MIN im Bhf Zoologischer Garten und füllte sich dort merklich. Zurück fuhr ich so rechtzeitig (15:59 Uhr), um in LUDWIGSLUST bei einem zweistündigen Aufenthalt noch das Barockschloss anzuschauen. Das ließ sich aber leider nicht realisieren. In Schwerin war der Bahnsteig schwarz vor Menschen:
In Schwerin Süd und Ludwigslust stürmten weitere Massen den Zug. Schließlich standen viele Fahrgäste eng oben und unten
in den Doppelstockwagen und auf den Treppen. Bei 30 Grad Celsius draußen. Klimaanlage & WC defekt. Wenn der ›Pöbel‹ reist!

DIE AUSNEHMENDEN

Neues aus der Welt der Reichen und Schönen (»Jeder ist seines Glückes Schmied«): Manche dieser Bezieher:innen leistungsloser Transferzahlungen laufen derzeit zur Höchstform auf. Denn Manche greifen gerne schon mal in die öffentlichen Kassen (Gier frisst Hirn), rufen dabei aber stets »Haltet den Dieb«. Hin und wieder kommt das raus. Trotz konsequenter Intransparenz.

Der mutmaßliche ›Porscheminister‹ Christian Lindner verhindert eine Fortsetzung des 9-EURO-TICKETS (»Ich bin für Tempo 300. Dann kommen wir schneller an. Frag mich nicht wo.«, Wolfgang Neuss). BTW: ›Sein‹ Tankrabatt kostete übrigens fast das Vierfache des ÖPNV-Angebots ›für den Pöbel‹. In der aktuellen Koalition wedelt der Schwanz mit dem Hund. Das erfreut die interessierten Kreise. Und wird in den privaten Qualitätsmedien sowie dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) wohlwollend begleitet. Berauscht von der neoliberalen Ideologie – und dem Champagner.
 
Tweet des Tages
@elhotzo
»Für jedes Kind, das wegen des 9-€-Tickets einen schönen Ausflug machen kann, verschwindet ein Bläschen aus dem Champagnerglas von Christian Lindner.«
Zitiert nach TAGESSPIEGEL/ Checkpoint, 09.08.2022
Das ›Deutsche Fernsehballett‹, 1962 gegründet, wurde 2021 weggespart. Zum Ausbruch des Ukraine-Krieges das deutsch-polnische Magazin »Kowalski & Schmidt«. Zugunsten von ›Schunkelsendungen‹ wie »Die 30 Schönsten …«, »Klassiker der …« – und Wiederholungen rauf und runter.

Lukrative Beraterverträge und Luxus auf Kosten von Beitragszahler:innen: Nach massiver Kritik ist PATRICIA SCHLESINGER als rbb-Intendantin zurückgetreten (07.08.2022). Während das rbb-Programm in die Beliebigkeit und seichte Unterhaltung gespart wurde (»Bloß nicht langweilen«), soll sich die Intendantin pro Jahr eine sechzehnprozentige Gehaltserhöhung ›gegönnt‹ haben. Und zusätzliche Boni-Zahlungen (für umgesetzte Sparziele). Geht doch! Man kennt sich von Charity. Zu vom ÖRR-Sender bezahlten Abendessen in Schlesingers Villa, kamen bekannte Gäste: Diplomat Wolfgang Ischinger, Publizist Michael Wolfssohn, Ex-Charité-Chef Max Einhäupl – und Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik.

Zitat des Tages

»Frau Dr. Slowik hat die Information darüber, dass die Kosten für ein Abendessen bei der Familie Schlesinger und Spörl dem RBB in Rechnung gestellt wurden, mit großem Erstaunen und Irritation am gestrigen Tag zur Kenntnis genommen. Es war für sie in keiner Weise ersichtlich, dass dieses Treffen einen beruflichen Hintergrund hatte. Frau Dr. Slowik und ihr Mann wurden von dem schon seit Längerem privat bekannten Ehepaar Schlesinger und Spörl zur ›Einweihung der neuen Wohnung mit Freunden‹ eingeladen. Auch die Gesprächsinhalte waren rein privater Natur.«
Berliner Polizeisprecher Thilo Cablitz über einen Besuch seiner Präsidentin Barbara Slowik.

»Die Freundschaften, die spontan zwischen hohen Funktionsträgern entstehen, kannte man in Bayern lange als ›Amigos‹.«
Marcel Luthe, der Ex-Abgeordnete des Abgeordnetenhauses (AGH) von Berlin und Wahl-Anfechter der Berliner Wahlen 2021, zum selben Thema.

Zitiert nach TAGESSPIEGEL/ Checkpoint, 09.08.2022

Neiddebatte! Verschwörungstheorie! Putins Propaganda! Extremistischer Ausbruch eines Wutbürgers …
 
Unsere Gesellschaft wurde nachhaltig entsolidarisiert (»Basta!«, 2005). Die ›Schnäppchenjäger:innen‹ geben den ›Sparfüchs:innen‹ gerne und huldvoll Spartipps (»Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch meine selbstgebackenen [?] Hartz-IV-Kekse essen«, Pfuschi von der Leyen, 2010). Oder sie pochen auf noch mehr Leistung. So forderte kürzlich der Sozialdemokrat (›Seeheimer‹) und Neu-Bankster Sigmar Gabriel für die kommenden zehn Jahre: »Darum müssen die Deutschen länger und härter arbeiten« (FOCUSonline nach Bild am Sonntag, 24.07.2022). Der bibelfeste SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering brachte es bereits 2006 auf den Punkt: »Wer arbeitet, soll etwas zu essen haben, wer nicht arbeitet, braucht nichts zu essen« (frei nach der Bibel aus 2Thess). Das Prekariat wächst wie gewünscht (»Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter.«, Helmut Kohl, 1982). Jetzt droht die Luft ›da Oben‹ dünner zu werden, und die Reichen und Schönen wollen sich gerne ›unterhaken‹. Putzig. Bei den AUSGENOMMENEN? 

»Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.«, Karl Valentin.

Wolf Biermann, 1974
Warte nicht auf bessre Zeiten

[…]

Wartest du auf bessre Zeiten
Wartest du mit deinem Mut
Gleich dem Tor, der Tag für Tag
An des Flusses Ufer wartet
Bis die Wasser abgeflossen
Die doch ewig fließen

Manche raufen sich die Haare
Manche seh ich haßerfüllt
Manche seh ich in das Wolltuch
Des Schweigens eingehüllt
Manche hör ich abends jammern
»Was bringt uns der nächste Tag
An was solln wir uns noch klammern
An was? An was? An was?«

Wartest du auf bessre Zeiten …

Manche hoffen, daß des Flusses
Wasser nicht mehr fließen kann
Doch im Frühjahr, wenn das Eis taut
Fängt es erst richtig an
Manche wollen diese Zeiten
wie den Winter überstehn
Doch wir müssen Schwierigkeiten
Bestehn! Bestehn! Bestehn!

Warte nicht auf bessre Zeiten
Warte nicht mit deinem Mut …

[…]

Wartet nicht auf bessre Zeiten
Wartet nicht mit Eurem Mut
Gleich dem Tor, der Tag für Tag
An des Flusses Ufer wartet
Bis die Wasser abgeflossen
die doch ewig fließen
die doch ewig fließen

Wolf Biermann, 1966
Die hab ich satt

[…]

3
Was haben wir denn an denen verlorn:
An diesen deutschen Professorn
Die wirklich manches besser wüßten
Wenn sie nicht täglich fressen müßten

Beamte! Feige! Fett und platt! – die hab ich satt!

PICCOLO MONDO

Das GARTENREICH Dessau-Wörlitz an der mittleren Elbe und unteren Mulde ist ein Ausdruck der aufgeklärten Denkweise
des Dessauer Fürstenhofes. Mit WÖRLITZ als Ausgangs- und Höhepunkt der Gestaltungen entstand hier ab 1765 der erste Landschaftsgarten Kontinentaleuropas. Seine Vernetzung mit anderen Landschaftsgärten des Gebietes (Mosigkau, Großkühnau, GEORGIUM, Luisium, Sieglitzer Berg, Oranienbaum) führte zum Entstehen einer im europäischen Maßstab einmaligen GARTENLANDSCHAFT mit einer einmaligen Dichte von Denkmalen. Neu waren die Blickpunkte und SICHTACHSEN. Mit dem Schloss Wörlitz (1769–1773) entstand das erste klassizistische Bauwerk der deutschen Architekturgeschichte. Die zahlreichen Brücken im Wörlitzer Park spiegeln die Entwicklungsgeschichte des Brückenbaus wider. Das Bemerkenswerte an diesem Brücken sind die vielfältigen Formen und Konstruktionen. Seit dem Jahr 2000 gehört das Gartenreich Dessau-Wörlitz zum Weltkulturerbe der UNESCO. Ich war dort (02.08.).

Der Rundweg durch den Park ist 70 Kilometer lang. Von der Plattform des 66 Meter hohen Kirchturmes der neugotischen St. Petri Kirche hat man einen reizvollen Blick über den Park in die Auenlandschaft. 

Die Dessau-Wörlitzer Eisenbahn und die Welterbe-Buslinie 304 benötigen für die Fahrt vom Dessauer Hauptbahnhof nach Wörlitz Bhf gute 30 MIN. Die Einzelfahrt mit der Bahn kostet sonst 6,50 Euro. Durchschnittsgeschwindigkeit des Triebwagens 30–60 km/h. Bei jedem Bahnübergang ertönt eine nervende laute Hupe.

GOLDENE URNE: Die Sichtachse ›TOLERANZBLICK‹ führt zur Synagoge und St. Petri Kirche.
Die INSEL STEIN wurde 1788 bis 1794 nach Plänen von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau als Erinnerung an seinen Aufenthalt am Golf von Neapel erbaut. Es ist eine mit Findlingen verkleidete künstliche Insel. Sie beherbergt Felsengänge, Grotten, den Tempel des Tages, den Tempel der Nacht, ein Kolumbarium, ein Amphitheater, die VILLA HAMILTON und wird gekrönt von einem künstlichen Vulkan, der dem VESUV nachempfunden ist. Der »Vesuv von Wörlitz« konnte bei Gartenfesten des Fürsten mittels ausgefeilter Ton-, Licht- und Wassereffekte »Lava speien«. Ende August 2005 und 2006 wurde der Vulkanausbruch erstmals wieder vorgeführt. Spektakulär & sensationell!
Mahnung: »ACHTE NATUR UND KUNST«.

LÖSUNG

Des Rätsels Lösung: DESSAU (Sachsen-Anhalt), die Stadt an der Mulde & der Auenlandschaft Elbe; die ›BAUHAUSSTADT‹ (Stiftung, Meisterhäuser, Kornhaus, Bauhaus-Museum); die Stadt des Kurt-Weill-Fests (bislang 31x); die Stadt der Junkers-Werke (1936–1945 der bedeutensde Rüstungskonzern im Deutschen Reich: Ju 25 »Tante Ju« & die furchtbare Ju 87 »STUKA«); die Stadt des Umweltbundesamtes; die Stadt schöner Parks (Georgium, Tierpark/ Mausoleum). Noch in dieser Woche plane ich das UNESCO-Gartenreich Dessau-Wörlitz zu besuchen. Fahr‘ doch auch mal hin!

Die richtige Lösung wussten Michi & Flo. Glückwunsch. Und vielen Dank an alle Teilnehmenden. Der Rechtsweg kann nur von den Reichen und Schönen beschritten werden. Nicht-Wissen macht nichts. Nicht-Wissen befördert die Karriere.

RÄTSEL

Wo war ich?

Mit dem 9-Euro-Ticket ging es spontan raus aus der Metropole (28.07.). In welcher Stadt war ich gelandet? Wunderbare lehrreiche und erholsame acht Stunden verbrachte ich dort. Hier sind Lösungshilfen. 

Flußufer 1
Bundesamt
Kirchengemälde
Flugzeugbau
Fußgängerzone
Marktplatz
Flußufer 2

Nur noch vier Wochen wird das 9-Euro-Ticket angeboten. Darauf besteht der leidenschaftliche Porsche-Fahrer Christian L. aus W.. Ab September muss man wieder auf die eigenen Boliden oder das Privatflugzeug zurückgreifen. Dann steht man morgens wieder vor der geöffneten Garage und fragt sich: »Welchen Spritfresser nehme ich denn heute?«

KLANG DES LEBENS

Dürre, Seuchen, Kriegsgräuel. Ist die Stimmung trüb, hilft ein KOMBOLOI (Bild).

Das KOMBOLOI (Κομπολόι) ist ein persönlicher Gegenstand griechischer Männer. Es dient als Fingerspiel, Zeitvertreib, zum Stressabbau, gelegentlich auch als Meditationshilfe. Das Komboloi hat jedoch keine religiöse Bedeutung. ›Kombos‹ heißt Knoten. Komboloi bezeichnet die griechische Perlenkette. Der Klang der aufeinander fallenden Perlen fasziniert. Das beruhigt einen selbst, kann aber im direkten Umfeld je nach Intensität nerven. Ζωή (Zoi) heißt LEBEN! Mein Κομπολόι schenkte mir Georgios Chrissidis. Ein dankbares klickediklack.

20. JULI

Heute wäre MAX LIEBERMANN (1847–1935) 175 Jahre alt geworden. Als am Tage der nationalsozialistischen Machtübernahme ein Fackelzug der SA vor seinem Haus am Pariser Platz vorbeimarschierte, rief Liebermann den berühmten Satz: »Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte.«

Max Liebermann gehört zu den Schlüsselfiguren des Impressionismus. Er war der Kopf der Berliner Secession und, bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten, Präsident der Akademie der Künste. In seiner nach seinen Plänen gebauten und 1910 bezogenen VILLA (Bild) am Wannsee schuf der Maler sein bedeutendes Alterswerk. Zum 80. Geburtstag wurde Max Liebermann Ehrenbürger der Stadt Berlin. Doch wenige Jahre später nahmen die Nazis dem berühmten deutschen Maler seinen geliebten Sommersitz weg und machten es zum »Lager für weibliche Gefolgschaft der Deutschen Reichspost«. Im ›arisierten‹ Villenviertel
(der einstigen »Colonie Alsen«) nistete sich die SS ein. Ganz in der Nähe zu Liebermanns Landhaus (›Am Großen Wannsee 56–58‹) beschlossen am 20. Januar 1942 deutsche Spitzenbeamte beim Frühstück die vollständige ›Ausrottung‹ der europäischen Juden.

Unmittelbar vor ihrer Deportation nach Theresienstadt nahm sich Martha Liebermann am 10. März 1943 das Leben. Das Palais Liebermann am Pariser Platz versank bald darauf in Trümmern.

Heute jährt sich wieder der bedeutendste Umsturzversuch des militärischen Widerstandes in der Zeit des Nationalsozialismus (1944). Gedenkstätten DEUTSCHER WIDERSTAND: der ›Bendlerblock‹ und (im Bild) die Hinrichtungsstätte in Berlin-PLÖTZENSEE.

Heute ist der bislang HEISSESTE TAG dieses Jahres. Janz Europa ächzt unter der Wärme, Berlin ooch!
Im 4. Dürrejahr seit dem 18.06.2022 in der Metropole:

11 Hitzetage (31°–38°);

7 Tropische Nächte (20,5°–22°). Ein Schelm …

Und was war noch? DREIERGIPFEL der ›Bösen alten Männer‹: Der russische Präsident Wladimir Putin (Russisches Großreich) hat sich in Teheran mit seinem iranischen Amtskollegen Ebrahim Raisi (Persisches Reich) und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan (Osmanisches Reich) getroffen. Die Kriegsherren klopfen ihre Expansionsmöglichkeiten ab. Leichen pflastern ihren Weg.
Die anderen ›Bösen alten Männer‹ fühlen sich ermuntert, warten aber noch ab, bis sie im ›Windschatten‹ dieser Kriege losschlagen können.

Das Sterben, Verstümmeln & Zerstören im UKRAINE-KRIEG geht routiniert weiter; schon fast fünf Monate.

»MAKIN’ WICKY-WACKY DOWN IN WAIKIKI«

Als fulminanten Abschluss seiner zehnjährigen Intendanz an der Komischen Oper präsentierte Barrie Kosky seine rauschende Revue »All-Singing, All-Dancing Yiddish Revue«. Ein Party-Abend. ›Nur‹ 12 – aber stets ausverkaufte – Vorstellungen gab es! Trotz des Riesenerfolgs.

Ein Rausch in 1950er- und 1960er-Jahre-Kostümen von knallig bis Plüsch, ein Rausch des Tanzes, des Humors, der Mixtur aus Jazz und Volksliedern, aus Rumba und Samba und eine leichte Melancholie überwältigten das Publikum. Sinatras »My way« auf Jiddisch (Mayn weg), »Bei mir biste schön« (Bay mir bistu sheyn), »Raindrops keep fallin‘ on my head« (Tropns fun regn oyf mayn kop), alles jiddisch, alles authentisch. Dargeboten u. a. von ›The Barrie Kosky Sisters‹, ›The Freylakh Tripletts‹, ›Claire and Merna Epelbaum‹,
›The Bagelman Sisters‹.

Die funkelnde jüdische Revue geht zurück auf Kreativität und Lebenslust im »BORSCHT BELT«, jüdischen Feriensiedlungen nördlich von New York. In den 1950er- und 1960er-Jahren galt die Region als »Las Vegas der Ostküste«. Die Show dieser üppigen, witzigen, tiefsinnigen, melancholischen und internationalen jüdischen Kultur ist weitergegangen – nur woanders: in den CATSKILLS Mountains im Staat New York. In jenen Hotels, in denen Woody Allen und Bette Midler, Sammy Davis Jr. und Barbara Streisand ihre Karrieren starteten. Und wo Jiddisch nicht nur Alltagssprache, sondern auch das Idiom der Songs und Chansons, der Couplets und der Schlager gewesen war.

JIDDISCH, die alte Sprache mittel- und osteuropäischer Juden, spielt auch als Folge des Holocaust heute im Alltag Europas kaum noch eine Rolle. Kosky gab ihr mit seiner Revue eine Bühne. Wer sich nicht rasch einhörte, blickte schon mal auf die Untertitelung.

Barrie Kosky: »Diese Revue ist ein Versuch zu sagen: Die Nazis haben nicht gewonnen, Hitler hat nicht gewonnen«. ›Hitler‹ hat nicht gesiegt! Die kulturellen Verwüstungen, die der Nationalsozialismus in Deutschland anrichtete (KEIN LAND DES LÄCHELNS), konnten keine vollendeten Tatsachen schaffen. Barrie Kosky ist es zu verdanken, dass die Operette wieder vom ›braunen Schleier‹ befreit wurde. Was damit gemeint ist? Die Nazis machten diese Kunstform zur unverbindlichen und gänzlich schmerzlosen, zur seichten Unterhaltung. Dabei war die Operette in der Weimarer Zeit frech, satirisch, hoch aktuell, und zwar in allererster Linie wegen der jüdischen Textdichter:innen und Komponist:innen. 

BIGWIGS
›Auftrieb‹ der BIGWIGS: der Regierende Bürgermeister a. D., Klaus Wowereit, würdigte vor Aufführungsbeginn Barrie Kosky (unten, Mitte).
Das Staatsoberhaupt, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, spielte an diesem Abend nur eine ›marginale Rolle‹ (unten,
2. von rechts).
Kultursenator Klaus Lederer (2. von rechts) würdigte Barrie Kosky und schenkte ihm u. a. ein T-Shirt mit dem Aufdruck »Kammerindendant«.
A bisl zin, a bisl reygn,
a ruyik ort, dem kop tsin leygn, 
abi gezint, ken men gliklekh zayn. 

A shikh, a zok, a kleyd (on lates),
in keshene a dray, fir zlotes, 
abi gezint, ken men gliklekh zayn. 

Techno, Bässe, Ekstase

»Rave the Planet«; heraus aus der MOTTE(n)-KISTE (09.07.): mehr als 200.000 Raver:innen feierten über Stunden und tanzten an der Seite von 18 Musikwagen. Der Zug, bestehend aus den FLOATS und den Raver:innen, bewegte sich nur langsam voran. Wummernde Boxen, elektronische Sounds – es war laut und voll. Nach dem Rave sammelte die Berliner Stadtreinigung (BSR) 135 Kubikmeter Abfälle ein. »Rave the Planet« statt »Save the Planet«?

Loveparade-Gründer Dr. Motte (62), mit bürgerlichem Namen Matthias Roeingh, war erstmals 1989 mit einigen Mitstreiter:innen und einem Musiklaster unter dem Motto »Friede, Freude, Eierkuchen« über den Kudamm gezogen. In den 1990er-Jahren entwickelte sich die Loveparade zum Magneten für Hunderttausende. Dann gab der Gründer die Marke ab. 2010 endete die völlig überfüllte Loveparade anderer Organisatoren in Duisburg in einer Katastrophe: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt. Die Neugründung habe mit der Ursprungsveranstaltung nichts zu tun, betonten die Veranstalter. Doch der ›Geist der Loveparade‹ schwebte mit, zumal Dr. Motte das Motto »Together again« ausgab. Wie früher war die neue Parade als politische Demonstration angemeldet – jedoch nur für 25.000 Teilnehmende.

LAUB PARADE der Berliner Stadtreinigung (BSR), gesehen vor »Rave the Planet«.
Über Stunden feierten und tanzten mehr als 200.000 Raver:innen auf einer Strecke von der westlichen Innenstadt (U-Bahnhof Uhlandstraße), an Potsdamer Platz und Brandenburger Tor vorbei, bis zur Siegessäule.
Auf den ersten Floats zahlreiche Veteran:innen (45+) der Love Parade.
Es war laut und voll am Kudamm an diesem Samstagmittag. Die Bässe hämmerten unerbittlich, die ›Meute‹ tanzte ausgelassen.
»Rave the Planet 2022« war kurzzeitig eine ›Umbrella-Parade‹ & in Gänze eine ›Endlich-wieder-feiern-Parade‹.