TRIADE NATALINA

Concerto de Natal com Adriane Queiroz e Karine Gilanyan. Um evento da Embaixada do Brasil.

Dies war das erste und zugleich letzte Konzert in diesem annus horribilis in der Brasilianischen Botschaft. In Brasilien gab es bislang mehr als 600.000 Corona-Tote.

Beim Konzert »TRIADE NATALINA« sang die Sopranistin Adriane Queiroz Kompositionen von Waldemar Henrique, Heitor Villa-Lobos, Camargo Guarnieri et al. und wurde von Karine Gilanyan am Klavier begleitet. Wunderbar! Beeindruckt haben mich das ›Ave Maria‹ von William Gomez (1939–2000) & ›Cantique de Noël‹ von Adolphe Charles Adam (1803–1856). Für ›Taieras‹ von Luciano Gallet (1893–1931) kam rhythmische Verstärkung auf die Bühne. Standing ovation für die Künstler:innen. Als Zugabe sang Adriane Queiroz Gospels, begleitet nur vom Contrabass. Von diesem schönen Abend muss mein kleines unsterbliches Seelchen wg DER SEUCHE noch lange zehren.

Das Konzert fand unter Corona-Hygiene-Bedingungen in drei Teilen mit Lüftungspausen statt. 2G plus FFP-2-Masken, die die ganze Zeit getragen werden mussten. Dankbar (02.12.).

JETLAG

Der Oktober verabschiedete sich mit vier sonnigen Tagen (28.–31.10.). GOLDENER HERBST, Kranichzug, wundervoll. Am Wochenende trafen sich die Naturfreund:innen am SÜDGELÄNDE; die Pferdefreund:innen an der Trabrennbahn KARLSHORST (Echte Pferdeliebe!); die Technikfreund:innen beim Blauen Monster-Kran & Rotem Riesen am OSTBAHNHOF; die Freund:innen des Transzendentalen am HINDU-TEMPEL/ Hasenheide. Dann HALLOWEEN! In den Morgenstunden der Horror pur. Um 2:00 Uhr ZEITUMSTELLUNG. Willkommen Novemberdepri. Zeitumstellung – der JETLAG DES PROLETARIATS. Jetlag, aber ganz ohne klimaschädliches Fliegen.

MOCK-UP

Wie fühlt sich in Zukunft das U-Bahnfahren an? Und wie fuhr es sich mit der Berliner U-Bahn im Jahr 1908? Das Deutsche Technikmuseum ermöglicht den direkten Vergleich. Unter dem Motto »Von A bis J – Berliner-U-Bahnen von gestern und morgen« zeigt das Deutsche Technikmuseum das ›MOCK-UP‹ der neuen Berliner U-Bahn. Es ist ein begehbares 1:1-Modell der neuen Baureihe J/ JK (28.10./ bis Ende Mai 2022). Die U-Bahn-Baureihen werden mit fortlaufenden Buchstaben bezeichnet, nun ist Berlin bei »J« angekommen. Direkt neben dem Mock-up steht der Wagen 86 der Baureihe A1 von 1908, das älteste in Deutschland erhaltene U-Bahn-Fahrzeug.

Als wär ‘s bereits der Prototyp: Unterschiedliche Höhenniveaus der Sitze im Mehrzweckabteil.

PRIMA KLIMA

Unter dem Motto »Ihr lasst uns keine Wahl« hatte ›Fridays for Future‹ zum Klimaprotest in Berlin aufgerufen. Vier Wochen nach der Bundestagswahl demonstrierten Tausende für Klimaschutz im Regierungsviertel (22.10.). Außer ›Fridays for Future‹ hatten weitere Organisationen wie Attac, Greenpeace und Nabu zu diesem globalen Aktionstag aufgerufen. Das Bündnis wollte damit die Parteien der möglichen künftigen Ampelkoalition auf Bundesebene zu umfassenden Maßnahmen für den Klimaschutz bewegen. Denn die Parteien hätten bisher »keine echte Antwort auf die Klimakrise geliefert«, hieß es.

Die Mehrheit in diesem unserem Lande (und weltweit) befürwortet sowieso das WEITER SO! Und stimmt inbrünstig in das Lied vom KLEINEN ARSCHLOCH ein:

Macht Euch Die Erde Untertan! 

(»Dieses Lied ist dem Erfinder der FCKW-Spraydose gewidmet. Es heißt ›Macht Euch die Erde untertan‹. Die Musik hab’ ich aus dem ›Zigeunerbaron‹ geklaut, aber der Text ist von mir« … i. e. Walter Moers)

Bedrohte Lebewesen,
sind nie mein Fach gewesen,
ich sprüh` PARAL auf Bienen,
ernähr` mich von Delfinen

Refrain ›Mein idealer Lebenszweck‹

Mein idealer Lebenszweck,
sind Robenfell und Walfischspeck,
mein idealer Lebenszweck,
sind Robenfell und Walfischspeck

Das Rehkitz und die Ammer,
erschlag’ ich mit dem Hammer …
Auch Amsel, Drossel, Fink und Star,
die schmecken mir das ganze Jahr …
Und rings um meine Heimatstadt …
kein Frosch mehr seine Schenkel hat,
kein Frosch mehr seine Schenkel hat.

Refrain

Sauer muss der Regen fallen,
denn der Wald gehört uns allen.
Ob Oder oder Neiße –
mir wurscht wo ich reinscheiße!
Mein Klo das ist aus Elfenbein,
Atomkraftwerke find’ ich fein!
Ich quäl’ das Tier zum Scherz,
trag’ Wegwerfslips aus Nerz!

Refrain

Auf mein Parkett aus Tropenholz,
da bin ich ganz besonders stolz.
Und meine ganze Sympathie,
gilt der fossilen Energie!

Refrain

Ob wenigstens das 2-Grad-Ziel (Plan B) erreicht wird? Die Kunst der Politik besteht darin, so zu tun als handelte man beim Klimaschutz. Aber nicht die Resourcen sollen bewahrt werden! – Die Reichen und Schönen sollen von Einschränkungen und Kosten verschont bleiben. So plant man das »Wirklich gute Klimaschutz-Gesetz für gute Laune«. Und sorgt so mit Framing für PRIMA KLIMA.

Wird jetzt wieder das Atomfass geöffnet? Erneuerbare Energien vs. Atomkraft?

VOLKSENTSCHEID

Am 26. September wird in Deutschland gewählt. Es ist die erste Wahl unter Pandemie-Bedingungen. Deshalb rechnet man bei den Briefwahlen mit einem höheren Aufkommen. Die Wahlämter stellen eine ordnungsgemäße Wahl sicher, während die AfD seit Monaten daran Zweifel schürt. Auch in der heißen Wahlkampfphase spielen Inhalte keine Rolle. Der manipulative Kampagnenjournalismus arbeitet sich überwiegend an Äußerlichkeiten ab. Teil der permanenten Manipulation sind die kommerziellen MEINUNGSUMFRAGEN (›Sonntagsfrage‹) und Wahlprognosen, die sogar in den Wochen bis kurz vor der Wahl veröffentlicht werden. Das ist unanständig und eine Missachtung des SOUVERÄNS. Das wurde auch schon mal anders gehandhabt. Es galt mal eine Sperrfrist. Zur Wahl stehen KEINE Kanzler:innen! 53 Parteien treten zur Bundestagswahl an, in Berlin sind es zur Abgeordnetenhauswahl 34 Parteien. Dort steht auch ein VOLKSENTSCHEID zur Abstimmung. BERJER (:innen) GEHT WÄHLEN!

Wählt, Berjer, wählt,

Ihr wißt ja, was uns fehlt.

Wählt merr nor kaa Schleppeträger,
Wetterfahne, Stellejäger!
Liwerante, Brockeschnapper,
Stimmvieh, Ja-Herrn, Hosehapper!
Juwelgreis, Philisterzöpp,
Hasefüß un Wasserköpp!

Friedrich Stoltze (1816–1891)

GLÜCKSELIGKEIT

Im Zeichen des Friedens und Dialogs zwischen den Kulturen steht das WEST-EASTERN DIVAN ORCHESTRA mit jungen Musikern aus dem Nahen Osten unter der Leitung seines Gründers DANIEL BARENBOIM. Nach dem großen Jubiläumsjahr 2019 zum 20-jährigen Bestehen und einer unfreiwilligen Corona-Pause im vergangenen Jahr war das West-Eastern Divan Orchestra endlich wieder bei seinem traditionellen Konzert in der WALDBÜHNE Berlin zu erleben (14.08.). Auch unter freiem Himmel galten Hygiene- und Sicherheitsregeln. Unter der Leitung von Daniel Barenboim präsentierten die jungen Musiker:innen Johannes Brahms Doppelkonzert für Violine und Cello mit den Solisten MICHAEL BARENBOIM & KIAN SOLTANI sowie Werken von Ludwig van Beethoven und César Franck. Das Publikum jubelte voller Dankbarkeit. Dafür gab es dann auch noch eine Zugabe, Nimrod aus Edward Elgars „Enigma Variationen op. 36“.

BETON BAROCK

Das HUMBOLDT-FORUM eröffnete im Juli in der Schlossattrappe. Es sind noch nicht alle Ausstellungen zugänglich. Die ersten
100 Tage kostet es keinen Eintritt. Es müssen aber Zeitfenster gebucht werden. Erste Ausstellungsbesuche: »SCHRECKLICH SCHÖN. Elefant – Mensch – Elfenbein« & SCHLOSSKELLER; ohne Zeitfenster: SKULPTURENSAAL, Foyers, Treppenräume, Innenhöfe (29.07. & 12.08.). Ab September folgen weitere Eröffnungen, darunter auch die Dachterrasse mit Restaurant. Ich komme wieder.

Im Gebäude befinden sich auch Originale aus dem PALAST DER REPUBLIK (1976–1998/ 2003).

Ein hölzernes Stück Berliner Geschichte: Gründungspfähle von tausenden, die einst das Fundament des Berliner Stadtschlosses trugen. Die Bäume waren zwischen 1603 und 1707 geschlagen worden. Dabei achteten die Altvorderen auf besonders gerade Stämme. Die wurden angespitzt und dicht nebeneinander in den teils schlammigen Baugrund gerammt, bis sie in mehreren Metern Tiefe auf festen Boden trafen. Zusätzlich legte man Bohlen darüber, so dass eine tragfähige Bodenplatte entstand, wie sie heute aus Beton gegossen wird.

MÜHLENHAUPT TRIFFT

Ausstellung ›MÜHLENHAUPT TRIFFT SCHINKEL UND SCHADOW‹ im bisher kaum zugänglichen Sockelgeschoss
des Nationaldenkmals auf dem Kreuzberg (05.06.–29.08.). Sehenswert!

Zum Andenken an die Soldaten der preußischen Armee, die in den ›BEFREIUNGSKRIEGEN‹ von 1813 bis 1815 umgekommen waren, ließ König Friedrich Wilhelm III. von 1818 bis 1821 das 18,83 Meter hohe NATIONALDENKMAL für die Befreiungskriege auf
dem KREUZBERG errichten. Das neugotische Bauwerk Schinkels erinnert an bedeutende Schlachten. Das von Schinkel gestaltete EISERNE KREUZ sollte alleinig für die Befreiungskriege gestiftet werden, da die Unterwerfung durch Napoleon und
die Flucht des Königspaars aus Berlin als EISERNE ZEIT empfunden worden war. Es war die erste Auszeichnung in Preußen,
die jedermann für seine Tapferkeit ohne Ansehen seines Standes verliehen werden konnte.

Mit 66 m ü. NHN ist der Kreuzberg die höchste natürliche Erhebung in Berlin. Als im Zuge der Stadterweiterung Neubauten dem Denkmal den Rang abzulaufen drohten, wurde dies von der Obrigkeit verhindert. Die Klage eines Bauherrn führte dann zu einem bahnbrechenden Urteil des Preußischen Oberverwaltungsgerichts. Kaiser Wilhelm I. ließ daraufhin das knapp 20 Meter hohe und 200 Tonnen schwere Denkmal 1878/ 1879 auf ein acht Meter hohes Podest hieven. Der neue Unterbau beherbergte zunächst ein LAPIDARIUM. In dem etwa 1.500 Quadratmeter großen Gewölbe, das seit Jahrzehnten in den Wintermonaten von Fledermäusen bevölkert ist, entstehen ungewöhnliche Perspektiven: Den germanischen Helden vom abgerissenen Tiele-Winckler-Palais im Tiergarten stehen Mühlenhaupts Kunstwerke gegenüber und zwischen den Reliefs vom berühmten Schadowschen Münzfries und weiteren nahezu fast vergessenen Schätzen Berliner Bildhauerkunst, tummeln sich Mühlenhaupts leicht bekleidete Mädchen. Geschickt illuminiert entstehen Zwiegespräche von Gestalten, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben.

Ab 1888 wurde zu Füßen des Denkmals der VIKTORIAPARK mit einem 24 Meter hohen künstlichen Wasserfall angelegt, der dem Zackenfall im schlesischen Riesengebirge (PL) nachempfunden ist.

Der Bildhauer, Schriftsteller und Lebenskünstler KURT MÜHLENHAUPT gilt als Symbolfigur der Kreuzberger Bohème der 1960er-Jahre. Als »Maler der Liebe« und des »Milieus« gehört er zu den bekanntesten Berliner Künstlern der Nachkriegszeit. Hauptmotive waren für ihn die ›kleinen Leute‹, wie Putzfrauen, Kellner, Bettler, Straßenfeger, Dirnen sowie spielende Kinder, wodurch Mühlenhaupt gern mit Zille verglichen wurde. Kreuzberger:innen lieben seinen FEUERWEHRBRUNNEN am Mariannenplatz.

RUNDE SACHE

Vor 150 Jahren wurde die Berliner RINGBAHN in Betrieb genommen. Die Ringbahn verbindet – die Ortsteile sowie die Verkehrslinien Berlins! BERLINVERSTEHER: Eine Runde Ringbahn-Fahren bedeutet, Berlin kennenzulernen und zu verstehen. Unter den Liebespaaren der Metropole ist die RINGBAHN als „Knutschtour“ bekannt. Auf einer Strecke ohne Ende. Eine Runde – eine Stunde. In 60 Minuten von OSTKREUZ bis Ostkreuz; in 15-Minuten-Abschnitten via SÜDKREUZ, WESTKREUZ, GESUNDBRUNNEN (Nordkreuz). Und geteilt von der STADTBAHN.

Im vorletzten Jahrhundert, genauer gesagt am 17. Juli 1871, war es soweit! Der erste zweigleisige Abschnitt der Berliner Ringbahn ging nach vier Jahren Bauzeit zwischen Moabit und Schöneberg in Betrieb. 1877 war der Bau beendet und der Ring geschlossen. Wenn auch noch nicht unter diesem Namen, sondern als „Verbindungsbahn“ und natürlich mit weit weniger Stationen als den heutigen. Zunächst verkehrte auch nur der Güterverkehr (Schlachtvieh- und Militärtransporte) bis dann ein Jahr später der Personenverkehr folgte. Ab dem 1. Mai 1903 fuhren die dampfbetriebenen Personenzüge erstmals volle Ringrunden und benötigten dafür 125 Minuten. Ab dem 15. Mai 1929 fuhren nur noch strombetriebene Züge auf dem Ring und brauchten für eine Runde
78 Minuten.

Seit dem Mauerbau am 13. August 1961 war die Ringbahn durch die innerdeutsche Grenze zwischen Berlin und der DDR unterbrochen. Dann am 15. Juni 2002 der „Wedding Day“: Ringschluss nach 41 Jahren unterbrochener Strecke. Seitdem drehen dort die Linien S41/ S42 unermüdlich ihre Runden: 27 Bahnhöfe, 37 Kilometer, 500.000 Fahrgäste (zumindest vor DER SEUCHE),
1.000 Zugfahrten am Tag – ohne dass jemandem schwindlig wird.

Touristisches Highlight auf dem Abstellgleis

So ist die missliche Lage bei der beliebten PANORAMA-S-Bahn, die sich das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn 1999 zum 75-jährigen Bestehen schenkte. Richtig berühmt wurde das auf einem Zug aus den 1940er-Jahren basierende dreiteilige Unikat mit den drehbaren roten Plüschsesseln im Salonwagen und den kuppelartig bis ins Dach gezogenen Großformatfenstern, als Queen Elizabeth II. 2004 eine Sightseeing-Tour damit unternahm. „Fahren wie die Queen“, lautete der Slogan fortan. Als 2009 die Berliner S-Bahn an den Rand des Zusammenbruchs geriet, wurde der „ocker-rote Rolls Royce“ zunächst vorläufig ausrangiert. Gekillt von Nieten im Nadelstreifen. Er steht heute nicht betriebsbereit im BW ERKNER.