Als fulminanten Abschluss seiner zehnjährigen Intendanz an der Komischen Oper präsentierte Barrie Kosky seine rauschende Revue »All-Singing, All-Dancing Yiddish Revue«. Ein Party-Abend. ›Nur‹ 12 – aber stets ausverkaufte – Vorstellungen gab es! Trotz des Riesenerfolgs.
Ein Rausch in 1950er- und 1960er-Jahre-Kostümen von knallig bis Plüsch, ein Rausch des Tanzes, des Humors, der Mixtur aus Jazz und Volksliedern, aus Rumba und Samba und eine leichte Melancholie überwältigten das Publikum. Sinatras »My way« auf Jiddisch (Mayn weg), »Bei mir biste schön« (Bay mir bistu sheyn), »Raindrops keep fallin‘ on my head« (Tropns fun regn oyf mayn kop), alles jiddisch, alles authentisch. Dargeboten u. a. von ›The Barrie Kosky Sisters‹, ›The Freylakh Tripletts‹, ›Claire and Merna Epelbaum‹,
›The Bagelman Sisters‹.

Die funkelnde jüdische Revue geht zurück auf Kreativität und Lebenslust im »BORSCHT BELT«, jüdischen Feriensiedlungen nördlich von New York. In den 1950er- und 1960er-Jahren galt die Region als »Las Vegas der Ostküste«. Die Show dieser üppigen, witzigen, tiefsinnigen, melancholischen und internationalen jüdischen Kultur ist weitergegangen – nur woanders: in den CATSKILLS Mountains im Staat New York. In jenen Hotels, in denen Woody Allen und Bette Midler, Sammy Davis Jr. und Barbara Streisand ihre Karrieren starteten. Und wo Jiddisch nicht nur Alltagssprache, sondern auch das Idiom der Songs und Chansons, der Couplets und der Schlager gewesen war.
JIDDISCH, die alte Sprache mittel- und osteuropäischer Juden, spielt auch als Folge des Holocaust heute im Alltag Europas kaum noch eine Rolle. Kosky gab ihr mit seiner Revue eine Bühne. Wer sich nicht rasch einhörte, blickte schon mal auf die Untertitelung.
Barrie Kosky: »Diese Revue ist ein Versuch zu sagen: Die Nazis haben nicht gewonnen, Hitler hat nicht gewonnen«. ›Hitler‹ hat nicht gesiegt! Die kulturellen Verwüstungen, die der Nationalsozialismus in Deutschland anrichtete (KEIN LAND DES LÄCHELNS), konnten keine vollendeten Tatsachen schaffen. Barrie Kosky ist es zu verdanken, dass die Operette wieder vom ›braunen Schleier‹ befreit wurde. Was damit gemeint ist? Die Nazis machten diese Kunstform zur unverbindlichen und gänzlich schmerzlosen, zur seichten Unterhaltung. Dabei war die Operette in der Weimarer Zeit frech, satirisch, hoch aktuell, und zwar in allererster Linie wegen der jüdischen Textdichter:innen und Komponist:innen.

›Auftrieb‹ der BIGWIGS: der Regierende Bürgermeister a. D., Klaus Wowereit, würdigte vor Aufführungsbeginn Barrie Kosky (unten, Mitte).

2. von rechts).

A bisl zin, a bisl reygn, a ruyik ort, dem kop tsin leygn, abi gezint, ken men gliklekh zayn. A shikh, a zok, a kleyd (on lates), in keshene a dray, fir zlotes, abi gezint, ken men gliklekh zayn.