Die »Königliche Route« verbindet die bedeutenden Denkmäler und Orte der ersten Hauptstadt Polens. Hierbei laden 15 Skulpturen von Kaninchen zur ›Kaninchenjagd (Królik gori)‹; Król (König), królik (Kaninchen).
MILENIUM KORONACJI
Bolesław I. (genannt »der Tapfere«, polnisch Bolesław I Chrobry, 965/ 67−1025, aus der Herrscherfamilie der PIASTEN) war ab 1025 erster König von Polen. Die Piasten-Könige regierten bis zum Tod Kasimir des Großen (polnisch Kazimierz III Wielki), der 1370 in Krakau starb. Darauf folgten die JAGIELLONEN, eine litauisch-polnische Dynastie, die von 1386 bis 1572 die polnischen Könige stellte.
Der »Pałac w Rogalinie« in Rogalin im Kreis Poznań liegt zirka 20 Kilometer südlich von Poznań. Das Palais besteht aus einem Hauptgebäude im zentralen Teil mit zwei sich anschließenden Seitenflügeln. Die Residenz der Raczyńskis wurde in den Jahren 1768–1776 errichtet. Später wurden Galerien angebaut. Im 19. Jahrhundert wurde die symmetrische französische Gartenanlage in einen Landschaftspark umgestaltet. Der Wald um die berühmten ›Rogaliner Eichen‹ erweitert. Am Rande des Parks wurde damals auch die als Mausoleum dienende Kapelle errichtet, eine Kopie des antiken Gotteshauses in Nîmes in Frankreich.
»Friede, Familie, Freiheit«. Bei der vierten Auflage der Technoparade »Rave the Planet« waren am Samstag zehntausende Menschen über die Berliner ›Straße des 17. Juni‹ gezogen (12.07.). Die tanzende Masse bewegte sich mehrere Stunden ›im Kreisverkehr‹ zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule auf den Spuren der legendären Loveparade. Das ›bisschen Regen‹ hielt den Rave nicht auf. Techno-Fans aller Generationen tanzten in glitzernden Outfits zu wummernden Bässen.
Pünktlich um 14:00 Uhr startete die als Demonstration angemeldete Technoparade mit dem Motto »Our Future Is Now«. Dabei verwandelten 35 Wagen (sogenannte FLOATS) sowie fast 300 Künstler:innen die gesamte Veranstaltungsstrecke in eine einzige ekstatische Tanzfläche. Jeder Wagen repräsentierte dabei einen eigenen Club. Die Techno-Kultur ist sehr laut. Und im Tiergarten ist das möglich. Has‘ und Igel können keine Anzeigen erstatten. Während beim »Zug der Liebe«, dem »Karneval der Kulturen« und der »Fuckparade« strenge Lärmschutzauflagen gelten. Denn diese Paraden führen durch Wohngebiete.
Erwartet hatten die Veranstalter 300.000 Menschen − bis zum frühen Abend zählten sie etwa 100.000 Teilnehmer. 200.000 Raver sollen es schließlich zum Veranstaltungsende gegen 22:00 Uhr gewesen sein. Trotz wolkenverhangenem Himmel und Schauern. Ach ja: die ›Demonstranten‹ stellten natürlich auch ernstzunehmende politische Forderungen auf. »Friede, Freude, Eierkuchen«. Oder so ähnlich.
TINA hat sich ihr Rave-Paradiesvogel-Outfit selbst gebastelt: »Alles selbst genäht und gelötet«, erzählte sie stolz. »Rave The Planet« ist als Demonstration grundsätzlich kostenfrei. Wer jedoch auf einem der Wagen tanzen wollte, brauchte ein Ticket. So genannte Backstage-Tickets konnten auf den Webseiten der Clubs gebucht werden. Für ein Ticket auf dem Wagen des »Club Ost« wurden beispielsweise etwas mehr als 140 Euro fällig. Die Veranstalter warben für die große Aufräumaktion am Tag nach der ›Techno-Demonstration‹. Am »Clean-Up Day« sollten die Raver Verantwortung übernehmen und bei der Reinigung des ›grünen Herzens Berlins‹ mithelfen.
Ab 1. Juli steigen die Renten bundesweit um 3,74 Prozent. Davon werden die Rentner:innen aber nicht gleich etwas merken. Die Rente wird für den Juli sogar geringer ausfallen. Denn mit der Auszahlung zum 1. August wird rückwirkend der neue Pflege- beitrag für die erste Jahreshälfte 2025 abgezogen. Und damit die Juli-Überweisung entsprechend niedriger ausfallen. Zum 1. Januar 2025 war die Pflegeversicherung um 0,2 Prozent gestiegen. Diese Erhöhung aber aus technischen Gründen bislang noch nicht erhoben.
Altersarmut liegt im Trend. Ihr gehört die Zukunft.
Die Babyboomer werden bei der Rentenhöhe benachteiligt. Und erhalten niedrigere Renten als Vorgängergenerationen.
Das deutsche Rentenniveau liegt zehn Prozentpunkte unter dem EU-Schnitt. Österreich, die Niederlande oder Dänemark liegen bei einer Quote von mehr als 80 Prozent. Deutschland dagegen bei unter 50 Prozent. Jeder Fünfte in Deutschland erhält nach 45 Beitragsjahren in der Solidargemeinschaft der Rentenversicherten unter 1.200 Euro Rente/ Monat. Doch wer erreicht noch 45 Beitragsjahre?
Der 15. Existenzminimumbericht der Bundesregierung beziffert das sächliche Existenzminimum für Alleinstehende im Jahr 2025 auf 11.940 Euro pro Jahr und 2026 auf 12.096 Euro pro Jahr. Rentner:innen sind zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, wenn ihr Gesamtbetrag der Einkünfte den jährlichen Grundfreibetrag überschreitet. Im Jahr 2025 liegt der Grundfreibetrag bei: 12.084 Euro für Ledige (1.007 Euro/ Monat).
Mittlerweile vergeht kaum eine Woche, in der nicht in irgendeinem Medium vom angeblichen »Generationenkonflikt« fabuliert wird. Die Alten lebten auf Kosten der Jungen, so heißt es dann.
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH (INSM, Lobbyverband von Arbeitgebern), die Deutsche Familienstiftung (DFS; Lobbyverband der Superreichen), der Bund der Steuerzahler Deutschland e. V. (BdSt, die Lobbyorganisation der Wohlhabenden, Reiner Holznagel), Versicherungslobbyisten (Axel Bösch-Supan und Bernd Raffelhüschen), ›Ökonomen‹ (Clemens Fuest, IFO-Institut) und ›Wirtschaftsweise‹ (Monika Schnitzer & Veronika Grimm) beklagen das derzeitige »zu hohe Rentenniveau«. Vergessen wollen wir nicht die neoliberale Influencerin Ursula Weidenfeld, die die ›Streichung der Frührente‹ forderte (Tagesspiegel & SPON, 30.07., nachträgliche Ergänzung). Orchestriert von den Mietlautsprechern und Edelfedern der ›Qualitätsmedien‹. Sie alle fordern − ge- pampert von hohen Gehältern und fürstlichen PENSIONEN − Einschnitte bei den fleißigen Zwergen. Jeden Tag Lügen! Die Rentenversicherten sitzen aber auf der Anklagebank.
NACHSCHLAG (am 08.07.): Mehr als 1,4 Millionen Rentner:innen in Deutschland arbeiten. Die Zahlen stammen von der Deutschen Rentenversicherung und wurden zum Stichtag 31. Dezember 2023 erhoben. Die gute Nachricht (smile): für die Seniorinnen und Senioren seien nicht finanzielle Nöte der ausschlaggebende Grund, weiter einem Job nachzugehen. Die Rentenversicherung verwies in diesem Zusammenhang auf eine repräsentative Umfrage zum Thema Alterssicherung in Deutschland aus dem Jahre 2023. Demnach werden »Spaß an der Arbeit und soziale Aspekte« von den Befragten als Gründe genannt (Quellen: epd, Tagesspiegel & Deutschlandfunk, 06.07.25).
Empfehlenswert: mein Post RENTENZORN vom 07.11.2024 (einfach herunterscrollen).
Fahrt mit dem Deutschlandticket nach PASEWALK (Mecklenburg-Vorpommern/ 21.06.). Pasewalk liegt an der mittleren UECKER. Zwanzig Kilometer östlich von Pasewalk befinden sich Bahn- und Straßengrenzübergänge nach Polen.
Pasewalk trägt auch den geschichtsträchtigen Namen KÜRASSIERSTADT. Er geht zurück auf die Kürassiere genannten kaiserlichen Reitersoldaten eines hoch angesehenen preußischen Kavallerie-Regiments, die einst in der Garnisonstadt untergebracht waren. Nach einer Senfgasverletzung mit kurzzeitiger Erblindung wurde im Oktober 1918 der spätere Diktator Adolf Hitler als 29-jähriger Gefreiter in ein Pasewalker Lazarett verlegt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Stadtzentrum bei der Offensive der Roten Armee weitgehend zerstört (25./ 26. April 1945).
Im Jahr 2026 steht in Pasewalk ein besonderes Jubiläum an: Die Stadt wird 775 Jahre alt.
Es folgen die Posts 1 LOKSCHUPPEN und 2 PERLEN POMMERNS. Fahrt mal hin!
Dieser Post ist DETLEF NASE (†27.10.2023) gewidmet.
Pasewalk war auch ein Eisenbahnzentrum. Am Bahnhof Pasewalk kreuzen sich die Strecken Stralsund−Berlin und Lübeck−Szczecin. Das MÜHLENTOR ist Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Am 21. Juni wurde die Mitternachtssonnenwende begangen. Stadtbibliothek. Im PRENZLAUER TOR ist das städtische Museum untergebracht. Die evangelische Sankt-Marien-Kirche ist eine dreischiffige Hallenkirche aus dem 13. Jahrhundert. Den Zweiten Weltkrieg überstand sie im Gegensatz zur Innenstadt fast unbeschädigt. Die VILLA KNOBELSDORFF diente im 19. und 20. Jahrhundert dem Standortältesten des Kürassier-Regiments »Königin« (Pommersches) Nr. 2 als Wohnsitz. Seinen Namen erhielt das als Kommandeurshaus errichtete Gebäude vom letzten Offizier von Knobelsdorff, der in dem Haus bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wohnte. Es wird seit 1996 als Hotel und Restaurant genutzt. Das Ambiente ist schön und auch der Biergarten lädt zum Verweilen ein. Ab 17:30 Uhr gibt es gut bürgerliche warme Küche. Ehemalige Kürassier-Kaserne in Pasewalk, bestehend aus Haupthaus, Wache, Stabsgebäude, Gefängnis und Ställen sowie mehreren Nebengebäuden. Erbaut wurde die Kaserne im Stil der Backstein-Gotik zwischen 1879 und 1882 als Ersatz für eine ältere Kasernenanlage. Nach dem Zweiten Weltkrieg bezog zunächst die »Kasernierte Volkspolizei (KVP)«, die spätere »Nationale Volksarmee (NVA)« der DDR, die Gebäude. Das unter Denkmalschutz stehende Ensemble wurde zwischen 1994 und 1997 für zivile Nutzungen umgebaut und ist heute Sitz verschiedener öffentlicher Einrichtungen, darunter eines Teils der Verwaltung des Land- kreises Vorpommern-Greifswald (vormals Landkreis Uecker-Randow) und der Bundespolizei. Das zentrale U-förmige Gebäude, der frühere MARSTALL, wurde zum Kulturforum »Historisches U« umgebaut und bietet Raum für Konzerte, Tanz, Theater, Kabarett, Lesungen und Ausstellungen. Seit im Jahre 1720 Pasewalk − übrigens einer der ältesten Städte in Vorpommern − nach dem Stockholmer Frieden an Preußen kam, standen dort preußische Truppen. Das Kürassier-Regiment »KÖNIGIN« (Pommersches) Nr. 2 war eine Kavallerieeinheit der Preußischen Armee. Es führte nur den Namen der jeweiligen Regimentskommandeure zunächst aus dem Hause Bayreuth, später aus dem Hause Ansbach.
Das Regiment genoss in Preußen ein hohes Ansehen, nachdem es 1745 während des Zweiten Schlesischen Krieges bei Hohenfriedberg einen vorentscheidenden Sieg gegen Österreich errungen hatte. Bekannt wurde das Regiment als »Bayreuth-Dragoner«. Der Text zu dem bekannten HOHENFRIEDBERGER MARSCH (Armeemarsch I, 21:»Auf, Ansbach-Dragoner! Auf, Ansbach-Bayreuth! …«) besingt dieses Regiment. Die hohe Wertschätzung kam dadurch zum Ausdruck, dass die jeweilige preußische Königin Chefin des Regiments war.
Im Dezember 1918 begann die Auflösung dieser Einheit. Die ›Eskadron Bredow‹ wurde noch im Baltikum zur Niederschlagung polnischer Aufstände eingesetzt. Die anderen Teile kamen in den Straßenkämpfen anlässlich des SPARTAKUSAUFSTANDES in Berlin zum Einsatz. Aus den Resten der ältesten sechs preußischen Kavallerie-Regimenter formte man schließlich das »Reichswehr-Reiter-Regiment 6«. Im Zuge des Versailler Vertrages waren in Pasewalk fortan drei Schwadrone des Reiter-Regiments 6 stationiert. Die Einheit wurde mehrmals umbenannt und verlegt. So 1936 ins hessische Darmstadt und Bensheim. Bei der Mobilmachung zum Zweiten Weltkrieg erfolgte die endgültige Auflösung und Umwandlung zu Aufklärungsabteilungen.
KÜRASSIERE sind eine mit Kürassen genannten Brustpanzern (von französisch cuirasse für ›Lederpanzer‹, von cuir ›Leder‹) ausgestattete Truppengattung der schweren Kavallerie. Obgleich die Panzerung bald meist aus Metall war und die Panzerung der Arme und zuweilen auch des Rückens entfiel, hielt sich der Begriff.
Der »Lokschuppen Pomerania« ist heute ein Eisenbahn-Erlebniszentrum mit einem Museum und Ausstellungen zur Geschichte der Eisenbahn in Pasewalk und der Entwicklung der Lokomotiv- und Eisenbahntechnik in der Region. Der Lokschuppen verfügt über verschiedene Dampf- und Rangierlokomotiven sowie mehrere Reisezug- und Salonwagen aus dem ehemaligen DDR-Regierungszug. In vier Schlafwagen mit 60 Betten kann übernachtet werden.
Güterzuglokomotive BR 50. Feuerbüchse. Blick in den Schlepptender. Lichtschalter am Arbeitsplatz des Heizers. Personenzug-Tenderlokomotive BR 065. Der in Ungarn entwickelte und gebaute Reisebus IKARUS 55, Baujahr 1959. Der Ikarus besaß einen Heckmotor. Die Drehscheibe ist noch funktionsfähig.
Das FEUERWEHRMUSEUM PASEWALK befindet sich auf dem Gelände der »Feuerwehrtechnischen Zentrale« in einem ehemaligen Werkstattgebäude der DDR-TRANSPORTPOLIZEI. Die Ausstellungsfläche beträgt insgesamt 560 Quadratmeter. Gezeigt werden besondere Objekte und Archivalien aus der Region Vorpommern. Das älteste Exponat ist eine Bottichspritze um 1800 aus Pasewalk.
Das Museum ist sehr sachkundig und liebevoll ausgestattet. Ein Schatzkästlein.
Das Pasewalker Stadtwappen in Blau mit drei golden bewehrten, roten Greifenköpfen mit roter Zunge. Löschgruppenfahrzeug (LF) 20. Wassertank 2.400 Liter, Pumpenleistung 2.000 Liter/ MIN, Besatzung 1.8.
In Berlin gibt es inzwischen Gedenkstätten für die Opfer des Holocaust, für Sinti und Roma, für LGBTQ+-Menschen und für Menschen mit Behinderungen. Nun ist endlich die Zeit auch für die Opfer von Krieg und Besatzung in Polen gekommen.
Polen war das Land, das 1939 von Hitler-Deutschland als erstes überfallen wurde und für immer von der Weltkarte verschwinden sollte. Es hatte bis 1945 rund sechs Millionen Opfer zu beklagen. Das waren etwa 17 Prozent der damaligen Bevölkerung. Das Ausmaß der deutschen Zerstörungswut war nicht nur in direkten Kampfhandlungen zu sehen, sondern in der brutalen Besatzungs- herrschaft und planmäßigen Massenmorden an Zivilisten. Heute, 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, gibt es in Polen kaum eine Familie, die dieses Trauma nicht kennt. Im Nachkriegs-Deutschland (in der Bundesrepublik) blieben die Täter und Kriegs- verbrecher in der Regel unbehelligt. Sie konnten sogar lukrative Karrieren begründen.
Im Jahr 2012 fragte deshalb Władysław Bartoszewski, zweimaliger polnischer Außenminister (1995 und 2000−2001), Auschwitz-Überlebender und langjähriger deutsch-polnischer Brückenbauer, warum es in Berlin eigentlich kein Denkmal für die polnischen Opfer der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gibt.
Am Montag wurde mit einem knapp 30 Tonnen schweren Findling der Gedenkort des Überfalls von Nazi-Deutschland auf seinen Nachbarn Polen eingeweiht (16.06.). Mitten in Berlin zwischen Reichstagsgebäude und Bundeskanzleramt. Hier stand einst die KROLL-OPER. In der Kroll-Oper tagte seit dem Brand des gegenüberliegenden Reichstagsgebäudes das Scheinparlament der Nationalsozialisten. Hier verkündete Adolf Hitler am 1. September 1939 den deutschen Überfall auf Polen, mit dem der Zweite Weltkrieg begann. Die Inschrift auf der Bodenplatte lautet:
»Polskim ofiarom nazizmu i ofiarom niemieckiej okupacji i terroru w Polsce 1939−1945« − »Den polnischen Opfern des Nationalsozialismus und den Opfern der deutschen Gewaltherrschaft in Polen 1939−1945«.
Der Gedenkstein sei auch Symbol für das Gewicht der Geschichte. Seine Inschrift auf Deutsch und Polnisch sei »gewissermaßen ein Schwur«, stellte Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien, fest. »Nie soll Leid der Polinnen und Polen, das von deutschem Boden ausging, in Vergessenheit geraten.« Es solle kein Schlussstein sein, sondern ein Zeichen für den Weg der Auf- arbeitung. Ein MEILENSTEIN im deutsch-polnischen Verhältnis! »Gedenken funktioniert nicht ohne Wissen«, so Heiko Maas, Ex-Bundesminister (2013−2021) und Präsident des Deutschen Polen-Instituts (seit dem 1. Januar 2024). »Vielen Deutschen ist das Ausmaß der deutschen Verbrechen in Polen nicht bekannt«, so Maas.
In den ›Sozialen Medien‹ in Polen laufen Rechtskonservative seit Tagen Sturm gegen den Gedenkstein. In einem regelrechten Shitstorm ist die Rede von einem »Stein der Schande«, gar von »deutscher Frechheit«. Der PiS-Politiker und Ex-Regierungschef Mateusz Morawiecki schreibt auf ›X‹: »Statt echter Wiedergutmachung − Blumen unter einem Felsen«. Der 57-jährige Ex-Banker Morawiecki leitete als Ministerpräsident die PiS-Regierung (2017−2023). Polens neuer Präsident Karol Nawrocki, der am 6. August 2025 sein Amt antreten wird, hatte bereits vor seiner Wahl angekündigt, dass er die Bemühungen um Kriegsreparationen fortsetzen wolle.
Nach polnischen Schätzungen schuldet Deutschland Polen Reparationen in Höhe von 1,3 Billionen Euro. Das sollen die deutschen Urenkel bezahlen. Im Windschatten der deutschen Verbrechen, geschahen weitere Gewaltakte. Das hatte Deutschland erst ermöglicht. Die sowjetische Okkupation nach dem »Hitler-Stalin-Pakt«/ auch »Molotow-von-Ribbentrop-Pakt« (1939−1941) und endgültige Annexion von Ost-Polen (1944−1948). Die Sowjetunion gewann damals ungefähr 52 Prozent des gesamten polnischen Staatsgebiets.
Der Stein ist ein Provisorium. An dieser Stelle ist der Bau eines deutsch-polnischen Hauses geplant. Ein endgültiger Beschluss des Bundestags über ein Mahnmal steht bislang noch aus. Provisorien bestehen oft lange. Sehr lange. Zu lange.
Liebe Landsleute, beschäftigt euch endlich mit unserem Nachbarn im Osten. Interessiert Euch für die polnische Geschichte und Kultur. In Polen heißen die Deutschen NIEMCY, das bedeutet »STUMM« (niemy). Interessiert euch für die polnische Sprache. Wir brauchen »Brückenbauer«.
Auf dem Gelände der ehemaligen Bockbierbrauerei befand sich bis 2016 in den erhaltenen Gebäuden und den neu erstellten Flachbauten eine bunte Gewerbe- und Kulturszene mit Kleinhandwerk, Weinhandel und Kultureinrichtungen. Dann wurde das Gelände an den Investor Bauwert AG verkauft. Der Gewerbehof wurde entmietet und zerstört. Nun sind hochpreisige Luxus- wohnungen und Bürogebäude siebengeschossig in die Höhe gewachsen. In den historischen Kellern hatte der Käufer den Bau von Tiefgaragen geplant.
Luxuswohnen über Nazi-Waffenfabrik. Das überzeugt. Beworben werden die dringend benötigten 130 Luxuswohnungen in Anzeigen auf Immobilienscout24: »Neue Bockbrauerei – Urban leben mit Flair – Kaufpreis 398.000–5.988.000 Euro.« Schnapper! Die Bauwert AG sorgt zusammen mit der Politik dafür, dass die Reichen und Schönen von der Straße kommen. Von der alten Brauerei ist nur das Schwankhaus geblieben. Dort wurden einmal die Bierfässer gereinigt (»geschwenkt«). Die vorderen zur Schwiebusser Straße gelegenen Keller durften abgerissen werden. Sie waren baulich von den anderen Kellern getrennt.
Zweiter Weltkrieg. Im Berliner Stadtgebiet baute TELEFUNKEN vier Kelleranlagen unter den Tarnnamen »Lore 1« bis »Lore 4«. Von Lore 1, 3 und 4 ist heute kaum noch etwas erhalten. Die Keller wurden umgebaut oder abgerissen. Anders verhält sich dies bei »LORE 2« in der ehemaligen Kreuzberger Bockbierbrauerei: Sämtliche Keller sind im Originalzustand vollständig erhalten. Ab 1943 richteten sich die Luftangriffe der Alliierten in Berlin gezielt gegen kriegswichtige Großbetriebe. Die Rüstungsindustrie versuchte als Reaktion darauf, ihre kriegswichtige Produktion unter die Erde zu verlagern. Die Telefunken-Röhren waren in Funkgeräten, Radareinrichtungen und in der Raketennavigation verbaut. Im heutigen Chamisso-Kiez nutzte Telefunken in den Jahren 1944/ 45 die Kellergewölbe der Bockbierbrauerei, wo sie unter dem Tarnnamen »Lore 2« eine unterirdische Rüstungsfabrik einrichtete. Bei Bau und Inbetriebnahme waren KZ-Häftlinge sowie Zwangsarbeiter:innen eingesetzt worden. Rund 300 Menschen arbeiteten hier in Zwölf-Stunden-Schichten − ohne Tageslicht. »Lore 2« war nur wenige Monate in Betrieb.
Das Berliner Landesdenkmalamt stellte 2017 Teile der Brauereikeller auf Grundlage des »Irmer-Gutachtens« unter Denkmalschutz. Hierfür hatte sich »Kiez aktiv: Bockbrauerei« jahrelang eingesetzt. Das Denkmalamt hebt die große Bedeutung des Ortes hervor und nennt sie die »am besten erhaltene unterirdische Verlagerung in Berlin«. Das historische Schwankhaus samt Keller wurden 2025 an die (»eigentumsorientierte Genossenschaft«) »Ostseeplatzgenossenschaft eG« verkauft. Dank der neuen Eigentümerin durfte die Initiative »Kiez aktiv: Bockbrauerei« nun erstmalig eine öffentliche Führung durch die unterirdischen Gewölbe anbieten. Die Be- gehung leiteten der Historiker THOMAS IRMER und der ehemalige Denkmalschützer Dr. BERNHARD KOHLENBACH (14.06.).
Zwei Betonbunker führen in die unterirdischen Rüstungskeller. Einer steht an der Fidicinstraße 3, der andere an der Schwiebusser Straße. Dr. BERNHARD KOHLENBACH. In Berlin gab es rund 500.000 Zwangarbeiter:innen. Im gesamten Deutschen Reich 20.000.000. THOMAS IRMER. Im alten Gärkeller.
Dass die Keller auch künftig öffentlich zugänglich sein sollen, hat die Genossenschaft Ostseeplatz eG zugesagt. Vielleicht die nächste Begehung zum Denkmaltag im September (am Wochenende 13./ 14.09.)? Die Diskussion über die künftige Gestaltung dieses »authentischen Ortes« beginnt jedoch erst. Die Konzeptentwicklung soll gemeinsam von Denkmalschützern, Historikern und der Zivilgesellschaft getragen werden. So der Wunsch. Jetzt wird noch um die Finanzierung gerungen.