Vor ein paar Tagen ging ich in den Zoo
die Sonne schien, mir war ums Herz so froh
vor einem Käfig sah ich Leute steh‘n
da ging ich hin, um mir das näher anzusehen
Nicht füttern stand auf einem großen Schild
und bitte auch nicht reizen, da sehr wild!
Erwachsene und Kinder schauten dumm
und nur ein Wärter schaute grimmig und sehr stumm
Ich fragte ihn, wie heißt denn dieses Tier?
Das ist die Freiheit, sagte er zu mir,
die gibt es jetzt so selten auf der Welt
drum wird sie hier für wenig Geld zur Schau gestellt
Ich schaute, und ich sagte, lieber Herr,
ich seh‘ ja nichts, der Käfig ist doch leer
das ist ja grade – sagte er – der Gag!
man sperrt sie ein, und augenblicklich ist sie weg!
Die Freiheit ist ein wundersames Tier
und manche Menschen haben Angst vor ihr
Doch hinter Gitterstäben geht sie ein
denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein.
GEORG DANZER (1946−2007; 1979)

Im Hier und Heute: Der Neoliberalismus ist eine Ideologie, die Freiheit verspricht, aber Elend und Unterwerfung bedeutet!
Am morgigen Freitag begeht Berlin den 35. Jahrestag des MAUERFALLS. Motto: »Haltet die Freiheit hoch! – Hold Freedom up High!« Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren (siehe Bild vom 06.11.). Weg zur Freiheit: Eine Open-Air-Installation und eine Ausstellung mit sieben Stationen lässt die Erinnerungen an die Nacht des 9. November 1989 aufleben. Ab 20:00 Uhr spielt die größte Band Berlins entlang der vier Kilometer langen Strecke den ›Soundtrack der Freiheit‹, so die Veranstalter in ihrer Ankündigung. Ich habe mich hier für die bemerkenswerten Liedtexte zweier österreichischer Künstler entschieden.
Nur für was du einstehst
und ned nur wo dabeistehst − zählt!
Erwart‘ dir nix vom Leben g‘schenkt,
erhoff‘ ned, dass a andrer für di denkt.
Die, die sag‘n, i wü mei Rua,
schlag‘n si selbst die Tür‘n zua;
jammern, dass nix weiter geht
und dass niemand sie versteht. −
Die Freiheit, die ma wü, muaß ma si nehmen,
die kriagt ma ned zu kaufen und ned g‘schenkt,
die Freiheit, nach der wir uns alle sehnen,
die hat nur der, der für si selber denkt.
Nur was di des Leben lehrt,
was ma in kana Schulklass‘ hört − des zählt!
Drum geh‘ dein Weg und halt‘ di grad,
wie ana, der nix zu verlieren hat.
Nur ned aufgeb’n, resignieren
Und nur des Fernsehen konsumier‘n,
so geht’s dir der Lebtag schlecht,
so bleibst du die Lebtag Knecht.
Die Freiheit, die ma wü, muaß ma si nehmen,
die kriagt ma ned zu kaufen und sogar ned g’schenkt,
die Freiheit, nach der wir uns alle sehnen,
die hat nur der, der für si selber denkt.
ja, die hat nur der, der für si selber denkt.
Uh, die Freiheit, die ma wü, muaß ma si nehmen,
die kriagt ma ned zu kaufen und sogar ned g’schenkt,
Oh, die Freiheit, nach der wir uns alle sehnen,
die hat nur der, der für si selber denkt.
ja, die hat nur der, der für si selber denkt.
die hat nur der, der für si selber denkt.
WOLFGANG AMBROS (*1952; 1989)









