MISSBRAUCH

WILLY BRANDT (1913−1992), der zweite von links.

Ein Wahlplakat der Berliner AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker missbraucht den langjährigen Regierenden Bürgermeister
von Westberlin, den Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger WILLY BRANDT. Das Großplakat in der Anmutung von Mount Rushmore zeigt außer Willy Brandt und Kristin Brinker zwei weitere Personen. Doch wer sind diese ›großen Berliner‹?  

Dazu ein Zitat aus dem sehr lesenswerten Buch »Nein sagen« von Matthias Brandt, dem Sohn des SPD-Politikers. Zitiert nach
dem Tagesspiegel/ CHECKPOINT vom 02.09.):

»Bei der Landtagswahl in Brandenburg im Jahr 2019 plakatierte die AfD ein Bild meines Vaters mitsamt seinem Slogan von 1969, ›Mehr Demokratie wagen‹, und nahm ihn damit, so absurd das auch klingen mag, für sich in Anspruch. […] Sprachlosigkeit war meine erste Reaktion auf das, was hier zu sehen war. Dann wurde ich wütend und dachte: Wer mit Hass operiert und nationale Überlegen-
heitsfantasien aufwärmt, wer sich mit autoritären Regimen gemein macht, sollte sich besser überlegen, welche Vorbilder er sich auswählt. Denn eines weiß ich: Mein Vater stand für alles, wogegen diese Partei steht. Ausgerechnet von der AfD instru-
mentalisiert zu werden, ist das Letzte, was er verdient hat.«

Mit dem DDR-Moped Simson zieht die AfD tausende Anhänger auf ihre Kundgebungen. Das Kultgefährt »SCHWALBE« weckt im Osten Erinnerungen und Identität. Bevor SIMSON Ost-Kult wurde, gehörte Simson einer jüdischen Familie. Die Brüder Löb und Moses Simson bauten 1856 in Suhl ein Unternehmen auf. Die Familie wurde 1933 entschädigungslos enteignet; 1936 gelang der Familie Simson die Flucht. Später emigrierte sie in die USA. Dass Politiker der AfD heute den Namen Simson für ihre Veranstaltungen nutzen, passt den Nachfahren der Familie in den USA nicht. Mit Drohungen gegen Einwanderer, Menschen anderer Hautfarbe und sexuelle Minderheiten wolle die Familie nichts zu tun haben.

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