KULTURBOTSCHAFTER?

Kulturbotschafter Russlands? Biker des umstrittenen russischen Motorrad- und Rockerclubs NACHTWÖLFE MC (Nocnie Volki) 2019 in Berlin (9. Mai). Die Nachtwölfe ließen ihre Maschinen permanent und bedrohlich aufheulen. Im Bild der Gründer und Präsident Alexander Sergejewitsch Saldostanow.

Die Bibel nennt im 6. Kapitel der OFFENBARUNG des JOHANNES die vier APOKALYPTISCHEN REITER. Der ZWEITE REITER auf dem ROTEN PFERD symbolisiert das Blut und den Tod durch Kriege. Der Kriegsherr Putin hat mit seinen Maß-Design-Stiefelettchen die Bemühungen von Jahrzehnten zertreten und hindert damit auf Jahre und nachhaltig den Austausch von Kunst, Kultur, Musik
und Sport.

»Слава Україні« • Slava Ukraini

GROSSDEMONSTRATION unter dem Motto »Stoppt den Krieg« (27.02.)! Zur Demonstration aufgerufen hatte ein breites Bündnis aus Friedens-, Menschenrechts- und Umweltschutzorganisationen sowie Kirchen und Gewerkschaften. An diesem Sonntag waren Zehntausende in Berlin für die FREIHEIT auf den Beinen! Von der russischen Botschaft bis zum S-Bahnhof TIERGARTEN wälzten sich Menschenmassen über die ›Straße des 17. Juni‹ zur Hauptbühne am ›Großen Stern‹. Diejenigen, die es nicht mehr zum Demonstrationszug geschafft hatten, drängten sich zu tausenden rechts und links in der Parkanlage. Schon bei der Anfahrt stauten sich Hunderte auf den Bahnsteigen und in den Treppenräumen der S- und U-Bahnhöfe. In der Folge musste der ÖPN-Verkehr dann eingestellt werden. Die Veranstalter hatten ›nur‹ 20.000 angemeldet. Die Polizei sprach von mehr als 100.000 Demonstrant:innen, der Nachrichtensender ›Welt‹ von mehr als 120.000. Ich schaffte es noch bis zur Hauptbühne.

Für den Gänsehaut-Moment an diesem besonderen Tag sorgte die SCHWEIGEMINUTE um 14:00 Uhr. Schneidende Stille,
nur das Zwitschern der Vögel war an diesem klaren Wintertag zu hören. Mehr als eine Minute völlige Stille im Gedenken an
die Opfer des Krieges.

Die ukrainischen Nationalfarben waren allgegenwärtig. Viele Kinder hatten Schilder gemalt. Man sah gebastelte und gemalte oder dargestellte Friedenstauben. Als ein Ventil diente u. a. der flapsige Spruch »Make Vodka, not War«. Die bösen alten gierigen Männer PUTIN (70) & SCHRÖDER (77): Zahlreiche phantasievolle Schilder richteten sich gegen beide. Auch russische Staatsbürger:innen demonstrierten mit. Hier müssen sie wie die mutigen Landsleute in ihrer Heimat keine Verhaftungen und Deportationen in Arbeitslager fürchten. Häufig erklang der Ruf »Слава Україні«Slava Ukraini.

Toxische Männlichkeit: der »lupenreine Demokrat« P.  & sein Herold, Herr S. aus H..
Steht denn der Altkanzler Schröder auf der Boykott-Liste der EU? Hartz IV muss er sicher nicht beziehen.
Marsz, marsz, Dąbrowski, …
Et hätt noch emmer joot jejange.

Мир • Mir

Tausende erhoben am Freitagabend vor dem BRANDENBURGER TOR ihre Stimmen für den Frieden in der Ukraine (25.02.).
Der Landesmusikrat hatte nur mit einer Hand voll Leute gerechnet. Gekommen waren aber mehr als 3.500 Berliner:innen, um mit Chören und Ensembles, Musiker:innen unter dem Motto »Kultur gegen Krieg« gemeinsam zu singen: Imagine, Dona nobis pacem (mehrstimmig), Sag mir, wo die Blumen sind, Zelenaja vyshnja & Friede, schöner Götterfunken (mit modifiziertem Text). Einer der emotionalen Höhepunkte war das Lied »Sag mir, wo die Blumen sind«. Nicht der einzige Gänsehaut-Moment an diesem bewegenden Abend! Wegen des Gefechtslärms sind die Lieder sicher nicht zum Kriegsherrn, dem Massenmörder und Rassisten Putin, vorgedrungen. Aber ein deutliches Zeichen an die armen Menschen in der Ukraine.

Blumenablage an der Botschaft der Ukraine. Russische Einrichtungen werden durch Absperrungen und ein massives Polizeiaufgebot geschützt.

BETONGOLD

Ist Berlin noch die ›MIETERSTADT‹? Die ›Berliner Mischung‹ ist Geschichte. Arm und Reich driften in Berlin immer weiter auseinander. Arme Menschen sind zunehmend an den Stadtrand gedrängt. Das belegt eine exklusive Datenerhebung der Arbeitsagentur für rbb24-Recherche (09.02.): Tausende Hartz-IV-Bezieher:innen mussten aus dem Stadtkern an den Rand ziehen. Das setzt oft eine Abwärtsspirale in Gang. Im Verwaltungsdeutsch heißen die betroffenen Gebiete außerhalb des S-Bahn-Rings »Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf«, mehr als 30 davon gibt es in Berlin. In fünf Gebieten liegt die Kinderarmut seit Jahren deutlich über 60 Prozent, zum Teil über 70 Prozent. Der soziale Abwärtstrend begann mit der Privatisierung der einst städtischen Wohnungen im Jahr 2004. »Für ’nen Appel und ’n Ei « wurden sie damals fast ›verschenkt‹. Von da an gingen ganze Hochhaussiedlungen von Hand zu Hand, wurden mehrfach weiterverkauft, saniert wurde kaum. Bis sie seit 2019 teilweise REKOMMUNALISIERT werden – zum fünffachen Preis/ plus. Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften müssen dabei nun nicht nur den hohen Kaufpreis verkraften, sondern sollen auch in Ordnung bringen, was die Privaten spekulativ unterlassen haben.

Früher sei sozialer Wohnungsbau in der Innenstadt die Normalität gewesen, erklärt Soziologie-Professor Marcel Helbig vom Wissenschaftszentrum für Soziale Forschung Berlin. Viele dieser Wohnungen seien aber inzwischen aus der Mietpreisbindung gefallen. »Jetzt haben wir eine soziale Spaltung«, kritisiert der Soziologe. Manche sammeln halt millionenteure Eigentumswohnungen wie Briefmarken, andere wissen nicht, wie sie über den Tag kommen sollen. »Die Spaltung verläuft zwischen Geimpften und Ungeimpften!« DAS will uns das verrohte Bürgertum dagegen einreden.

Die beiden Fotos entstanden in Schöneberg. Nach dem Abriss werden Eigentumswohnungen »Am Winterfeldt« gebaut. Die dringend benötigten Luxuswohnungen: »UNVERWECHSELBARER CHARME & PURE LEBENSFREUDE« – Das verheißt der »erfahrene Immobilienentwickler für hochwertigen Wohnraum«.

BETONGOLD.

TINY CAR

»Was hat eine Stuttgarter:in, was eine Berliner:in nicht hat?« – »Keine Ahnung!« – »Na, eine Wohnung in Berlin.«. Häuslebau quadratisch, praktisch, gut: TINY HOUSE mit Stuttgarter Autokennzeichen.

FINSTERNIS

»Rottet die Bestien aus!«

Von der Ausrottung der amerikanischen Urbevölkerung über den Sklavenhandel bis zum Holocaust: ein Filmessay von RAOUL PECK, quer durch 600 Jahre Kolonialismus-Geschichte. Peck arbeitet die Grundlagen (›Werte‹?) des ›christlichen Abendlandes‹ heraus: GIER, RASSISMUS, GEWALT und AUSBEUTUNG.

Eine schmerzhafte REISE INS HERZ DER FINSTERNIS, 4 Teile à 60 MIN, auf ARTE (verfügbar bis 08.04.2022):
1    Die verstörende Überheblichkeit der Ignoranz;
2    Wer zum Teufel ist … Kolumbus?;
3    Töten auf Distanz oder Wie ich den Ausflug tüchtig genoss;
4    Die leuchtenden Farben des Faschismus.

This Land Is Your Land (by Woody Guthrie)

This land is your land, this land is my land
From California, to the New York Island
From the redwood forest, to the gulf stream waters
This land was made for you and me

[…]

I’ve roamed and rambled and I’ve followed my footsteps
To the sparkling sands of her diamond deserts
And all around me a voice was sounding
This land was made for you and me

[…]

As I was walkin‘ – I saw a sign there
And that sign said – no tress passin‘
But on the other side … it didn’t say nothin‘!
Now that side was made for you and me!

[…]

Masters Of War (by Bob Dylan)

Come, you masters of war
You that build the big guns
You that build the death planes
You that build all the bombs

You that hide behind walls
You that hide behind desks
I just want you to know
I can see through your masks

You that never done nothin‘
But build to destroy
You play with my world
Like it’s your little toy

[…]

Like Judas of old
You lie and deceive
A world war can be won
You want me to believe

But I see through your eyes
And I see through your brain
Like I see through the water
That runs down my drain

[…]

2020 wirkte der Künstler, der seine Werke mit dem Namen EME FREETHINKER signiert, in SPRAY-ATHEN. Damals hatte es den Künstler mit den Dreadlocks aus der Dominikanischen Republik nach Berlin verschlagen. Dem von einem US-Polizisten getöteten Afroamerikaner George Floyd setzte Freethinker ein gespraytes Denkmal. “I can’t breathe” stand da in großen Lettern neben dem fast drei Meter großen Porträt des Polizeiopfers.

EH KLASSE

Eh’, kiek ma’ – en kleener Jelber, wa: automatisierte elektromobile KLEINBUSSE OHNE FAHRER auf den Linien 328 A ›See-Meile‹
& 328 B in Alt-Tegel (12.12.). Sie sind Teil des Forschungsprojektes »Shuttle&Co«, das noch bis Mitte 2022 läuft. Die Busse verkehren täglich in der Zeit von 9:30 bis 17:00 Uhr mit einer halbstündigen Mittagspause. Die Mitfahrt ist kostenlos. Die ›eingemessenen‹ Rundkurse dauern 12 bis 15 MIN. Eine Begleitperson greift (noch) ein, wenn das Fahrzeug bei plötzlichen Hindernissen stehenbleibt. Sechs Sitzplätze, von denen Coronabedingt nur drei genutzt werden dürfen; Geschwindigkeit 12 km/h. Stationiert sind die Busse an der Feuerwache Tegel. Noch kein Arbeitsplatz-Killer, die Eh Klasse.

»In Tegel, Tegel Gibt’s Lockere Vögel«

VERSTOSSEN

In dieser KALTEN ZEIT ist die Situation für obdachlose Menschen besonders dramatisch. Auf Bahnhöfen finden die Betroffenen kaum noch einen warmen Platz: Dort gilt die 3G-Regel, deren Einhaltung sie kaum nachweisen können. Obdachlose begehen somit automatisch Ordnungswidrigkeiten.

Knapp drei Wochen nach der bundesweiten Einführung der 3G-Regel für öffentliche Verkehrsmittel erhebt Deutschlands größtes Nahverkehrsunternehmen, die Berliner BVG, ab kommenden Montag (13.12.) eine Zahlung für VERSTÖSSE. Wer dann nicht nachweisen kann ob sie oder er gegen COVID-19 geimpft, genesen oder aktuell getestet ist, muss mit einer Strafe von 50 Euro rechnen. Die Strafe ist laut dem Landesunternehmen nicht zu verwechseln mit behördlichen Bußgeldern, wie sie Polizei und Ordnungsämter verhängen können. Sie wird zusätzlich fällig. Außerdem ist sie unabhängig von der Frage der Maskenpflicht. Wer also außerdem keine Maske trägt, muss mit 100 Euro Strafe rechnen.

Notunterkünfte und Wärmestuben können wegen DER SEUCHE noch weniger Gäste aufnehmen als üblich. Es gibt zudem viel zu wenig Anlaufstellen. Alle Jahre wieder. Nun drohen einigen Einrichtungen gar die Schnelltests auszugehen – denn ungetestet dürfen sie niemanden aufnehmen. Die Lage wird für die Obdachlosen bedrohlich.

Note Added in Proof (Quelle: Der Tagesspiegel, 11.12.):

Die 3G-Regel gilt sowohl für die Busse und Bahnen als auch für die Bahnsteige (siehe mein FOTO), nicht jedoch für Bahnhofszugänge und Verteilerebenen, so die BVG. Die Vorgaben hatten der BVG Kritik eingebracht, weil sie bedeuten, dass Obdachlose ohne Nachweis von den Bahnsteigen bei eisigen Temperaturen nach draußen geschickt werden können.

Die BVG stellte am Freitag vorsorglich klar, dass die künftige Vertragsstrafe bei 3G-Verstößen nicht gegen Personen ohne Obdach verhängt werden soll. Trotzdem: das Elend ist auffällig, wenn man hinschauen möchte. Man bekämpft aber lieber Arme – nicht die Armut. Deshalb bleibe ich beim gewählten Titel: VERSTOSSEN!

»Lasst uns hinüber nach Bethlehem gehen/ und sehen was geschehen ist.« &

»Ich steh‘ an deiner Krippe hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring‘ und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel‘ und Mut, nimm alles hin
und laß dir’s wohl gefallen.«

Stimmt Weihnachts- und Glühweinseelig das verrohte Bürgertum an.

LICHTERFAHRT

Wenn Straßen, Gebäude und Plätze festlich glänzen und Lichterketten die Bäume schmücken, kommt in der Hauptstadt festliche Stimmung auf. Besonders die Boulevards ›Kurfürstendamm‹ und ›Unter den Linden‹ ziehen mit ihrer stimmungsvollen Beleuchtung jeden Dezember Scharen von Besuchern an. 

Dem KUDAMM gingen in der Adventszeit 140.000 einzelne LED-Lämpchen auf: Die 4,5 Kilometer lange Glitzermeile am Kurfürstendamm und Tauentzien gilt als längster weihnachtlich illuminierter Straßenzug in Europa. Lichterketten so weit das Auge reicht (seit 23.11.).