HA-LLE-LU-JA

Mit MESSIAS im HANGAR 4 des entwidmeten Flughafens Tempelhof eröffnete die Komische Oper
die Spielzeit 2024/ 25 (21.09.–06.10./ 13 Vorstellungen).

Dort, wo einst Flugzeugmotoren dröhnten, erklangen Engelschöre mit himmlischer Musik.

Zuvor ein paar Zahlen zu den technischen Gegebenheiten im Hangar 4 – nicht für Musikpuristen: 1.800 Zuschauer:innen finden Platz. Ausverkauft. Die Bühnenfläche misst 60x 20 Meter. 400 Mitwirkende. Die LED- Ellipse aus Teil 2 und 3 besteht aus zwölf 70-Kilo-
gramm-Teilen, die nur an sechs Hängepunkten gehalten werden.

Georg Friedrich Händel, MESSIAH, HWV 56. Oratorium in drei Teilen. Libretto von Charles Jennens. Nach Bibeltexten (1741/ 42).

»Why do the nations so furiously rage together, and why do the people imagine a vain thing?
The kings of the earth rise up, and the rulers take counsel together against the Lord, and against His anointed.«

Beim Halleluja stand niemand auf. Ob es an der steilen und (gefühlt) ›halsbrecherischen‹ Zuschauertribüne lag?

Georg Friedrich Händel (1685–1759) gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Barockmusik. Trotzdem wirkt die Musik
von Messiah zeitlos und zieht die Menschen bis heute in den Bann.

Das Oratorium besteht aus drei Teilen: 1. Verheißung und Geburt, 2. Passion, Auferstehung und Himmelfahrt, 3. Erlösungsbotschaft für die gesamte Menschheit.

Eigentlich ist Händels Oratorium Messiah eine Reflexion über die christliche Erlösungsidee. Doch Damiano Michielettos Inszenierung MESSIAS verlässt den religiösen Rahmen und erzählt eine ›menschlich, allzu menschliche‹ Geschichte. Im Mittelpunkt steht der Kampf der krebserkrankten Brittany Maynard, die im Angesicht des Todes um ihr selbstbestimmtes Leben bis zum selbst gewählten Ende kämpft. Nicht religiöse Auferstehung bestimmt Michielettos MESSIAS, sondern das Erleben von Freiheit auf einem persönlichen unabwendbaren Leidensweg. Stoff für bewegende Bilder und starke Chor-eografien.

Dramaturgie/ Einführung: Daniel Andrés Eberhard; Musikalische Leitung: George Petrou.

Abendbesetzung (22.09.): Sopran: Julia Grüter, Alt: Katarina Bradić, Tenor: Rupert Charlesworth, Bass: Tijl Faveyts, Die Frau: Anouk Elias.

Kurz vor Beginn des 2. Teils – Scheinwerfer an. »Worthy is the Lamb that was slain, and hath redeemed us to God by His blood, to receive power, and riches, and wisdom,/ and strength, and honour, and glory, and blessing./ Blessing and honour, glory and power, be unto Him that sitteth upon the throne, and unto the Lamb, for ever and ever./ Amen«//.

Schlussbild (Teil 3): Die Frau verbringt die letzten Augenblicke ihres Lebens im Kreis ihrer Familie. Eine Lorbeerpflanze beginnt nach und nach zu grünen und zu gedeihen, was der Familie neuen Halt gibt (»The trumpet shall sound«). Die Mutter spricht tröstende letzte Worte (»If god be for us«), woraufhin Die Frau friedlich stirbt. Am Ende schreitet Die Frau ins Licht, also in den Tod. Regen fällt. Aus der Lorbeerpflanze ist ein paradiesischer Garten geworden (»Worthy is the lamb. Amen«).

Halleluja. Amen.