WAL-ABGESANG

Sprengt den Wal!
Macht ihn zu Mett!
Das Recht zu böllern, nimmt uns keiner weg!
Den ganzen Tag faulenzt nur, wo ist bitte die Zündschnur?
Das gehört zu unsrer deutschen Leitkultur!

(Mit einem satirischen Lied über den Buckelwal in der Ostsee sorgte die Berliner Rockband TULPE für Aufsehen in den sozialen Medien).


Der deutsche Buckelwal-Wahn hat ein Ende gefunden. Vor knapp zwei Monaten tauchten die ersten Medienberichte von einem an der deutschen Ostseeküste entlang irrenden Großwal auf. Am 23. März strandete er erstmals auf einer Sandbank vor dem Ort Timmendorfer Strand. Fachleute waren sich einig: Es ist ein junger Buckelwal-Bulle. Das Tier wurde vermenschlicht und erhielt den Namen »TIMMY«, benannt nach dem Ort, an dem er gestrandet war. Seit diesem Tag konnte man täglich − ja stündlich − das Schicksal des vermutlich durch Fischernetze verletzten Wals nachrichtlich verfolgen. Gefühlt ganz Deutschland beschäftigte sich fortan mit der Odyssee von Timmy (auch »Hope«). Im Ausland wunderte man sich über die seltsamen Deutschen. Nach mehrfachen Strandungen und mitunter absurden Rettungsversuchen startete schließlich eine aufwändige finale Rettungsaktion des kranken und geschwächten Wals. Mithilfe eines Lastkahns wurde der von der Ostsee bis in die Nordsee transportierte Wal schließlich am 2. Mai vor der dänischen Nordspitze bei Skagen freigelassen. Dann war Timmy erstmal abgetaucht. Am 14. Mai entdeckte man schließlich vor der dänischen Insel Anholt einen Wal-Kadaver. Nun ist die quälende »Gretchenfrage« beantwortet: »Gericht Gottes! Dir hab’ ich mich übergeben! (Margarete) […] Sie ist gerichtet! (Mephistopheles) […] Ist gerettet! (Engelschor)«. Timmy ist also »gerettet«, Klappe. 

Und die Moral von der Geschicht‘? Der Bestand der größten Meeressäuger ist stark gefährdet: Unterwasserlärm, Stell- und ›Geisternetze‹ und die Veränderungen des Lebensraumes Meer durch den Klimawandel setzen den Meeressäugern zu.

Diese Wal Geschichte ist ein Lehrbeispiel dafür, was passiert, wenn wir evidenzbasierte, wissenschaftliche Gefilde verlassen und Menschen folgen, die weitgehend nur noch gefühlsgesteuert handeln.

In Deutschland werden in einem Zeitraum von 8 Wochen etwa 115 bis 120 Millionen Tiere geschlachtet.


Timmy ist unser bester Freund, 
lustig wird’s immer, wenn er erscheint.
Spaß will er machen, tolle Tricks,
er bringt uns Stunden des Glücks.

Man ruft nur Timmy, Timmy,
gleich wird er kommen,
jeder kennt ihn − den klugen Timmy-n.
Wir riefen Timmy, Timmy,
den Freund aller Kinder,
Große nicht minder,
lieben auch ihn.   

(Abwandlung der deutschen Titelmelodie der Serie FLIPPER. Nach dem Erfolg der beiden amerikanischen Kinofilme um Flipper entstand zwischen 1964 und 1967 die gleichnamige Fernsehserie. In Deutschland war die Serie ab 1966 im Nachmittagsprogramm des ZDF zu sehen. Fünf weibliche Tümmler spielten abwechselnd die Rolle von Flipper. Als die letzten Dreharbeiten beendet waren, blieb die Flipper-Darstellerin Cathy übrig. Der letzte Flipper-Delfin Cathy beendete laut Angaben des Tiertrainers O‘ Barry daraufhin sein Leben selbst). 

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