Die Militärgeschichte Torgaus beginnt im 18. Jahrhundert. Die SCHLACHT BEI TORGAU am 3. November 1760 war die letzte große Schlacht des ›Siebenjährigen Krieges‹. Die Österreicher hatten auf den Süpitzer Höhen etwa 400 Kanonen aufgestellt. Eine gewaltige Feuerkraft. Der Sieg der Preußen stand gegen 21:00 Uhr fest. Mit 16.751 Mann verloren die Preußen dabei mehr als 25 % ihrer Armee, die Österreicher mit 15.200 Mann knapp 30 %. Die Schlacht war eine der blutigsten des 18. Jahrhunderts.
BEI TORGAU
Auch die Grenadiere wollen nicht mehr
Wie ein Rasender jagt der König daher
Und hebt den Stock und ruft unter Beben:
»Racker, wollt ihr denn ewig leben?
Bedrüger …«
»Fritze, nichts von Bedrug;
Für fünfzehn Pfennig ist’s heute genug.«
(Theodor Fontane: aus Sämtliche Werke. Bd. 1–25, Band 20, München 1959–1975, S. 217).
Der »Torgauer Marsch« von 1817 wurde einer der beliebtesten deutschen Märsche. Er war ursprünglich ein Kavalleriemarsch.
Der »Torgauer« ist ein sächsischer – kein preußischer Marsch (heute Armeemarsch III, 69; Armeemarsch II, 210). Die Namensgebung
hat aber nichts mit der Schlacht bei Torgau zu tun.

FESTUNG TORGAU
Die Sachsen waren Verbündete Napoleons. Für Napoleon Bonaparte spielte Torgau eine wichtige strategische Rolle. Zur Sicherung der ›Elblinie‹ ließ er die Stadt zwischen 1811 und 1813 zur Festung ausbauen. Es entstanden eine sechseckige Hauptfestung mit sechs Bastionen und zwei halben Abschlussbastionen an der Elbe sowie der Brückenkopf östlich des Flusses. Bis zu 26.000 französische Grenadiere waren 1813 in Torgau stationiert, während die Stadt damals nur 5.000 Einwohner zählte. Nach dem Sieg
der Preußen über Napoleon wurde Torgau preußisch. Nordsachsen kam zu Preußen (›Beutesachsen‹). Unter preußischer Herrschaft wurde Torgau Garnisonsstadt.

ELBE DAY 1945
An der Elbe trafen Ende April 1945 die Spitzen von US Army und Roter Armee zusammen. Um ›Friendly Fire‹ zu vermeiden, war vereinbart worden, dass die Rote Armee nur bis an die Elbe vorrückt.
Befehlsstand der amerikanischen 69. Infanteriedivision der 1. Armee: Vier Patrouillen (ALBERT L. KOTZEBUE, Frederick W. Graig, Edward A. Gumpert und William D. Robertson fuhren am 24. Und 25, April von der Mulde Richtung Elbe, um in der ›wehrmachts-
freien Zone‹ aufzuklären und den Kontakt zu sowjetischen Einheiten herzustellen. Leutnant Kotzebue war der erste amerikanische Offizier, der einem russischen Offizier inmitten von hunderten toten Zivilisten bei STREHLA die Hand reichte (25.04., 12:00 Uhr). Strehla war also ein Leichenfeld, und damit kein Ort für eine historische Inszenierung. Statt Strehla ging deshalb Torgau eher zufällig in die Geschichte ein. Denn der vom amerikanischen 2nd Lieutenant WILLIAM ROBERTSON geleitete Erkundungstrupp gelangte nach Torgau, wo er auf Rotarmisten der 1. Ukrainischen Front traf. Diese Begegnung verlief zunächst abenteuerlich.
East meets West. Am 26. April trafen sich schließlich die Kommandeure der amerikanischen 69. Infanteriedivision des 5. Korps
der 1. Armee und des sowjetischen 173. Gardeschützenregiments der 58. Gardedivision in Torgau. An diesem Tag wurden die Vorbereitungen für den inszenierten ›Handschlag von Torgau‹ getroffen, der am nächsten Tag vor Fotografen des Special Film Teams 186 stattfinden sollte. Da war noch viel Zeit für die unteren Chargen – wie Fotos belegen – schon vormittags beginnend, Begegnungen der ›kleinen Leute‹ vorzunehmen. Anlässlich der ›Truppenvereinigung‹ in Torgau gab es am Abend des 26. April gleichlautende Presseerklärungen der Regierungen in London, Moskau und Washington. Mit dem offiziellen symbolischen ›Handschlag von Torgau‹ am 27. April schloss sich – für die Weltöffentlichkeit sichtbar – die Lücke zwischen der deutschen Ost- und Westfront. Der Krieg in Europa näherte sich dem Ende.


Sie sind gesenkt und verdeutlichen damit das Ende der Kampfhandlungen, so ebenfalls die aufgestellten, von einem Kranz umgebenen Gewehre. Er erläuterte seine Arbeit mit den Worten: »Möge das Denkmal an die unbesiegbare Kraft der Völker erinnern, die sie
im Kampf gegen die Barbarei vereint hat.«
Die Tafeln im Unterbau mit der Übersetzung der russischen Inschrift ins Deutsche und Englische wurden nachträglich angebracht.
Die DDR errichtete gegenüber an der Elbstraße vor Schloss Hartenfels ein Gedenkrelief.
Auf den östlichen Elbwiesen am gegenüberliegenden Brückenkopf der damals gesprengten Brücke errichteten Veteranen ein weiteres Denkmal. Drei Fahnenmasten stehen an den Eckpunkten eines (gedachten) gleichschenkeligen Dreiecks. Eigentlich wehen an den drei Masten die Flaggen der Vereinigten Staaten von Nordamerika, der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation (also auch stellvertretend für Belarus und die Ukraine). Die russische Fahne ist seit dem Überfall auf die Ukraine am 24.02.2022 eingeholt. Denn die Gewehre sind nicht mehr gesenkt. Seit 2022 gibt es kein offizielles Gedenken mehr. Bei meinem Besuch fehlten alle Fahnen.
»SCHWUR VON TORGAU«
Beim »Schwur von Torgau«, gaben sich amerikanische und sowjetische Soldaten der Dienstränge das Versprechen, der Menschheit fortan Kriege zu ersparen. Dieser Schwur missfiel schon bald den Mächtigen. Einer der damals am Treffen teilnehmenden US-Soldaten, Dolmetscher Joseph ›Joe‹ Polowsky, setzte sich in der Zeit des 1. Kalten Krieges unermüdlich für die Anerkennung des 25. April als »Weltfriedenstag« ein. Gemäß seinem letzten Willen erhielt er 1983 die letzte Ruhestätte auf dem evangelischen Friedhof in Torgau.










