SŁUBFURT

Mit dem Deutschlandticket nach Frankfurt nad Odrą  (18.05.). Die polnische Nachbarstadt Słubice war 1945 aus dem Frankfurter Stadtteil Dammvorstadt entstanden. Frankfurt (Oder) ist der wichtigste deutsche Eisenbahngrenzübergang nach Polen. Viele internationale Reisezüge fahren über diese Bahnstrecke Frankfurt (Oder)–Posnań nach Posen und weiter in Richtung Warschau, Kiew und Moskau, darunter der Berlin-Warszawa-Express. Die Regionalbahn-Verbindung (RB 91) nach Zielona Góra nutzt bis Rzepin denselben Streckenabschnitt.

Der Hahn war bereits in den Stadtwappen der Städte Frankfurt und Słubice vorhanden. Er gilt als verbindendes Symbol
der Doppelstadt.
Das »KINO PIAST« wurde 1925 als »Film-Palast Friedrichstraße« eröffnet. Das Kinogebäude in der heutigen ul. Jedności Robotniczej 10 wurde 2005 geschlossen. Inzwischen ist nur noch der vordere Bereich des Kinos vorhanden; der komplette hintere Bereich (Kinosaal und Verwaltung) sind abgerissen.
PIEROGI gehören zu Polen. Deshalb hatte ich für 20 Złoty (etwa 4,40 Euro) einen Teller mit drei Pierogi z mięsem (mit Fleisch, links) und drei Pierogi z kapustą i z grzybami (mit Sauerkraut und Pilzen, rechts) bestellt. Smacznego! Sehr lecker.
Der 1976 fertig gestellte 89 Meter hohe ODERTURM. 
Turm der ehemaligen St.-Marien-Kirche. Sie war die Hauptpfarrkirche der Hansestadt Frankfurt. Durch Kriegseinwirkung war sie 1945 nur noch eine Ruine. 
›Himmelfahrt‹ ist in Polen kein Feiertag. Die Geschäfte waren dort geöffnet. An diesem ›Herrentag‹ fuhren auch trinkfreudige Männergruppen mit im Zug. 

In zehn Tagen ist Pfingsten. Der ›Heilige Geist‹ erscheint schon länger nicht mehr, um die Menschen zu beseelen; er hat sich wohl verkrümelt.

Nachschlag DEUTSCHLANDTICKET: Inhaber des Deutschlandtickets dürfen, anders als die Besitzer einer Monatskarte, bei
den üblichen Zugverspätungen von 20 MIN und mehr sowie bei Zugausfällen nicht auf einen höherwertigen Zug wie IC oder ICE umsteigen. Der Bundesrat stimmte am Freitag dem entsprechenden Entwurf des Bundesverkehrsministeriums zu (12.05.).
Auch eine Erhöhung der Entschädigungssummen für Verspätungen lehnte die Länderkammer ab. Passt dazu: kürzlich dachte der Bundesverkehrsminister laut darüber nach, Autokäufern das Deutschlandticket zu schenken. Auf den ›Autoerotiker‹ Wissing (FDP) ist Verlass!

TÜRKISSCHIMMERND

Fahrt ins polnische ŁAGÓW (Lagow) in der Województwo lubuskie (Woiwodschaft Lebus). Ein Sonderzug der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) fuhr aus Berlin in einer etwa dreistündigen Fahrt zur »PERLE des Lebuser Landes«, wie Łagów auch genannt wird. Bahnhof und eingleisige Nebenstrecke werden nur noch temporär für touristische Sonderzüge genutzt. WIADUKT kolejowy w Łagowie: 25 Meter hoch, 40 Meter lang. Das Viadukt gehört zur 2015 eingestellten Bahnstrecke von Toporów nach Międzyrzecz (Bahnlinie Topper–Meseritz).


In Łagów lockt die JOHANNITERBURG (Zamek joannitów w Łagowie). Die Burg entstand nach dem Jahre 1351. Lagow gehörte
zu dieser Zeit dem evangelischen Johanniterorden, der 1810 aufgehoben wurde. Sie befindet sich auf einer Halbinsel zwischen
dem TÜRKISSCHIMMERNDEN Tschetschsee (Ciecz) und dem Lagower See (Jezioro Łagowskie). Der TSCHETSCHSEE ist der größere
der beiden malerischen Waldseen, an denen der Ort liegt. Er ist im Schnitt 19,3 tief und damit einer der tiefsten Seen Polens. Die Umrundung hat eine Gesamtlänge von 13 km. Der Lagower See entstand durch eine künstliche Teilung vom nördlich gelegenen Tschetschsee. Dessen Umrundung hat eine Gesamtlänge von 8,6 km.

Derzeit wird die Burg als Hotel und Restaurant genutzt. An gleicher Stelle befand sich im 11. und 12. Jahrhundert eine SLAWISCHE BURG. 1251 kam das Gebiet unter die Herrschaft deutscher Ritterorden. Bis 1945 war der Ort deutsch. Das bis heute von der Gemeinde geführte Wappen erinnert an die jahrhundertlange Präsenz der Johanniter in Lagow. Am Fuß der Veste entstand eine zugehörige Siedlung für Handwerker und Dienstleute. Teil der Verteidigungsanlage der Burg mit dem Burgturm waren das ›Polnische Tor (Brama Polska) und das ›Märkische Tor‹ (Brama Marchijska). Die KIRCHE ›St. Johannes der Täufer (Kościół św. Jana Chrzciciela
w Łagowie)‹ ist seit Oktober 1945 katholisch.

Die deutsche Festungs- und Verteidigungsanlage »Burschener Schleife« aus den späten 1930er-Jahren (›OSTWALL‹: 12 km lang,
30 Meter tiefe Bunker und Tunnelanlagen) verläuft 13,5 km östlich der Stadt.

EUROPABRÜCKE?

Zweiter Ausflug dieses 2. Corona-Jahres in die alte Kulturlandschaft östlich der ODER (11.08.). Über die NEUMARK ging es in die Woiwodschaft Westpommern (województwo POMORZE ZACHODNIE): Hohenwutzen, Siekierki (Zäckerick), Stare Łysogórki (Alt Lietzegöricke). Die polnischen Ortschaften haben sich in die Militärgeschichte eingeschrieben. Bei SIEKIERKI setzte 1945 die
1. Polnische Armee als Teil der Roten Armee unter Marschall Georgi Konstantinowitsch Schukow über die Oder. Dort liegt auch ein Soldatenfriedhof der polnischen ›Berlin-Kämpfer‹ (Cmentarz Żołnierzy 1 Armii Wojska Polskiego) und die ›EUROPABRÜCKE‹.

Die EUROPABRÜCKE zwischen SIEKIERKI und Neurüdnitz ist die längste Brücke an der Oder. Auf deutscher Seite sind es sieben einzelne Stahlbrücken, auf polnischer neun. Dazwischen ist eine Insel in der Oder. Früher fuhr hier ein Zug der Oderbruchbahn von Wriezen nach Stargard (heute Szczeciński). Die Brücke wurde am 15.03.1945 von der Wehrmacht zerstört. Nach dem Krieg wurde sie aus strategischen Gründen wiederaufgebaut (Sowjetische Westgruppe) und vom 28. Juni 1957 bis 2. Februar 1982 für Güterzüge genutzt. Die etwa 800 Meter lange Brücke sollte saniert werden und statt der Schienen einen Radweg erhalten. Lange fehlte das Geld. Vor zwei Jahren begannen dann tatsächlich die Polen mit dem Bau. Doch die gemeinsame Eröffnung Ende Juni 2021 platzte.
An der deutschen Grenze ist Schluss.

Der Soldatenfriedhof der Ersten Polnischen Armee wurde in Stare Łysogórki (Gemeinde Mieszkowice) kurz nach dem Zweiten Weltkrieg angelegt. Hier ruhen fast 2.000 Soldaten, die bei der Überquerung der Oder und in den Kämpfen um Berlin ihr Leben verloren. Da liegen sie in Reih’ und Glied, die Jahrgänge 1919 bis 1925. Die Jugend Europas! Bemerkenswert der einzige (?) Grabstein mit Foto. Auf 322 Grabsteinen steht »Nieznany«/ Unbekannt. Ganz in der Nähe des Soldatenfriedhofs befindet sich das Museum der 1. Polnischen Armee. Vor dem Museum steht das größte Exponat – ein Panzer, der den 1.290 km langen ›Kampfweg‹ aus Shitomir, durch Warszawa, Kołobrzeg, Gozdowice bis zur Elbe zurücklegte.