DIE AUSNEHMENDEN

Neues aus der Welt der Reichen und Schönen (»Jeder ist seines Glückes Schmied«): Manche dieser Bezieher:innen leistungsloser Transferzahlungen laufen derzeit zur Höchstform auf. Denn Manche greifen gerne schon mal in die öffentlichen Kassen (Gier frisst Hirn), rufen dabei aber stets »Haltet den Dieb«. Hin und wieder kommt das raus. Trotz konsequenter Intransparenz.

Der mutmaßliche ›Porscheminister‹ Christian Lindner verhindert eine Fortsetzung des 9-EURO-TICKETS (»Ich bin für Tempo 300. Dann kommen wir schneller an. Frag mich nicht wo.«, Wolfgang Neuss). BTW: ›Sein‹ Tankrabatt kostete übrigens fast das Vierfache des ÖPNV-Angebots ›für den Pöbel‹. In der aktuellen Koalition wedelt der Schwanz mit dem Hund. Das erfreut die interessierten Kreise. Und wird in den privaten Qualitätsmedien sowie dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) wohlwollend begleitet. Berauscht von der neoliberalen Ideologie – und dem Champagner.
 
Tweet des Tages
@elhotzo
»Für jedes Kind, das wegen des 9-€-Tickets einen schönen Ausflug machen kann, verschwindet ein Bläschen aus dem Champagnerglas von Christian Lindner.«
Zitiert nach TAGESSPIEGEL/ Checkpoint, 09.08.2022
Das ›Deutsche Fernsehballett‹, 1962 gegründet, wurde 2021 weggespart. Zum Ausbruch des Ukraine-Krieges das deutsch-polnische Magazin »Kowalski & Schmidt«. Zugunsten von ›Schunkelsendungen‹ wie »Die 30 Schönsten …«, »Klassiker der …« – und Wiederholungen rauf und runter.

Lukrative Beraterverträge und Luxus auf Kosten von Beitragszahler:innen: Nach massiver Kritik ist PATRICIA SCHLESINGER als rbb-Intendantin zurückgetreten (07.08.2022). Während das rbb-Programm in die Beliebigkeit und seichte Unterhaltung gespart wurde (»Bloß nicht langweilen«), soll sich die Intendantin pro Jahr eine sechzehnprozentige Gehaltserhöhung ›gegönnt‹ haben. Und zusätzliche Boni-Zahlungen (für umgesetzte Sparziele). Geht doch! Man kennt sich von Charity. Zu vom ÖRR-Sender bezahlten Abendessen in Schlesingers Villa, kamen bekannte Gäste: Diplomat Wolfgang Ischinger, Publizist Michael Wolfssohn, Ex-Charité-Chef Max Einhäupl – und Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik.

Zitat des Tages

»Frau Dr. Slowik hat die Information darüber, dass die Kosten für ein Abendessen bei der Familie Schlesinger und Spörl dem RBB in Rechnung gestellt wurden, mit großem Erstaunen und Irritation am gestrigen Tag zur Kenntnis genommen. Es war für sie in keiner Weise ersichtlich, dass dieses Treffen einen beruflichen Hintergrund hatte. Frau Dr. Slowik und ihr Mann wurden von dem schon seit Längerem privat bekannten Ehepaar Schlesinger und Spörl zur ›Einweihung der neuen Wohnung mit Freunden‹ eingeladen. Auch die Gesprächsinhalte waren rein privater Natur.«
Berliner Polizeisprecher Thilo Cablitz über einen Besuch seiner Präsidentin Barbara Slowik.

»Die Freundschaften, die spontan zwischen hohen Funktionsträgern entstehen, kannte man in Bayern lange als ›Amigos‹.«
Marcel Luthe, der Ex-Abgeordnete des Abgeordnetenhauses (AGH) von Berlin und Wahl-Anfechter der Berliner Wahlen 2021, zum selben Thema.

Zitiert nach TAGESSPIEGEL/ Checkpoint, 09.08.2022

Neiddebatte! Verschwörungstheorie! Putins Propaganda! Extremistischer Ausbruch eines Wutbürgers …
 
Unsere Gesellschaft wurde nachhaltig entsolidarisiert (»Basta!«, 2005). Die ›Schnäppchenjäger:innen‹ geben den ›Sparfüchs:innen‹ gerne und huldvoll Spartipps (»Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch meine selbstgebackenen [?] Hartz-IV-Kekse essen«, Pfuschi von der Leyen, 2010). Oder sie pochen auf noch mehr Leistung. So forderte kürzlich der Sozialdemokrat (›Seeheimer‹) und Neu-Bankster Sigmar Gabriel für die kommenden zehn Jahre: »Darum müssen die Deutschen länger und härter arbeiten« (FOCUSonline nach Bild am Sonntag, 24.07.2022). Der bibelfeste SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering brachte es bereits 2006 auf den Punkt: »Wer arbeitet, soll etwas zu essen haben, wer nicht arbeitet, braucht nichts zu essen« (frei nach der Bibel aus 2Thess). Das Prekariat wächst wie gewünscht (»Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter.«, Helmut Kohl, 1982). Jetzt droht die Luft ›da Oben‹ dünner zu werden, und die Reichen und Schönen wollen sich gerne ›unterhaken‹. Putzig. Bei den AUSGENOMMENEN? 

»Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.«, Karl Valentin.

Wolf Biermann, 1974
Warte nicht auf bessre Zeiten

[…]

Wartest du auf bessre Zeiten
Wartest du mit deinem Mut
Gleich dem Tor, der Tag für Tag
An des Flusses Ufer wartet
Bis die Wasser abgeflossen
Die doch ewig fließen

Manche raufen sich die Haare
Manche seh ich haßerfüllt
Manche seh ich in das Wolltuch
Des Schweigens eingehüllt
Manche hör ich abends jammern
»Was bringt uns der nächste Tag
An was solln wir uns noch klammern
An was? An was? An was?«

Wartest du auf bessre Zeiten …

Manche hoffen, daß des Flusses
Wasser nicht mehr fließen kann
Doch im Frühjahr, wenn das Eis taut
Fängt es erst richtig an
Manche wollen diese Zeiten
wie den Winter überstehn
Doch wir müssen Schwierigkeiten
Bestehn! Bestehn! Bestehn!

Warte nicht auf bessre Zeiten
Warte nicht mit deinem Mut …

[…]

Wartet nicht auf bessre Zeiten
Wartet nicht mit Eurem Mut
Gleich dem Tor, der Tag für Tag
An des Flusses Ufer wartet
Bis die Wasser abgeflossen
die doch ewig fließen
die doch ewig fließen

Wolf Biermann, 1966
Die hab ich satt

[…]

3
Was haben wir denn an denen verlorn:
An diesen deutschen Professorn
Die wirklich manches besser wüßten
Wenn sie nicht täglich fressen müßten

Beamte! Feige! Fett und platt! – die hab ich satt!