»SPARGEL, HEPP«.

Sonntägliche Fahrt in die Mittelmark zum Spargelfest nach BEELITZ (01.06.). 

Mitten in Beelitz gibt es eine Perle, die sich erhalten hat. Die WUNDERBLUTKAPELLE. Doch, was bedeutet das: Wunderblut? Die mittelalterliche Volksfrömmigkeit bildet den geistlichen Rahmen für die Wunderblutverehrung. Bis heute wird in jeder katholischen Kirche die auf dem Altar im verschlossenen Gefäß verwahrte Hostie als Allerheiligstes − sanctissimum − verehrt. Bei Betreten und Verlassen des Kirchenraums knieen Gläubige davor und bekreuzigen sich. Im 13. Jahrhundert gewann das Abendmahlssakrament zunehmend an Bedeutung. Die Verehrung des Sakraments nahm nie da gewesene Formen an. Hostienwunder ergaben sich allgemein bei ›ritueller Nachlässigkeit‹, bei ›Glaubenszweifeln‹ und bei ›Hostienschändungen‹. Lokale Blut- und Hostienwunder bildeten die Grundlage für Wallfahrten. An der Stelle der Beelitzer Wunderblutkapelle soll sich anlässlich einer Fronleichnamsprozession im Mai 1235 ein Blutwunder ereignet haben. Durch das Blutwunder gewann das eher abseits der großen Handelswege gelegene Beelitz eine – für damalige Verhältnisse – überregionale Aufmerksamkeit. Der Ort wurde profitabel. Vermutlich versiegte in den 1390er-Jahren der Pilgerstrom nach Beelitz, weil die Büßer sich zunehmend vom aufblühenden Wunderblut-Standort WILSNACK (heute Bad Wilsnack/ Prignitz) angezogen fühlten. Der Begriff der ›jüdischen Hostienschändung‹ gelangte erst zum Ende des Jahrhunderts
in die Vorstellungswelt der Abendmahlsfrömmigkeit. 1290 fand in Paris der erste Prozess wegen einer angeblichen jüdischen Hostienschändung statt. Damit war das Thema in der Welt, um für Jahrhunderte nicht mehr zu verschwinden. 

Das Bodenniveau der Stadtpfarrkirche »Sankt Marien und Sankt Nikolai« war im Laufe der Zeit höher gelegt worden, da rings um die Kirche herum Bauschutt aus mehreren Stadtbränden angehäuft wurde. Die Wunderblutkapelle befand sich ursprünglich als ein frei Stehendes, eigenständiges Gebäude neben der Kirche. Sie kann heute von der Kirche aus betreten werden. Die achteckige Bauform der Wunderblutkapelle erinnert an frühchristliche Taufkapellen. Durch Restaurierungen passte man sie dem Zeitgeschmack des
19. Jahrhunderts an. Heute wirkt sie unspektakulär. Heute pilgern die Menschen zum BEELITZER SPARGEL.

Spargel gehört zu den kleinen Freuden des Lebens. In Brandenburg hat der Anbau eine lange Tradition. Brandenburg ist Spargelland Nummer 3 in Deutschland. Berühmt ist der Beelitzer Spargel, seit März 2018 ist er EU-weit geschützt. Der Beelitzer Spargel ist
für seinen besonders zarten und geschmacksintensiven Charakter bekannt und gilt als eine der hochwertigsten Spargelsorten Deutschlands. Besonders gut bereitet man den Spargel im Gasthaus »ALTE BRAUEREI« zu. Der imposante geschlossene Vierseiten-
hof ist seit 1650 in Familienhand. Und überlebte die TäTäRä. Der Brauerei-Betrieb musste jedoch 1925 aus Alterstgründen eingestellt werden. In Beelitz locken auch die alte Posthalterei, das Spargelmuseum und der Stadtpark.

Die Spargelsaison endet stets am JOHANNISTAG, dem 24. Juni. Damit der Spargel noch ausreichend Zeit hat, durchzuwachsen und einen grünen Busch zu bilden. Vom 24. Juni bis zum ersten Frost sind es mindestens 100 Tage. Durch die langanhaltende Trockenheit wird der Spargel im kommenden Jahr nicht mehr so dicke Stangen ausbilden können. Auch wird es Ernteeinbrüche geben. 

Eine unschöne und unvernünftige Entwicklung hat der Einsatz von Plastik und Kunststoff im Spargelanbau genommen. Der Anbau unter Folie soll immer frühzeitigere Marktreife garantieren. Der Spargel geht in den Magen. Plastik geht ins Gehirn. Aber auch in Leber und Nieren. Das wurde in diesem Jahr erstmals nachgewiesen. In Gehirnen von Demenzkranken fanden Wissenschaftler eine deutlich höhere Konzentration von Mikroplastik (etwa zehnmal soviel). Nix mit Auspinkeln!

Wunderblutkapelle.
Spargel mit paniertem Schweineschnitzel als Sättigungsbeilage und Salzkartoffeln an Spargelsoße. Top Qualität und Zubereitung! Köstlich. Keine ›getürkte‹ (Convenience) Sauce Hollandaise wie sonst leider zu häufig serviert.
Die Spargelfrauen. Auf den Feldern arbeiten in diesem Jahr Rumän:innen. »Spargel-Hepp-Rufe« beim Umzug.
Ehemalige Spargelköniginnen.
Ohne Stechschritt. Bei dieser Zugnummer brachen die Zuschauer:innen in Jubel aus. Das Preußen-Gen? »Wenn die Soldaten/ durch die Stadt marschieren,/ Öffnen die Mädchen/ die Fenster und die Türen.// Ei warum? Ei darum! Ei warum? Ei darum!/ Ei bloß wegen dem Schingderassa, Bumderassa, Schingdara!/ Ei bloß wegen dem Schingderassa, Bumderassasa!// …«.

RUMGURKEN

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) werben mit neuen Motiven für das Deutschlandticket. Die Kampagne macht Lust auf Ausflüge und Kurzreisen. Bevor die Politik diese schöne Möglichkeit wieder einstampft.

Im Sommer 2022 begann alles mit dem befristeten 9-EURO-TICKET. Damals reiste ich nach Dessau, Görlitz, Havelberg, Ludwigslust, Magdeburg, Schwerin und ins Wörlitzer Gartenreich. Alle besuchten Orte sind hier im Fotoblog dokumentiert. 

Im Mai 2023 startete dann das DEUTSCHLANDTICKET. Das nutze ich seitdem exzessiv für Fahrten im Rhein-Main-Neckar Raum: Darmstadt, Frankfurt/ Main, Hessische Bergstraße und Heidelberg. Und im Harz. Ferner besuchte ich 2023 Bodenwerder, Bruchsal, Bückeburg, Einbeck, Frankfurt/ Oder, Gardelegen, Halle/ Saale, Hameln, Karlsruhe, Ladenburg, Merseburg, Nordstemmen (Marienburg), Salzwedel, Stendal, Stuttgart, Tangermünde, Wolfenbüttel, Ziesar. Auch diese Fotos sind alle chronologisch hier eingestellt. 

Im vergangenen Jahr 2024 reiste ich mit dem Deutschlandticket nach Gießen, Greifswald, Rostock, Schwetzingen, Warnemünde und Wetzlar. 

In diesem Jahr nach Göttingen, Sinsheim und Wolfsburg. Aber jetzt ab Juni locken wieder schöne Ziele. Und: »Fahr‘ mal wieder U-Bahn«. Denn dort kann man pfiffige Plakate entdecken.

ÜBERALL IST BIELEFELD

Fußballwahn. Ganz Berlin in Schwarz-Weiß-Blau. DFB-Pokalfinale. Der Drittligist Arminia Bielefeld im Endspiel gegen den VfB Stuttgart. David gegen Goliath. 100.000 euphorisierte Fans von Arminia Bielefeld in der Metropole − bei rund 300.000 Einwohnern und einer Stadt, die es gar nicht geben soll. Eine beachtliche Quote. Vom VfB waren ›nur‹ rund 25.000 Fans in Berlin (bei gut
600.000 Einwohnern). Aber Schwaben stellen in Berlin die zweitstärkste Migrantengruppe (so heißt der Prenzlauer Berg
im Volksmund auch ›Schwabylon‹). Während sich die Bielefelder Fans am Alex zum Fanfest trafen, sammelten sich die Stuttgarter
am Breitscheidplatz. Die Ostwestfalen zeigten bereits im Vorfeld Humor: Großplakate am S-Bahnhof ›Messe Nord‹. Strotzend
vor Selbstbewusstsein: »Europa League, wir kommen. Bielefeld grüßt die besten Fans der Welt«.

Titelseite des KICKER (23.05.).
»Mit’m Pokal wiedr Hoim«.

Der Pokalschreck patzte. Im Finale Arminia Bielefeld : VfB Stuttgart gewinnt Stuttgart mit 2 : 4 (0 : 3). Damit spielen die Stuttgarter
in der kommenden Spielzeit in der Europa League.

REGENWALD

Das Konzert »A Voz da Floresta« (Die Stimme des Regenwaldes) des renommierten brasilianischen Pianisten Pablo Rossi ist Teil des internationalen Projekts »Music of Climate Change«. Es fußt auf der Initiative und steht unter der Leitung von Pablo Rossi und dem Philharmonischen Orchester von Santa Catarina. Ziel des Projekts ist es, die Öffentlichkeit für Umweltfragen zu sensibilisieren und das Klimabewusstsein durch Musik zu fördern. Es wird einen wichtigen Platz im offiziellen Programm der COP30 in Belém do Pará einnehmen.

Pablo Rossi zählt zu den führenden brasilianischen Pianisten der Gegenwart. Seine Aufnahmen werden weltweit hochgeschätzt.
Ein Höhepunkt ist die jüngste Gesamtaufnahme der Sonaten für Violine und Klavier von Heitor Villa-Lobos für das Label Naxos (Brasilianische Botschaft, 14.05., Eintritt frei).


Die Titel des Programms zum Nachhören:
Antônio Carlos Gomes − Ouvertüre zur Oper »Il Guarany«.
Eine Transkription der Ouvertüre zu der Oper, die vom gleichnamigen Roman von José de Alencar inspiriert wurde. Es war die erste Oper eines brasilianischen Komponisten, die in großen europäischen Theatern aufgeführt wurde, und ist bis heute die bekannteste Oper des brasilianischen Repertoires.

Heitor Villa-Lobos − »Saudades das Selvas Brasileiras« Nr. 1 & 2 und »Dança do Índio Branco« (aus dem Ciclo Brasileiro).
Ein musikalisches Abenteuer, das verschiedene indigene Themen präsentiert, die auf raffinierte Weise in die musikalische Textur integriert und in innovative rhythmische und harmonische Experimente umgesetzt werden.

Francisco Mignone – »Drei transzendentale Studien« und »Congada«.
In »Estudos Transcendentais« greift der brasilianische Komponist verschiedene Elemente auf, die für die europäische Musik
des frühen 20. Jahrhunderts charakteristisch sind. So verwendet er beispielsweise in »A Voz da Floresta« pentatonische Skalen,
die eine Klanglandschaft schaffen, die auf die Natur anspielt. Diese Klanglandschaft umfasst Elemente wie Wasser, Vögel und
die geheimnisvolle Atmosphäre des dichten Waldes.

Gábri Mesquita − »Choro do Besouro« und Eduardo Frigatti − »Fuga e Tocata ‚Epekumã‘«.
Diese speziell für das Projekt »Music of Climate Change« in Auftrag gegebenen Werke thematisieren Umweltfragen und die Dring-
lichkeit des Klimawandels auf zeitgenössische und sensible Weise.

Franz Schubert – Wanderer-Fantasie C-Dur, D. 760.
Dieses klassische Klavierstück reflektiert auf poetische Weise die Reise des Menschen auf der Suche nach Verbindung mit der Welt um ihn herum.

WASSERSTADT 

Berlin ist eine Wasserstadt. Die großen Gebäude im Zentrum stehen auf Pfählen − wie beispielsweise die Museen der Museumsinsel, der Reichstag oder die Staatsbibliothek. Auf dem Gebiet der Stadt Berlin befinden sich mehr als 240 Kilometer Wasserwege.
Da kommt noch nicht einmal Venedig mit. »Spree-Athen« hat mehr Brücken als Venedig, Nämlich 940, Venedig dagegen ›nur‹
400 Brücken. Die Brücken-Durchfahrtshöhen sind im Zentrum zum Teil äußerst niedrig. Die niedrigste Brücken-Durchfahrtshöhe beträgt dort nur 3.47 Meter. 

Die Region Berlin-Brandenburg ist geprägt durch ein eng verzweigtes Wasserstraßennetz. Bedeutsam sind vor allem die Flüsse Spree, Havel und Dahme und die Vielzahl von Seen. Durch die Verbindung mit Kanälen entstand somit ein Verkehrsnetz von über-
regionaler Bedeutung. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Spree-Havel betreut diesen Teil des Bundeswasser-
straßennetzes. 

Elf schiffbare Wasserstraßen mit fast 200 Kilometern Länge durchziehen Berlin. Schleusen bieten der Schifffahrt die erforderliche Auf- und Abstiegsmöglichkeit. Berliner Kanäle sind der »Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal (BSK)«, der »Westhafen-Kanal«, der »Charlottenburger-Verbindungskanal« und der »Britzer- Verbindungskanal (BVK)«, die in Summe 22 Kilometer Wasserstraßen bilden.

Der »Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal« führt von der Spree über den Humboldthafen beim Hauptbahnhof und über den Westhafen an die Havel (in Abfolge der Fahrt unten). Dieser Kanal ist für die Sportschifffahrt gesperrt. Der nur 2,5 Kilometer lange »Westhafen-Kanal« führt vom Westhafen zur Spree in Charlottenburg.

Mehr als zweistündige Schifffahrt zwischen der Mühlendamm-Schleuse und der Charlottenburger-Schleuse (14.05.). Start und Ziel waren der »Preußische Ikarus« an der Weidendammer Brücke in Mitte.

Das Nikolaiviertel im Berliner Ortsteil Mitte ist das älteste Siedlungsgebiet der Hauptstadt. Im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, wurde es 1980−1987 anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt wiederaufgebaut.
Die ehemalige − 1936 erbaute − Müllverladestation an der Helmholtzstraße 42 gehört heute dem weltbekannten Architekturbüro von Josef Paul Kleihues. 
Die ›Meierei Carl Bolle‹ entstand 1879 auf dem heutigen Areal des Spree-Bogens. Seinen Beinamen »Bimmelbolle« verdankte
der fortschrittliche Firmengründer dem Umstand, dass hunderte seiner Pferdewagen mit Handklingel schwingenden Kutschern
und Milchmädchen durch Berlins Straßen fuhren und frische Milch mit dem neusten Klatsch frei Haus lieferten.
Am Schiffbauerdamm mündet die Südpanke in die Spree.

SCHMUDDELKINDER


Traditionell begehen die Nachkommen der Sowjetbürger am 9. Mai den Sieg über das nationalsozialistische Deutschland groß in Berlin. Der 80. Jahrestag des Kriegsendes in Europa war diesmal deutlicher als in den vergangenen Jahren vom Russland-Ukraine-Krieg überschattet. Ein gemeinsames Gedenken ist wohl nicht mehr möglich. Im 4. Kriegsjahr gegen die ukrainische Zivilbevölkrtung.

Am 9. Mai 1945 feierten die Rotarmisten der multiethnischen Sowjetunion unter dem Zeichen von Hammer und Sichel gemeinsam den Sieg und Frieden. 1922 war die Rote Fahne der Kommunistischen Partei Russlands zur Nationalflagge erklärt worden. Mit der Auflösung der Sowjetunion am 31. Dezember 1991 verlor die Flagge der Sowjetunion ihre Funktion als Nationalflagge. Inzwischen dominieren aber als Ausdruck von Nationalismus Nationalflaggen. Besonders deutlich wurde das in diesem Jahr am »Sowjetischen Ehrenmal Tiergarten«. Dort standen sich − getrennt durch Bereitschaftspolizisten − Ukrainer und Russen gegenüber. Die Luft war zum Zerreißen gespannt. Die Stimmung heizte sich zunehmend auf.

In den vergangenen Jahren hatten vor allem staatliche Stellen aus Russland zunehmend auf die Organisation der Feierlichkeiten Einfluss genommen. Der Kult um das orange-schwarz gestreifte GEORGSBAND ist noch jung. Die Schleifen gelten als ›Zeichen des Sieges über den Faschismus‹. Seinen Anfang nahm der Kult 2005. Seitdem kämpfen ›russische Patrioten‹ gegen alte und »neue Faschisten«, indem sie das Georgsband auf der linken Brust, nahe beim Herzen, tragen. 

Seit 2012 gibt es die Tradition des UNSTERBLICHEN REGIMENTS (russisch Бессмертный полк, Bessmertny polk). Am ›Tag
des Sieges‹, dem 9. Mai, versammeln sich die Teilnehmer zu einem Gedenkmarsch und tragen die Bilder ihrer Familienmitglieder,
die im »Großen Vaterländischen Krieg« gekämpft haben.

Russen und Belarussen unterlagen in diesem Jahr besonderen Einschränkungen. Flaggen, Ehrenzeichen und historische Rotarmisten-Uniformen waren verboten. »Spiel nicht mit den Schmuddelkindern/ Sing nicht ihre Lieder« sang 1965 Franz Josef Degenhardt – wenn auch in einem anderen Kontext.

Befremdlich: am 9. Mai, dem Europatag, hatten Berliner Behörden der Falun-Gong-Sekte große Teile des Pariser Platzes überlassen.
Starke Polizei-Präsenz und weiträumige Absperrungen des Ehrenmals am Tiergarten.
Polizeiliche Verbote.
Ukrainische Aktivisten zeigten auch Nato-Flaggen.
Am Eingang zum Ehrenmal wurden Nelken verteilt.
Zum ersten Mal hatte ich am 9. Mai russisch-orthodoxe Geistliche gesichtet. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. rechtfertigt und verteidigt den Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das Töten und Verstümmeln im göttlichen Auftrag und als Gottesdienst? Gar der »Heilige Krieg«?

Mehr als tausend Teilnehmer am Aufmarsch des UNSTERBLICHEN REGIMENTS.

»HAUPTSTADT DER BESTIE«


Zum 80. Mal wird an das Kriegsende in Europa gedacht. Im Frühjahr 1945 stand die Rote Armee an Oder und Neiße. Eine Millionen Rotarmisten bereiteten sich auf den Sturm der »HAUPTSTADT DER BESTIE« − auf die Reichshauptstadt Berlin − vor.

SCHLACHT UM DIE SEELOWER HÖHEN

Am 16. April 1945 trat die kampfstärkste 1. WEISSRUSSISCHE FRONT unter dem Oberbefehlshaber Marschall GEORGI SCHUKOW (1896−1974) zur Schlussoffensive an. Darunter die 8. Gardearmee unter Generaloberst WASSILI TSCHUIKOW (1900−1982) und
die 1. Polnische Armee unter Generalmajor WOJCIECH BEWZIUK (1902−1987). Diese führte den Hauptschlag.

Die etwa 190.000 Verteidiger bestanden mehrheitlich aus alten Männern, Heranwachsenden (›Babysoldaten‹) und schlecht ausgebildeten Soldaten. Es fehlte an schwerem Gerät. Die kampferfahrenen Einheiten waren zusammengewürfelt und nur noch
ein Schatten ihrer selbst. 

In den frühen Morgenstunden des 16. April 1945, 3:00 Uhr MESZ, 5:00 Uhr Moskauer Zeit, wurde der Angriff durch das wohl stärkste Trommelfeuer der Geschichte eingeleitet.

»Ein Dröhnen und Grollen braust über uns hinweg. 40.000 Geschütze haben eine Salve abgegeben und feuern weiter Schuss auf Schuss.« (Generaloberst WASSILI TSCHUIKOW am 16. April 1945).

»Ein ohrenbetäubender Lärm erfüllt die Luft. Das ist gegenüber allem bisher Dagewesenen kein Trommelfeuer mehr, das ist ein Orkan, der über uns, vor und hinter uns alles zerreißt. Der Himmel ist glutrot, als wollte er jeden Augenblick zerspringen. Der Boden wankt, bebt und schaukelt wie ein Schiff bei Windstärke 10.« (Stawka, Nr. 11059).

Am Abend des 19. April war die Front der deutschen 9. ARMEE unter General THEODOR BUSSE (1897−1986) durchbrochen.
Die ›Ostfront‹ war Geschichte.

Die Verluste des sowjetischen Durchbruchs an der Oder waren sehr hoch. Zwischen dem 16. und 19. April hatten die sowjetischen Truppen 2.807 Panzer verloren. Etwa 12.000 deutsche und 33.000 sowjetische Soldaten fielen in den vier Tagen der Schlacht. Das ehemalige Kampfgebiet ist heute noch gezeichnet und Munitionsbelastet. An die Schlacht erinnert die »Gedenkstätte Seelower Höhen« mit einer Monumentalplastik von Lew Kerbel.

An dieser Stelle überschritt die 1. Polnische Armee die Oder. In Berlin kämpften 180.000 Polen.

SCHLACHT UM BERLIN

Mit dem sowjetischen Durchbruch begann der Schlussakt des nationalsozialistischen Deutschen Reiches. Berlin fiel nur zwei Wochen nach Beginn der Oderschlacht. Bereits am 22. April hatten Schukows Truppen die Berliner Stadtgrenze überschritten.

Die 1. UKRAINISCHE FRONT unter dem Oberbefehlshaber Marschall IVAN KONEW (1897−1973), darunter die 2. Polnische Armee, rückten nach schweren Kämpfen in der Lausitz von Südwesten gegen Berlin vor. Sie erreichten Berlin ebenfalls am 22. April 1945. Berlin war komplett eingeschlossen, Am 24. April überschritt die 3. Garde-Panzerarmee unter General PAWEL RYBALKO nach heftigem Artilleriebeschuss bei Teltow den Teltowkanal.

Die Schlacht um Berlin erreichte ihren Höhepunkt. Während dieser Apriltage nutzten fanatische Nationalsozialisten ›Fliegende Standgerichte‹ − besetzt mit furchtbaren SS-Juristen − und Exekutionskommandos, um das Weiterkämpfen zu erzwingen. Die Schlacht um Berlin steht sinnbildlich für die Brutalität des gesamten Krieges. Zigtausende von Menschen starben nur noch Tage vor der bedingungslosen Kapitulation sinnlos. Am 2. Mai 1945 kapitulierte Berlin bedingungslos. Die erbitterten Kämpfe kosteten zuletzt etwa 170.000 Soldaten das Leben. Und da es sich um eine Stadt handelte, lag auch die Zahl der zivilen Opfer sehr hoch. Die Kämpfe forderten Schätzungen zufolge mehr als 500.000 verwundete Soldaten sowie den Tod mehrerer zehntausend Zivilisten.

Die Regierung des Tätervolks maßt sich inzwischen an zu entscheiden, wer hierzulande in welchen Formen seiner Opfer gedenkt. 
Das 1972 errichtete »Denkmal des polnischen Soldaten und deutschen Antifaschisten« im Volkspark Friedrichshain, Eingang Virchowstraße.
Polnische Soldaten, die während der »Berliner Operation« starben, wurden auf dem 1945 gegründeten Kriegsfriedhof in Stare Łysogórki beigesetzt. Dort sind fast zweitausend Soldaten auf dem Siekierkowski-Soldatenfriedhof der 1. Polnischen Armee begraben (Foto).

Auf dem Soldatenfriedhof der 2. Polnischen Armee in Zgorzelec (Görlitz) ruhen 3.420 Soldaten, die bei der »Lausitzer Operation« umgekommen waren. Am 28. April 1945 legten die Deutschen im Bereich von Kuckau einen Hinterhalt, bei dem mehr als 800 Soldaten der ›9. Polnischen Infanteriedivision‹ und der ›9. Polnischen Panzerabwehrbrigade‹ ums Leben kamen. Der Ort wurde später als »Tal des Todes« bekannt. Die ›Panzergrenadier-Division Brandenburg‹ war berüchtigt, keine Gefangenen zu machen.
In der Lausitz verübte diese Einheit schlimmste Kriegsverbrechen, als sie Soldaten der 2. Polnischen Armee in mehreren Massakern umbrachte. Dabei wurden Gefangene und Verwundete vor ihrer Hinrichtung gefoltert. Man fand bei der Exhumierung nach der Kapitulation polnische Soldaten mit ausgestochenen Augen. 

KESSELSCHLACHT VON HALBE 

Die Reste der 9. Armee wurden zwischen dem 24. und 28. April 1945 im Gebiet der Ortschaft Halbe, 60 km südlich von Berlin, eingeschlossen und endgültig aufgerieben. Während der Kesselschlacht von HALBE starben 30.000 deutsche Soldaten, dazu geschätzte 10.000 deutsche Zivilisten sowie viele sowjetische Zwangsarbeiter. 120.000 deutsche Soldaten wurden gefangen genommen. Die Verluste der Roten Armee betrugen 20.000 Tote. Noch immer werden jedes Jahr sterbliche Überreste von Soldaten gefunden und bestattet. Allein auf dem WALDFRIEDHOF HALBE liegen mehr als 28.000 Gefallene.

Suchanzeige in Halbe.
Das dankbare Volk.

Inzwischen ist völkisches Gedankengut wieder salonfähig. NIE WIEDER KRIEG? Von wegen! Die Politik will die Deutschen wieder KRIEGSTÜCHTIG machen. Präsidenten weltweit werfen wieder die ›Gebärmaschinen‹ an, um über Futter für ihre ›Tötungs-
maschinen‹ zu verfügen. BTW: In der Regel die Beschützer des ungeborenen Lebens. ›Patrioten‹ haben Deutschland schon zweimal an den Rand des Untergangs gebracht. Und es juckt ihnen wieder in den Fingern. Aller guten Dinge sind Drei.

Wer nicht aus der Geschichte lernt, ist verdammt, sie zu wiederholen! 

Notabene: Bei den Fotos handelt es sich um Archivbilder, die seit 2018 entstanden waren.

Die Kommentarfunktion funktioniert wohl nicht! Der folgende KOMMENTAR von B. B. erreichte mich über CONTACT:
Ein Kommentar zu „Hauptstadt der Bestie“:
Am 02.Mai 2025 war ich zur Feier des vor 80 Jahren endlich beendeten Krieges am Schulenburgring 2 in Berlin-Tempelhof, wo die bedingungslose Kapitulation Berlins unterschrieben worden ist. Dort waren 4 Kränze niedergelegt worden. Vertreter der Hausgemeinschaft haben gesprochen und bedauerten ausdrücklich, dass sie keine russischen Vertreter einladen konnten; auch Michael Müller, ehemaliger Bürgermeister Berlins sprach einige sinnvolle Sätze. Der aktuelle Regierende Bürgermeister, Kai Wegner, erschien aus dem Nichts pünktlich um 10 Uhr, zupfte ein wenig an den Kranzbinden herum: fürs Foto nur, denn gesprochen hat er nicht ein einziges Wort. Und verschwand so wie er gekommen war. Auf der Straße gab es Musik, die Stimmung war fröhlich, friedlich. Doch waren wir zu wenig, viel viel zu wenig… Am Abend war ich in diesem Haus zu einer Lesung mit dem Friedenskünstler Bengt Kiene eingeladen und habe es genossen unter Menschen zu sein, die sich alle – manche schon seit über 40 Jahren – für Frieden einsetzen.

ZUGGERSCHNEGGSCHE

Fahrt in die Heimat. Ziele: Südhessen, die Kurpfalz und der Kraichgau (16.−23.04.). Frankfurt/ Main (19. und 23.04.), Darmstadt (Basiscamp 1, 16.−20.04.), Bergstraße (Zwingenberg, Auerbach und Bensheim/ 18.04.), Heidelberg (Basiscamp 2, 20.−23.04.) sowie Sinsheim (22.04.). Hin- und Rückfahrt via Frankfurt/ Main mit dem ICE. Weiterfahrt und Ausflüge mit dem Deutschlandticket. Aprilwetter.  

Es folgen die fünf Posts 1 LIEBLICH, 2 LIEBLINGSSTADT, 3 LIEBESSTEIN, 4 FREIHEITSLIEBE, 5 LIEBESTECHNIK.

Am Gründonnerstag startet traditionell die Grüne-Soße-Saison.
Die Grüne Soße als Grüne Fee? Gesehen in der Klaamarkthall‘ bei »Edel’s Hausmannskost«.
In diesem Jahr werden die Spargel (noch) nicht nach Gewicht verkauft, sondern in Bünden. Zu krumm für die Töpfe vom Ein-Euro-Laden?
Neu im Angebot die so genannten Spargelchen.
Die berühmte Bergsträßer Baumblüte war bereits zu Ende.
Ein typisches Karfreitagsessen: Rotbarschfilet in Bierteig, an neuen Kartoffeln und Grüner Soße. Hier von ›Fisch Franke‹ in Frankfurt.
Das ›Kurpfälzer Wappentier‹ SAUMAGEN an Sauerkraut und Rösti, gegessen im Heidelberger »Hackteufel«.
Der Has‘ hatte gelegt. Genauer die Häsinnen Andi, Michi und Regina. Das Ei stammt von REWE.

2 LIEBLINGSSTADT

Frankfort is ka Lumpennest! Die Wolkenkratzer prägen die Silhouette der Stadt am Main und machen sie unverwechselbar.
Die Stadt hat aber viele Gesichter. Die erkennt, wer sich auf die pulsierende Mainmetropole im Herzen Europas einlässt. Frankfurt
feiert in diesem Jahr seine avantgardistische Architektur: »100 Jahre Neues Frankfurt«. Ein weiterer Grund, dorthin zu reisen.