Darf man von ›Aufstand‹ reden, wenn Menschen ihren ganzen Mut aufbringen, um ›mit WÜRDE‹ zu sterben?
Vier Wochen nach Beginn des deutschen Überfalls auf Polen marschierten am 28. September 1939 Truppen der Wehrmacht
in Warschau ein. Eine mehr als fünfjährige grausame Besatzungszeit brach für die Bevölkerung an.
HELDEN DES GHETTOS
Nach der Besetzung Warschaus durch die deutsche Wehrmacht wurden ab November 1940 die Juden der Stadt und der Umgebung im WARSCHAUER GHETTO (Stadtteil MURANOW) eingesperrt. Die jüdische Bevölkerung musste eine 18 Kilometer lange und drei Meter hohe Mauer errichten, die das Warschauer Ghetto vom Rest der Stadt abriegelte. Die eingesperrten Juden wurden sich selbst überlassen. Die Zahl der Menschen, die im Ghetto lebten, erhöhte sich in der Spitze auf weit mehr als 400.000. In den beengten Lebensumständen auf einer Fläche von vier Quadratkilometern waren Hunger, Epidemien und Seuchen an der Tagesordnung. 1941 wurde für Juden die ›Ghettopflicht‹ eingeführt und das Verlassen des Ghettos sowie jegliche Hilfe für die jüdischen Warschauer unter Todesstrafe gestellt.
Ab dem 22. Juli 1942 wurde das Jüdische Ghetto nach und nach ›aufgelöst‹. Die meisten Bewohner wurden ab diesem Zeitpunkt
vom UMSCHLAGPLATZ in eines der Konzentrationslager gebracht, die meisten von ihnen ins Vernichtungslager TREBLINKA.
Dort wurden sie umgehend nach ihrer Ankunft getötet. An einem Tag wurden 10.000 bis 17.000 Menschen grausam ermordet
Am 18. April 1943 kam es zur Erhebung im Warschauer Ghetto. Das Ghetto wurde dabei in den Folgewochen von Flammenwerfer-Einheiten (rekrutiert aus deutschen Feuerwehren) niedergebrannt. Die Ruinen gesprengt. Die restlichen Kämpfer:innen getötet. Am 18. Mai 1943 existierte mit der Sprengung der ›Großen Synagoge‹ das Warschauer Ghetto nicht mehr. Es war dem Erdboden gleich gemacht worden. Die jüdische Geschichte Warschaus war ausgelöscht.
Bereits 1948, also fünf Jahre nach Ausbruch des Ghettoaufstandes wurde das »Denkmal der Ghettohelden (Pomnik Bohaterów Getta)« enthüllt. Hier fand auch der Kniefall von Willy Brandt statt. Das Denkmal zum Kniefall steht in der Nähe. Später wurde direkt vor dem »Denkmal der Ghettohelden« das Museum der Geschichte der polnischen Juden gebaut.


WARSCHAU KÄMPFT ERNEUT
Der WARSCHAUER AUFSTAND begann am 1. August 1944. Er war die größte Erhebung gegen die Okkupanten im besetzten Europa während des Zweiten Weltkrieges. Fast die gesamte verbliebene Stadtbevölkerung beteiligte sich an den Kämpfen, deren Ziel die Befreiung und ein von Nazideutschland und der Sowjetunion unabhängiges Polen sein sollte. Getragen wurde der Kampf von der POLNISCHEN HEIMATARMEE.
»Jeder Bewohner ist zu töten, es ist verboten, Gefangene zu machen. Warschau soll dem Erdboden gleichgemacht werden, um auf diese Weise ein abschreckendes Beispiel für ganz Europa zu statuieren.«, ›FÜHRERBEFEHL‹ vom 1. August 1944 an die Kommandeure.
Besonders brutal taten sich in den ersten Tagen des Aufstandes die aus verschiedenen SS- und Polizeieinheiten eilig zusammengestellte »Kampfgruppe Reinefarth« und die »Sturmbrigade Dirlewanger« hervor. Insgesamt wurden zwischen dem 1. und 5. August in den Stadtteilen Ochota und Wola bis zu 50.000 Zivilisten Opfer der Mordaktionen. Im Warschauer Aufstand kamen rund 180.000 Einwohner ums Leben. Als Repressalie wurde die Mehrzahl der noch vorhandenen Gebäude auf dem linken Weichselufer von den deutschen Truppen planmäßig gesprengt. Warschau war danach eine Schutthalde. Und fast menschenleer.
Denn die überlebende Bevölkerung wurde in Konzentrationslager deportiert.
EINE DEUTSCHE KARRIERE
HEINRICH REINEFAHRT (1903–1979) war ein hochdekorierter deutscher Militär. Reinefarth war für die Niederschlagung des Warschauer Aufstandes verantwortlich, bei der allein im Warschauer Stadtteil WOLA etwa 30.000 Zivilisten auf seinen Befehl von den deutschen Truppen getötet wurden.
Für seine Taten wurde Reinefarth nie belangt. Im Gegenteil. Es gelang dem Massenmörder, in der Nachkriegszeit eine politische Karriere einzuschlagen. Er wurde als ABGEORDNETER in den Schleswig-Holsteinischen Landtag gewählt. In der Zeit von 1951–1963 war er BÜRGERMEISTER VON WESTERLAND auf Sylt. Danach ließ er sich als Rechtsanwalt nieder. »Der Schlächter von Warschau« war Vorsitzender der Ortsgruppen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), der Deutschen Lebens-
rettungsgesellschaft (DLRG) und gründete den Lions Club auf Sylt. Bis zu seinem Tod lebte er ein sorgenfreies Leben. »SEIN ERFOLGREICHES WIRKEN FÜR DIE STADT WESTERLAND WIRD UNVERGESSEN BLEIBEN!« Nachruf der Stadt Westerland auf Heinz Reinefahrth nach seinem Tod 1979. Die heutige Gemeinde Sylt stellt sich inzwischen der Vergangenheit ihres ehemaligen Bürgermeisters.




finder waren damals als Melder (Pfadfinderpost) und Sanitätshelfer eingesetzt.
Das Denkmal wurde am 1. Oktober 1983 enthüllt. Die etwa 150 Zentimeter hohe Skulptur hat mich verstört. Ein Kind in viel zu großen Militärstiefeln, mit einem viel zu großen Stahlhelm auf dem kleinen Kopf, in den Händen eine Maschinenpistole. Das Denkmal entstand nach dem Muster einer kleinen Gipsstatuette, die der spätere Bildhauer Jerzy Jarnuszkiewicz (1919–2005) kurz nach dem Zweiten Weltkrieg angefertigt hatte. Von ihr erfolgte 1983 ein Abguss, der die Grundlage für die Gießung des Denkmals bildete. Vor seinem Tod hatte Jarnuszkiewicz geäußert, dass er das Denkmal in dieser Form nicht hätte aufstellen lassen.
Hinter der Skulptur ist eine Tafel angebracht, die das bekannteste Lied aus der Zeit des Aufstandes zitiert: »Warschauer Kinder zieh’n wir in den Kampf, für jeden deiner Steine, oh Hauptstadt, geben wir unser Blut.«
Ein bedrückender Einblick in die Geschichte des Warschauer Ghettos und des Warschauer Aufstandes. Die Vita von Heinrich Reinefahrt war mir nicht bekannt. Gründer des Sylter Lions Clubs…. das spricht Bände….
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Der Angriffskrieg des Kreml ist ein Verbrechen.
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Im Post geht es um den Ghetto- und Warschauer Aufstand gegen die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg. Was bitte hat das mit dem aktuellen russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu tun? Davon ist hier keine Rede!
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Richtig, Sie sagen es
Der Angriffskrieg des Kreml ist ein Verbrechen.
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