MERAPI & GUNTHER

Die Berliner PARKEISENBAHN beging ihr 70. Bestehen (06. & 07.06.). Die ehemaligen Pioniereisenbahnen der DDR waren Bahnen, die von Pionieren und Angehörigen der FDJ unter Aufsicht von Mitarbeitern der Deutschen Reichsbahn (DR) betrieben wurden. Bei diesen Bahnen handelt es sich um Schmalspurbahnen mit einer Spurweite von 381 bis 600 Millimeter. Ziel der Pioniereisenbahnen war die Heranführung von Jugendlichen an eine spätere Berufswahl bei der Bahn. Die längste Pioniereisenbahn war damals 
mit 6,9 Kilometer die Berliner Pionierbahn (PE) in Oberschöneweide. Entsprechend ausgebildet durften Kinder und Heranwachsende als Zugschaffner, Wagenmeister, Schrankenwärter; Ältere sogar als Fahrdienstleiter (ab 15 Jahre) oder Lokführer (ab 18 Jahre) wirken. Die Dienstkleidung war die gleiche wie bei der Deutschen Reichsbahn. Lediglich ein ›P‹ auf den Schulterklappen stellte den Unterschied zum Reichsbahner her. Nach der Wende 1990 wurden einige Bahnen in Parkeisenbahnen umgewandelt. Wenige wurden liquidiert (im Wende-Jargon ›abgewickelt‹).

Am 10. Juni 1956, dem »Tag des Eisenbahners«, wurde die Berliner Pioniereisenbahn (BPE) eröffnet. Sie war die sechste in der DDR. Die DR übernahm 1978 als einzige der Pioniereisenbahnen die Betriebsführung der Berliner PE. Alle anderen Pionierbahnen blieben kommunale Einrichtungen. Die DR sah in der Bahn in erster Linie eine Ausbildungseinrichtung. Durch Strecken- und Bahnhofs-
verlegungen vergrößerte sich 1979 das Streckennetz auf 7,2 Kilometer. Bei der BPE kommen Lokomotiven von Klein- und Feldbahnen zum Einsatz. In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre kam es zu einem Umdenken hinsichtlich des historischen Wertes der Bahn. Deshalb erhielt die PE 1987 mit einer restaurierten Lokomotive der Berliner Trümmerbahn von LOWA ihre erste Dampflokomotive. Mit der »Merapi« und der »Bielefeld« gingen 1992 zwei weitere Dampflokomotiven als Leihgaben in Betrieb.
So konnte kurz vor Weihnachten 1992 erstmals der Betrieb mit drei Dampflokomotiven gleichzeitig erfolgen. Für den Fahrgast-
verkehr sind rekonstruierte vierachsige Personen- und Güterwagen vorhanden. Auf alten Fahrgestellen von Wagen der ehemaligen Mecklenburg-Pommerschen-Schmalspurbahn (MPSB) wurden im damaligen Reichsbahn-Ausbesserungswerk (RAW) Schöneweide Wagenkästen modernisiert. Außer den Reko-Wagen verkehren ›offene‹ Sommerwagen. Im Frühjahr 2007 wurden durch Brandstiftung im Bahnbetriebswerk der BPE zahlreiche Fahrzeuge zerstört oder beschädigt. 

Seit 1989 besteht eine AG Fernmeldetechnik. Parkeisenbahnern ab zwölf Jahren steht so der Dienst als Fernmeldemechaniker offen. Die AG-Teilnehmer sind für Pflege und Instandhaltung von Telefonen, Bahnsteiglautsprechern, Uhren und Beleuchtung zuständig.  


1990 wurde die »Pioniereisenbahn Berlin« in »Berliner Parkeisenbahn« umbenannt. Die Betriebsführung blieb aber zunächst
in den Händen der DR, wo sie als Abteilung des Instandhaltungswerks für Signal- und Telekommunikationstechnik geführt wurde.
Am 15. Oktober 1993 wurde die neue, 0,6 Kilometer lange Strecke vom Bahnhof ›Badesee‹ zum S-Bahnhof ›WUHLHEIDE‹ (an der Linie S3 Richtung Erkner) eröffnet. Der Parkeisenbahnhof ›WUHLHEIDE‹ ist ein Sackbahnhof. Deshalb müssen dort die Lokomotiven umgesetzt werden. Die heutige Parkeisenbahn betreibt auf insgesamt 7,8 Kilometern 13 Linien und acht Bahnhöfe mit dem Betriebsbahnhof. Alle Bahnhöfe sind über den Park zugänglich. Die längste Fahrt dauert 35 MIN. Am Jubiläums-Wochenende verkehrten vier Züge gleichzeitig auf der Strecke. Gezogen von den Dampflokomotiven »MERAPI (Lok 10, Baujahr 1923)«. »Klaus (Lok 44, Baujahr 1950)«, den Diesellokomotiven »GUNTHER (Lok 199102-5, Baujahr 1973)« und »Schöma (Lok 199105-8, Baujahr 2012)«. Fernmeldeobermechaniker (DR) a.D. Michael Schmidt führte anschaulich durch die sehenswerte Ausstellung der Bahn-Telekommunikation.


Nach 1994 waren Eisenbahner und ihr Wissen bei der neuen Deutschen Bahn (DB) nicht mehr gefragt. Controller, Ökonomen und Juristen übernahmen die Führung im ›privatisierten‹ Unternehmen. Kurs Börse. Und fuhren die Bahn zügig auf das Abstellgleis. Heute stirbt sie. Die neue Bahnchefin darf Triebfahrzeuge steuern. Ob Frau Palla die Bahn wieder auf die Hauptstrecke lenken kann?

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