RUNDE SACHE

Vor 150 Jahren wurde die Berliner RINGBAHN in Betrieb genommen. Die Ringbahn verbindet – die Ortsteile sowie die Verkehrslinien Berlins! BERLINVERSTEHER: Eine Runde Ringbahn-Fahren bedeutet, Berlin kennenzulernen und zu verstehen. Unter den Liebespaaren der Metropole ist die RINGBAHN als „Knutschtour“ bekannt. Auf einer Strecke ohne Ende. Eine Runde – eine Stunde. In 60 Minuten von OSTKREUZ bis Ostkreuz; in 15-Minuten-Abschnitten via SÜDKREUZ, WESTKREUZ, GESUNDBRUNNEN (Nordkreuz). Und geteilt von der STADTBAHN.

Im vorletzten Jahrhundert, genauer gesagt am 17. Juli 1871, war es soweit! Der erste zweigleisige Abschnitt der Berliner Ringbahn ging nach vier Jahren Bauzeit zwischen Moabit und Schöneberg in Betrieb. 1877 war der Bau beendet und der Ring geschlossen. Wenn auch noch nicht unter diesem Namen, sondern als „Verbindungsbahn“ und natürlich mit weit weniger Stationen als den heutigen. Zunächst verkehrte auch nur der Güterverkehr (Schlachtvieh- und Militärtransporte) bis dann ein Jahr später der Personenverkehr folgte. Ab dem 1. Mai 1903 fuhren die dampfbetriebenen Personenzüge erstmals volle Ringrunden und benötigten dafür 125 Minuten. Ab dem 15. Mai 1929 fuhren nur noch strombetriebene Züge auf dem Ring und brauchten für eine Runde
78 Minuten.

Seit dem Mauerbau am 13. August 1961 war die Ringbahn durch die innerdeutsche Grenze zwischen Berlin und der DDR unterbrochen. Dann am 15. Juni 2002 der „Wedding Day“: Ringschluss nach 41 Jahren unterbrochener Strecke. Seitdem drehen dort die Linien S41/ S42 unermüdlich ihre Runden: 27 Bahnhöfe, 37 Kilometer, 500.000 Fahrgäste (zumindest vor DER SEUCHE),
1.000 Zugfahrten am Tag – ohne dass jemandem schwindlig wird.

Touristisches Highlight auf dem Abstellgleis

So ist die missliche Lage bei der beliebten PANORAMA-S-Bahn, die sich das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn 1999 zum 75-jährigen Bestehen schenkte. Richtig berühmt wurde das auf einem Zug aus den 1940er-Jahren basierende dreiteilige Unikat mit den drehbaren roten Plüschsesseln im Salonwagen und den kuppelartig bis ins Dach gezogenen Großformatfenstern, als Queen Elizabeth II. 2004 eine Sightseeing-Tour damit unternahm. „Fahren wie die Queen“, lautete der Slogan fortan. Als 2009 die Berliner S-Bahn an den Rand des Zusammenbruchs geriet, wurde der „ocker-rote Rolls Royce“ zunächst vorläufig ausrangiert. Gekillt von Nieten im Nadelstreifen. Er steht heute nicht betriebsbereit im BW ERKNER.