DEUTSCHLANDTICKET

Juhu, ich habe ES. Ging ganz unkomliziert und schnell über das Kundenkonto auf der BVG-Site: Tarifwechsel. Natürlich als Chipkarte bestellt wg. Funklöchern und Stromausfall. Das Deutschlandticket ist zunächst auf zwei Jahre befristet.

NACHSCHLAG

Kein Scherz: Zum 1. April erhöhten zahlreiche Nahverkehrsunternehmen ihre Tarife. Auch die Erhöhung des 49-Euro-Tickets ist schon angelegt. Kontraproduktiv. Ein Ticket, ein einheitlicher Tarif – so lautete das Versprechen! Auch nicht zutreffend. Das 49-Euro-Ticket ermöglicht bundesweite Fahrten in ALLEN Bussen und Bahnen des öffentlichen Nah- und Regionalverkehrs. Deutschlandweit sind jedoch neun Regional-Express-Linien von der Nutzung des Tickets ausgeschlossen. In der Region Berlin-Brandenburg betrifft das die Regiostrecken Potsdam–Berlin–Cottbus (RE 56), Elsterwerda–Berlin (RE 17) und Berlin–Eberswalde–Prenzlau (RE 28). Auf diesen Linien müssen Reisende weiter die alten Tarife zahlen. Diese Züge werden nicht vom Unternehmen »DB Regio«betrieben, sondern von der »DB Fernverkehr«. Die Züge sind Intercitys, werden aber auf den genannten Abschnitten als Nahverkehrs-
verbindungen eingesetzt. Der Grund: Eine Intercity-Linie auf diesen Strecken lässt sich nicht wirtschaftlich betreiben. Weil die Bundesländer die Linien dennoch erhalten wollen, geben sie der Bahn eine zweckgebundene Finanzhilfe. Dafür müssen die Züge normalerweise auch Fahrgäste mit Nahverkehrs-Tickets mitnehmen. Das Deutschlandticket gilt dort aber – Stand jetzt – nicht.

Für die Nutzer des Deutschlandtickets ist das für Brandenburg aber nur eine kleine Einschränkung. Auf denselben Strecken fahren auch DB-Regio-Züge – in der Regel können Reisende also an derselben Station einen späteren Zug nehmen. Zwischen Berlin und Elsterwerda ist das der RE8. Die Linien RE1 und RE2 verkehren zwischen Potsdam und Cottbus beziehungsweise zwischen Nauen und Cottbus. Nach Prenzlau können Reisende auch mit dem RE3 fahren.

Bis zum 1. Mai könnte sich diese Sachlage aber noch ändern: Es laufen derzeit Gespräche mit dem Träger (VBB) zur Anerkennung
der obengenannten »Fernzüge«. Auch Intercity-Express (ICE), Eurocity-Express (ECE), Intercity (IC), Eurocity (EC), Railjet (RJ) sowie Flixtrain und Flixbus können mit dem Deutschlandticket nicht benutzt werden. Es gibt noch viel zu tun!

LEUCHTTÜRME

Seit mehr als 50 Jahren schwadronieren deutsche Politiker davon, den Verkehrsanteil der Schiene zu erhöhen. Das Gegenteil passiert aber. Tausende Bahnkilometer wurden inzwischen stillgelegt; die Taktung im ÖPNV stetig verschlechtert. Der Warentransport erfolgt fast ausschließlich über Lkw, die die Straßen verstopfen. Dagegen hätten die vergangenen 20 Jahre sinnvoll für eine Verkehrswende genutzt werden können.

ES GEHT AUCH ANDERS! Vorbildlich für den Nahverkehr im ländlichen Raum ist das »Karlsruher Modell« in der Region Karlsruhe. Dort wurde 1992 erstmals eine Zweisystem-Stadtbahn mit Tram-Train-Fahrzeugen eingeführt, um umsteigefreie und damit attraktive Stadt-Umland-Verbindungen zu schaffen. Umsteigefrei von Stadtzentrum zu Stadtzentrum. Der heutige Zweisystembetrieb findet sowohl auf eigenen Verbindungen, als auch auf DB-Strecken im Mischverkehr mit anderem Eisenbahnverkehr statt. Der große Erfolg dieses Angebotes – die Fahrgastzahlen erhöhten sich innerhalb weniger Wochen auf
das Fünffache – führte zu einem zügigen Ausbau des Zweisystem-Stadtbahnnetzes im Karlsruher Umland. So sind die Südpfalz, der Nordschwarzwald sowie die Heilbronner Innenstadt attraktiv verbunden. Das Karlsruher Netz umfasst heute mehr als 500 Kilometer Streckenlänge. Mit der Gründung des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) konnte 1994 ein einheitliches Tarifsystem eingerichtet werden. Ebenfalls eine Erfolgsgeschichte: Die S-Bahn Rhein-Neckar zählt seit ihrer Betriebsaufnahme im Dezember 2003 
bundesweit zu den erfolgreichsten Nahverkehrsprojekten. Jetzt muss die Fahrzeugbeschaffung deutschlandweit standardisiert und vereinheitlicht werden. Und braucht jede Verkehrgesellschaft eine Direktor:in? Und braucht es so viele Verkehrsgesellschaften?

Ein Gedanke zu “DEUTSCHLANDTICKET

  1. Ich werde auch auf das Deutschland Ticket umschwenken. Franziska hat zwar im Wahlkampf die Fortsetzung des 29€ Tickets beschworen, aber die Brandenburger haben ja schon beizeiten abgewinkt. Der VBB wird also sowieso nicht mitspielen. Und inzwischen sind erschröckliche Summen in Umlauf, wie das den Berliner Haushalt wieder belasten würde … Sie kommt also gewiss nicht die Fortsetzung und der Osterhase wirds auch nicht ins Nest legen.

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