4 K

Frauen stellen etwa die Hälfte der Weltbevölkerung. Heute begeht Berlin als erstes Bundesland den Internationalen FRAUENTAG mit einem gesetzlichen Feiertag. 2019 wurde er in der Metropole eingeführt. Damals herrschte noch großer Optimismus, die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern endlich vollenden zu können; die Verfassungsform endlich zur Verfassungs-
wirklichkeit werden zu lassen. Aber weltweit erstarken die Kräfte, die die Gesellschaften wieder in die alten Muster zwingen wollen. Das Patriarchat schlägt zurück! Religiöse, Konservative und Völkische rufen zum Kampf gegen sexuelle Selbstbestimmung, »Genderwahn« und »Wokeness« auf. Frauen sollen wieder in die 4 K ›eingehegt‹ werden: KINDER, KÜCHE, KIRCHE, … & KONSUM.

Warum also dieser Berliner Feiertag?

Ehegattensplitting, Femizide, Frauenhäuser, Gender-Pay-Cap, »Lebensleistungsrente«/ Armutsrente, prekäre Beschäftigung/ Ausbeutung.

FEMIZIDE: Jeden dritten Tag wird eine Frau in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet (Quelle: Christina Clemm, Gegen Frauenhass, 2023). Das wird verniedlichend als »Familiendrama« bezeichnet und schulterzuckend hingenommen, als wäre es quasi naturgegeben, nicht veränderbar. Frauenhass wird bagatellisiert. In der Gesellschaft besteht eine große Normalisierung von Gewalt gegen Frauen. Christina Clemm: »Der gefährlichste Ort für Frauen ist immer noch ihr eigenes Zuhause. Frauen sind von Gewalt betroffen, aber eigentlich sprechen wir hier von einem Männerproblem. Wir könnten uns alle Prävention und Frauenhäuser sparen, wenn Männer aufhören würden, gewalttätig zu sein«. 2022 wurden weltweit so viele Frauen ermordet wie seit 20 Jahren nicht. Mehr als die Hälfte der 89.000 global erfassten Tötungen wurden von Familienmitgliedern oder Partnern der Frauen und Mädchen begangen. Die tatsächliche Zahl dürfte aber noch höher liegen (Quelle: UN).

GEBÄRMASCHINEN: Wladimir Putin forderte Russlands Frauen auf, bis zu acht Kinder zu bekommen. Der russische Präsident erzählte dabei von der Generation der Großmütter und Urgroßmütter. Diese hätten sieben, acht oder mehr Kinder gehabt. »Lassen Sie uns diese hervorragenden Traditionen bewahren und wiederbeleben«, zitiert Business Insider aus Putins Rede. Große Familien müssten die Norm werden, so die Forderung des Kreml-Herrschers, denn: Die Familie sei nicht nur das Fundament des Staates und der Gesellschaft, sie sei auch ein »geistiges Phänomen, eine Quelle der Moral« (Quelle: Frankfurter Rundschau, 02.12.2023).

MUTTERSCHAFT: »Liebe Frauen seid Frauen. Und zur Weiblichkeit gehört die Mutterschaft dazu.« (Quelle: Maximilian Krah, Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl, Video)

LÄUFT/ FLOW. Die sehenswerte Ausstellung zur Menstruation am Museum Europäischer Kulturen (MEK; bis 06.10.2024).

Nachtrag (am 04.04.): Filmtipp: »Morgen ist auch noch ein Tag« (C’è ancora domani). Ab 04.04. im Kino.

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