3 LIEBESSTEIN

Heidelberg, die Welthauptstadt der Romantik.

DER BLICK 
Schaust Du mich aus Deinen Augen
lächelnd wie aus Himmeln an,
fühl′ ich wohl, daß keine Lippe
solche Sprache führen kann.

Könnte sie′ s auch wörtlich sagen
was dem Herzen tief entquillt,
still den Augen aufgetragen
wird es süßer nur erfüllt.

Und ich seh′ des Himmels Quelle,
die mir lang verschlossen war,
wie sie bricht in reinster Helle
aus dem reinsten Augenpaar.

Und ich öffne still im Herzen
alles, alles diesem Blick.
Und den Abgrund meiner Schmerzen
füllt er strömend aus mit Glück.

JOSEPH VON EICHENDORFF, 1841 

Ostergrüße von Eiermann. »Horten«, Julia Abele, Acryl auf Papier, 2012.
Hirnschmalz statt Hirntod.

ICH HAB‘ MEIN HERZ IN HEIDELBERG VERLOREN 
Es war an einem Abend
Als ich kaum 20 Jahr′
Da küsst‘ ich rote Lippen
Und goldenes, blondes Haar
Die Nacht war blau und selig
Der Neckar silberklar
Da wusste ich, da wusste ich
Woran, woran ich war

Ich hab′ mein Herz in Heidelberg verloren
In einer lauen Sommernacht
Ich war verliebt bis über beide Ohren
Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht
Und als wir Abschied nahmen vor den Toren
Beim letzten Kuss, da hab ich’s klar erkannt
Dass ich mein Herz in Heidelberg verloren
Mein Herz, es schlägt am Neckarstrand

Und wieder blüht wie damals
Am Neckarstrand der Wein
Die Jahre sind vergangen
Und ich bin ganz allein
Und fragt ihr den Gesellen
Warum er keine nahm
Dann sag ich euch, dann sag ich euch
Ihr Freunde, wie es kam

Ich hab‘ mein Herz in Heidelberg verloren
In einer lauen Sommernacht
Ich war verliebt bis über beide Ohren
Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht
Und als wir Abschied nahmen vor den Toren
Beim letzten Kuss, da hab ich′s klar erkannt
Dass ich mein Herz in Heidelberg verloren
Mein Herz, es schlägt am Neckarstrand

[…]

Musik FRED RAYMOND (Friedrich Raimund Vesely, 1925), Text FRITZ LÖHNER-BEDA und ERNST NEUBACH. Fritz Löhner
(geb. Bedrich Löwy, *1883) wurde 1942 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Kein Land des Lächelns. Löhner-Beda war
der Librettist Franz Lehárs. Viele seiner Werke sind noch heute ungleich bekannter als Löhner-Beda selbst.

4 FREIHEITSLIEBE

Sinsheim (kurpfälzisch = Sinse) liegt in Nordbaden und im Kraichgau (Rhein-Neckar-Kreis). Es gehört zur »Metropolregion Rhein-Neckar«. Das 770 erstmals erwähnte Sinsheim war einst Reichsstadt und gehörte anschließend jahrhundertelang zur Kurpfalz. Sinsheim verbindet Technik und Sport mit Geschichte.

Der DB-Haltepunkt ›Sinsheim-Museum/ Stadion‹ für die RB 10b und S 5 liegt etwas mehr als einen Kilometer Fußweg vom Technik-Museum entfernt. Ist das Stadtzentrum das Ziel, steigt man am Hauptbahnhof aus.


Denkmal für die Freiheit. Die FREIHEITSSÄULE am alten Rathaus soll an fünf Badener erinnern. Ein Band mit den Worten: »Für Freiheit, Recht und Einigkeit 1848/ 1998« windet sich um die Säule. Darunter sind die Portraits der fünf bedeutendsten Sinsheimer Kämpfer für Demokratie dargestellt: Friedrich Hecker, Gustav Mayer, Franz Sigel, Karl Bauer und Eduard Speiser. Ihr Traum von der Freiheit ging damals nicht in Erfüllung und die unvollendete Spitze der Säule steht symbolisch dafür, dass auch heute in der Demo-
kratie um Freiheit, Recht und Einigkeit täglich gerungen werden muss. Das Denkmal wurde von Bildhauer Hans-Michael Franke anlässlich des 150-jährigen Gedenkens an die Demokratiebewegung der Badischen Revolution von 1848/ 49 gestaltet.

Friedrich Karl Franz Hecker (1811−1881) spielte in der Anfangsphase der badischen und der deutschen Revolution von 1848/ 49 eine zentrale Rolle. Das war der ›Hecker-Look‹: blaue »Blouse«, Fuhrmannskittel, leinenes und baumwollenes Überhemd, Stulpenstiefel, der breitkrempige Calabreserhut (der »Heckerhut«). Diese zeitgenössischen Darstellungen »als Räuberhauptmann« sollten Hecker idealisieren oder diffamieren. Zu Heckers studentischem Umfeld in Heidelberg gehörte Heinrich Hoffmann, dessen STRUWWEL-
PETER ab 1861 mit dem offenen Hemdkragen, dem sogenannten Heckerkragen ausgestattet wurde. Das HECKERLIED ist ein Revolutionslied der Badischen Revolution. 

Wenn die Leute fragen,  
Lebt der Hecker noch?
Könnt ihr ihnen sagen:
Ja, er lebet noch.

Refrain:
Er hängt an keinem Baume,
Er hängt an keinem Strick.
Er hängt nur an dem Traume
Der deutschen Republik. 
[…, die ersten drei Strophen wurden oft gesungen]

Der Sportmäzen Dietmar Hopp führte 1989 seinen Heimatverein aus den Niederungen des Fußballs und greift der TSG finanziell kräftig unter die Arme. Das erregt den Missmut der Anhänger der Traditionsvereine. 2008 war die TSG Hoffenheim in die Bundesliga aufgestiegen. Berühmte Trainer waren Hansi Flick (aus Bammental), Ralf Rangnick und Julian Nagelsmann.

Nach 22-monatiger Bauphase – der erste Spatenstich erfolgte am 25. Mai 2007 – eröffnete die neue Heimat der TSG-Profis.
Die »Rhein-Neckar-Arena« − die heutige »PreZero Arena« − bietet 31.150 Menschen Platz.

5 LIEBESTECHNIK


Das »Technik Museum Sinsheim« − so die Eigenbezeichnung − wurde 1981 im baden-württembergischen Sinsheim eröffnet. Schon von weitem locken die auf dem Museumsdach aufmontierten Überschall-Jets Concorde und Tupolev Tu-144 Technikinteressierte ins Auto- & Technik-Museum Sinsheim. Das bietet auf 30.000 qm Hallenfläche mehr als 3.000 Ausstellungsstücke, darunter Meilensteine der Technikgeschichte: historische Landmaschinen; Musikautomaten; Motorräder; Oldtimer, nicht nur die beliebten amerikanischen Straßenkreuzer der 1950er- und 1960er-Jahre; Sportwagen; Formel-1-Fahrzeuge; Rekord-Fahrzeuge; Lokomotiven und Flugzeuge. 

Die Bezeichnung Museum trifft jedoch kaum zu. Zusammengehörende Exponate sind sehr dicht und an verschiedenen auseinanderliegenden Stellplätzen aufgestellt. Wie beispielsweise die Lokomotiven, die zudem nur von einer Seite zu sehen sind. Die Einrichtung erinnert deshalb mehr an eine Sammlung oder ein Depot. Es fehlt eine historische Einordnung. Selten sind Erklärungen zu historischen Hintergründen, den zugrunde liegenden technischen Entwicklungen und Zusammenhängen zu finden. So in der militär-
historischen Abteilung, die die Motorisierung der Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg in den Mittelpunkt stellt. Weniger wäre also mehr.

Der Volkswagen ›Typ 166 Schwimmwagen‹ wurde auf der Grundlage des ›KdF-Wagens‹ und des heckgetriebenen offenen VW ›Typ82 Kübelwagen‹ für die Wehrmacht und Waffen-SS entwickelt. Von Herbst 1942 bis Sommer 1944 wurden im neuen Volkswagenwerk bei Fallersleben mehr als 14.000 Stück hergestellt. Mit dem Niedergang der deutschen Autoindustrie besinnt man sich wieder auf die Anfänge vor mehr als achtzig Jahren.
Das Rekordfahrzeug »The Blue Flame« war zeitweise das schnellste raketengetriebene Landfahrzeug. Am 23. Oktober 1970 stellte der Amerikaner Gary Gabelich mit dieser Kreuzung aus Auto und Rakete auf dem Bonneville-Salzsee mit einer Durchschnitts-
geschwindigkeit von 1.014,656 km/h einen neuen Weltrekord auf. Länge 11,64 Meter, Leistung: zirka. 42.659 kW.
Die mechanischen Musikinstrumente sind ein interessanter Teil der Technikgeschichte. Außer einer Reihe kleinerer Musikautomaten befinden sich zahlreiche bedeutende Großorgeln, wie z.B. die von der Firma Mortier gebaute größte Tanzorgel der Welt, in der Dauerausstellung. Die Tanzorgel belegt eine Grundfläche von mehr als 30 Quadratmetern. In der jetzigen Ausführung verfügt die Tanzorgel über 900 Pfeifen, ein Saxophon, zwei Akkordeons mit 41 Pianotasten und 120 Bässen, sowie eine vollständige Schlagzeugausrüstung.
Eines der Highlights der Sammlung ist die komplett begehbare Concorde F-BVFB der Air France. Die ›Königin der Lüfte‹ wurde im Jahre 2003 von Paris über Baden-Baden in das Technik Museum Sinsheim transportiert. Sie ist seitdem hinter ihrer ehemaligen russischen Konkurrentin, der Tupolev TU-144, die nach zwei Abstürzen für immer auf dem Boden blieb, zu bestaunen. Vom »Flight Deck« führt eine Treppe die Besucher auf bis zu 30 Meter Höhe und ermöglicht den Zugang in den Passagierraum. Die Innen-
einrichtung ist allerdings entweder ausgebaut oder mit durchsichtigem Kunststoff verdeckt. Nach einem Anstieg durch den Passagierbereich endet die Begehung vor dem Cockpit. Die Maschine flog vom 1. bis 21. September 1988 um die Welt und legte dabei in 38 Stunden und 13 MIN 47.572 km zurück. Insgesamt brachte diese Concorde 14.771 Flugstunden und 5.473 Flüge hinter sich.
Als das ausgemusterte Marine-U-Boot U17 (S 196) im vergangenen Jahr nach Sinsheim transportiert wurde, säumten Tausende die Transportstrecke. Mehr als ein Jahr war das Boot unterwegs − vom Gelände der Bundesmarine in Kiel bis hin zum Technik Museum in Sinsheim legte der Transport 2023/ 24 insgesamt 1.319 Kilometer zurück. Seit seiner Ankunft im Juli vergangenen Jahres wurde U17 aufwendig für die Ausstellung vorbereitet. U17 hat eine Länge von knapp 50 Metern, eine Breite von 4,6 Metern und eine Höhe von neun Metern. Das Kriegsgerät war von 1973 bis 2010 bei der deutschen Marine im Einsatz. Das Projekt kostet nach Angaben der Betreiber rund zwei Millionen Euro.

Zur Familie der privaten Technik-Museen gehört auch das ›Technik Museum Speyer‹. Dort liegen die Schwerpunkte auf Feuerwehrfahrzeugen; Flugzeugen und Hubschaubern; Schiffen und der Raumfahrt. So kann dort das Space Shuttle BURAN besichtigt werden.

OSTERBOTSCHAFT

Frohe Ostern! Ostern ist auch die Zeit der Friedensmärsche. Zurzeit laufen die Kriegsvorbereitungen weltweit auf Hochtouren. Kriegspropaganda auf allen Kanälen. Zu Vielen hat der Pulverdampf bereits das Hirn vernebelt. »Die Waffen liefern die Reichen,
die Armen liefern die Leichen«.

Meine acht Pommern-Posts sind inzwischen vervollständigt. Schaut mal rein!

WOIJEWÓDZTWO ZACHODNİOPOMORSKIE

Reise in die Woiwodschaft Westpommern (09.−12.04.). Sie ist eine der 16 Woiwodschaften der Republik Polen. Der östlich der Oder gelegene Teil der Woiwodschaft umfasst große Teile des historischen Hinterpommerns und die Nordhälfte der ehemaligen Neumark. 

Von Pommern hatte ich erstmals als Kind durch ein Lied gehört. 
Maikäfer, flieg!  
Der Vater ist im Krieg.
Die Mutter ist im Pommerland.
Und Pommerland ist abgebrannt.
Maikäfer, flieg!

Hinfahrt mit dem RE 3344 (nach Schwedt). Leider kann man nicht mehr mit dem Zug nach Stettin fahren. Denn in Angermünde muss man beschwerlich in einen Bus des Schienenersatzverkehrs (SEV) umsteigen. Das schmerzt den Bahn-Fan! Weiterfahrt ab Szczecin (Stettin) in einen Reisebus auf die Insel Wollin nach Międzyzdroje (Misdroy) ins Basiscamp (Hotel Villa Stella Maris). Die Ausflüge vor Ort erfolgten ebenfalls mit dem Bus. Zurück ging es dann nicht mehr mit der Deutschen Bahn sondern im Flixbus. Für 1 Euro erhielt man 4,09 Złoty (PLN).

Es folgen die sieben Beiträge SZCZECIN (09.04.), MIĘDZYZDROİE & VILLA STELLA MARIS (09.−12.04.), ŚWINOUİŚCIE (11.04.), KARSIBÓR (11.04.), KAMIEŃ POMORSKI (12.04.) sowie POMMERSCHE KÜCHE.

1    SZCZECIN

Stettin ist die siebtgrößte Stadt Polens und Hauptstadt der Woiwodschaft Westpommern (Województwo zachodniopomorskie). Stettin besitzt als alte Hansestadt einen der größten Seehäfen des Ostseeraumes.

Der polnische Name erscheint zuerst 1273 in einer lateinischen Urkunde als Sczecin. Auf den slawischen Namen geht wiederum
die deutsche Namensform zurück.

Die Altstadt wurde nach den schweren Kriegszerstörungen nur teilweise wiederaufgebaut. Die Altstadt inklusive des Hafengebiets war am Kriegsende (25. April 1945) zu 90 Prozent, das übrige Stadtgebiet zu 70 Prozent zerstört. Dies war mein dritter Besuch
in Stettin. 1999 war das Schloss bereits wieder aufgebaut. Der Wiederaufbau begann 1950 und endete 1984. Und drumherum
lagen noch die offenen Keller der zerstörten Altstadt. 2011 waren am Heumarkt Teile der Altstadt wieder zu sehen. Und jetzt wird das ehemalige Gelände der Hafenspeicher mit Wohnungen bebaut.

Der Bahnhof Szczecin Główny, der Stettiner Hauptbahnhof.

Die Polnische Post.

Die »Nawigator XXI (1997/ 98)« ist das Schul- und Forschungsschiff der ›Maritimen Technischen Universität (Politechnika Morska w Szczecinie, Akademia Morska)‹.
Das »Königstor« zeigt Kriegstrophäen und Mars als Allegorie des Krieges und Herkules als Allegorie für Heldenmut. In einem Zierrahmen mit dem preußischen Adler sind die Initialen des Königs Friedrich Wilhelm I. zu sehen. Heute ist in dem Tor ein Café untergebracht. Als zweites Tor hat das »Berliner Tor« den Krieg überstanden.
»Schloss der Herzöge von Pommern (Zamek Książąt Pomorskich)«. Im großen Hof lenkt die mehr als 300 Jahre alte astronomische Uhr die Blicke auf sich. Das Uhrwerk der heutigen Astronomischen Uhr war nach dem Weltkrieg 1979 fertiggestellt.

3    MIĘDZYZDROİE

Misdroy ist einer der bekanntesten Badeorte der Ostseeküste. Basiscamp. Nebensaison.

Der Aussichtspunkt Kawcza Góra (Kaffeeberg) ist über eine knapp 60 Meter lange und etwas steile Treppe oder über
den Wanderweg von Misdroy durch den Nationalpark Wollin erreichbar. 
Was fehlt? Das Wisentgehege!

4    ŚWINOUİŚCIE

Swinemünde war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs das drittgrößte deutsche Ostseebad.

Vom beliebten Seebad zum Trümmerhaufen

Die Stadt war vor dem Zweiten Weltkrieg mit ihren prächtigen Hotels im Stil der Bäderarchitektur und der breiten Promenade der beliebteste Urlaubsort der Insel Usedom. Den Kurpark mit Roteichen, Platanen und Magnolien hat der berühmte preußische Landschaftskünstler Peter Joseph Lenné entworfen, und in der Adler-Apotheke am Kirchenplatz verbrachte THEODOR FONTANE seine Kinderjahre. Später machte er die Stadt zum Schauplatz seines bekanntesten Romans um die unglückliche Effi Briest. 

Im Frühjahr 1945 war die Stadt überfüllt mit zehntausenden Flüchtlingen aus Ostpreußen, Danzig und Pommern. Sie zahlten den Preis für Rassenwahn, Völkermord und für den Vernichtungskrieg im Osten. Nur noch über Usedom führte der Weg in den Westen. Vor der Brücke über die Swine stauten sich die Trecks. Im Hafen und auf Reede lagen Dutzende von Transportschiffen. Auf dem Kai drängelten sich Menschen.

Die Rote Armee war zwar nur noch 30 Kilometer entfernt. Aber ihr Vormarsch war ins Stocken geraten. Da baten die Sowjets
die Amerikaner um Unterstützung. 

661 Bomber und 412 Mustang-Begleitjäger der US. Air Force starteten am Morgen des 12. März 1945 in England Richtung Deutsches Reich. Das Ziel dieser gigantischen Luftflotte war das kleine Ostseebad Swinemünde.  

Als am Vormittag des 12. März in Swinemünde die Sirenen heulten, rechnete kaum jemand mit einem Angriff, das Wetter war zu schlecht, die Stadt zu unbedeutend, zu oft schon waren die Bomberverbände über die Oder nach Stettin oder Berlin eingeflogen. Doch gegen 12:00 Uhr fielen Bomben aus 6.000 Metern Höhe. Besonders viele Menschen starben auf den brennenden und kenternden Flüchtlingsschiffen und im Kurpark, wo sie Schutz gesucht hatten. Ganze Familien wurden bei diesem Inferno ausgelöscht. Nach etwa einer Stunde war der Angriff der 661 Bomber vorbei. 

Wie viele Menschen in dieser knappen Stunde ums Leben gekommen sind, ist bis heute ungeklärt − und wird es wohl auch bleiben.
Es lässt sich nicht mehr rekonstruieren, wie viele Flüchtlinge sich im Frühjahr 1945 in Swinemünde aufhielten, sie wurden damals nicht registriert. 

Neuere Forschungen schätzen die Opferzahlen auf bis zu 6.000 Tote (2020). Die meisten Opfer wurden auf dem Golm, der höchsten Erhebung der Insel Usedom westlich der Stadt, in Massengräbern bestattet. Die Opfer der Flüchtlingstrecks wurden an Ort und Stelle verscharrt. Ihre Gräber existieren nicht mehr.

5    KARSIBÓR

Kaseburg ist eine Insel im Stettiner Haff.

Das Stettiner Haff ist ein inneres Küstengewässer im Mündungsbereich der Oder. Vorgelagert sind die Inseln Usedom, Wollin
und Kaseburg. Die Verbindung zwischen dem Stettiner Haff − dem zweitgrößtem der Ostsee − und der offenen Ostsee bilden um
die Inseln Usedom und Wollin herum die Meeresarme Dievenow (Dziwina), Swine und Peene. 

Mit allen Nebengewässern hat das Stettiner Haff eine Ausdehnung von 903 Quadratkilometern, eine Ost-West-Ausdehnung
von 52 Kilometern und in nord-südlicher Richtung von 22 Kilometern. Es hat eine durchschnittliche Tiefe von 3,8 Metern. 

Durch das Haff verläuft seit 1945 die Grenze zwischen Polen und Deutschland. Die Seeschifffahrt zwischen dem Stettiner Haff und der offenen Ostsee verläuft durch die 1880 fertiggestellte »Kaiserfahrt«, polnisch heute »Kanał Piastowski«

Die Ufer sind überwiegend flach und mit Schilf bewachsen. Nur an wenigen Stellen, wie bei Lubin (Lebbin), gibt es Erhebungen (eiszeitliche Moränen). Dort befinden sich auch Aussichtspunkte. Kleine Teile des Haffs werden im Rahmen des Nationalparks Wollin geschützt. Dort befindet sich auch ein Vogelschutzgebiet. Auf der fast zweistündigen Fahrt mit dem Katamaran waren seltene Vögel wie Seeadler zu beobachten. Und Wildschweine.