BRASILIDADES

Das Konzert BRASILIDADES mit den Künstlern VICTOR ANGELEAS und MÁRCIO MARINHO aus Brasília war ein Erlebnis voller Virtuosität, Emotionalität und Lebensfreude. Das mitreißende Programm mit dem traditionellen Repertoire der Mandoline (bandolim de 10 cordas) und des Cavaquinho (cavaquinho de 6 cordas) brachte Originalkompositionen und Klassiker der brasilianischen Popularmusik zu Gehör. Es umfasste Genres wie Choro, Samba, MPB, Frevo, Forró und Ijexá. Bereichernd waren die Gäste Amony Ribas (pandeiro), Felipe Vieira (saxofone) und Bárbara Piperno (flauta). Zu den Höhepunkten des Auftritts gehörten Stücke wie »CARINHOSO« (Pixinguinha/ João de Barro), »Chega de Saudade« (Tom Jobim/ Vinícius de Moraes) sowie »Brasileirinho« (Waldir Azevedo). Hier sangen fast alle Konzertbesucher:innen mit. Gänsehautfeeling pur! Standing ovation und Zugabe (Brasilianische Botschaft/ 13.12., Eintritt frei).

Text und Übersetzung von »CARINHOSO« findet man in meinem früheren gleichnamigen Post vom 15.09.2023. Einfach hier im BLOG-FEED herunterscrollen. Angeleas und Marinho präsentieren das Programm Face Musical auch auf YouTube, das regelmäßig rund siebentausend Zuschauer:innen und Hörer:innen weltweit erreicht.

Dieses Konzert bildete den Abschluss der Europa-Tournee von Angeleas und Marinho. Aber auch der Veranstaltungen 2024 der Brasilianischen Botschaft in Berlin. Für die bemerkenswerten und abwechslungsreichen Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen, Ausstellungen zeichnet dort die wunderbare Maria Kallas verantwortlich. Ich freue mich auf das Programm für 2025.



Voller Einsatz! Beim vorletzten Stück riss die Saite. Nach wenigen Minuten war alles wieder repariert. Zugabe.

ZOLLKAPELLE

Zollkapelle? Zoll-Big-Band! Gegründet wurde die Zollkapelle Berlin am 17. Juni 1952 durch den damaligen Vorsteher des Hauptzollamtes als »Zollmusikcorps Berlin«, und ist somit der älteste Klangkörper im Bereich der Deutschen Zollverwaltung.

Die Generalzolldirektion lud zum Weihnachtskonzert mit der ZOLLKAPELLE ins Casino des Hauptzollamtes (HZA/ 11.12.). Die vierzehn Musiker:innen haben sich auf die amerikanische Swingmusik der 1940er-Jahre und Lateinamerikanische Rhythmen der 1970er-Jahre spezialisiert. In diesem Konzert standen weihnachtliche Klänge auf dem Programm. Das Medley »Feliz Navidad«, »Little Drummer Boy« und Stücke rund um Santa Claus mit seinem Rentierschlitten; »Silent Night« im Bossa-Rhythmus. Als Zugabe erklang die »Petersburger Schlittenfahrt«. So beschwingt, tanzte man ins »Winter Wonderland«.


Sleigh bells ring, are you listening?
In the lane, snow is glistening
A beautiful sight, we’re happy tonight
A walking in the winter wonderland

Gone away is the bluebird
Here to stay is a new bird
He sings a love song as we go along
A walking in the winter wonderland

In the meadow, we can build a snowman
Then pretend that he is Parson Brown
He’ll say, “are you married?”, We’ll say, “No, man”
But you can do the job when you’re in town

Later on, we’ll conspire
As we dream by the fire
To face on the frame, the plans that we made
A walking in the winter wonderland

In the meadow, we can build a snowman
Then pretend that he is Parson Brown
He’ll say, “Are you married?”, We’ll say, “No, man”
But you can do the job when you’re in town

Later on, we’ll conspire
As we dream by the fire
To face on the frame, the plans that we made
A walking in the winter wonderland
Just a walking in the winter wonderland

(Connie Francis, 1959)


2024 ist das erste Jahr mit mehr als 1,5 Grad Erderwärmung. 2024 wird nach Angaben des EU-Erdbeobachtungsprogramms COPERNICUS das erste Jahr, in dem die Erderwärmung die Schwelle von 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter überschreitet. Zudem sei »FAKTISCH« sicher, dass 2024 das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen wird, teilte COPERNICUS am Montag mit (Tagesspiegel, 09.12., Seite 13). Wir können uns warm anziehen! »Es scheint, als wollten die Weißen der Erde den Todesstoß versetzen (Ailton Krenak, Tagesspiegel/ 09.12., Seite 16)«.

HUNDEMÄNTEL


Hundemäntel, maßgeschneidert! Die gab es beim 10. Hunde-Weihnachtsmarkt am »Forsthaus Paulsborn« (08.12., 2. Advent). Ich war dort. Zusammen mit meinem ›Inneren Schweinehund‹. Diesen hatte ich erfolgreich an der Kasse vorbei schmuggeln können (Eintritt 2,50 Euro). Dort waren zahlreiche stylisch gekleidete Frauchen und Herrchen mit ihren ebenfalls gut gekleideten Hündinnen unterwegs. Zehlendorf halt. Ergreifend der Chor der Schoßhündchen, die »Leise rieselt der Schnee« (GEMA-frei) bellten. Hundefotografie, Leckerlis, Hundeschmuck, Design-Hundeleinen. Da ging das Herz auf. An einem der Stände für Hundefutter wurde heimlich (Psst!) ›Katzenfuta‹ unter dem Ladentisch verkauft. Schöner adventlicher Ausflug in den Grunewald. Feliz Natal, WUFF.

Sind wir nicht alle ein bißchen WAU WAU?

CONCERTO DE NATAL

Concerto de Natal com o Tuhu Trio (Embaixada do Brasil em Berlim, 6 de dezembro). Integrantes do Tuhu Trio: Adriane Queiroz (Soprano), Vitor Noha (Violão), Victor Santana (Violão).

S.E. Herr Roberto Jaguaribe Gomes De Mattos.

Die Brasilianische Botschaft lud in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Brasilianischen Gesellschaft zum Weihnachtskonzert ein (06.12.). Im Programm Werke von Johann Sebastian Bach, Franz Schubert, Max Reger und Heitor Villa-Lobos, sowie traditionelle Weihnachtslieder aus Deutschland und Brasilien. 

Das TUHU TRIO widmet sich hauptsächlich der Musik von HEITOR VILLA-LOBOS, einem der größten brasilianischen Komponisten. Villa-Lobos Werk vereint Elemente der Musik indigener Völker, der afrikanischen und der europäischen Musik. Durch innovative Arrangements für Sopran und zwei Gitarren macht das Tuhu Trio Villa-Lobos vielfältiges Repertoire zugänglich.

Standing Ovation. Und als Zugabe das Lied ARARA AZUL (Blauer Papagei) aus dem Norden Brasiliens. Feliz Natal.

LETZTER TANZ?

Mehrere tausend Menschen versammelten sich am Mittwochvormittag auf dem ›Platz des 18. März‹, um gegen die drohenden Kürzungen im Berliner Kulturetat zu demonstrieren (13.11.). VORMERZ. Unter dem Motto »#BerlinIstKultur«.

Zu der Kundgebung aufgerufen hatte ein breites Bündnis aus Kulturinstitutionen − darunter die Opernhäuser, die Theater,
die Bibliotheken, die Musikschulen, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sowie die freien Gruppen und die Berliner Club-
commission: »Wir sind die Berliner Kultur, auf der Bühne sind wir zu Hause«. Hintergrund sind die aktuellen Beratungen der CDU-
SPD-Koalition über milliardenschwere Einsparungen in Berlin. Die Kulturszene befürchtet, bis zu 140 Millionen Euro einsparen zu müssen. Das entspricht zehn Prozent ihres gesamten Budgets. Und das nicht nur in diesem, sondern auch in den kommenden zwei Jahren. »Berlin lebt von der Kultur«, heißt es im Demonstrationsaufruf. »Sie ist der entscheidende Standortfaktor. Sie ist unsere Schwerindustrie. Jeder Euro, der in die Kultur investiert wird, ist eine Investition in die Zukunft der Stadt«. Wie wichtig die Kultur
für die Menschen ist, konnte man während der Zeit DER SEUCHE sehen. Aber wir leben inzwischen in der Zivilgesellschaft der Ökonomie. Dort hat nur all‘ Das eine Daseinsberechtigung, was sich rechnet.

Der Berliner MECKERCHOR mit dem Protest-Lied »Is doch Kacke!«.
Der #BerlinIstKultur-Protestsong »Klebstoff«.
Berlins Kultursenator Joe Chialo (CDU) stellte sich den Demonstrierenden. Er möchte verhindern, dass der Kulturbereich in Berlin zusammenbricht, und er will sich dafür einsetzen, dass er zukunftsfähig bleibt. Kultur ist in Berlin kein »nice to have«, sie ist das Herz der Stadt.
Heiße Moves zeigte das Staatsballett. 
Gänsehaut-Feeling beim Auftritt der drei Berliner Opernchöre: »Va, pensiero, sull’ali dorate/ Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen«. Ein Abgesang?

DIE FREIHEIT

Vor ein paar Tagen ging ich in den Zoo
die Sonne schien, mir war ums Herz so froh
vor einem Käfig sah ich Leute steh‘n
da ging ich hin, um mir das näher anzusehen

Nicht füttern stand auf einem großen Schild
und bitte auch nicht reizen, da sehr wild!
Erwachsene und Kinder schauten dumm
und nur ein Wärter schaute grimmig und sehr stumm

Ich fragte ihn, wie heißt denn dieses Tier?
Das ist die Freiheit, sagte er zu mir,
die gibt es jetzt so selten auf der Welt
drum wird sie hier für wenig Geld zur Schau gestellt

Ich schaute, und ich sagte, lieber Herr,
ich seh‘ ja nichts, der Käfig ist doch leer
das ist ja grade – sagte er – der Gag!
man sperrt sie ein, und augenblicklich ist sie weg!

Die Freiheit ist ein wundersames Tier
und manche Menschen haben Angst vor ihr
Doch hinter Gitterstäben geht sie ein
denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein.

GEORG DANZER (1946−2007; 1979)

Im Hier und Heute: Der Neoliberalismus ist eine Ideologie, die Freiheit verspricht, aber Elend und Unterwerfung bedeutet!

Am morgigen Freitag begeht Berlin den 35. Jahrestag des MAUERFALLS. Motto: »Haltet die Freiheit hoch! – Hold Freedom up High!« Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren (siehe Bild vom 06.11.). Weg zur Freiheit: Eine Open-Air-Installation und eine Ausstellung mit sieben Stationen lässt die Erinnerungen an die Nacht des 9. November 1989 aufleben. Ab 20:00 Uhr spielt die größte Band Berlins entlang der vier Kilometer langen Strecke den ›Soundtrack der Freiheit‹, so die Veranstalter in ihrer Ankündigung. Ich habe mich hier für die bemerkenswerten Liedtexte zweier österreichischer Künstler entschieden.

Nur für was du einstehst
und ned nur wo dabeistehst − zählt!
Erwart‘ dir nix vom Leben g‘schenkt,
erhoff‘ ned, dass a andrer für di denkt.
Die, die sag‘n, i wü mei Rua,
schlag‘n si selbst die Tür‘n zua;
jammern, dass nix weiter geht
und dass niemand sie versteht. −   

Die Freiheit, die ma wü, muaß ma si nehmen,
die kriagt ma ned zu kaufen und ned g‘schenkt,
die Freiheit, nach der wir uns alle sehnen,
die hat nur der, der für si selber denkt.

Nur was di des Leben lehrt,
was ma in kana Schulklass‘ hört − des zählt!
Drum geh‘ dein Weg und halt‘ di grad,
wie ana, der nix zu verlieren hat.
Nur ned aufgeb’n, resignieren
Und nur des Fernsehen konsumier‘n,
so geht’s dir der Lebtag schlecht,
so bleibst du die Lebtag Knecht.

Die Freiheit, die ma wü, muaß ma si nehmen,
die kriagt ma ned zu kaufen und sogar ned g’schenkt,
die Freiheit, nach der wir uns alle sehnen,
die hat nur der, der für si selber denkt.
ja, die hat nur der, der für si selber denkt.

Uh, die Freiheit, die ma wü, muaß ma si nehmen,
die kriagt ma ned zu kaufen und sogar ned g’schenkt,
Oh, die Freiheit, nach der wir uns alle sehnen,
die hat nur der, der für si selber denkt.
ja, die hat nur der, der für si selber denkt.
die hat nur der, der für si selber denkt.

WOLFGANG AMBROS (*1952; 1989)


Anlässlich des Jahrestags waren 5.000 Plakate entlang des früheren Grenzverlaufs aufgestellt worden. Zum Teil wurden historische Plakate der Demonstrationen von 1989 nachgebildet. Auf anderen haben Berliner:innen zum Ausdruck gebracht, was der Mauerfall heute für sie bedeutet.
Erschreckend aktuell. Die Frauentexte aus der Wendezeit zum Thema Krieg und Frieden.
Am Samstag spielten 700 Profi- und Freizeitmusiker synchron auf mehreren Bühnen am früheren Mauerstreifen.
Rübermachen.

HA-LLE-LU-JA

Mit MESSIAS im HANGAR 4 des entwidmeten Flughafens Tempelhof eröffnete die Komische Oper
die Spielzeit 2024/ 25 (21.09.–06.10./ 13 Vorstellungen).

Dort, wo einst Flugzeugmotoren dröhnten, erklangen Engelschöre mit himmlischer Musik.

Zuvor ein paar Zahlen zu den technischen Gegebenheiten im Hangar 4 – nicht für Musikpuristen: 1.800 Zuschauer:innen finden Platz. Ausverkauft. Die Bühnenfläche misst 60x 20 Meter. 400 Mitwirkende. Die LED- Ellipse aus Teil 2 und 3 besteht aus zwölf 70-Kilo-
gramm-Teilen, die nur an sechs Hängepunkten gehalten werden.

Georg Friedrich Händel, MESSIAH, HWV 56. Oratorium in drei Teilen. Libretto von Charles Jennens. Nach Bibeltexten (1741/ 42).

»Why do the nations so furiously rage together, and why do the people imagine a vain thing?
The kings of the earth rise up, and the rulers take counsel together against the Lord, and against His anointed.«

Beim Halleluja stand niemand auf. Ob es an der steilen und (gefühlt) ›halsbrecherischen‹ Zuschauertribüne lag?

Georg Friedrich Händel (1685–1759) gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Barockmusik. Trotzdem wirkt die Musik
von Messiah zeitlos und zieht die Menschen bis heute in den Bann.

Das Oratorium besteht aus drei Teilen: 1. Verheißung und Geburt, 2. Passion, Auferstehung und Himmelfahrt, 3. Erlösungsbotschaft für die gesamte Menschheit.

Eigentlich ist Händels Oratorium Messiah eine Reflexion über die christliche Erlösungsidee. Doch Damiano Michielettos Inszenierung MESSIAS verlässt den religiösen Rahmen und erzählt eine ›menschlich, allzu menschliche‹ Geschichte. Im Mittelpunkt steht der Kampf der krebserkrankten Brittany Maynard, die im Angesicht des Todes um ihr selbstbestimmtes Leben bis zum selbst gewählten Ende kämpft. Nicht religiöse Auferstehung bestimmt Michielettos MESSIAS, sondern das Erleben von Freiheit auf einem persönlichen unabwendbaren Leidensweg. Stoff für bewegende Bilder und starke Chor-eografien.

Dramaturgie/ Einführung: Daniel Andrés Eberhard; Musikalische Leitung: George Petrou.

Abendbesetzung (22.09.): Sopran: Julia Grüter, Alt: Katarina Bradić, Tenor: Rupert Charlesworth, Bass: Tijl Faveyts, Die Frau: Anouk Elias.

Kurz vor Beginn des 2. Teils – Scheinwerfer an. »Worthy is the Lamb that was slain, and hath redeemed us to God by His blood, to receive power, and riches, and wisdom,/ and strength, and honour, and glory, and blessing./ Blessing and honour, glory and power, be unto Him that sitteth upon the throne, and unto the Lamb, for ever and ever./ Amen«//.

Schlussbild (Teil 3): Die Frau verbringt die letzten Augenblicke ihres Lebens im Kreis ihrer Familie. Eine Lorbeerpflanze beginnt nach und nach zu grünen und zu gedeihen, was der Familie neuen Halt gibt (»The trumpet shall sound«). Die Mutter spricht tröstende letzte Worte (»If god be for us«), woraufhin Die Frau friedlich stirbt. Am Ende schreitet Die Frau ins Licht, also in den Tod. Regen fällt. Aus der Lorbeerpflanze ist ein paradiesischer Garten geworden (»Worthy is the lamb. Amen«).

Halleluja. Amen.

BRASIS

›BRASIS‹ bedeutet auf Portugiesisch ›die Vielfalt von Brasilien‹. Ein tolles und abwechslungsreiches brasilianisches Kulturprogramm bietet die Brasilianische Botschaft in Berlin (Embaixada do Brasil em Berlim).

AUSSTELLUNG

Die Ausstellung »O vulcão do meu peito explodiu – Der Vulkan in meiner Brust brach aus« ging zu Ende (02.05.–05.07.). Sie war für
die Mário-de-Andrade-Bibliothek in São Paulo und die Brasilianische Botschaft in Berlin konzipiert worden. Es war die erste Einzelausstellung von Francisco de Almeida (*1962) in São Paulo und auch seine erste Einzelausstellung außerhalb Brasiliens. Charakteristisch für das Werk von Francisco de Almeida ist die Technik des Holzschnitts. »O vulcão do meu peito explodiu« zeigte eine Reihe von sieben neuen Werken, die als hängende ›riesige‹ Installation im Dialog mit der parkähnlichen Umgebung der Botschaft präsentiert wurden. Bei einer Größe von 300x 150 Zentimetern haben sie die Anmutung von Altarbildern. Eine Drucktechnische Herausforderung (Bilder 2–5 Ausschnitte)!

Der Holzschnitt ist eine Technik, die ihre Wurzeln in der Antike hat, aber in Asien und Europa während des Mittelalters und der Renaissance besonders bekannt wurde. Das Werk von Francisco de Almeida war im Dialog mit Arbeiten von Künstler:innen wie Markus Lörwald (*1968) und Hirosuke Yabe (*1972) ausgestellt. Auch diese beiden arbeiten ebenfalls mit Holz. Yabes Skulpturen sind Ausdruck der Nuklearkatastrophe von Fukushima (11.03.2011), die die japanische Gesellschaft zutiefst erschüttert hatte. 

Die Ausstellung bildete den Rahmen für bemerkenswerte Konzerte. Auf dem Programm standen Stücke bekannter und weniger bekannter Komponisten, welche die stilistische Vielfalt und den kulturellen Reichtum Brasiliens verdeutlichen. Beispiele für mitreißende brasilianische Musik sind Jorge Bens ikonisches »Mas que nada«, das weltweit für seinen mitreißenden Beat bekannt ist, und Antonio Carlos Jobims »Água de beber«, ein Bossa-Nova-Klassiker, der mit seiner sanften Melodie und seinem poetischen Text die Seele des Genres verkörpert. Im Programm ferner andere Kompositionen von Tom Jobim wie »Dindi« und »Só danço samba«, die die Fähigkeit des Maestros veranschaulichen, Samba-Elemente mit anspruchsvollen Harmonien zu verbinden. Es bestand auch die Gelegenheit, »Doce de côco« von Jacob de Bandolim zu hören, einer Perle des Chorinhos.

KONZERTE

Seit mehr als einem Jahrzehnt begeistert das »Duo Oltheten Gomide« das Publikum in Europa und Brasilien mit seiner Choro-Kammermusik, die durch die Integration von Elementen der klassischen Musik und des Jazz die Grenzen der Genres überwindet. Das Duo besteht aus Daphne Oltheten (Violine) und Henrique Gomide (Klavier). Das »Duo Oltheten Gomide« war im Juni beim Konzert BRASIS zu hören (13.06.). Dieses Konzert ließ die Besucher:innen tief in das zeitlose Repertoire der brasilianischen Musik eintauchen, das die Kraft von Rhythmen wie Choro, Baião und Maracatu mit kammermusikalischer Feinfühligkeit verbindet. Zum Programm des Abends zähtlen Stücke, wie der Forró »Canhoto« von Mestre Camarão. Mit zeitgenössischen Kompositionen wie »Quase Caindo« von Ricardo Herz und »Shot #4« von Henrique Gomide und João Fideles erkundete das Duo neue rhythmische und harmonische Möglichkeiten.

»The Royal We« begeisterten das Publikum mit Jazzklassikern und brasilianischer Musik (04.07.): Jakob Ditz (Piano), Bruno Guimont (Guitarra), Vincent Kern (Bateria), Lily von Roell (Vocal), Marc Allahwerdi (Baixo), Carmen Williams (Saxofone alto) und Thies van Ballegooy (Saxofone tenor). »The Royal We« gewann den Preis für die beste Interpretation einer brasilianischen Komposition beim »StuVo Contest«, einem Wettbewerb im Rahmen des Jazzfestes Neukölln 2024. Die Brasilianische Botschaft in Berlin ist stolz darauf, einer der Partner dieses Wettbewerbs zu sein. Nunmehr im 14. Jahr.

NEU: Wir freuen uns, bekannt zu geben, dass die Ausstellung »Der Vulkan in meiner Brust brach aus« von Francisco de Almeida bis
zum 31. Juli 2024 verlängert wurde.

Temos o prazer de anunciar que a exposição O vulcão do meu peito explodiu, de Francisco de Almeida, foi prorrogada até o
dia 31 de julho de 2024.

Brasilianische Botschaft in Berlin (Embaixada do Brasil em Berlim)

Montag bis Freitag, 10:00–17:00 Uhr, Eintritt frei
Segunda a sexta-feira, das 10h às 17h, Entrada franca, sem necessidade de inscrição

ROMADAY

Flagge zeigen und Feiern. Das war das Motto am ROMADAY. Latcho Dives. Der 8. April ist der internationale Tag der Rom*nja. Nicht nur in Berlin feierte die Rom*nja-Community ihren lang anhaltenden Kampf nach Sichtbarkeit und Gleichberechtigung: »Lass maro tschatschepen« (Romani/ Romanes, »Lasst uns unser Recht fordern«)!

Am 8. April 1971 trafen sich erstmals 23 Repräsentant:innen der Minderheit aus 14 Ländern Europas in Orpington bei London und gründeten den ›Welt-Roma-Kongress‹. Ziel war der Kampf um soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Diese erste internationale Vereinigung war Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins. Die Idee einer transnationalen Nation drückte sich in
der eigenen Hymne, »Gelem, gelem« (deutsch »Ich ging, ich ging«, siehe unten), einer eigenen Flagge und der Einigung auf die Selbst-
bezeichnung ›Roma‹ aus. Seit 1971 wird der 8. April in vielen Ländern als ›Welt-Roma-Tag‹ begangen.

Die Rom*nja-Flagge. Die obere Hälfte ist blau, die untere grün. Das repräsentiert den Himmel und die Erde. In der Mitte der Flagge ist ein rotes Speichenrad zu sehen, das für die Wandertradition der Rom*nja steht.

An der Berliner Volksbühne heizten abends Mal Élevé und Mahala Raï Banda ein. Wahnsinn! Die begeisterten Konzert-
besucher:innen tanzten nicht nur ausgelassen in den Stuhlreihen. Einzelne kletterten auf die Bühne und pressten den Künstlern aus Anerkennung und Dankbarkeit Geldscheine auf die Stirn.

MAL ÉLEVÉ
Mal Élevé nimmt seinen Künstlernamen ernst: Seine Musik ist ›schlecht erzogen‹ – sie hält sich nicht an Regeln, stellt sich gegen die Norm. Mit dem offenen Umgang mit seiner Manouche-Identität inspiriert Mal Élevé insbesondere junge Roma und Sinti. Seine Songs – eine Mischung aus Reggae, Dancehall, Ska, Rap und Punk – sind eine Kampfansage gegen Faschismus, Kapitalismus und Sexismus und zugleich ein Aufruf zu weltweiter Solidarität. Manouche/ manush (Indisch/ Romani: ›Mensch‹) bezeichnet die Roma-Gruppe in Frankreich.

MAHALA RAÏ BANDA
Mahala Raï Banda ist eine Roma-Band aus Bukarest, die 2004 von dem rumänischen Geiger und Komponisten Aurel Ionita mitgegründet wurde. Die 11-köpfige Band präsentiert eine Fusion aus traditioneller Musik der Lăutari, der Roma-Violinisten und Cembalisten aus dem Süden Rumäniens, und aus der Blechblasmusik der Roma aus dem Osten Rumäniens.

Das Wort mahala bedeutet im Rumänischen Ghetto, Slum. Raï ist ein Wort arabischen Ursprungs. Dieser Begriff bezeichnet jemanden oder einen Sachverhalt, dessen Know-how bzw. Autorität von allen anerkannt wird. Es bezieht sich auf die Gruppe der Roma-Musiker (Lăutari). Aurel Ionita stammt aus einer Familie von Lăutari aus dem Dorf Clejani. Er ist mit mehreren Mitgliedern der Musikgruppe ›Taraf de Haïdouks‹ verwandt.

Gelem, gelem, lungone dromensa
Maladilem bakhtale Romensa
A Romale, katar tumen aven,
E tsarentsa bahtale dromensa?

A Romale, A Chavale

Sas vi man yekh bari familiya,
Mudardas la e Kali Legiya
Aven mansa sa lumnyake Roma,
Kai putardile e Romane droma
Ake vriama, usti Rom akana,
Amen khutasa misto kai kerasa

A Romale, A Chavale

Ich ging, Ich ging
Auf meinem sehr sehr langen Weg
Traf ich viele schöne Roma
Auf diesem sehr sehr langen Weg
Begegneten mir viele glückliche Roma?

Ahai, Roma, ahai Kinder,
Ahai, Roma, ahai Kinder!

Ich hatte einmal eine große Familie
Die Schwarze Legion [Crna Legija der Ustaše Militia, 1942] ermordete sie
Kommt mit mir Roma aus der ganzen Welt
Für die Roma die Straßen geöffnet haben
Jetzt ist die Zeit, steht auf Roma, jetzt
Wir steigen hoch, wenn wir handeln.

Ahai, Roma, ahai Kinder,
Ahai, Roma, ahai Kinder!

[…, insgesamt vier Strophen]

Von den erfassten rund 40.000 deutschen und österreichischen Sinti und Roma wurden bis Spätsommer 1944 mehr als 25.000
von Deutschen Reichsbürgern ermordet. Insgesamt fielen geschätzte 220.000 bis 500.000 Sinti und Roma dem Rassenwahn
der Nationalsozialisten und dem an ihnen systematisch geplanten Völkermord zum Opfer.