Bereichernd: STRADOM & KAZIMIERZ

Es begann im Jahre 1335 mit dem Befehl des polnischen Königs Kasimir des Großen: Neben Krakau sei eine neue Stadt zu gründen, die seinen Namen tragen solle – einer Legende nach als Geschenk an seine jüdische Geliebte. KAZIMIERZ entstand. Kazimierz war bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eines der größten jüdischen Zentren Europas. 1939 waren 68.482 Menschen jüdischen Glaubens in Krakau registriert. Nach der Shoah 140. Heute leben etwa 300 Menschen mosaischen Glaubens in der Stadt. Das gegenwärtige Kazimierz zählt neben dem Ghetto in Venedig zu den am besten erhaltenen jüdischen Stadtteilen Europas. Die ehemalige Vorstadt STRADOM und Kazimierz bilden einen Teil des polnischen Geschichtsdenkmals (Pomnik historii) und gehören zum historischen Stadtkomplex (historyczny zespół miasta) Krakaus. Beide Stadtteile sind heute ein quirliges Ausgeh- und Szeneviertel.

Am Wiederaufstieg Kazimierzs war Hollywood nicht ganz unschuldig. »Schindlers Liste« (1993, 7 Oscars), der Erfolgsfilm über
den deutsch-mährischen Fabrikanten OSKAR SCHINDLER (1908–1974), der in der Zeit des Holocaust etwa 1.200 jüdische Zwangsarbeiter vor den Todeslagern rettete, wurde zu großen Teilen an Originalschauplätzen in Krakau gedreht – vor allem auch
in Kazimierz. Touristen und Einheimische entdeckten das heruntergekommene Viertel und seine jüdische Geschichte wieder. Filmtouren führen heute durch Kazimierz und zur tatsächlichen Fabrik von Oskar Schindler im gegenüberliegenden Viertel Podgórze am anderen Weichselufer.

In der berühmten Ulica Szeroka, wo drei der sieben Synagogen des Viertels stehen, schlägt auch das kulinarische Herz von Kazimierz. Jüdische (Żydowska kuchnia) und Polnische Küche (Polska kuchnia) habe ich im Restauracja »AWIW« genossen. Im Haus des heutigen Awiw lebte 18 Jahre lang Helena Rubinstein. Ich aß dort am Schabbes. In den meisten Lokalen spielten an diesem Tag Live Bands Galizische Musik.

Der Nahostkrieg wühlt auch Menschen in Polen auf. Ich entdeckte ein Intifada-Camp auf einem Universitätsgelände. Aber keine Sticker. Auch an Hauswänden entdeckte ich keine Parolen. Keine Panzerwagen, keine Absperrungen, keine bewaffneten Polizeiposten vor jüdischen Einrichtungen, wie in Deutschland erforderlich. Manche Menschen zeigen offen ihren jüdischen Glauben. Das ist in Deutschland nicht mehr möglich.

Die im 19. Jahrhundert im maurischen Stil erbaute Tempel-Synagoge ist noch immer das schönste Gebetshaus von Kazimierz. 

Ein Gedanke zu “Bereichernd: STRADOM & KAZIMIERZ

  1. Eine Halskette mit Davidstern? Ein T-Shirt mit Geiselbildern? Keine Kippa mehr. Nicht mehr zeigbar. Grundgesetz? Wo bist Du?

    HEIDELBERG: „Am frühen Montagabend ist ein Touristen-Paar am Neckarmünzplatz in der Altstadt von zwei Männern angegriffen worden. Die Frau trug ein T-Shirt, das mit der Botschaft „Bring them home now“ und einem Davidstern bedruckt war. Die Tat, die von einer Zeugin teilweise gefilmt wurde, ereignete sich nahe dem Kiosk links im Bild.“ (Foto: Philipp Rothe, RNZ, 02.09.24). GEWALT! HASS!

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