OSTERREITER

Fahrt mit dem Reisebus in die sächsische Oberlausitz nach Burkau-JIEDLITZ (Mittagessen), nach PANSCHWITZ-KUCKAU (Pančicy-Kukow) zum Start des »Hinritts (Wotjěchanje)« der Oster-Prozession. Weiterfahrt nach BAUTZEN (Budyšin). Budźće witani! Rückfahrt nach Berlin um 17:00 Uhr (05.04.).


Am höchsten Festtag der Christenheit tragen die OSTERREITER in der katholisch geprägten Oberlausitz traditionell die Botschaft der Auferstehung Jesu Christi in ihre Nachbarorte. Die Osterreiter verkünden auf festlich geschmückten Pferden die Osterbotschaft mit Gesängen und Gebeten in sorbischer Sprache: »Alleluja! Chrystusa do susodneje wosady!« Die Oster-Prozessionen erstrecken sich im Dreieck zwischen Kamenz, Bautzen und Hoyerswerda und sind fester Bestandteil der katholischen sorbischen Tradition. Heute leben in Sachsen und Brandenburg schätzungsweise 60.000 Sorben.

Die Prozessionen gibt es etwa seit Ende des 15. Jahrhunderts. Den Brauch des Osterreitens (›Feldumritte‹) pflegen in der heutigen Zeit alle sorbisch-katholischen Pfarrgemeinden: Bautzen, Ralbitz, Wittichenau, Crostwitz, Panschwitz-Kuckau, Radibor, Storcha, Nebelschütz und Ostro. Insgesamt sind in der sorbischen Oberlausitz neun Prozessionen aus acht katholischen Pfarrgemeinden und dem Kloster St. Marienstern unterwegs. Rund 1.500 Reiter bewegen sich dabei in der Region.

Die Zisterzienserinnen-Abtei »Kloster SANKT MARIENSTERN (Klóšter Marijina Hwězda)« liegt im sächsischen Panschwitz-Kuckau (Pančicy-Kukow). Für die Katholiken der Gegend bildet St. Marienstern ein wichtiges kulturell-religiöses Zentrum. Dort treffen sich am Ostersonntag etwa hundert Reiter zum »HINRITT«.

In Vorbereitung dieses Feiertages werden die Pferde geputzt, Haare geflochten und das Geschirr auf Hochglanz poliert. Einige Reiter schmücken die Pferde mit Blumen, andere haben ein Pferdegeschirr mit Muscheln. Eine mit Blumenornamenten verzierte Schleife schmückt den Schweif des Pferdes. Wenn diese Schleife in Schwarz-Weiß gehalten ist, bedeutet es, dass in der Familie ein Trauerfall eingetreten ist. Die Reiter selbst sind auch festlich angezogen: Mit schwarzem Gehrock und Zylinder, weißem Hemd, schwarzer Krawatte oder Fliege, Reitstiefeln, manchmal auch mit weißen Handschuhen, begehen sie würdig diesen Feiertag. Sobald ein Reiter aufgesessen ist, um vom heimischen Hof zu reiten, segnet ihn seine Ehefrau mit Weihwasser und mit den Worten: »Bože žohnowanje a dobry nawrót« – »Gottes Segen und eine gute Heimkehr«.

Nimmt ein Jugendlicher ab 14 Jahre das erste Mal am Osterreiten teil, trägt er einen kleinen grünen Kranz an der Brust.
Bei der 25. Teilnahme ist dies dann ein Silberkranz, bei der 50. ein goldener.

Vor der Abteikirche sammeln sich die Osterreiter paarweise. Der Priester übergibt ihnen die Kirchenfahnen, die Statue des Auferstandenen und das Kruzifix. Mit den Worten: »Njesće poselstwo zrowastanjeneho Chrystusa do susodneje wosady!« – »Reitet in die Nachbarpfarrgemeinde und verkündet: Christus ist auferstanden!« schickt er sie auf den Weg. Nach mehrmaligem Ritt um den Kirchplatz begeben sie sich betend und singend in die Nachbargemeinden. Nach alter Sitte dürfen sich die einzelnen Prozessionen nicht begegnen.

Eine Regel gilt dabei unverändert bis heute: Nur Männer und Jungen ab 14 Jahren dürfen ›nach alter Sitte‹ im Sattel sitzen. Vereinzelt regt sich Widerstand. Die Forderung »Frauen auf Pferde« wird laut. Aber: »Aus unserer Sicht sind Traditionen da, um fortgeführt zu werden, nicht um sie zu ändern«, teilt der Prozessionsleiter aus Wittichenau, Steffen Kobalz, mit. »Es gibt für uns keinen Anlass, mit unserer Jahrhunderte währenden Tradition zu brechen.« (Quelle: MDR).

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