3 ZIEGENBÖCKCHEN

Täglich um die Mittagszeit versammeln sich hunderte Schaulustige vor dem Rathaus. Um 12:00 Uhr ertönt zuerst ein Trompeten-
signal und kurz darauf öffnet sich über der Turmuhr ein kleines Metalltor, aus dem die ›Posener Ziegen‹ herauskommen. Sie stoßen dann mit ihren Hörnern zwölfmal gegeneinander, um danach wieder zu verschwinden. Die zwei Ziegenböckchen sind Teil einer Legende. Der Wiederaufbau des Rathauses nach dem Stadtbrand sollte groß gefeiert werden.

Als der für das Festmahl vorgesehene Rehbraten nicht beaufsichtigt worden war, fiel er verkohlt ins Feuer. Schnell musste Ersatz her. Der fand sich auf der nahegelegenen Stadtweide. Zwei ausgewählte Ziegenböcke konnten sich losreißen und flohen – so die Legende – auf das Rathausdach. Dort begannen sie sich vor den Augen der versammelten Menge mit den Hörnern zu stoßen. Seit diesem Ereignis zieren zwei mechanische Ziegenböckchen die Turmuhr. Ach ja: Die Ziegen selbst wurden wieder freigelassen und durften weiterleben. 

Die Ziegen sind in Posen allgegenwärtig. Aber nicht auf dem Teller! Und nicht nur in den Souvenirshops.

4 SOLARIS

Vieles lässt sich in Posen zu Fuß erkunden. 

SOLARIS Bus & Coach ist ein polnischer Hersteller von Bussen, Oberleitungsbussen und Straßenbahnen mit Sitz in Bolechowo-Osiedle bei Posen. Solaris wurde 1996 als Neoplan Polska gegründet und hat sich seitdem zu einem wichtigen Akteur auf dem europäischen Markt für öffentliche Verkehrsmittel entwickelt. In Posen (aber auch in Berlin) sind Solaris-Fahrzeuge ein fester Bestandteil des Stadtbildes. Das städtische Verkehrsunternehmen MPK Poznań setzt bereits 58 Solaris Elektrobusse ein und hat zudem einen Großauftrag für 25 Solaris Wasserstoffbusse vergeben. Dies unterstreicht das Engagement von Posen für eine emissionsfreie Flotte. 

Der Firmengründer Krzysztof Olszewski ist ein großer Fan des polnischen Schriftstellers Stanisław Herman Lem (1921–2006).
Lem veröffentlichte 1961 seinen Science-Fiction-Roman »Solaris«.

5 MIT SICHERHEIT

Polizeifest der Wojewodschaft (18.07.). Die polnische Polizei, offiziell POLICJA genannt, ist eine landesweite Organisation,
die in die 16 Woiwodschaften unterteilt ist.

In der Kirche des Sankt Stanislaus fand der Gottesdienst statt. Das hellrote Gebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert und zählt zu den schönsten Barockbauten in Posen.

6 STARY BROWAR

Die ›Alte Brauerei‹ Stary Browar wurde äußerlich perfekt restauriert. Und 2003 als ein Einkaufszentrum und Veranstaltungszentrum wiedereröffnet. Es befindet sich im 1876 errichteten und bis 1980 genutzten Gebäude der ehemaligen Brauerei Hugger. Die Brauerei war auf diesem Gelände im Jahre 1844 durch den aus Württemberg stammenden Braumeister Ambrosius Hugger gegründet worden. Für das zugrundeliegende Konzept der Verbindung von Kultur und Gewerbe sowie für die architektonische Gestaltung wurde die Stary Browar 2005 im Rahmen des ›Design and Development Awards des ›International Council of Shopping Centers‹ ausgezeichnet. 

7 PAN PERYSKOP

Beim Erkunden der Stadt trifft man auf zahlreiche Street-Art-Kunstwerke. Hervorzuheben ist die markante Figur »Pan Peryskop (der Beobachter)« des Posener Künstlers NORIAKI. Diese Figur findet sich an allen Ecken und Enden der Stadt als Graffiti oder in Form von (kleinen) 3D-Figuren an Häusern. Ebenfalls in beachtlicher Anzahl tauchen die rosa Schweinchen-Graffitis des Künstlers POLISH PIGGY auf.

Die erste polnische Verfassung – auch ›Verfassung vom 3. Mai‹ genannt– wurde am 3. Mai 1791 verabschiedet. Sie gilt als die erste fortschrittliche geschriebene Verfassung Europas. Polen war damit das zweite Land der Welt nach den USA, welches sich eine moderne, demokratische Verfassung gab. In Europa kam Polen damit noch Frankreich zuvor, das erst am 3. September 1791 demokratisch verfasst wurde.
Der »Posener Aufstand« 1918–1919 (polnisch: powstanie wielkopolskie) war ein militärischer Aufstand von Polen in der preußischen Provinz Posen.

8 GNIEZNO

Die Stadt Gniezno (Gnesen) liegt etwa 50 Kilometer ostnordöstlich von Posen (19.07.).  

Der Name der Stadt Gniezno leitet sich vom polnischen Wort gniazdo ab, was auf Deutsch Nest bedeutet. Gründungsmythos:
Der Legende nach gab es drei Brüder: LECH, den Urvater des polnischen Staats, ČECH, den Gründungsvater des tschechischen Staats
und RUS, den Gründer des russischen Staats. Die Brüder trennten sich. Czech siedelte südlich und Rus östlich. Lech zog nach Norden.
In der Mitte des Warthe-Gebietes angelangt, ruhte er sich im Schatten eines Baumes aus. Dabei beobachtete er im Abendrot einen prächtigen weißen Adler, der auf der Krone des Baums über ihm gelandet war. Dieses Ereignis beeindruckte Lech so sehr, dass er beschloss, sich dort niederzulassen. Von diesem Zeitpunkt an ist der Legende nach der WEISSE ADLER Teil des Gnesener und des polnischen Wappens. Die Farbe ROT steht für das Abendrot.

Im Jahr 1000 betete der junge Kaiser Otto III. am Endpunkt seiner Wallfahrt in Gniezno zusammen mit Boleslaw I. Chobry am Grab des heiligen ADALBERT. Der durch die heidnischen Prussen umgebrachte Märtyrer war nach Gnesen überführt und dort bestattet worden. Es kam zum Akt von Gnesen und damit zur Gründung des ältesten polnischen Erzbistums. 1238/ 39 erhielt Gniezno die Stadtrechte. Bis 1320 war die Stadt Krönungsort der polnischen Könige.


20 DWADZIEŚCIA ZŁOTYCH, 1994. Die Vorderseite der Banknote zeigt ein Porträt von König Bolesław I. Chrobry – dem ersten König von Polen. Rückseite: Zu seiner Linken befindet sich ein romanisches Portal, während zu seiner Rechten die Krone einer jungen Eiche aus dem GNESENER TOR (Drzwi Gnieźnieńskie) zu sehen ist. Dort war der Leichnam des Heiligen Adalbert ausgestellt.

9 KÖNIGLICHE ROUTE

Die »Königliche Route« verbindet die bedeutenden Denkmäler und Orte der ersten Hauptstadt Polens. Hierbei laden 15 Skulpturen von Kaninchen zur ›Kaninchenjagd (Królik gori)‹; Król (König), królik (Kaninchen).


MILENIUM KORONACJI

Bolesław I. (genannt »der Tapfere«, polnisch Bolesław I Chrobry, 965/ 67−1025, aus der Herrscherfamilie der PIASTEN) war ab 1025 erster König von Polen. Die Piasten-Könige regierten bis zum Tod Kasimir des Großen (polnisch Kazimierz III Wielki), der 1370 in Krakau starb. Darauf folgten die JAGIELLONEN, eine litauisch-polnische Dynastie, die von 1386 bis 1572 die polnischen Könige stellte. 

10 SCHLOSS ROGALIN

Der »Pałac w Rogalinie« in Rogalin im Kreis Poznań liegt zirka 20 Kilometer südlich von Poznań. Das Palais besteht aus einem Hauptgebäude im zentralen Teil mit zwei sich anschließenden Seitenflügeln. Die Residenz der Raczyńskis wurde in den Jahren 1768–1776 errichtet. Später wurden Galerien angebaut. Im 19. Jahrhundert wurde die symmetrische französische Gartenanlage in einen Landschaftspark umgestaltet. Der Wald um die berühmten ›Rogaliner Eichen‹ erweitert. Am Rande des Parks wurde damals auch die als Mausoleum dienende Kapelle errichtet, eine Kopie des antiken Gotteshauses in Nîmes in Frankreich.

REGENTANZ 

»Friede, Familie, Freiheit«. Bei der vierten Auflage der Technoparade »Rave the Planet« waren am Samstag zehntausende Menschen über die Berliner ›Straße des 17. Juni‹ gezogen (12.07.). Die tanzende Masse bewegte sich mehrere Stunden ›im Kreisverkehr‹ zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule auf den Spuren der legendären Loveparade. Das ›bisschen Regen‹ hielt den Rave nicht auf. Techno-Fans aller Generationen tanzten in glitzernden Outfits zu wummernden Bässen.

Pünktlich um 14:00 Uhr startete die als Demonstration angemeldete Technoparade mit dem Motto »Our Future Is Now«. Dabei verwandelten 35 Wagen (sogenannte FLOATS) sowie fast 300 Künstler:innen die gesamte Veranstaltungsstrecke in eine einzige ekstatische Tanzfläche. Jeder Wagen repräsentierte dabei einen eigenen Club. Die Techno-Kultur ist sehr laut. Und im Tiergarten ist das möglich. Has‘ und Igel können keine Anzeigen erstatten. Während beim »Zug der Liebe«, dem »Karneval der Kulturen« und der »Fuckparade« strenge Lärmschutzauflagen gelten. Denn diese Paraden führen durch Wohngebiete. 

Erwartet hatten die Veranstalter 300.000 Menschen − bis zum frühen Abend zählten sie etwa 100.000 Teilnehmer. 200.000 Raver sollen es schließlich zum Veranstaltungsende gegen 22:00 Uhr gewesen sein. Trotz wolkenverhangenem Himmel und Schauern.
Ach ja: die ›Demonstranten‹ stellten natürlich auch ernstzunehmende politische Forderungen auf. »Friede, Freude, Eierkuchen«.
Oder so ähnlich.

TINA hat sich ihr Rave-Paradiesvogel-Outfit selbst gebastelt: »Alles selbst genäht und gelötet«, erzählte sie stolz. 
»Rave The Planet« ist als Demonstration grundsätzlich kostenfrei. Wer jedoch auf einem der Wagen tanzen wollte, brauchte
ein Ticket. So genannte Backstage-Tickets konnten auf den Webseiten der Clubs gebucht werden. Für ein Ticket auf dem Wagen
des »Club Ost« wurden beispielsweise etwas mehr als 140 Euro fällig.
Die Veranstalter warben für die große Aufräumaktion am Tag nach der ›Techno-Demonstration‹. Am »Clean-Up Day« sollten
die Raver Verantwortung übernehmen und bei der Reinigung des ›grünen Herzens Berlins‹ mithelfen.