VERSTOSSEN

In dieser KALTEN ZEIT ist die Situation für obdachlose Menschen besonders dramatisch. Auf Bahnhöfen finden die Betroffenen kaum noch einen warmen Platz: Dort gilt die 3G-Regel, deren Einhaltung sie kaum nachweisen können. Obdachlose begehen somit automatisch Ordnungswidrigkeiten.

Knapp drei Wochen nach der bundesweiten Einführung der 3G-Regel für öffentliche Verkehrsmittel erhebt Deutschlands größtes Nahverkehrsunternehmen, die Berliner BVG, ab kommenden Montag (13.12.) eine Zahlung für VERSTÖSSE. Wer dann nicht nachweisen kann ob sie oder er gegen COVID-19 geimpft, genesen oder aktuell getestet ist, muss mit einer Strafe von 50 Euro rechnen. Die Strafe ist laut dem Landesunternehmen nicht zu verwechseln mit behördlichen Bußgeldern, wie sie Polizei und Ordnungsämter verhängen können. Sie wird zusätzlich fällig. Außerdem ist sie unabhängig von der Frage der Maskenpflicht. Wer also außerdem keine Maske trägt, muss mit 100 Euro Strafe rechnen.

Notunterkünfte und Wärmestuben können wegen DER SEUCHE noch weniger Gäste aufnehmen als üblich. Es gibt zudem viel zu wenig Anlaufstellen. Alle Jahre wieder. Nun drohen einigen Einrichtungen gar die Schnelltests auszugehen – denn ungetestet dürfen sie niemanden aufnehmen. Die Lage wird für die Obdachlosen bedrohlich.

Note Added in Proof (Quelle: Der Tagesspiegel, 11.12.):

Die 3G-Regel gilt sowohl für die Busse und Bahnen als auch für die Bahnsteige (siehe mein FOTO), nicht jedoch für Bahnhofszugänge und Verteilerebenen, so die BVG. Die Vorgaben hatten der BVG Kritik eingebracht, weil sie bedeuten, dass Obdachlose ohne Nachweis von den Bahnsteigen bei eisigen Temperaturen nach draußen geschickt werden können.

Die BVG stellte am Freitag vorsorglich klar, dass die künftige Vertragsstrafe bei 3G-Verstößen nicht gegen Personen ohne Obdach verhängt werden soll. Trotzdem: das Elend ist auffällig, wenn man hinschauen möchte. Man bekämpft aber lieber Arme – nicht die Armut. Deshalb bleibe ich beim gewählten Titel: VERSTOSSEN!

»Lasst uns hinüber nach Bethlehem gehen/ und sehen was geschehen ist.« &

»Ich steh‘ an deiner Krippe hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring‘ und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel‘ und Mut, nimm alles hin
und laß dir’s wohl gefallen.«

Stimmt Weihnachts- und Glühweinseelig das verrohte Bürgertum an.