Reco do Bandolim & Grupo Choro Livre gehören zu den bekanntesten Choro-Gruppen der Gegenwart: Valério Xavier (pandeiro), Júnior Viegas (cavaquinho), RECO DO BANDOLIM (Mandoline/ bandolim), George Costa (klassische Gitarre/ violão) & Henrique Neto (siebensaitige Gitarre/ violão sete cordas). Diese Virtuosen durfte ich schon mal (in leicht abgewandelter Besetzung) am 10.12.2019 anlässlich eines umjubelten Konzertes in der Brasilianischen Botschaft erleben.
BANDOLIM ist die brasilianische Mandoline. Bandolims sind flach gebaut, die Form des Korpus ist fast rund. Die CAVAQUINHO – eine kleine vierseitige Gitarre – stammt aus Portugal. CHORO ist ein musikalischer Stil aus Brasilien, wobei ein Solist an der BANDOLIM von einer Begleitband aus Zupf- und Perkussionsinstrumenten wie PANDEIRO (ähnlich einem Schellen-Tamburin) begleitet wird.
Sechzehn Stücke standen auf dem Programm. Bei CARINHOSO von Pixinguiha & João de Barros sang das Publikum textsicher mit. Ergreifend! Standing ovation & Zugabe (Brasilianische Botschaft/ 15.09., Eintritt frei).
CARINHOSO Meu coração, Não sei por quê, Bate feliz quando te vê. E os meus olhos ficam sorrindo, E pelas ruas vão te seguindo. Mas mesmo assim foges de mim.
Ah se tu soubesses Como sou tão carinhoso, E como muito, muito que te quero, E como é sincero o meu amor. Eu sei que tu não fugirias mais de mim.
Vem, vem, vem, vem, Vem sentir o calor dos lábios meus À procura dos teus. Vem matar essa paixão Que me devora o coração. E só assim então serei feliz, Bem feliz.
LIEBEVOLL UND ZÄRTLICH Mein Herz, Ich weiß nicht warum, Schlägt glücklich, wenn es dich sieht. Und meine Augen lächeln, Und folgen dir durch die Straßen. Doch trotzdem läufst du weg vor mir.
Ach, wenn du (nur) wüsstest, wie überaus liebevoll und zärtlich ich bin, Und wie sehr ich dich begehre, Und wie aufrichtig meine Liebe ist. Dann weiß ich, dass du vor mir nicht mehr weglaufen würdest.
Komm, komm, komm, komm, Komm und spüre die Wärme meiner Lippen, Die die deinen suchen. Komm und stille diese Leidenschaft, Die mein Herz verzehrt. Und dann endlich werde ich glücklich sein, Ganz glücklich
Viele Schwalben machen einen schönen ALTWEIBERSOMMER.
ALTWEIBERSOMMER Ergänzt am 23.09.2023: heute um 8:50 Uhr endete der Sommer. Ich habe ihn diesmal genossen. Denn er kam in diesem Jahr ohne brüllende Hitze und Dürre aus. Trotzdem war 2023 Berlin das sonnenreichste Bundesland, Brandenburch das trockenste.
Der »Feuerwehr-Erlebnistag« als zentraler Tag der offenen Tür der Berliner Feuerwehr lockte mit einem spannenden Programm rund um das Thema Feuerwehr. Nach einer vierjährigen Pause hatte die Berliner Feuerwehr wieder einen Publikumstag mit Vorführungen und Informationen veranstaltet (09.07.). Ungeachtet der hohen Temperaturen von mehr als 32 Grad Celsius nutzten am Sonntag vor allem viele Familien die Chance, einen Blick hinter die Kulissen der segensreichen Organisation zu werfen. Erstmals fand der Publikumstag der Berliner Feuerwehr auf dem Gelände am ehemaligen Flughafen Tegel statt. Dort entsteht die Feuerwehr-Akademie. Die Buslinie 109 verkehrte alle fünf Minuten ab U- und S-Bahnhof Jungfernheide in Richtung »Urban Tech Republic«.
Der Tag stand unter dem Motto »Anfassen und Mitmachen«. Vorgestellt wurden zahlreiche Spezial-Fahrzeuge der Feuerwehr, und auch ein riesiges Flugfeld-Löschfahrzeug. Bei Einsatzvorführungen beeindruckten die Rettungskräfte mit Ihrer Professionalität und ihrem Können.
Nach einer 13-monatigen Erprobungszeit und knapp 1.400 Einsätzen steht jetzt fest, dass ein Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug mit Elektroantrieb (eHLF) fester Bestandteil des Fuhrparks der Berliner Feuerwehr wird. Seit September 2020 gehört das elektrisch angetriebene Löschfahrzeug – ein Prototyp – zur Fahrzeugflotte und wurde vom 1. Februar 2021 bis zum 28. Februar 2022 im täglichen Betrieb erprobt. Dabei legte das eHLF ungefähr 14.000 Kilometer zurück. Bei diesem Fahrzeug handelt es sich um das weltweit erste Exemplar, welches bei einer Feuerwehr in den Einsatz ging. Die Berliner Feuerwehr hat ein überwiegend positives Fazit gezogen. Denken sich die Mädchen! Kann denn Gendern Sünde sein?Die EHRENAMTLICHEN halten ›den Laden am Laufen‹. Doch wie lange noch in einer von der Politik nachhaltig entsolidarisierten Gesellschaft?
DAUERAUSNAHMEZUSTAND
Schlechte Nachrichten anlässlich der Vorstellung der Jahresbilanz der Berliner Feuerwehr am heutigen Montag: Trotz Dauerkrise im Berliner Rettungsdienst, neuem Rekord der Einsatzzahl und der Forderung des Landesrechnungshofs nach 1.000 weiteren Planstellen, will Schwarz-Rot nur wenige neue Posten schaffen. Dabei hatte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) vor der Wahlwiederholung eine bessere Ausstattung der Feuerwehr versprochen.
Nach Tagesspiegel-Informationen soll die Feuerwehr für den Doppelhaushalt 2024/ 25 als Mehrbedarf 700 Stellen angemeldet haben (09.07.). Der Haushaltsentwurf, den der Senat am Dienstag beschließt, soll aber nur ein Plus von knapp 70 Stellen vorsehen. Kommentar der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG): »Damit löst sich die 2022 gestartete Ausbildungsoffensive in Luft auf. 500 Nachwuchskräfte pro Jahr kann die Feuerwehr damit gar nicht aufnehmen.« Und große Kohorten der Babyboomer gehen in Rente. So viel zum Thema ›Fachkräftemangel‹.
Der Ausnahmezustand, 2022 fast täglich ausgerufen, ist zurück. Die Gründe: Die Hilfsorganisationen melden ihre Rettungswagen wegen Personalmangel häufiger ab, die Zahl an Notrufen und Einsätzen bleibt aber hoch – und es kommen stetig neue hinzu. Denn die Kassenärztliche Vereinigung (KV) vermittelt seit Ende Januar für Patienten keine Krankentransporte mehr. Laut DFeuG werden deshalb diese Fälle nun zu Notfällen deklariert. Die Feuerwehr MUSS einspringen. Im Vergleich der ersten Halbjahre 2022 und 2023 stieg die Zahl der Einsätze für medizinische Notfälle auf das Doppelte, für Nottransporte aufs Vierfache, für dringende Nottransporte um zwei Drittel. Die Zahl aller von der KV zur Feuerwehr übergebenen Fälle stieg um 80 Prozent.
DER SAMBA HEILT. Nach dieser Devise lebt é cantor e compositor Marcelo Café.
Concerto de Marcelo Café e Banda (Embaixada do Brasil/ 05.07.). Präsentation des neuen Albums »A Revolução É Preta«. Musicistas: Wesley Rubim (trombone), Nelson Latif (cavaquinho), Edson Arcanjo (violão), Hamilton Pinheiro (baixo), Marcelo Café (vocal), Sandro Alves (percussão). »Não deixe o samba morrer« – Lasst den Samba nicht sterben.
Mit dem »Langen Tag der StadtNatur« rückt die ›Stiftung Naturschutz Berlin‹ einmal im Jahr den Artenreichtum Berlins in den Fokus. Zahlreiche Veranstaltungen finden an mehr als 150 Orten statt (10. und 11.06.) – und das seit 2007: Essbare Wildpflanzen in der City; Von wegen »Unkraut«!; Klimasensibles Gärtnern; Kleingärtnern im Klimawandel; Mensch und Natur im Fort Hahneberg. An der Seite von naturkundlichen Expert:innen lädt das Naturfestival zu Expeditionen ins wilde Berlin. In allen Bezirken der Hauptstadt gibt es versteckte Oasen und überraschende Naturschauplätze zu entdecken.
Diesen schönen Stadtgarten legte Miko vor der fabelhaften Backstube (Fidicinstraße) an. Doch Vorsicht! Private Initiativen und Investitionen gefährden das überparteiliche Zwei-Gradplus-Ziel der Klimaerwärmung. Wir schaffen das (trotzdem).Und doch: Die HUNDEBLUME blüht Auch in der Regenpfütze Noch lachen wir Noch machen wir nur Witze! (Aus der BILANZBALLADE IM DREISSIGSTEN JAHR, Wolf Biermann 1973)
DFB-Pokalfinale in Berlin (03.06.), RB Leipzig : Eintracht Frankfurt (94 MIN). Gratulation an Leipzig zur Titelverteidigung!
71 Minuten lang war es eine Partie auf Augenhöhe. In einer sehr festgefahrenen Partie, in der beide Defensivreihen lange glänzen konnten, war es dann ein absolutes Billiard-Tor, das für die Vorentscheidung sorgte. Ein zweifach abgefälschter Nkunku-Schuss zappelte im Netz der Eintracht, was den Adlern in aller Form den Stecker zog. Die Eintracht kriegte einfach nichts mehr auf die Kette. Leipzig war beflügelt. Es spielte fortan nur noch der Titelverteidiger, der geduldig das Spiel kontrollierte und den ersten Matchball dann eiskalt zum zweiten Tor nutzte (85. MIN).
»Eintracht Frankfurt öle« hallte es nach dem Abpfiff aus der Ostkurve und weiten Teilen der beiden Geraden. Die Fans honorierten die Leistung der Adlerträger. Die Kurve schaute aber auch nach vorne. »Europacup in diesem Jahr« sangen die Eintracht-Anhänger. Zum dritten Mal in Folge darf Eintracht Frankfurt ›europäisch ran‹ (UEFA Conference League). Warmer Applaus prasselte auf die Frankfurter Spieler ein. Schöne Szenen. Auch wenn hessische Ekstase noch besser gewesen wäre.
Und warum hat Eintracht Frankfurt verloren? Weil ich diesmal nicht im Olympiastadion war (wie 2018)!
Bereits um 14:00 Uhr war beim Fan-Treff der Frankfurter am Breitscheidplatz der Teufel los. Bis zum Nachmittag sollen sich dort 20.000 Fans versammelt haben. Überall in der Stadt hörte man Hessisch-Gebabbel. Erbarmen zu spät!
Erinnerung an den Adlerträger UWE BEIN? Säule der Eintracht in der Zeit von 1989 bis 1994. Am Schaufenster des nahegelegenen Nike-Shops überklebten Frankfurter das Leipzig-Logo. Diehessesinsowunnerbar EINTRÄSCHTISCH. ZAUBERTRANK. Im Stadion dürften 50.000 Frankfurt-Anhänger gewesen sein, da sind die Frankfurter Fans findig; 75.000 passen ins Berliner Olympiastadion. Neunmal gelangten die Frankfurter ins Pokalfinale, fünfmal gewannen sie den Pokal. IHR WISST BESCHEID: 1974, 1975, 1981, 1988 und 2018.
Er ist wieder zurück. Der ›KARNEVAL DER KULTUREN‹. Und das gleich mit einem Jubiläum. Es war die 25. Auflage des größten multikulturellen Festes in Deutschland. Der ›Karneval der Kulturen‹ war 1996 auch als Folge von Rassismus und rechtsextremen Übergriffen gegründet worden, und sieht sich als Ort der Begegnung für ein friedliches Miteinander. Nach vier Jahren Corona-Pause stand KREUZBERG am Pfingstwochenende wieder im Zeichen des Karnevals (26.–29.05.). Als hätte es nie eine Unterbrechung gegeben. Es lockten das viertägige Straßenfest am Blücherplatz mit vier großen Musikbühnen und Spezialitäten aus aller Welt sowie der große Straßenumzug am Pfingstsonntag Hundertausende nach Kreuzberg. In diesem Jahr ging es schwerpunktmäßig um die Themen Klima, Naturschutz, Recycling und traditionelle Kulturen. Die Parade fiel in diesem Jahr aus Kostengründen kleiner aus, wie die Veranstalter mitteilten. Rund 50 Gruppen mit 2.500 Akteuren waren angemeldet, statt der sonst bis zu 90 Gruppen. Auch war die Umzugsstrecke deutlich verkürzt. Die mehr als 550.000 Zuschauer:innen mussten deshalb diesmal ›zusammenrücken‹. Ein riesiges Gewimmel und kaum ein Durchkommen. Schade. Man sah wenig vom Umzug. Von der mitreißenden Musik und den tollen Outfits bekam man auch kaum was mit. Dazu noch stolze Preise an den Ständen entlang der Strecke – Bratwurst nicht unter 5,00 Euro, eine Eiskugel für 3,50 bis 4,00 Euro. Trotz der abgespeckten Teilnehmerzahl und der kürzeren Wegstrecke benötigte der Umzug von der Gneisenaustraße/ Ecke Zossener bis zum Hermannplatz/ Ecke Urbanstraße etwa sieben Stunden.
Die mit 200 Akteuren größte Gruppe ›SAPUCAIO NO SAMBA‹ führte den farbenfrohen Zug an. Als Thema hatte ›Sapucaio no Samba‹ die vertrocknenden und brennenden märkischen Wälder gewählt. Auch zurzeit herrscht in Brandenburg die höchste Waldbrandwarnstufe; im Mai fielen nur acht Prozent der sonst üblichen Regenmenge.
Das kann doch einen Christian Lindner nicht erschüttern; Keine Angst, keine Angst, Rosmarie. Der forsche Finanzexperte legt einen Märkischen Backstein auf das Gaspedal seines Porsches und ›heizt‹ auf der BAB 2 dem Sonnenuntergang entgegen. Liebe Superreiche, der Kampf für die Erhaltung eurer Privilegien geht weiter!America Latina gibt den Move vor. Sabroso!
Sonnenschein, HERAUS ZUM 1. MAI! Von den Gewerkschaften bis zu den Autonomen: Der Tag der Arbeit ist in Berlin breit gefächert. Zahlreiche Demos und Kundgebungen mit zehntausenden Teilnehmer:innen finden dort stets am 1. Mai statt. Die Demonstrationen und Feierlichkeiten am 1. Mai sind nach Angaben der Polizei diesmal weitgehend friedlich verlaufen. Leider gab es bei der traditionellen »Revolutionären-1. Mai-Demonstration« üble antisemitische Parolen. Schande.
KÄMPFERISCH Bet’ und arbeit’! ruft die Welt, Bete kurz! denn Zeit ist Geld. An die Thüre pocht die Noth – Bete kurz! denn Zeit ist Brot
Und du ackerst und du säst, Und du nietest und du nähst, Und du hämmerst und du spinnst – Sag, o Volk, was du gewinnst!
Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht, Schürfst im Erz- und Kohlenschacht, Füllst des Ueberflusses Horn, Füllst es hoch mit Wein und Korn.
Doch wo ist dein Mahl bereit? Doch wo ist dein Feierkleid? Doch wo ist dein warmer Herd? Doch wo ist dein scharfes Schwert!
Alles ist dein Werk! o sprich, Alles, aber Nichts für dich! Und von Allem nur allein, Die du schmiedst, die Kette, dein?
Kette, die den Leib umstrickt, Die dem Geist die Flügel knickt, Die am Fuß des Kindes schon Klirrt – o Volk, das ist dein Lohn.
Was ihr hebt an’s Sonnenlicht, Schätze sind es für den Wicht; Was ihr webt, es ist der Fluch Für euch selbst – ins bunte Tuch.
Was ihr baut, kein schützend Dach Hat’s für euch und kein Gemach; Was ihr kleidet und beschuht, Tritt auf euch voll Uebermuth.
Menschenbienen, die Natur, Gab sie euch den Honig nur? Seht die Drohnen um euch her! Habt ihr keinen Stachel mehr?
Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, Wenn dein starker Arm es will.
Deiner Dränger Schaar erblaßt, Wenn du, müde deiner Last, In die Ecke lehnst den Pflug, Wenn du rufst: Es ist genug!
Brecht das Doppeljoch entzwei! Brecht die Noth der Sklaverei! Brecht die Sklaverei der Noth! Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!
Lied der PREKÄREN. Bundeslied für den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein, Text: Georg Herwegh, 1863.
GEDIEGEN Der 1. Mai startete am Montagvormittag traditionell mit der Demo des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), die in diesem Jahr unter dem Motto »Ungebrochen solidarisch« stand. Vom Platz der Vereinten Nationen in Friedrichshain zogen mehr als 6.000 Demonstrant:innen zur Kundgebung vor das Rote Rathaus. Dort präsentierten sich die Einzelgewerkschaften. Solidarität mit den Arbeitslosen zeigen die Arbeitskreise ARBEITSLOSIGKEIT von VERDI & der IGM: Aufklärung über die neoliberalen Lügen der Agenda 2010 (»Man muss nur wollen, dann erreicht man alles«) und Hilfe für die Betroffenen. Die Daseinsvorsorge wurde in großem Stil privatisiert. Inzwischen gelten die Tarifverträge nur noch für weniger als die Hälfte der Beschäftigten. Die Medien hetzen ›auf allen Kanälen‹ gegen Streiks. Das mediale Geklingel dazu ist plumpe Täter-Opfer-Umkehr. Von wegen »französische Verhältnisse«. Auch ist Deutschland bei Streiks nicht »in Geiselhaft genommen«! Seligmachende Privatisierungen? Was habe ich mitgenommen? Den Slogan »Wer Rentner quält, wird nicht gewählt« (›Seniorenaufstand‹ zu den neuen Armutsrenten als ›Lebensleistungsrente‹ für die ›Babyboomer‹).
Energiegeladen.
SATIRISCH Das › QUARTIERSMANGEMENTGrunewald‹ leistet seit 2018 wertvolle soziale Arbeit im Problemkiez Grunewald. Durch den Ansatz aufsuchender Sozialarbeit der ausgestreckten Hand wurden dem Klientel der Superreichen Möglichkeiten der Reintegration in die Stadtgesellschaft aufgezeigt. Am Mittag hielt zum fünften Mal das Quartiersmanagement ›MyGruni‹ eine Spaßdemo im Villenviertel GRUNEWALD ab. #socialdistancing ist dort seit jeher eine Kernkompetenz. Wieder fast 4.000 Teilnehmer:innen kamen zum Johannaplatz, um den Problembezirk nicht im Stich zu lassen. »Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg«, hieß es vom Veranstalter.
Extrem Reiche sind für den größten Teil der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Ungleichheit auf den Bankkonten ist verknüpft mit der auf den CO₂-Konten. Während die Ungleichverteilung im Geldbeutel für viele hart zu spüren ist, taucht der unterschiedliche CO₂-Ausstoß aber in keiner Bilanz auf. Gleichzeitig sind ärmere Menschen besonders vom Klimawandel betroffen. »Die Reichsten saufen, alle andern haben Kater«.
Großes Gerät fuhr die RWEGrunewald auf, beschützt von Polizei.
Deshalb, heraus zum Tag der autonomen Bergarbeit! »Jahrhunderte lang haben wir die falsche Kohle abgebaggert. Höchste Zeit, Kohleabbau ganz neu zu denken! Unter dem Kohlerevier Grunewald lagert ein gigantischer Kohleflöz: Fossiles Kapital, das dringend abgetragen werden muss! Für das Klima, für eine gerechte Gesellschaft! Gesellschaftliche Veränderung bedarf unternehmerischen Denkens. Als zukunftsorientiertes Unternehmen erschließt die RWE (Reiche Werden Enteignet) das Kohlerevier Grunewald. Und übernimmt Verantwortung, indem die sedimentierten Übergewinne weggebaggert und der fossilen Unrechtswirtschaft entzogen werden. Die RWEGrunewald fördert mit neuester Umverteilungstechnologie: Wenn man Luxusgüter sieht, sieht man eigentlich nur die Spitze des Geldbergs. Die Ungleichheit liegt diskret im Verborgenen, geschützt von großen Anwaltskanzleien und flankiert von ominösen Stiftungen und undurchsichtigen Finanzkonstrukten. Wir brechen diesen gut versiegelten Boden auf und bringen Licht in den wirtschaftskriminellen Untergrund des Luxusreviers Grunewald«.
Mit den autonomen Bergarbeiter:innen begannen die Abrissarbeiten des Problemkiezes Grunewald. Kohle verteilen ist Handarbeit! Glück auf Grunewald!
Die Regierende a.D. Franziska Giffey – als Marie-Antoinette des Wohnungsmarktes. Schnäppchen-Eigentumswohnungen für 2,4 Millionen Euro entstehen zurzeit auf dem Gelände der ›neuebockbrauerei‹. Die neoliberale Ideologie frisst ihre Kinder.
EPILOG Vor 90 Jahren: Der 1. Mai als der traditionelle Kampftag der Arbeiterbewegung wurde 1933 erstmals von der NSDAP als »Feiertag der nationalen Arbeit« begangen und fortan ein arbeitsfreier staatlicher Feiertag. Am 2. Mai 1933 wurden die freien Gewerkschaften zerschlagen und verboten. Die Gewerkschaftsvermögen wurden »beschlagnahmt« (und später u. a. für den Bau des VW-Werkes in Wolfsburg verwendet). Bei der Besetzung der Gewerkschaftshäuser wurden führende Funktionäre wegen »wirtschaftsfeindlicher« und »staatsfeindlicher Einstellung« verhaftet, misshandelt, inhaftiert und vereinzelt ermordet. Die einzige »Interessenvertretung« für die abhängig Beschäftigten bestand zunächst in der NSBO (Nationalsozialistische Betriebszellen- organisation), ab 1935 durch die DAF (Deutsche Arbeitsfront).
Das ist die Berliner Luft (Paul-Lincke-Lied). Oder jetzt die Berliner*innen Luft? Darauf den gleichnamigen frischen Pfefferminzlikör aus dem Hause Schilkin. Ich gender gern, weil man es nicht muss. »Berlin! Hör ich den Namen bloß, da muß vergnügt ich lachen!«
Ja, ja, ja, das ist die Berliner Luft, Luft, Luft so mit ihrem holden Duft, Duft, Duft wo nur selten was verpufft, pufft, pufft in dem Duft, Duft, Duft dieser Luft, Luft, Luft Das macht die Berliner Luft!
Der Gassenhauer in einem beschwingten Marschrhythmus gilt als inoffizielle Hymne Berlins (Text: Heinrich Bolten-Baeckers, Musik: Paul Lincke; 1904/ 1922 in die Operette »Frau Luna« eingefügt. Jetzt mit Stotter-Stolperfalle?).
Im Kreuzberger Wrangelkiez machte eine Frau als lebende Suchanzeige auf die Wohnungsnot in der deutschen Hauptstadt aufmerksam. Seit vergangener Woche saß die Künstlerin Joana V. im Schaufenster der Galerie Heba – ihr war wohl fristlos gekündigt worden (13.04.). Im Rahmen der mehrtägigen Kunstperformance nahm die Betroffene werktäglich zwischen 12:00 und 20:00 Uhr in dem Schaufenster an der Falckensteinstraße Platz. Bezahlbaren Wohnungsraum gibt es nicht mehr. Von der Politik genauso gewollt. Die Politik der vergangenen 25 Jahre trägt endlich Früchte. Berlin ist inzwischen die zweitteuerste Stadt nach München. Und damit nicht mehr sexy. Das ist die Berliner Luft!