Techno, Bässe, Ekstase

»Rave the Planet«; heraus aus der MOTTE(n)-KISTE (09.07.): mehr als 200.000 Raver:innen feierten über Stunden und tanzten an der Seite von 18 Musikwagen. Der Zug, bestehend aus den FLOATS und den Raver:innen, bewegte sich nur langsam voran. Wummernde Boxen, elektronische Sounds – es war laut und voll. Nach dem Rave sammelte die Berliner Stadtreinigung (BSR) 135 Kubikmeter Abfälle ein. »Rave the Planet« statt »Save the Planet«?

Loveparade-Gründer Dr. Motte (62), mit bürgerlichem Namen Matthias Roeingh, war erstmals 1989 mit einigen Mitstreiter:innen und einem Musiklaster unter dem Motto »Friede, Freude, Eierkuchen« über den Kudamm gezogen. In den 1990er-Jahren entwickelte sich die Loveparade zum Magneten für Hunderttausende. Dann gab der Gründer die Marke ab. 2010 endete die völlig überfüllte Loveparade anderer Organisatoren in Duisburg in einer Katastrophe: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt. Die Neugründung habe mit der Ursprungsveranstaltung nichts zu tun, betonten die Veranstalter. Doch der ›Geist der Loveparade‹ schwebte mit, zumal Dr. Motte das Motto »Together again« ausgab. Wie früher war die neue Parade als politische Demonstration angemeldet – jedoch nur für 25.000 Teilnehmende.

LAUB PARADE der Berliner Stadtreinigung (BSR), gesehen vor »Rave the Planet«.
Über Stunden feierten und tanzten mehr als 200.000 Raver:innen auf einer Strecke von der westlichen Innenstadt (U-Bahnhof Uhlandstraße), an Potsdamer Platz und Brandenburger Tor vorbei, bis zur Siegessäule.
Auf den ersten Floats zahlreiche Veteran:innen (45+) der Love Parade.
Es war laut und voll am Kudamm an diesem Samstagmittag. Die Bässe hämmerten unerbittlich, die ›Meute‹ tanzte ausgelassen.
»Rave the Planet 2022« war kurzzeitig eine ›Umbrella-Parade‹ & in Gänze eine ›Endlich-wieder-feiern-Parade‹.

VIVA LA VIDA

Qual der Wahl. An diesem Wochenende hat Berlin an jeder Ecke was zu bieten: kostenlos und draußen.

Am Freitag startete das 41. Internationale Drehorgelfest. Zur Parade über den Kurfürstendamm trafen sich die Drehorgel-
spieler:innen an der Bleibtreustraße (02.07.). ORGANILLERO aus México, ORGANILLEROS y CHINCHINEROS: Familie Saavedra
aus Santiago de Chile. Lebensfreude pur. VIVA LA VIDA.

KLANGWOLKEN

Janz Berlin is eene Wolke! – Janz Berlin is voll Musike! Endlich wieder!

Zwei Jahre fielen wegen DER SEUCHE beliebte Konzerte und Musikveranstaltungen aus. Jetzt legen die Kulturveranstalter:innen wieder los. Endlich.

Trotz der Temperaturen in Höhe von mehr als 35 Grad Celsius strömten an zwei Tagen die Massen zur »STAATSOPER FÜR ALLE«
am Bebelplatz in Mitte (18./ 19.06.).

Der Publikumsmagnet »Fête de la Musique« wurde 40 und der ›Singalong‹ der FÊTE fand zum fünften Mal in Berlin
am Brandenburger Tor statt. Am Charlottograder Karl-August-Platz fetzte zuvor »Berlin Brass Caravan« mit BALKAN-BRASS (21.06.).

CHORO vom Feinsten präsentierte die »Grupo Chorinhoso« in der Besetzung Flauta, Cavaquinho, Pandeiro & Violão 7 Cordas
(von links/ 23.06.).

Am heutigen Samstag übertragen das ›rbb-Fernsehen‹ und ›3Sat‹ ab 20:15 Uhr das traditionelle »Saisonabschlusskonzert
der BERLINER PHILHARMONIKER« live aus der Waldbühne (25.06.). Es dirigiert Kirill Petrenko. Beschwingt. Janz Berlin is eene Wolke! –  Janz Berlin is voll Musike!

»La Paloma«

Da mach’ ich doch glatt den HANS ALBERS. Belcanto vom Feinsten!

[…] wenn der Sturmwind sein Lied singt, dann winkt mir der großen Freiheit Glück.
Wie blau ist das Meer, wie groß kann der Himmel sein,
[…] Seemann, gib acht, denn strahlt auch als Gruß des Friedens,
hell durch die Nacht das leuchtende Kreuz des Südens.
[…] wenn der Sturmwind sein Lied singt, dann winkt mir der großen Freiheit Glück.

»La Paloma« Ohe.

›eBUSSERL‹

Die BVG (Berliner Verkehrsgesellschaft) lud zur E-BUS-SCHAU auf den Hof des Omnibushofs in Spandau (17.06.). Dort gab es Informationen zur neuen Busflotte, die bis 2030 komplett auf Elektroantrieb umgestellt sein soll. Wie sehen die aktuellen Modelle aus? Und welche Unterschiede gibt es eigentlich? Ein besonderes Highlight war die Probefahrt mit dem elektrischen Doppel-Gelenkbus aus Österreich über den Hof. Der Bushof in Berlin-Spandau ist die Heimat von 400 BVG-Beschäftigten und der größte
der Stadt. Erbaut wurde er im Januar 1967. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben denkt man auch über die Einführung von Ober-
leitungsbussen (O-BUSSEN) nach. Im brandenburgischen EBERSWALDE kann man diese seit Jahren im Einsatz bewundern.

Projekt »Hybrides Elektrolöschfahrzeug« Mit dem eLHF erprobt die Berliner Feuerwehr seit März ein elektrisch betriebenes Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug. Bereits im Jahr 1908 hatte die Berliner Feuerwehr (nicht zu verwechseln mit Groß-Berlin) den ersten ELEKTROMOBILEN LÖSCHZUG in Dienst gestellt, vier weitere folgten in den kommenden Jahren noch. Nach dem Ersten Weltkrieg war erstmal für lange Zeit Schluss damit.

NEUE HORIZONTE

Kürzlich erschien im Görlitzer Senfkornverlag RAFAŁ DUTKIEWICZS Buch »Der Zauberer von Breslau«.
Anlass für einen schönen kurzweiligen Abend an der Landesvertretung Niedersachsen (17.06.).
Im fesselnden Gespräch mit Verleger ALFRED THEISSEN gab Dutkiewicz humorvoll Auskunft über seinen Werde-
gang und natürlich über seine Breslauer Jahre, hin zu bewegenden Begegnungen, aber auch schwierigen Herausforderungen.

RAFAŁ DUTKIEWICZ (re) und ALFRED THEISSEN bei der Buchvorstellung.

Rafał Franciszek Dutkiewicz (*1959) ist Politiker, Unternehmer, Universitätsdozent und Aktivist. Von 2002 bis 2018 war Dr. Dutkiewicz Stadtpräsident (entspricht einem deutschen Oberbürgermeister) der Stadt Wrocław (Breslau). In diesen Jahren seiner Amtszeit erlebte die niederschlesische Hauptstadt einen atemberaubenden wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung zu einer der blühendsten und bewunderten Metropolen nicht nur Polens, sondern ganz Europas. Seine historischen Verdienste um Breslau, aber auch um europäische Integration und die deutsch-polnische Verständigung wurden in Deutschland unter anderem mit dem Erich-Kästner-Preis und dem Deutschen Nationalpreis gewürdigt, mit dem zuvor zum Beispiel Tadeusz Mazowiecki, Václav Havel, Fritz Richard Stern, oder Anita Lasker-Wallfisch ausgezeichnet wurden.

Bei den Kommunalwahlen 2006 bekam Dutkiewicz als unabhängiger Kandidat 84,53 % der Stimmen im ersten Wahlgang: »Belarussische Ergebnisse, gefährlich«, bemerkte er hierzu trocken. Im gleichen Jahr erschien sein Buch »Neue Horizonte« (Nowe horyzonty), in denen er über die Ausübung seines Amtes reflektiert. Während der Zeit des Kriegsrechts war Dutkiewicz führend in der Untergrundbewegung »Solidarność« in Breslau aktiv. Neben Danzig war Breslau damals das Zentrum der polnischen Gewerk-
schaftsbewegung. Er berichtete über seinen abenteuerlichen Einsatz für Solidarność bis zu seiner Flucht. Auch die Erfahrungen
in Deutschland – in Freiburg – und das Kennenlernen der Schweiz und Frankreichs kamen zur Sprache. Dutkiewicz besitzt
einen Master-Abschluss in ›angewandter Mathematik‹ und einen Doktortitel in ›Formaler Logik‹. Ein erfrischender Zeitzeuge!

SPARGELSILVESTER

»Stich‘ den Spargel nie nach Johanni« – so lautet die holprige Bauernregel. Deshalb trägt der JOHANNISTAG auch den Beinamen ›SPARGELSILVESTER‹. Der Johannistag am 24. JUNI ist das traditionelle christliche Mitsommerfest und erinnert an den Geburtstag Johannes‘ des Täufers.

Während der Beginn der Spargelsaison wetterbedingt ist, steht für das Ende der Saison mit dem 24. Juni ein KONKRETES DATUM fest. Der Grund dafür: Bis zum ersten Frost dauert es dann noch mindestens 100 Tage; die Pflanze hat damit genug Zeit, sich zu regenerieren. Also Spargelliebhaber:innen, ranhalten, ›nur‹ sieben Tage wird der heimische Spargel noch angeboten.

TELLERSPRACHE, Spargelrisotto ›TRICOLORE‹, Rezept siehe unter SPARGELRISOTTO ›BICOLORE‹ vom 30. Mai 2022, einfach runterscrollen.
ZUTATEN, Spargelrisotto ›TRICOLORE‹.

TÜRKISSCHIMMERND

Fahrt ins polnische ŁAGÓW (Lagow) in der Województwo lubuskie (Woiwodschaft Lebus). Ein Sonderzug der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) fuhr aus Berlin in einer etwa dreistündigen Fahrt zur »PERLE des Lebuser Landes«, wie Łagów auch genannt wird. Bahnhof und eingleisige Nebenstrecke werden nur noch temporär für touristische Sonderzüge genutzt. WIADUKT kolejowy w Łagowie: 25 Meter hoch, 40 Meter lang. Das Viadukt gehört zur 2015 eingestellten Bahnstrecke von Toporów nach Międzyrzecz (Bahnlinie Topper–Meseritz).


In Łagów lockt die JOHANNITERBURG (Zamek joannitów w Łagowie). Die Burg entstand nach dem Jahre 1351. Lagow gehörte
zu dieser Zeit dem evangelischen Johanniterorden, der 1810 aufgehoben wurde. Sie befindet sich auf einer Halbinsel zwischen
dem TÜRKISSCHIMMERNDEN Tschetschsee (Ciecz) und dem Lagower See (Jezioro Łagowskie). Der TSCHETSCHSEE ist der größere
der beiden malerischen Waldseen, an denen der Ort liegt. Er ist im Schnitt 19,3 tief und damit einer der tiefsten Seen Polens. Die Umrundung hat eine Gesamtlänge von 13 km. Der Lagower See entstand durch eine künstliche Teilung vom nördlich gelegenen Tschetschsee. Dessen Umrundung hat eine Gesamtlänge von 8,6 km.

Derzeit wird die Burg als Hotel und Restaurant genutzt. An gleicher Stelle befand sich im 11. und 12. Jahrhundert eine SLAWISCHE BURG. 1251 kam das Gebiet unter die Herrschaft deutscher Ritterorden. Bis 1945 war der Ort deutsch. Das bis heute von der Gemeinde geführte Wappen erinnert an die jahrhundertlange Präsenz der Johanniter in Lagow. Am Fuß der Veste entstand eine zugehörige Siedlung für Handwerker und Dienstleute. Teil der Verteidigungsanlage der Burg mit dem Burgturm waren das ›Polnische Tor (Brama Polska) und das ›Märkische Tor‹ (Brama Marchijska). Die KIRCHE ›St. Johannes der Täufer (Kościół św. Jana Chrzciciela
w Łagowie)‹ ist seit Oktober 1945 katholisch.

Die deutsche Festungs- und Verteidigungsanlage »Burschener Schleife« aus den späten 1930er-Jahren (›OSTWALL‹: 12 km lang,
30 Meter tiefe Bunker und Tunnelanlagen) verläuft 13,5 km östlich der Stadt.